Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain - Ankunft der afghanischen Ortskräfte in Brandenburg verzögert sich

Do 19.08.21 | 20:14 Uhr
  3
Aus Afghanistan evakuierte Menschen verlassen ein Transportflugzeug der Bundeswehr (Quelle: dpa/Tessensohn)
Bundeswehr/dpa/Tessensohn
Audio: Inforadio | 19.08.2021 | Bild: Bundeswehr/dpa/Tessensohn Download (mp3, 5 MB)

Rund 100 aus Afghanistan evakuierte Menschen sollen am Donnerstag in Brandenburg ankommen. Sie werden mit Bussen von Frankurt am Main in die Erstaufnahme nach Doberlug-Kirchhain gefahren. Ihre Ankunft verzögert sich um einige Stunden.

Brandenburg erwartet nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban am Donnerstag die ersten Ortskräfte mit Familien aus Afghanistan. Allerdings verzögerte sich die Abfahrt des Konvois aus Frankfurt am Main nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums. Erst in der Nacht auf Freitag sei mit der Ankunft der Menschen zu rechnen, sagte Innenminister Michael Stübgen (CDU) am Donnerstagabend in der rbb-Sendung "Brandenburg aktuell".

"Eigentlich hatten wir sie am späten Nachmittag erwartet, aber sie sind noch nicht in Frankfurt am Main abgefahren", sagte Stübgen in der Sendung gegen 19:30 Uhr. "Es soll aber bald losgehen, erste Ortskräfte werden in Doberlug-Kirchhain nach Mitternacht eintreffen", so Stübgen. Erwartet würden "knapp 100 Personen", die nach ihrer Ankunft einen Coronatest machen müssen und zunächst drei Tage lang in der Einrichtung in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) bleiben werden, so der Innenminister weiter.

Ortskräfte kommen zunächst nach Doberlug-Kirchhain

Wie viele von ihnen über Dienstag hinaus dort bleiben werden und wie viele in andere Bundesländer kommen, sei noch unklar, so Stübgen weiter: "Bis zu 350 Menschen können dort aufgenommen werden."

Gemeinsam mit seinen Ressortkollegen sei am Donnerstag beschlossen worden, dass Deutschland neben den bisher aufgenommenen 5.000 Ortskräften weitere 5.000 besonders gefährdete Menschen aus Afghanistan aufnehmen könnte, "das betrifft vor allem Beschäftigte bei Hilfsorganisationen, Ärzte, Wissenschaftler, Lehrer, Politiker, Aktivisten. Diese Personen sollen auch so schnell wie möglich ausgeflogen werden", kündigte der CDU-Politiker an. "Die Luftbrücke steht", so Stübgen.

Brandenburg hat 350 Plätze zugesagt

"Wir sind bereits gut vorbereitet, die Zimmer sind alle vorbereitet", sagte der Chef der Zentralen Ausländerbehörde von Brandenburg, Olaf Jansen, der rbb-Welle Radioeins. "Es sind Zelte aufgebaut, wo die erste Begrüßung stattfindet. Dort testen wir die ankommenden Personen mit Schnelltests und statten sie mit Hygienepaketen aus." Außerdem werde festgestellt, ob eine medizinische Versorgung erforderlich sei.

Brandenburg habe dem Bund 350 Plätze zugesagt. Die Verteilung auf die Bundesländer erfolge nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, der auch bei Asylbewerbern angewendet wird, so Jansen. "Das bedeutet, dass in Brandenburg etwa drei Prozent der Personen, die insgesamt in Deutschland ankommen, bleiben."

Stübgen erwartet Flüchtlingswellen

Innenminister Stübgen versicherte, Brandenburg sei bereit mitzuhelfen und habe auch die Kapazitäten, auch langfristig afghanische Flüchtlinge aufnehmen. Er könne aber keine konkreten Zahlen nennen, sagte Stübgen im rbb. Das sei mit den Innenministern der anderen Bundesländer am Mittwoch so verabredet worden. "Entscheidend ist, dass der Bund jetzt sagt, was machen wir. (...) Und ich habe für Brandenburg im Namen der ganzen Landesregierung natürlich unsere Aufnahmebereitschaft signalisiert und wir wissen auch, dass wir Kapazitäten haben."

Die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft müssten sich auf Flüchtlingswellen vorbereiten, forderte Stübgen. "Sie werden zunächst in den Nachbarländern aufschlagen und hier ist es von entscheidender Bedeutung - das ist aber nicht Sache der Klärung, die die Innenminister machen können - dass EU und UNHCR sehr schnell Aufnahmekapazitäten, Auffanglager heimatnah für die Flüchtlinge bereitstellen können."

Brandenburg hatte, wie auch andere Bundesländer, bereits zuvor schon afghanische Ortskräfte und ihre Familien aufgenommen. Nach Angaben des Innenministeriums sind es bisher 150 Menschen - 33 Ortskräfte und ihre Angehörigen.

Sendung: Brandenburg aktuell, 19.08.2021, 19:30 Uhr

Die Kommentarfunktion wurde am 19.08.2021 um 14:58 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Klar, noch einbisschen weiter durchs Land karren, wie Sie so schön geschrieben haben. Ich finde es immer ganz toll, wie manche hier soooo gute Vorschläge machen können ohne selbst mal den Ar… zu bewegen.

    Ich glaube, dass die Menschen schon froh sind, aus Afganistan raus zu sein, und da hat Deutschland gerade noch so die Kurve gekriegt.

    Nie wieder Kriege/Einmischung in andere Länder bitte. Es hat sich ja nun mehrfach gezeigt, wie das endet.

  2. 2.

    P.S.: hier in der Goerzallee wurde eine funkelnagelneue Flüchtlingsunterkunft geschaffen, die nicht ganz so nach Kaserne aussieht. (Sondern nur ein bisschen.) Vielleicht ein für die Seele etwas angenehmerer Ort. Auch für Erstaufnahme.

  3. 1.

    Ich als ehemaliger Doberlug-Kirchhainer freue mich darüber, dass die alte Bundeswehrkaserne doch noch für solch wunderbare Zwecke zur Verfügung steht! Trotzdem hoffe ich, dass die Menschen schnell eigene Wohnungen erhalten und ein neues Leben außerhalb von Stacheldraht und Schranken aufbauen können.

Nächster Artikel