Nachricht aufs Grundstück geworfen - Türkischer Exil-Journalist Erk Acarer nach eigenen Angaben erneut in Berlin bedroht

Archivbild: Der türkische Journalist Erk Acarer sitzt auf einem Stuhl vor einer mit den Silhouetten von Brandenburger Tor, Funkturm, Reichstag und Siegessäule bemalten Wand. (Quelle: dpa/K. Thielker)
Bild: dpa/K. Thielker

Knapp zwei Wochen nach einem tätlichen Angriff gegen ihn ist der türkische Journalist Erk Acarer in Berlin offenbar bedroht worden. Das teilte der 48-Jährige auf Twitter mit. Er geht davon aus, dass die türkische Regierung hinter den Taten steht.

Der türkische Exil-Journalist Erk Acarer ist in Berlin offenbar bedroht worden. Wie Acarer am Dienstag in türkischer Sprache auf Twitter mitteilte, wurde in der Nacht ein Zettel mit der Botschaft "Warte du nur ab" ("Sen bekle") in den Gartenbereich seines Wohnhauses geworfen. Der Zettel war demnach um ein gekochtes Ei gewickelt.

Acarer erklärte in dem Tweet weiter, sollte ihm etwas zustoßen, sei die AKP/MHP-Regierung in der Türkei dafür verantwortlich, aber auch die deutsche Regierung, die seiner Meinung nach untätig bleibe.

Die AKP ist die Regierungspartei von Präsident Recep Tayyip Erdogan, die de facto mit der rechtsnationalen MHP koaliert.

Tätlicher Angriff vor knapp zwei Wochen

Der regierungskritische Journalist war vor knapp zwei Wochen im Hinterhof seines Wohnhauses in Berlin-Neukölln von drei Männern angegriffen und verletzt worden. Laut Polizei hatte Acarer dabei eine Kopfwunde erlitten. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) ermittele.

Im Interview mit rbb|24 hatte Acarer gesagt, für ihn sei klar, dass der Auftrag zu dem Angriff aus Ankara gekommen sei. Er und seine Familie stünden inzwischen unter Polizeischutz. Nun müsse auch die Bundesregierung sich einschalten und "entsprechend handeln".

Regierungskritischer Journalist wurde in der Türkei angeklagt

Acarer kam im April 2017 mithilfe von "Reporter ohne Grenzen" (RSF) mit seiner Familie nach Berlin. Davor hatte er zuletzt für die linke regierungskritische Tageszeitung "Birgün" über islamistischen Terror, Fundamentalismus und den Krieg in Syrien berichtet. Über IS-Strukturen in der Türkei und den von vielen Seiten erhobenen Vorwurf, die türkische Regierung habe lange Zeit mit dem IS kooperiert, hat er auch ein Buch geschrieben.

Wegen seiner kritischen Berichterstattung sei Acarer in der Türkei immer wieder bedroht worden, erklärte "Reporter ohne Grenzen". Acarer wurde in der Türkei auch angeklagt. Vorgeworfen wurden ihm und seinen Kollegen die Veröffentlichung von geheimen Informationen zur staatlichen Sicherheit und zu Geheimdienstaktivitäten.

13 Kommentare

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  1. 13.

    @ Ray: das ist eine Tatsache, die selbst der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland (erklärter Gegner der Erdogan-Reform) eingesteht.

  2. 12.

    Eigentlich dürfte es für Deutschland kein Problem sein, diesem Journalisten hierzulande Schutz zu gewähren, bei so vielen Erdogan - Anhängern, die hier leben, wird es aber schwierig.

  3. 11.

    "..., die Türken in Berlin wählen bekanntlich ihren Erdogan inbrünstiger, als das die Türken in der Türkei tun."

    Haben sie für diese Aussage auch verlässliche Zahlen oder entstammt das "nur" ihrer ideologisch geprägten Echokammer?

  4. 10.

    Vielleicht sollte der türkische Sozialanthropologie, der für linke Medien schreibt und von der TAZ Stiftung finanziert wird, nicht gerade in Berlin seine Zelte aufschlagen, die Türken in Berlin wählen bekanntlich ihren Erdogan inbrünstiger, als das die Türken in der Türkei tun.

  5. 9.

    Genau vielleicht hat er selber den Zettel in seinen Garten geworfen , das ganze wirkt doch sehr gestellt .

  6. 7.

    Denken…
    Vermuten…
    Behaupten…
    Beschuldigen!
    Beweis?

  7. 6.

    Und durch Wiederholungen wird ihr Blödsinn nicht wahrer, man kann z.B. den Botschafter einbestellen oder andere diplomatische Maßnahmen treffen.

  8. 5.

    "...wurde in der Nacht ein Zettel mit der Botschaft "Warte du nur ab" ("Sen bekle") in den Gartenbereich seines Wohnhauses geworfen."
    Dieses Beweismittel wird er doch wohl zur Polizei getragen haben. Ob er dies getan hat zur Beweissicherung, bleibt der Artikel leider schuldig.
    "Acarer erklärte in dem Tweet weiter, sollte ihm etwas zustoßen, sei die AKP/MHP-Regierung in der Türkei dafür verantwortlich, aber auch die deutsche Regierung, die seiner Meinung nach untätig bleibe."
    Wer für weitere Tätlichkeiten gegenüber ihm verantwortlich ist, wird die zuständige Untersuchungsbehörde klären.
    Es ist sicher alles im normalen behördlichen Gang...
    Hoffentlich zum Schutz unseres Grundgesetzes.
    So rational muss mann/frau/es auch mal sehen.

  9. 4.

    Wer hat's gesehen?

  10. 3.

    Ehrlich gesprochen: Mich bricht es an, dass politisch Verfolgten hier in unserem Land auch nachgestellt wird. Wo sind wir angekommen in unserer freiheitlichen Gesellschaft, wenn fremde Mächte hier in unserem Land ihre Willfährigkeit ausleben können?
    Politisch Verfolgte genießen nach Grundgesetz unseren ausdrücklichen Schutz.
    Ob diese Angriffe gegen den Journalist Erk Acarer von der hier lebenden aufgehtzten türkischen Befölkerungsgruppe oder von "Sicherheitsdiensten" aus Erdogans Türkei kommen, sollte auch der rbb mehr nachfragen oder eben dran bleiben.

  11. 2.

    Deutschland ist nicht mehr sicher für politisch Verfolgte aus der Türkei. Ich hoffe es muss erst nicht noch schlimmeres passieren bis in DE diese Appeasement Politik gegenüber des türkischen Regime aufhört. Es entsteht mittlerweile der Eindruck das einigen deutschen Politiker die regimetreuen und deutsch-türkischen Wählerstimmen wichtiger sind als die Verteidigung unserer freiheitlicher Werte. Selbst in Berlin ansässige Georgier haben mir von Einschüchterungsversuchen von türkischen Nationalisten ihnen Gegenüber in Berlin erzählt.

  12. 1.

    Und wieder die Frage, wieviele Divisionen sollen in Ankara Landen. Das Auswertige Amt wird auch einer betroffenen Privatperson hoffentlich nicht seine Protestnoten zu Genehmigung vorlegen. Geheimdienstberichte die in der Zeitung diskutiert werden schaden jeder Guten Sache.

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