Bildung - 3.000 Lehrkräfte haben in Berlin seit 2017 gekündigt

Symbolbild: Ein leeres Lehrerpult in einem Klassenzimmer. (Quelle: dpa/Keystone)
Audio: Inforadio | 24.08.2021 | Kirsten Buchmann | Bild: dpa/Keystone

Rund 3.000 Berliner Lehrerinnen und Lehrer haben in den vergangenen vier Schuljahren gekündigt oder einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Das geht aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Thomas Seerig hervor.

Fehlende Verbeamtung ein Grund für Kündigungen

Die Lehrkräfte hatten demnach individuelle und familiäre Gründe wegzugehen oder sie wollten sich beruflich umorientieren. Pädagogen gaben laut der Bildungsverwaltung aber auch an, dass die Möglichkeit der Verbeamtung fehle. Die Lehrkräfte verließen in den vergangenen Jahren vor allem Grundschulen und Sekundarschulen.

Der FDP-Abgeordnete Thomas Seerig kritisiert, der Mangel an Lehrern in Berlin sei zum großen Teil selbstverschuldet. Es gebe keine Gegenmaßnahmen, die ihren Arbeitsalltag konkret verbessern. Die Bildungsverwaltung dagegen argumentiert, die höhere Bezahlung sei eine Maßnahme, um den Beruf attraktiver zu machen. Zudem hatte sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zuletzt für die Verbeamtung von Lehrkräften ausgesprochen.

13 Kommentare

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  1. 13.

    Das sind ja erschreckende Zahlen, die selbst im Mittel im hohen zweistelligen Bereich liegen ! Da wundert man sich noch,
    das da viele Lehrkräfte keinen Bock mehr haben ?

  2. 12.

    Ich versuche es halt nochmal, wer sich informieren möchte kann das gerne auf den Seiten ISS-Berlin machen. Sekundarschulen-Berlin.de

  3. 11.

    Dem kann ich zu 100% zustimmen!
    Und bald wird es auch keine Schulleitungen mehr geben, denn für diesen Wahnsinn an Zusatzaufgaben benötigt man eine zusätzlich Vollzeitstelle. 60-Stunden-Wochen sind normal und wenn man um Hilfe bittet, heißt es nur: „Sie müssen sich Ihre Freiräume schaffen, um auf Ihre Work-Life-Balance zu achten.“ Ja, ist klar. Und in der nächsten Mail kommt die nächste spontane Statistikabfrage - abzugeben bis in 2 Stunden. Und wer macht dann in der Zeit meinen Unterricht?

  4. 10.

    Danke für Ihre Darstellung. So weit ich weiß, haben andere Großstädte ähnliche Schülerstrukturen. Und haben nicht alle Schulen in Deutschland ähnliche Probleme? Oder gibt es den Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand in anderen Bundesländern nicht? Dann wäre es doch sinnlos zu wechseln. Die einzige Alternative liegt vermutlich auf dem Land. Ich fürchte den Großstädten wachsen die sozialen Probleme über den Kopf.

  5. 9.

    Wenn Fr. Schweres sich für die Verbeamtung auspricht , warum nicht mal Sonntg an der Kaffeetafel einen Gesetzentwutf ausarbeiten ? Oder Freitag nach dem Kino ? Sieht wird ja nicht erst übermorgen auf die Idee kommen ?

  6. 8.

    Hier mal ein Wort eines GS-Lehrers:

    - mangelnde Ausstattung an Personal, Ressourcen und Geld
    - immer steigende Anforderungen an Schulen.
    -Unterrichtsvor- und Nachbereitung nur noch am WE möglich, da man jeden Tag irgendwelche Nachmittagstermine hat
    - renitente Schüler aus renitente Elternhäuser
    - Eltern haben nur noch Rechte/ vergessen aber ihre Mitwirkungspflichten
    - Dokumentation- und Verwaltungswahnsinn
    - sinnlose Senatsvorgaben wie Corona-Diagnostik, ohne das konkrete Unterstützungsangebote kommen
    - Psychologe, Sozialpädagoge, Jugendamt, Polizei und nebenbei Lehrer in einer Person

    Der Senat verheizt seine Angestellten.

    Ich will weder mehr Geld, noch Beamter sein.
    Ich will unterrichten und erziehen und das qualitativ nachhaltig. Dafür müsste mein Tag aber 48 Stunden haben.

    Nein, das multikulturelle ist nicht das Problem. Auch hier sind’s die Elternhäuser, die eine andere Vorstellung von Schule haben

  7. 7.

    Na dann soll die SPD nach so vielen Jahren doch einfach einen Gesetzesentwurf einbringen und diesen mit Hilfe der CDU, der FDP und der AFD noch vor dem Ende der Legislaturperiode durchbringen. Das würde ihre Handlungsfähigkeit untermauern und zeigen, dass es ihnen ernst ist.

  8. 6.

    Wie hoch ist denn der reelle Anteil von Kindern mit nicht-deutscher Herkunftssprache ? Vielleicht haben Sie konkrete Zahlen,(gern auch in Prozenten) zur Hand, um die schwammige und nichtsagende These mit den Großstädten zu belegen ?

  9. 5.

    Der Anteil von Kindern mit nicht-deutscher Herkunftssprache ist in Berlin nicht höher als in anderen deutschen Großstädten. Insofern reicht dies als Erklärung nicht aus. Es müssen die konkreten Arbeitsbedingungen sein und offensichtlich spielt auch die fehlende Möglichkeit der Vebeamtung eine wichtige Rolle. Dies könnte der Senat einfach ändern.

  10. 4.

    Merkwürdig finde ich, dass die Bildungsverwaltung die Kündigungsgründe nicht systematisch erfasst und dann entprechend handelt. Das wäre doch der erste Schritt!

  11. 3.

    Kein Wunder, die Arbeitsbedingungen werden ja auch von Jahr zu Jahr schlechter.
    Und ich sehe das auch so: Die Probleme sind seid Jahren hausgemacht! Das Bildungsniveau sinkt ebenfalls seid Jahren.
    Wirklich zu interessieren scheint es jedenfalls niemanden.

  12. 2.

    Berlin hat besonders viele Schulen mit einem sehr schwierigen Klientel an SchülerInnen. Das kann auch erklären, warum besonders die Grund- und Sekundarschulen vom Weggang der Pädagogen betroffen sind. Die SchülerInnen an Gymnasien und Berufsschulen sind da etwas verständiger. Ich kann jeden Lehrernden verstehen, wenn er Berlin verlässt. Allein die Herausforderung der vielen Sprachen der Kinder ist sicherlich interessant, aber eben auch enorm anstrengend.

  13. 1.

    Wer will sich sowas auch ewig antun?
    Hr.seerig hat vollkommen recht.selbst gemachtes elend.

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