Streit um Zahl an Berliner Schulen - Senat wehrt sich gegen "Verschleierungs"-Vorwürfe zu Quereinsteigern

Lehrer steht vor einer Schulklasse
Audio: Inforadio | 28.07.2021 | Sabine Müller | Bild: dpa

Berliner Schulen fällt es immer schwerer, ausgebildete Lehrerinnen und Lehrern zu finden. Der Senat setzt daher auf Quereinsteiger - um deren Anzahl nun ein Streit entbrannt ist.

Die Berliner Bildungsverwaltung wehrt sich gegen Vorwürfe, sie verschleiere den Anteil der Quereinsteiger an den Schulen und tue nicht genug, um eine Abwanderung von Lehrkräften zu verhindern.

Dem Berliner FDP-Bildungsexperten Paul Fresdorf hatte die Verwaltung auf Anfrage mitgeteilt, die Zahl der Quereinsteiger liege in Berlin bei acht Prozent. Dabei werden allerdings nur jene Menschen gezählt, die sich aktuell in der Ausbildung für den Quereinstieg befinden - nicht diejenigen, die das bereits hinter sich haben. Das wären schätzungsweise 7.000 der etwa 33.000 Berliner Lehrkräfte – also rund 21 Prozent.

FDP prognostiziert "bildungspolitisches Desaster"

Fresdorf kritisiert, die Bildungsverwaltung verschleiere, statt transparent zu agieren. Nicht nur bei der Zahl der Quereinsteiger, auch bei der Zahl der insgesamt verfügbaren Lehrkräfte. Die Modellrechnungen der Verwaltung zu den geplanten Neu-Einstellungen hält Fresdorf für viel zu optimistisch. Er befürchtet: "Damit steuert Berlin ungebremst in ein bildungspolitisches Desaster, was zulasten vieler Generationen gehen wird."

Auch ein Vertreter des Gesamtpersonalrats spricht gegenüber dem "Tagesspiegel" von einer "Verschleierung durch wechselnde Begrifflichkeiten und Zahlenspielereien".

Die Bildungsverwaltung erklärte gegenüber dem rbb, die Quereinsteiger hätten, wie andere Lehramtsanwärter auch, die zweite Staatsprüfung abgelegt. Daher weise man diese Personen nicht mehr gesondert aus - worauf man sich auch in der Kultusministerkonferenz mit den anderen Bundesländern verständigt habe. Sprecher Martin Klesmann betont: "Von daher ist das kleine Verschleierung, sondern die übliche Praxis in Deutschland."

700 Kündigungen im Sommer?

Zu Aussagen im "Tagesspiegel", wonach zum Sommer in Berlin rund 700 ausgebildete Lehrkräfte gekündigt haben [tagesspiegel.de/Bezahlschranke] und manche Schulen keine einzige regulär ausgebildet Lehrkraft mehr finden, heißt es aus der Bildungsverwaltung, das könne man bisher nicht bestätigen.

Die pauschale Vermutung, dass viele Lehrkräfte kündigen, um in anderen Bundesländern zu arbeiten, die verbeamten, weist die Bildungsverwaltung zurück. Lehrkräfte kündigten aus unterschiedlichen Gründen, etwa auch aus privaten Anlässen, Umzug des Ehepartners, Neuorientierung oder früherer Ruhestand, hieß es.

Verwaltung: Koalition bremst Verbeamtungs-Ideen

FDP-Bildungsexperte Fresdorf fordert, die rot-rot-grüne Regierung müsse alles daran setzen, gut ausgebildete Lehrkräfte für die Hauptstadt zu gewinnen und auch zu halten. Dafür müsse endlich in die Bildungspolitik investiert werden. Die Bildungsverwaltung betont, Senatorin Sandra Scheeres spreche sich schon seit langem für eine Rückkehr zur Verbeamtung aus. Das sei in der Koalition aber nicht durchsetzbar.

 

Sendung: Inforadio, 28.07.21, 12:35 Uhr

42 Kommentare

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  1. 42.

    Allen Quereinsteiger*innen, die ich in den vergangenen drei Jahren an Berliner Schulen kennengelernt habe, mangelt es an dem von Ihnen erwähnten "pädagogischen Feingefühl". Dieses ist zwar auch ein Persönlichkeitsmerkmal, das man hat, oder nicht. Es basiert aber vor allem auf einer breiten, multiperspektivischen fachlichen Grundlage, die die meisten Quereinsteiger*innen einfach nicht haben.

  2. 39.

    Falsch, Paul Schäfer, denn Berlin bildet viele Lehrkräfte aus. Nur verlassen diese dann die Stadt. Womit das wohl zusammenhängt?

  3. 38.

    Mit der deutschen Rechtschreibung scheinen Sie aber auf Kriegsfuß zu stehen…. Ansonsten muss ich Ihnen aber auch inhaltlich widersprechen. Quereinsteiger haben häufig nicht einfach nur ein Unterrichtsfach studiert, sondern sind sog. Lehramtslehrern in der Regel fachlich haushoch überlegen. Lehramtslehrer, denen es - trotz Lehramt - oft an pädagogischen Feingefühl mangelt, sind zudem in ihrem Unterrichtsfach häufig fachlich unterbelichtet, was der Allgemeinbildung leider nicht zuträglich ist.

    Das Lehramt in DE sollte man daher auf keinen Fall überbewerten, weil es eben nur ein Schmalspurstudium mit null bis wenig akademischen Akzenten ist, um willige Staatsdiener heranzuzüchten. Das ist die traurige Wahrheit.

  4. 37.

    Leider wird häufig verschwiegen, dass immer noch nicht die Zahl der Studienplätze erhöht worden ist. Mein Sohn und ein Freund wollten sehr gern Lehramt studieren, Zensurendurchschnitt 1,8 bzw. 2,0, FSJ im Schulbereich und hätten jahrelang auf einen Studienplatz warten müssen. Nach zwei Jahren Platz 908 bei 70 (!) Studienplätzen z.B. an der Humboldt- Universität, an FU, in Potsdam etc. sah es ähnlich aus. Sie haben beide frustriert umgesattelt...

  5. 36.

    Unser Sohn hatte während seines Studiums auch Lehramtsstudenten unter seinen Kommilitonen. Diese haben alle Stellen in Bundesländern angetreten, in denen sie verbeamtet wurden.
    Übrigens hat man in den 1980er Jahren schon in Baden-Württemberg festgestellt, dem Land, in dem ich Lehrerin war, dass beamtete Lehrkräfte für das Land billiger sind als angestellte: Das Land muss während der aktiven Dienstzeit für ALLE angestellten Lehrer Beiträge für die Rentenkasse und die Krankenversicherungen einzahlen. Bei verbeamteten Lehrern fallen diese Beiträge weg. Das Land zahlt nur die Pensionen der verbeamteten Lehrer, die tatsächlich auch den Ruhestand erreichen. Ebenso beteiligt sich das Land auch nur, wenn tatsächlich Kosten durch Krankheit entstehen.
    Aus diesen Gründen wurde an der Verbeamtung der Lehrer festgehalten.
    Außerdem fällt wegen des Streikverbots bei verbeamteten Lehrern auch weniger Unterricht aus.

  6. 35.

    Das sind bekannte Fakten. Nur ändert das nichts daran, dass oft gerade die verbeamteten Kollegen under-Level agieren. Getreu dem Grundsatz: Jetzt kann mir nichts mir passieren, so lange ich kein Kind haue.
    Ergo: Verbeamtung schafft keine Leistungsbereitschaft und -fähigkeit.

  7. 33.

    Soll der berliner Senat doch endlich wieder Lehrkräfte verbeamten.
    Dann wird man ja sehen, ob das Märchen von RRG tatsächlich stimmt das diese Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg bringt.

  8. 32.

    Die aus Spargründen abgeschaffte Verbeamtung von Lehrern ist der Hauptgrund für die Krise der Berliner Schulen.
    Das ist lange bekannt und hundertfach durchdiskutiert.

    Gerade die Besten wandern nach dem erfolgreichen Studium in Bundesländer aus, die angemessen und besser bezahlen. Während des Studiums wird Berlin als Party- und Kulturstadt gerne angenommen. Zum späteren Leben eher nicht. Die Politik muss hier endlich handeln! Alle anderen Bundesländer haben verbeamtete Lehrer.
    Es kein Mysterium...

  9. 31.

    Hier im Kommentarforum sind mal wieder Lehrer-Basher unterwegs.
    Hier mal ein paar Fakten:
    1. Lehrkräfte in Berlin werden schon etliche Jahre nicht mehr verbeamtet!
    2. Mit der Nichtverbeamtung verdienten berliner Lehrkräfte im gesamten Erwerbsleben zigtausende weniger, als verbeamtete Lehrkräfte!
    3. Berliner Lehrkräfte haben bundesweit das an den vielen Brennpunktschulen der Stadt!
    4. Berliner Lehrkräfte im öffentlichen Dienst arbeiten Seite an Seite mit verbeamteten Lehrkräften obwohl sie wesentlich weniger verdienen! Diese Ungerechtigkeit besteht seid etlichen Jahren! Gleiche Arbeit für gleiches Geld ist hier Fehlanzeige!
    5. Verbeamtete Lehrkräfte aus anderen Bundesländern - die sich nach Berlin versetzen lassen - erhalten ihren Beamtenstatus und verdienen auch hier wesentlich mehr als die Lehrkräfte, die nach dem Referendariat Berlin die Treue gehalten haben!
    6. Berlin hat deutschlandweit die höchste Quereinsteigerquote!

  10. 30.

    Berliner Lehrkräfte verdienen im Vergleich zu den verbeamteten Lehrkräften aus anderen Bundesländern im gesamten Erwebsleben bis zu 100k Euro weniger. Nur zur Anmerkung!

  11. 29.

    Hier im Kommentarforum sind mal wieder Lehrer-Basher unterwegs.
    Hier mal ein paar Fakten:
    1. Lehrkräfte in Berlin werden schon etliche Jahre nicht mehr verbeamtet!
    2. Mit der Nichtverbeamtung verdienten berliner Lehrkräfte im gesamten Erwerbsleben zigtausende weniger, als verbeamtete Lehrkräfte!
    3. Berliner Lehrkräfte haben bundesweit das schwerste Schülerklientel insbesondere an den vielen Brennpunktschulen der Stadt!
    4. Berliner Lehrkräfte im öffentlichen Dienst arbeiten Seite an Seite mit verbeamteten Lehrkräften obwohl sie wesentlich weniger verdienen! Diese Ungerechtigkeit besteht seid etlichen Jahren! Gleiche Arbeit für gleiches Geld ist hier Fehlanzeige!
    5. Verbeamtete Lehrkräfte aus anderen Bundesländern - die sich nach Berlin versetzen lassen - erhalten ihren Beamtenstatus und verdienen auch hier wesentlich mehr als die Lehrkräfte, die nach dem Referendariat Berlin die Treue gehalten haben!
    6. Berlin hat deutschlandweit die höchste Quereinsteigerquote!

  12. 28.

    Ja, vor allem die bildungsfernen weißdeutschen Familien schrecken ab. Deshalb fehlen vor allem in den ländlichen Gebieten so viele Fachkräfte.
    Aber auch die ostdeutschen Flächenländer suchen händeringend. Vor zwei Tagen veröffentlichte lehrcare eine Massensuchanzeige Sachsen-Anhalts für dessen öffentliche Schulen aller Schulformen. Der Migrationsanteil liegt dort übrigens weit, weit unter dem Berliner.

  13. 27.

    Gab's schon mal vor 20 Jahren in Hamburg als Modellüberlegung! Grundgehalt plus Zuschläge für Betreuung von Referendaren, Abiturvorbereitung - und Korrekturen, Arbeitsgemeinschaften, Klassenlehrertätigkeit, Funktionen an der Schule, zusätzlich ein Koeffizient für Fächer mit erhöhtem Korrekturaufwand (Deutsch, Fremdsprachen).
    Bis auf Anrechnungsstunden für AG's und eventuell für Funktionen an der Schule ist es für das Einkommen der Lehrkraft völlig unerheblich diese Zusatztätigigkeiten auszuüben oder nicht.
    Das führt zur Überbelastung bei den Engagierten und zum "Ausruhen" bei den wenigen "Faulen"!
    Am geringsten geschätzt wird der verantwortungs-und zeitintensive Job als Klassenlehrer mit bis zu 30 Schülern (Statistikkram, individuelle Eltern - und Schülergespräche, Exkursionen, Klassenfahrten, Verantwortung!)!
    Anerkennung gibt es von den Schülern, wenig von den Eltern, überhaupt nicht vom Bildungssystem!
    Das zusätzlich zur Arbeitszeit wichtige Begleiten der Referendare (gemeinsame Vor -und Nachbereitung des Unterrichts, Formulieren von Einschätzungen bis zum Gutachten) ist dem Bildungsministerium nicht mal ein " müdes Lächeln " wert!

  14. 26.

    Man hält die Bildung auf niedrigen Niveau seit Jahren und so bekommt RRG ihre Wählerklientel.

  15. 25.

    Wenn man genug Lehrer ausblden würde, wäre der gesamte Unsinn vorbei. Wir haben die teuersten Lehrer und die schlechtesten Ergebnisse bei der Ausbildung der Schüler.

  16. 24.

    Die soziale und ethische Zusammensetzung der Berliner Gesellschaft wirkt sich selbstverständlich auf den Lehrerberuf aus. Der hohe Anteil an Migrationskindern und aus bildungsfernen Schichten stellt noch einmal erhöhte Anforderungen an die Lehrer für die gleiche Vergütung wie in den anderen Bundesländern. Warum sollte man sich dies freiwillig antun. Hier wirken sich Entscheidungen in anderen Politikfeldern negativ aus.

  17. 23.

    Also ihre Kenntnisse vom Lehramt scheinen sie am Stammtisch aufgeschnappt haben. LAA unterrichten während des Studiums nicht? Wäre mir neu und ist natürlich völlig falsch. Und ob die Quereinsteiger Kenntnisse in mehreren Fächern haben wird ja nicht bestritten, sie können es aber kaum umsetzen weil ganz einfach die Päd. Ausbildung fehlt oder viel zu spät umgesetzt wird. Und dann ist es immer noch zweifelhaft, ob gute Lehrer aus den Quereinsteigern werden.Das alle, sowohl LAA als auch Quereinsteiger am 1. Schultag hilflos vor der Klasse stehen ist wohl zu natürlich, und trifft auf alle Berufsgruppen zu. Nur bei Klugscheissern ist es ein wenig anders.

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