Bis zu 1.300 Plätze stehen bereit - Berlin plant Aufnahmeprogramm für afghanische Geflüchtete

Afghanische Geflüchtete am Flughafen in Madrid (Bild: imago images/Diego Radames)
Bild: imago images/Diego Radames

Während in Brandenburg die ersten afghanischen Ortskräfte schon erwartet werden, steckt Berlin noch in den Vorbereitungen für eine Aufnahme der Geflüchteten. Konkreter werden soll die geplante Hilfe durch ein Landesaufnahmeprogramm.

Berlin bereitet ein eigenes Landesaufnahmeprogramm für afghanische Ortskräfte vor. Nach Angaben von Innensenator Andreas Geisel (SPD) soll es für ehemalige Ortskräfte, ihre Familien und weitere von den Taliban bedrohte Personenkreise gelten. Dazu gehörten Familienangehörigen der Ortskräfte, die auch Familienmitglieder außerhalb der Kernfamilie umfassen, sagte Geisel am Donnerstag in Berlin.

Zudem gelte das Programm für einheimische Helfer und Helferinnen der Alliierten und andere gefährdete Personen wie Journalistinnen und Journalisten, Frauenrechtlerinnen, Künstlerinnen und Künstler sowie afghanische Ortskräfte von Nato-Partnerstaaten und EU-Institutionen, denen kurzfristig kein Visum erteilt wurde.

Breitenbach: 1.300 Plätze sind verfügbar

"Wir haben eine besondere Verantwortung für die Menschen vor Ort, die uns in den letzten 20 Jahren geholfen haben und nun nach der Machtübernahme durch die Taliban gefährdet sind", sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Dass Berlin ihnen helfen werde, sei ein Gebot der Menschlichkeit.

Nach Worten von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) sind in den Unterkünften des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) derzeit bis zu 1.300 Plätze verfügbar. Berlin sei auf die weitere Aufnahme von afghanischen Ortskräften und anderen vom Tod in Afghanistan bedrohten Menschen vorbereitet, sagte Breitenbach am Donnerstag. Vorsorglich werde die Sozialverwaltung weitere Gemeinschaftsunterkünfte dafür aktivieren.

Bislang 85 Ortskräfte in Berlin eingetroffen

Der Abzug internationaler Truppen aus Afghanistan und die Übernahme der Macht durch die Taliban hat das Land in kürzester Zeit in einen völlig destabilisierten, desolaten Zustand geführt. Vor allem die vulnerablen Gruppen wie Frauen, Kinder, Alte und Kranke befinden sich in akuter Gefahr. In Brandenburg werden in der Nacht auf Freitag etwa 100 Geflüchtete aus Afghanistan erwartet. Sie werden vorerst in einem Aufnahmezentrum in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) untergebracht.

Das Land Berlin hat bereits vor dem Umsturz in Afghanistan Ortskräfte aufgenommen. In den Wochen vor der gewaltsamen Machtübernahme durch die Taliban wurden von insgesamt knapp 2.500 Personen, die in Deutschland erwartet wurden und teilweise schon eingetroffen waren, dem Land Berlin 167 Personen zugeteilt. Bislang sind 85 dieser Personen in Berlin angekommen.

Sendung: Abendschau, 19. August 2021, 19:30 Uhr

13 Kommentare

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  1. 13.

    Es braucht immer mindestens 2 Menschen, wenn man etwas realisieren will: Person 1 (die es macht) und Person 2 (die es mit sich machen lässt). Macht eine Person in diesem Zusammenspiel nicht mit, fällt das gewünschte Projekt aus (Krieg etwa oder Frieden). Leider ist die Menschheit nicht mehr so drauf, dass wir uns ALLE als UNENTBEHRLICHE GEMEINSCHAFT empfinden, wo es auf JEDE/N ankommt, jede/r WICHTIG IST.

    Wieweit uns Egoismus bringt, sehen wir in Deutschland: Corona und KEIN ENDE. Wer bringt die Erde schneller um die Ecke - Militärische Auseinandersetzungen ODER das schlampige Akzeptieren der Klimaveränderung (Labern, aber nix zielführendes tun WOLLEN). 2015 wurde der Fehler gemacht, die nichtsnutzige Rechtsorientierung endgültig und unwiderrufbar auszuweisen.

  2. 12.

    Die Ortskräfte haben für die Bundeswehr gearbeitet. Also für uns. Demzufolge haben wir die moralische Pflicht, die bei uns aufzunehmen. Im Übrigen können Sie, weil Die den Herrn Kurz so mögen, gerne nach Österreich auswandern. Ist ein Platz mehr für einen geflüchteten Menschen.

  3. 11.

    Wie bitte Frau Breitenbach ?? Diese Menschen haben uns geholfen.......?? Unsere Soldaten haben den Afghanen 20 Jahren lang geholfen !!!
    Jetzt überlasst die afghanische Armee kampflos das Land und übergibt es den Taliban. Wir sind es nicht SCHULDIG und wir sind auch nicht verantwortlich. Es werden die gleichen Fehler wie 2015 gemacht. Warum haben wir keinen Herrn Kurz ?

  4. 9.

    Vor einen Monat war Afghanistan so gefährlich, das wir keine Straftäter abschieben konnten.
    Jetzt stelle ich fest, das sich sehr viele Deutsche ob privat oder beruflich da unten tummeln.
    Haben wir überhaupt noch einen Überblick oder läuft es so was interessiert mich mein Gerede von gestern.

  5. 8.

    Für die afghanischen Sicherheitskräfte konnten nur Männer am unteren Rand der Gesellschaft "geworben" werden (schlechte Bezahlung, tausende Tote pro Jahr). Die hatten 30% Fluktuation pro Jahr. Diese Männer sind jetzt mit ihren Waffen bei den Taliban oder ohne Waffen auf dem Weg nach Deutschland (teilweise zu Fuß, in Gruppen). Meine Meinung: Frauen, Kinder und alte Menschen aufnehmen, aber Männer im wehrfähigen Alter zurück schicken. Die sollen gefälligst um ihr Land kämpfen. Der größte Fehler der westlichen Intervention war, dort eine höchst korrupte Elite als "Regierung " zu installieren, die einen großen Teil der Aufbauhilfen in eigene Taschen und die ihrer Familien / Clans umgeleitet hat. Die haben natürlich keinen Rückhalt in der Bevölkerung und für dieses System hat kein Soldat von denen gekämpft.
    Nach den Vorkommnissen in Wien möchte Österreich gar keine afghanischen Männer mehr aufnehmen, egal wie berechtigt die Fluchtgründe erscheinen. Man kann nicht in die Köpfe reinschauen, aber offensichtlich ist die Sozialisierung so weit von unseren Maßstäben entfernt, dass eine gesellschaftliche Integration bei uns sehr unwahrscheinlich ist.

  6. 7.

    Berlin kann leider kein eigenes Aufnahmeprogramm machen/haben. Man meint hier dann offensichtlich eine freiwillige Meldung zur Aufnahme von mehr Menschen, als laut Verteilungsschlüssel aufgenommen worden wären.

  7. 6.

    Ich möchte mal wissen wer das alles bezahlen soll. Na, klar, der Bürger. Das es vielen auch schlecht geht sehen die Politiker nicht. Der normale Bürger wird nur noch abgezockt. Andere Länder lachen schon über die dummen Deutschen.

  8. 5.

    Na ja, klar bestimmt die politische Elite, also die Regierung, was gebraucht wird, das ist auch nicht anders, wenn die von Ihnen favorisierte Partei in der Regierungsverantwortung wäre.

  9. 4.

    Ich habe die nicht gebraucht. Das war unsere politische Elite. Da sollen die diese Menschen bitte bei sich aufnehmen und das nicht wieder dem Volk aufdrücken.

  10. 3.

    Ihre Theorie mag sich durchaus bestätigen, wer weiß.
    Genauso hat sich in der Geschichte aber auch oft gezeigt, das erst ein vollständiger Zusammenbruch eines Systems die Grundlage für den erfolgreichen Neustart bildet.
    Meine persönliche Meinung, wenn ich aus den Erfahrungen der Geschichte her nach vorne blicke, aber ja, auch das ist Theorie....

  11. 2.

    Al-Qaida wird in Afghanistan eine sichere Brutstätte finden und auch die Wiedererlangung der Herrschaft durch die Taliban inklusive gerade wieder gestarteter öffentlicher Hinrichtungen in Stadien von Helfer:innen der Nato-Staaten lässt nichts Gutes erahnen. Das ist eine Terrorherrschaft mit brutalster Gewalt. Das hätte durch eine Verlängerung des Nato-Einsatzes verhindert werden können. Es kann auch keine große Überraschung sein, dass inmitten einer globalen Pandemie, in der in Ländern wie Afghanistan die Wirtschaft am Boden und das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist, der Staat sofort implodiert.

  12. 1.

    Biden sagte, Grundlage des von den USA geführten Militäreinsatz war die Zerschlagung von Al-Qaida und nicht die Errichtung einer westlichen Demokratie und das Ziel sei erreicht.
    Ich unterstelle mal, das stimmt, dann ist die Beendigung des Einsatzes richtig.
    Sind ortsansässige Helfer deswegen in Gefahr, ist Denen natürlich von ihren ehemaligen Auftraggebern Hilfe zu gewähren, wenn das ordentlich abläuft, was soll dagegen sprechen ?

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