"Tagesspiegel"-Bericht - Berliner Senat zur Aufnahme afghanischer Flüchtlinge bereit

So 15.08.21 | 21:03 Uhr
Menschen in einem Flüchtlingscamp im afghanischen Mazar-I-Sharif- am 22. Juli 2021. (Quelle: imago images/Kawa Basharat)
Audio: Inforadio | 15.08.2021 | Anja Günther | Bild: imago images/Kawa Basharat

Die Situation in Afghanistan hat sich dramatisch zugespitzt, bis nach Kabul sind die Taliban vorgedrungen. Vertreter des Berliner Senats haben zugesagt, gemeinsam mit anderen Bundesländern ein Kontingent von Flüchtlingen aufzunehmen.

Angesichts des Vormarsches der Taliban in Afghanistan hat sich die rot-rot-grüne Koalition in Berlin zur Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Land bereit erklärt. Gemeinsam mit anderen Bundesländern würde Berlin ein Kontingent von Flüchtlingen aufnehmen, "die sich in Afghanistan für den Aufbau der Demokratie eingesetzt haben", sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) dem "Tagesspiegel" [tagesspiegel.de]. Dafür seien allerdings "dringend Entscheidungen auf Bundesebene" nötig.

Die Berliner Integrationssenatorin Elke Breitenbach von der Linkspartei warb im "Tagesspiegel" ebenfalls für eine "humanitäre Hilfsaktion, an der sich Berlin selbstverständlich beteiligen wird".

Taliban haben schnell das ganze Land unter Kontrolle gebracht

Auch die Grünen-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin, Bettina Jarasch, sieht Deutschland und Berlin in der Verantwortung. "Berlin muss dem Bund ein Angebot machen, im Rahmen des deutschen Handelns ein Kontingent Flüchtlinge aufzunehmen", sagte sie der Zeitung.

Die radikalislamischen Taliban hatten in den vergangenen Tagen nach Abzug internationaler Truppen schnell praktisch das ganze Land unter Kontrolle gebracht. Am Sonntagabend zogen sie in der Hauptstadt Kabul ein. Am internationalen Flughafen von Kabul sollen Schüsse gefallen sein, dort wurde der Flugverkehr eingestellt. Der afghanische Präsident Ashraf Ghani ist inzwischen außer Landes geflohen. [tagesschau.de]

Evakuierung beginnt noch am Sonntag

Die ersten Angehörigen der deutschen Botschaft in Kabul sollen noch am Sonntag aus der afghanischen Hauptstadt ausgeflogen werden. Das hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Abend angekündigt.

Die Bundeswehr schickt zudem in der Nacht zu Montag Transportflugzeuge nach Afghanistan, um mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte aus Kabul zu beginnen. Mehrere Transportmaschinen vom Typ A400M sollen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in die afghanische Hauptstadt fliegen und die Menschen in Sicherheit bringen. Fallschirmjäger sollen den Einsatz absichern.

Teilweise wird die Evakuierung von Brandenburg aus organisiert. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam sagte dem rbb am Sonntag: "Wir sind mit der Planung und Umsetzung von Evakuierungs-Operationen wie der, die gerade in Afghanistan stattfindet, betraut". Es werde jetzt "mit Hochdruck" daran gearbeitet.

Laut "Bild am Sonntag" [bild.de] befinden sich in Kabul noch 30 Botschaftsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sowie 80 deutsche Bürgerinnen und Bürger, die unter anderem bei Entwicklungsorganisationen arbeiten.

Menschen demonstrieren am 14.08.2021 mit selbstgemalten Schildern vor dem Brandenburger Tor, bei einer Protestaktion gegen die radikalislamischen Taliban und ihren Vormarsch in Afghanistan. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Menschen demonstrieren am Samstag, 14. August 2021, gegen die radikalislamischen Taliban und ihren Vormarsch in Afghanistan, vor dem Brandenburger Tor. "Afghan lives matter" und "Don't look away #Afghanistan" steht auf selbstgemalten Schildern.Bild: dpa/Annette Riedl

Sendung: Inforadio, 15.08.2021, 10:30 Uhr

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