"August RiseUp" - Klima-Aktivisten starten Montag Protestwoche in Berlin

Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion blockieren am 07.08.2021 die Revaler Straße/Ecke Warschauer Straße in Berlin-Friedrichshain. (Quelle: dpa/Gerald Matzka)
Audio: Inforadio | 14.08.2021 | Oda Tischewski | Bild: dpa/Gerald Matzka

Mit Straßenblockaden, einem Protestzug und weiteren Aktionen wollen "Extinction Rebellion" sowie Unterstützer in Berlin für mehr Klimaschutz demonstrieren. Die Polizei stellt sich ab Montag auf spontane Einsätze ein. Von Oda Tischewski

Unter Federführung der Aktivistinnen und Aktivisten von "Extinction Rebellion" will die Klimabewegung Berlin eine Woche lang in das Zentrum ihrer Proteste verwandeln – es startet das "August RiseUp". Für die Berlinerinnen und Berlin könnte sich das deutlich bemerkbar machen, denn neben Demonstrationen und Mahnwachen ist auch eine Blockade geplant, die den Verkehr empfindlich stören soll.

Am Wochenende eröffneten Umweltschützer in der Nähe des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin-Tiergarten bereits ein Lager. Es bildete den Auftakt zu einer Reihe von Aktionen.

Ab Montag sind Blockaden angekündigt

Am Montag will "Extinction Rebellion" erste Aktionen starten. Es seien erste Blockaden mit dem Motto "Die Regierung versagt" angesetzt, zahlreiche Gruppen würden im Zentrum Berlins "für Aufsehen sorgen", teilten die Initiatoren des "August RiseUp" mit.

Ob Straßen, Kreuzungen, Brücken oder bestimmte Gebäude blockiert werden sollen, wurde wie üblich nicht verraten. Auch die genauen Orte wollen die Protestgruppen bis zum Beginn geheim halten, auch um die Polizei zu überraschen. Zeit und Ort sollen kurz vorher über den Telegram-Messengerdienst mitgeteilt werden. Im Programm des "RiseUp" sind diese Aktionen mit einem "ZU" angekündigt. "ZU" steht für zivilen Ungehorsam, das Markenzeichen von "Extinction Rebellion".

Am Dienstag steht neben weiteren Blockadeaktionen ein "Klimaprotestzug" an. "Ein Zusammenschluss aus mehreren Dutzend Gruppen soll "laut und bunt auf die Straße gehen und der Regierung Feuer unter dem Hintern machen", hieß es. Startpunkte sind die SPD- und die CDU-Parteizentrale. Die Demonstration soll am Invalidenpark mit einer Schlusskundgebung enden.

Für Mittwoch sind erneut Blockaden angekündigt: "Wir richten uns an die Blockierer effektiver Klimapolitik." Am Donnerstag soll es einen Trauermarsch mit dem Titel "Artensterben" zum Teil in Tierkostümen geben. Die Umweltschützer wollen sich auch dem Zustand der Meere widmen: "Wir ziehen mit alten, ins Meer geschmissenen Fischernetzen ein Labyrinth über einen zentralen und stark frequentierten Berliner Knotenpunkt." Informationen zu Freitag und Samstag sollen noch folgen.

Aufsehenerregende Aktionen als Markenzeichen

Die 2018 in Großbritannien gegründete Bewegung "Exctinction Rebellion" hat mittlerweile in vielen Ländern Fuß gefasst und macht mit aufsehenerregenden Aktionen von sich Reden. Ähnlich wie bereits im Oktober 2019, als sich die Proteste auf den Großen Stern und den Potsdamer Platz konzentrierten, soll auch diesmal ein zentraler Platz in Berlin blockiert werden. Sitzgelegenheiten und Küchenmöbel sollen als Straßensperren dienen.

"Extinction Rebellion" will nicht allein agieren. Mehr als 80 Gruppen hätten sich dem "RiseUp" angeschlossen, von Fridays for Future über Attac bis Greenpeace. Gemeinsames Ziel: maximale Aufmerksamkeit für den Klimaschutz.

Bericht des Klimarates rüttelt auf

Der Zeitpunkt für die einwöchige Protestaktion ist mit Bedacht gewählt: Bis zu den Bundestagswahlen, die vielen Klimaschützern als Schicksalswahl gilt, sind es nur noch wenige Wochen – die Möglichkeit zur Briefwahl startet zeitgleich zur Protestwoche. Auch beginnt Ende Oktober in Glasgow die 26. UN-Klimakonferenz. Vor allem aber ist vor wenigen Tagen der aktuelle Bericht des Weltklimarates veröffentlicht worden. Nach dessen Prognosen wird die kritische 1,5 Grad-Marke schon 2030 erreicht – zehn Jahre früher als bisher angenommen.

Der Inhalt des Berichts war keine Überraschung – Teile waren bereits Wochen zuvor durchgesickert. Nun können die Klimaschützer damit rechnen, dass er ihrem Protest zusätzliche Brisanz verleiht. "Es wird zu schlimmen Ereignissen kommen, das ist nicht mehr aufhaltbar", so Tino Pfaff von "Extinction Rebellion". "Aber das Wichtige ist – und darum sind wir hier: Das ist kein Grund zum Aufgeben! Wir können noch viel erreichen und wir können auch immer noch viele schlimme Dinge verhindern. Darum müssen wir alles tun, damit es sich eben nicht zum Allerschlimmsten entwickelt."

Offener Brief an die Bürgerinnen und Bürger

Gerade der Klimaschutz aber interessiere die Politik schon lange nicht mehr, kritisieren die Aktivistinnen und Aktivisten – die stelle sich einfach taub. Darum wenden sie sich in einem offenen Brief auch nicht an politische Akteure, sondern an niemand Geringeren als an "die Gesellschaft". Knapp 2.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, darunter Prominente wie die Schauspielerinnen Katja Riemann und Alice Dwyer, die Seawatch-Kapitänin Carola Rackete oder der Kriminalbiologe Mark Benecke, fordern dazu auf, sich den Protesten anzuschließen und die Politik auf ihr mutmaßliches Versagen hinzuweisen.

Polizei Berlin sieht sich vorbereitet

Die Berliner Polizei stellt sich derweil auf einen Einsatz ein. "Wir haben alle Aufrufe zu diesen Aktionstagen, die es im Internet gibt, im Blick", sagte Polizeisprecherin Anja Dierschke. Es lägen eine Vielzahl von Aufrufen vor, wo nicht bekannt sei, wie viele Aktivisten und interessierte Menschen diesen Aufrufen folgen würden.

Offiziell lägen der Polizei zwei offizielle Veranstaltungsanmeldungen vor. Zum einen handle es sich um eine Dauermahnwache zum Klimanotstand und zum anderen um das Extinction Rebellion Camp, dass am Sonntag in der Nähe des Hauses der Kulturen der Welt in Berlin-Tiergarten errichtet wurde. Hier werden 2.000 Teilnehmer erwartet, so Dierschke.

"Dann werden wir polizeiliche Maßnahmen treffen"

"Wir als Polizei Berlin werden so flexibel eingestellt sein, dass wir zu den einzelnen Aktionen, die öffentlich wirksam sind, zeitnah vor Ort sein werden", so die Hauptkommissarin. Man spreche die Teilnehmenden an, wenn Straßenläufe blockiert sind. "Aber wenn die Aktionen zu sehr in das Leben der Stadt eingreifen, werden wir polizeiliche Maßnahmen treffen", betonte die Polizeisprecherin.

Generell gehe sie davon aus, dass für die Polizei Berlin eine arbeitsreiche Woche anstehe. "Wir wollen 24/7 die ganze Woche reagieren können", erklärte Dierschke. Daher liefen die Personalplanungen auf Hochtouren. Auch Kräfte aus anderen Bundesländern seien angefordert. "Unser Appell an alle Aktivisten, die hier in die Stadt kommen und an den Aktionen teilnehmen, ist: Meinung auf die Straße tragen, dass ist ein wichtiges und hohes Gut, aber bitte mit Abstand und mit Mund-Nasen-Bedeckung", so Dierschke weiter.

GdP befürchtet Dauereinsatz

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) klagte in diesem Zusammenhang über eine drohende Überlastung der Polizei. Es stünden in den kommenden Wochen nicht nur Protest- und Blockadeaktionen von Umweltschutzgruppen in Berlin im Raum, sondern viele weitere Demonstrationen. Die GdP warf am Sonntag vor allem der Berliner Politik vor, Polizisten im Dauereinsatz bei Demonstrationen zu verheizen.

Die Polizeiaufgebote seien viel zu groß. "Aus Angst vor schlechten Bildern" seien kurz vor den Wahlen neun Tage hintereinander sämtliche Hundertschaften im Dienst. Die Polizei sei etwa bei der Klima-Protestwoche zu einer Art Begleitschutz abgestellt, ohne wirklich ständig eingreifen zu müssen.

"Wir müssen langsam aber sicher mal wieder dahinkommen, dass einzig und allein die Polizei polizeiliche Einsatzlagen bewertet und dementsprechend Personal aufgestellt wird", teilte GdP-Landeschef Norbert Cioma mit. Dafür müsste man die Ressourcen schonen, "auch wenn etwas mal nicht zu einhundert Prozent so läuft, wie es sich das Abgeordnetenhaus vorstellt". Die Polizeiführung müsse eine Grenze ziehen.

Sendung: Inforadio, Nachrichten, 16.8.2021, 10 Uhr

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Beitrag von Oda Tischewski

18 Kommentare

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  1. 18.

    Da sich ja hier anscheinend fast niemand für die Kernbotschaft des Weltklimarats IPCC interessiert, ist es doch gut, wenn sich dann doch einige damit befassen und so wenigstens darauf aufmerksam machen. Auch wenn bei den meisten nur
    "Ich komm hier nicht durch" hängenbleibt.

  2. 17.

    Wir brauchen erst Temperaturen von fast 50 Grad wie derzeit in Süditalien bis es bei einigen Leuten klick im Kopf macht.

  3. 16.

    Die sind ja eben nicht zugelassen, weshalb hier sich die Polizei für diese Fälle gut aufgestellt sieht.

  4. 15.

    Lieber rbb,

    vielleicht sollte man in der Schlagzeile Extinction Rebellion nicht mit Klimaaktivisten gleichsetzen.
    Das schafft eine Aura, die dieser Bewegung nicht angemessen ist.
    Ketzerisch gefragt: Wer kann schon in der Woche Straßen blockieren? Nur jemand, der nicht regelmäßig arbeiten muss.
    Und was trägt diese Bewegung zum Klimaschutz bei? Meiner Meinung nach nichts, wie übrigens auch die FFF-Freitagsschulverweigerer.
    Ein Klimaaktivist ist für mich jemand, der sich für den Klimaschutz einsetzt, indem er möglichst viel lernt oder studiert, um mit wissenschaftlichen Methoden und/oder Innovationen eine klimaschonenderen Umgang von Mensch und Industrie mit unserer Umwelt zu ermöglichen.

    Ansonsten geht es allen Protestbewegungen so wie den Oppositionsparteien, wenn sie denn einmal politische Verantwortung anstreben. Dann wandeln sich die Ansprüche plötzlich. Gegen etwas zu sein ist einfach. Für etwas zu sein ist vielfach schwerer.

  5. 14.

    "Dann werden wir polizeiliche Maßnahmen treffen" heißt doch, wir stellen uns daneben und schauen zu. Zumindest war es die letzten Jahre so.

    Aber empfindlich stören können die den berliner Verkehr gar nicht mehr. Der berliner Autofahrer ist es gewöhnt, dass jeden 2. Tag irgendwo ne Demo und Sperrung ist. Das ist in meinen täglichen Fahrweg inzwischen auch einberechnet. Fahr ich halt die doppelte Stecke als Umweg. Und wenn es mal nicht weiter geht, man hat ja ne Klima im Auto. Also habe ich Zeit.

  6. 13.

    Na endlich wieder Demos, habe die Kids schon vermisst. Ich hoffe nur die Polizei kontroliert das Masken und Abstandsgebot und schreitet sofort ein.

  7. 12.

    ...es wird mal wieder die Leute treffen, die Arbeiten müssen, Pflegekräfte die nicht zu Ihren Patienten kommen und vielleicht wird auch der ein oder andere wegen eines medizinischen Notfall nicht rechtzeitig Hilfe bekommen.
    Personalien aufnehmen, Status des Erwerbslebens prüfen und ggf. Sozialhilfe etc. kürzen.
    Ehrlich, Straßen blockieren und Leute nötigen, in Deutschland ist eine Kultur angekommen, die seines gleichen sucht. Ich bin auch für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Geht zu den richtigen Stellen und demonstriert dort.
    Allen viel Kraft und ein schönes Wochenende

  8. 11.

    Ich fand es mal gut was diese Leute machen, aber da diese Demos fast täglich sind, nervt es nur noch. Warum protestieren sie nicht mal in China, den USA, Brasilien etc., das sind die größten Umweltsünder. Warum immer hier? Deutschland ist ein Stecknadelkopf.

  9. 10.

    Andere zu blockieren und nötigen, dass diess dann ihren Job verlieren ist eine Missbrauch des Demoralisationsrechts.

  10. 9.

    Na dann sollen die Menschen erstmal anfangen weniger Kinder in diese Welt zu setzten. Das wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das wollen alle nicht hören.
    Fast jede Familie hat mindestens 2 Autos und wenn die Kinder den Führerschein haben, wir denen auch noch ein Auto gekauft.
    Wer in Berlin wohnt und arbeitet der könnte sein Auto abschaffen, und schon hätten wir weniger Verkehr.
    Aber keiner will verzichten.
    Ich bin 15 Jahre von Wandlitz nach Berlin-Steglitz mit der Bahn gefahren, hat mich das umgebracht , nein.

    Keiner will verzichten, weil der Mensch ein Egoist ist.

    Wenn jeder nur einen kleinen Teil beiträgt, bräuchten wir keine Demonstrationen.

    Die Grünen zu wählen hilft aber auch nicht.

  11. 8.

    Blockaden und Nötigungen lehne ich ab.
    Wir leben einer parlamentarischen Demokratie. Dieses Jahr treten 47 Parteien an. Davon seit vielen Jahre bekannte kleine Parteien mit konkreten Vorstellungen bzw. konkreten erheblichen Veränderungsvorschlägen zu Klima, Umwelt, Wohnen, Gesundheitswesen, Rente.
    Z. B. die ÖDP, Die Partei und die Tierschutzpartei. Man kann somit Änderungen herbeiführen. Wer nicht wählt möchte indirekt das alles bleibt wie es ist.

  12. 7.

    Prima Aktion! Wenigstens tut Mal jemand was! Ahrweiler lässt grüßen;

  13. 6.

    Sorry mit Verlaub nicht jeder hat das Recht in diesem Land seine Meinung frei auf der Straße zu äußern!

  14. 4.

    Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern (auch wenn sie womöglich keinen interessiert und/oder er das auf eine Weise tut, die nichts bringt).
    Außer natürlich, er ist konservativ.
    Daher müssen wir mit diesen (mehr oder weniger) beweglichen Verkehrseinschränkungen leider leben.

  15. 3.

    Ich bin ja gespannt, wie konform zur coronaverordnung des Landes diese Proteste von statten gehen.

  16. 2.

    Endlich - wir hatten lange keine Demo

  17. 1.

    Warum und von wem werden solche angekündigten Straßenblockaden überhaupt zugelassen? Das hat doch mit Demonstrationsfreiheit nicht mehr das geringste zu tun. Es darf ja in diesem Land jeder Spinner für oder gegen irgendwas sein, aber doch nicht so, vor allem weil bei den letzten Malen ja auch noch Sachbeschädigungen billigend in Kauf genommen wurden. Von der Polizei bitte ich mir eine schnelle Räumung der Betroffenen Straßen und Plätze aus, auch wenn es mal unangenehm wird oder weh tut.

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