Neue Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen - "Das haben nur die Super-Optimisten vorausgesehen"

Wiezorek gewinnt die Bürgermeisterwahl in Königs-Wusterhausen. (Quelle: rbb/Oliver Soos)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.07.2021 | Bürgermeisterin Michaela Wiezorek | Bild: rbb/Oliver Soos

Michaela Wiezorek ist die glückliche Siegerin der Bürgermeisterinnenwahl in Königs Wusterhausen. Sie setzte sich im ersten Wahlgang mit 52,6 Prozent gegen Ex-Amtisinhaber Ennullat durch. Zurück bleibt ein schmutziger Wahlkampf. Von Oliver Soos

Bei der Wahlparty auf dem Hof der Wassermühle am Königs Wusterhausener Schloss herrscht ausgelassene Stimmung. Stadtverordnete von SPD, CDU, Linke, Grüne und Wir für KW, sowie Rathausmitarbeiter und Unterstützer des sogenannten "Bündnis 21- JAzuKW" stoßen mit Sekt an. Zu feiern gibt es den Sieg ihrer Bürgermeisterkandidatin Michaela Wiezorek.

Zuvor hatten sie noch gemeinsam auf einer Leinwand die Auszählungen in den einzelnen Wahllokalen mitverfolgt. Gewinnerin Wiezorek zeigte sich am Ende sichtbar erleichtert: "Ich bin überwältigt. Dass wir das schon im ersten Wahlgang schaffen, das haben nur die Super-Optimisten vorausgesehen", sagte sie am Sonntagabend. Sie sprach von einem Wahlkampf, den es so noch nie gegeben habe und der die Stadt und die Bürger herausgefordert hätte.

Unbekannte veröffentlichten Daten von Wiezorek auf Facebook

Tatsächlich war es ein schmutziger Wahlkampf. Die 59-jährige aktuelle Leiterin des städtischen Tiefbau- und Grünflächenamts musste unmittelbar nach ihrer Bürgermeisterkandidatur miterleben, wie Internetnutzer biographische Daten bei Facebook veröffentlichten, die laut Wiezorek nur aus ihrer Rathaus-Personalakte stammen können.

Darunter war ihr Mädchenname und dass sie vor vielen Jahren mal für die PDS in Berlin Bezirkspolitik gemacht hat. Sie und ihr Mann wurden als "Funktionäre" und "Apparatschiks" beschimpft. Außerdem wurde sie vom Lager um den im März abgewählten Bürgermeister Swen Ennullat (FWKW) als "Marionette der Parteien" diffamiert, auf einem anonymen Flyer wurde ihr eine Stasi-Vergangenheit angedichtet.

Dafür kritisierte das Parteienbündnis Ennullat scharf. Für ihn habe in seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit nur sein eigener Wille gezählt, er habe mit seiner Verwaltungsspitze rund 30 Stadtparlamentsbeschlüsse blockiert, hieß es.

"Wiezorek wirkt wie von den Parteien hochgezüchtet"

Wiezorek will als neue Bürgermeisterin für eine geregelte, funktionierende Stadtpolitik sorgen, sagte sie. "Als erstes will ich wieder auf die Füße stellen, dass wir eine Gewaltenteilung haben, dass die Stadtverordneten das beschließende Organ sind und dass dort die Entscheidungen gefällt werden." Wiezorek sehe ihre Aufgabe als Bürgermeisterin darin, die Beschlüsse so mit den Stadtparlamentariern vorzubereiten, dass sie umsetzbar seien.

Im Wahlkampf hatte die Amtsleiterin das auch immer wieder betont. Doch diese vermeintliche Selbstverständlichkeit in der Kommunalpolitik kam nicht bei allen Wählern gut an. "Ich glaube, sie ist die Erfüllungsgehilfin der Parteien, die alles ungeprüft durchwinkt", sagt eine Königs Wusterhausenerin, die angibt, Ennullat gewählt zu haben.

Eine andere Wählerin, die nicht verrät, wen sie gewählt hat, sagt: "Ennullat geht gar nicht, der hatte seine Chance und wurde zu Recht abgewählt. Aber Michaela Wiezorek wirkt mir doch zu sehr, wie von den Parteien hochgezüchtet."

Verlierer Ennullat gratuliert Konkurrenten

Dem widerspricht der SPD-Stadtverordnete Tobias Schröter: "Michaela Wiezorek habe ich nicht so kennengelernt, dass sie eine ist, die abnickt, was andere ihr sagen. Sie hat eine klare Haltung und eine klare Meinung und am Ende entscheiden demokratische Mehrheiten. Genau da wollten wir wieder hin, weil wir das in den letzten Jahren hier nicht hatten", sagt Schröter.

Der CDU-Stadtverordnete Peter Dreher hatte die Idee, Michaela Wiezorek als gemeinsame Kandidatin für das Parteien-Bündnis vorzuschlagen. Er erzählt, dass er sie als Vorsitzender des Finanzausschusses kennengelernt hatte, als sie noch Leiterin des Hochbauamts war. "Sie war immer konstruktiv und lösungsorientiert und mit ihr konnte man nach vorne schauen. Bei ihrem Vorgänger hatte man immer nur von Problemen gehört und was alles nicht geht", sagt Dreher.

Ennullat meldete sich auf seiner Facebook-Seite zu Wort - als guter Verlierer. Er gratulierte der Siegerin und sprach gleichzeitig seinen Respekt für Patrick Franke von der Satirepartei Die Partei aus, der 8,8 Prozent der Stimmen holte und für Birgit Uhlworm, von der Unabhängigen Frauenliste, die auf 5,3 Prozent kam.

Sendung: Inforadio, 05.07.2021, 06:00 Uhr

Beitrag von Oliver Soos

16 Kommentare

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  1. 16.

    Nicht Erfolg ist der Schlüssel zum Glück, sondern Glück der Schlüssel zum Erfolg. Wenn du gerne tust, was du tust, wirst du auch erfolgreich sein. (Albert Schweitzer)

  2. 15.

    Schreibfehler? Plural, wohlgemerkt. Wären Ihre Kommentare nicht so inhaltsleer, wäre es fast schade, dass sie kaum zu entschlüsseln sind. So dienen sie aber immerhin der allgemeinen Belustigung. Stimme "Ray" übrigens voll zu...

  3. 14.

    Es wäre schön wenn sie ihre Vorwürfe mit Fakten belegen würden, so liest sich das wie ein Schmähpost eines enttäuschten Ennulat Anhängers. Mal mit Dreck werfen, in der Hoffnung es bliebe etwas hängen.

    Ich kann für ihre Vorwürfe keine Zeitungsartikel o.ä. finden, es sei denn u.a. bei einem unseriösen "Online-Magazin" aus dem Dunstfeld der FWKW. Dafür finde ich Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem HRO e.v.

    Oder sind das auch haltlose Vorwürfe weil sich der Verein für ein "buntes KWh" einsetzt? Dafür wird man in dieser Gegend ja schnell mal angefeindet.

    Klären sie uns auf!

  4. 13.

    Ja Schreibfehler... ich entschuldige mich... ändert aber am Thema nichts... aber die Franzke Gang??? Geht es weiter mit Enteignung, Abriss und sinnlose Bebauung mit Wohnung die sich keiner leisten kann...

  5. 12.

    Herzlichen Glückwünsch zur Wahl als Bürgermeisterin für KW.
    Nach langen Querelen ein Sieg der Demokratie.o

  6. 10.

    Na, wenigstens decken sich Form und Inhalt Ihres Kommentars. Meinten Sie zufällig Vetternwirtschaft? Oder doch die Pommes-Branche?

  7. 9.

    Interessant das der Alt Bürgermeister Lutz Franzke im Hintergrund zum feiern da ist... hat die fettern Wirtschaft wieder funktioniert... bleibt alles beim alten... habe von kw auch nichts anderes erwartet

  8. 8.

    In der Tat. Das ist eine " Milchmädchenrechnung " so wie es da steht. Lustiger Begriff übrigens. Aber egal, wenn 3 von 4 Wieczorek nicht gewählt haben, weil einige im Urlaub sind oder keiner von den vielen Kandidaten genehm ist und dann sich als großer Champ zu brüsken, anstatt zu sehen, dass der Großteil der Wähler keinen Bock auf diese Posse haben und dann noch mit diesem billigen italienischen Schampus anzustoßen...

  9. 7.

    "Bei fast 53 Prozent Nichtwähler haben nur 3 von 4 Wieczorek gewählt."
    Bei ihrer Milchmädchenrechnung haben dann ebenso nur 1 von 4 für den anderen unterlegenen Kandidaten gestimmt.
    Merken Sie was? 3 von 4 gewinnt!

  10. 6.

    Ihrer Meinung nach „haben nur 3 von 4 Wieczorek gewählt“? „Nur“ 3 von 4? Das wäre doch eine ganz respektable Mehrheit ... worüber beklagen Sie sich denn dann eigentlich? Oder doch einfach nur darüber, dass Ihre eigenen Rechenfähigkeiten Sie im Stich gelassen haben?

  11. 5.

    Das war zu erwarten dass die AfD Fanboys hier jammern werden weil ihr Kandidat durchgefallen ist.

  12. 4.

    Ein Unsinn wird auch nicht dadurch sinniger, daß Sie ihn immer wieder gebetsmühlenartig behaupten. Denn fürs Nicht-Wählen kann es auch sachlich vernünftige Gründe geben - etwa die Urlaubszeit, Krankheit, andere Verpflichtungen oder schlicht eine Auffassung, dass man keine eigene Präferenz für eine*n kandidierenden hat und mit jedem Ergebnis leben könne. Das ist nicht Schuld der Politiker*innen, wie Sie fälschlich andeuten. Es mindert auch nicht den Erfolg der neuen Bürgermeiterin, nur weil Ihnen das Wahlergebnis nicht gefällt. Wenn Sie wirklich einen Funken demokratisches Verständnis haben, dann akzeptieren Sie das Ergebnis, anstatt so zu tun, als ob nur annähernd hunderprozentige Wahlergebnisse, wie zu DDR-Zeiten, legitim seien.

  13. 3.

    Das sich alle anderen zur Querfront zusammenschließen müssen, um EINEN anderen Kandidaten zu verhindern, sag doch alles.(siehe Görlitz)

  14. 2.

    Nicht zu fassen, wie sich einige Verwaltungsmitarbeiter in Brandenburg verhalten.
    Vielen Dank an den rbb, dass er hier die ganze Zeit so konsequent berichtet hat über KW.

  15. 1.

    Sehr bedenklich, dass die Politiker die Realität immer mehr ausblenden. Bei fast 53 Prozent Nichtwähler haben nur 3 von 4 Wieczorek gewählt. Das als großen Sieg zu feiern ist schon ziemlich oberpeinlich.

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