Programm für Klimaschutz - Brandenburg will mit Moor-Landwirtschaft CO2 einsparen

Fr 06.08.21 | 18:40 Uhr | Von Oliver Soos
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Symbolbild: Eine trockene Moorlandschaft
Audio: Inforadio | 06.08.2021 | Oliver Soos | Bild: picture alliance/Joaquim Ferreira

Entwässerte Moore sind gefährliche Klimakiller. In Brandenburg stoßen sie mehr Treibhausgas aus als der komplette Verkehr des Landes. Das Umweltministerium arbeitet jetzt an einem Moorschutzprogramm, um den Ausstoß spürbar zu verringern. Von Oliver Soos

Etwa 265.000 Hektar Moorfläche gibt es in Brandenburg. Das entspricht etwa dreimal der Fläche von Berlin. Seit dem 18. Jahrhundert werden diese Moorflächen entwässert, unter anderem für die Landwirtschaft. Heute sind noch rund 166.000 Hektar als Moorböden erhalten, mit einem Torfhorizont von mindestens 30 Zentimetern. Davon sind nur etwa 10.000 Hektar so genannte naturnahe wachsende Moore.

Diese wirken als CO2-Speicher und werden oft mit Schwämmen verglichen. Wenn das Wasser im Boden verschwindet, sinken die Poren des Torfs zusammen und der Moorboden sackt ab. Die im Boden enthaltenen Mikroorganismen bekommen dann Sauerstoff und fangen an, die im Torf gespeicherten organischen Substanzen zu zersetzen, so dass Kohlendioxid und Lachgas in die Atmosphäre ausgestoßen werden. Aktuell sollen die Brandenburger Moorböden pro Jahr etwa 6,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausstoßen, 0,7 Millionen Tonnen mehr als der gesamte Verkehr des Landes.

 

15 Millionen Euro für den Moorschutz

Der Brandenburger Umweltminister Axel Vogel (Grüne) will dafür kämpfen, möglichst viele Flächen als nasse Moore zu erhalten. "Moorschutz ist praktischer Klimaschutz und wird deshalb auch Teil des Klimaplans, den unser Ministerium zurzeit erarbeitet. Wir wollen aus den CO2-Emittenten CO2-Senken machen", sagt Vogel.

In den kommenden fünf Jahren will der Minister gut 15 Millionen Euro für den Moorschutz zur Verfügung stellen, aus dem Zukunftsinvestitionsfonds (Zifog) des Landes Brandenburg. Vogel hofft außerdem auf weitere Mittel des Bundes. Mit dem Geld soll vor allem klimaschonende Landwirtschaft auf nassen Moorböden gefördert werden.

Landwirte Sebastian und Juliane Petri mit ihrem Moor-Mäher, einer umgebauten Schnee-Pistenraupe
Landwirte Sebastian und Juliane Petri mit ihrem Moor-Mäher, einer umgebauten Schnee-Pistenraupe | Bild: rbb/Oliver Soos

Erster Moor-Klimawirt im Rhinluch

Einer der so eine Landwirtschaft schon betreibt, ist der 36-jährige Sebastian Petri, der in diesen Tagen viel Medienaufmerksamkeit genießt. Er gilt als erster Moor-Klimawirt Brandenburgs, wird vom Land gefördert und wurde vom Deutschen Verband für Landschaftspflege mit einem Preis ausgezeichnet. Zusammen mit seiner Frau bewirtschaftet er 280 Hektar Land im Rhinluch bei Kremmen (Landkreis Oberhavel), einem der größten zusammenhängenden Moorgebiete Brandenburgs.

Sebastian Petri entwässert seine Flächen nicht. Dadurch hat er auf dem sumpfigen Boden nur begrenzte Möglichkeiten, was Ackerbau und Viehzucht angeht. Er baut schilfartiges Rohrglanzgras an und hält ein paar Wasserbüffel. Das Fleisch lässt sich kaum vermarkten, das Gras verkauft er vor allem als Heu an Pferdehalter und stellt es für Forschungszwecke zur Verfügung. Ohne die Förderung könnte sich Petri im Moment noch nicht über Wasser halten. Er sagt, er arbeite für die Zukunft. "Ich bin hier in dieser Landschaft aufgewachsen und sehe, wie das Moor immer mehr zerstört wird und verschwindet", sagt Petri und erzählt von seinem dreijährigen Sohn, der vielleicht auch mal Landwirt werden wolle: "Ihm möchte ich später einmal nicht gegenüberstehen und sagen müssen: Wir haben es ja gewusst, aber wir haben nichts gemacht."

Moorgras als Holzersatz

Um von seiner Art von Landwirtschaft einmal ohne Förderung leben zu können, bräuchte es gute Verwertungsmöglichkeiten für sein Anbauprodukt Rohrglanzgras, so Petri. Daran arbeitet das Leibnitz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam. Der Forscher Carsten Lühr erzählt von vielversprechenden Experimenten mit dem Moorgras aus dem Rhinluch. "Wir waren sehr überrascht, dass wir schon im frischen Zustand, feucht verarbeitet, einen sehr feinen Faserstoff bekommen haben", sagt Lühr. Die Forscher haben Platten gepresst, die Holzfaserplatten für den Innenausbau ähneln. Sie konnten Palletten aus Pappe und Verpackungspapier herstellen.

"Ich sehe es zunächst vor allem als Ergänzung zum Holzmarkt. Man könnte die Fasern des Rohrglanzgrases Holzfaserstoff beimischen und irgendwann vielleicht sogar das Holz ganz weglassen", sagt Lühr.

Forscher Carsten Lühr zeigt Umweltminister Axel Vogel Produkte aus Rohrglanzgras
Forscher Carsten Lühr zeigt Umweltminister Axel Vogel Produkte aus Rohrglanzgras | Bild: rbb/Oliver Soos

Förderrichtlinie noch in diesem Jahr

Umweltminister Vogel will genau so etwas weiter vorantreiben und seine "Förderrichtlinie Klima-Moorschutz" noch in diesem Jahr in Kraft setzen. Mit den 15 Millionen Euro aus dem Zukunftsinvestitionsfonds sollen unter anderem spezielle Maschinen für die Bewirtschaftung des Moores angeschafft werden, so dass weitere Landwirte auf Moorschutz umsteigen können. Sebastian Petri z.B. benutzt einen 250.000 Euro teuren Moor-Mäher - eine umgebaute Schnee-Pistenraupe, die im Sumpf nicht stecken bleibt.

Außerdem sollen Vermarktungsketten aufgebaut werden, so Vogel. "Die Landwirte müssen mit anderen Produkten Einnahmen erzielen können als bislang. Deshalb binden wir Unternehmen ein, die bereit sind, diese Produkte zu verarbeiten. Da sind wir noch ganz am Anfang und das geht auch nicht ohne Wissenschaft", sagt der Minister. Doch eine Zielvorstellung hat er schon: ab 2030 will Axel Vogel in den Brandenburger Moorlandschaften mindestens 700.000 Tonnen CO2-Äquivalente einsparen also gut ein Zehntel des Ausstoßes insgesamt.

Sendung: Inforadio, 06.08.2021, 18:30 Uhr

Beitrag von Oliver Soos

17 Kommentare

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  1. 17.

    Da Sie doch so toll rechnen können. Wieviel Co2 ist Brandenburger Wäldern gebunden und wir jetzt wegen des grünen Spritzverbot freigesetzt da die Bäume nur noch zum heizen taugen?

  2. 16.

    Unsinn von ihnen erneut, weil Pflanzen eben Licht brauchen. Nur weil unter einigen Anlagen Schafe als Rasenmäher laufen ist dies nicht gleich eine Landwirtschaft welche die Mehrheit ernähren kann.

  3. 15.

    Wussten Sie schon, dass die Ressource "Wasser" in Brandenburg sehr unterschiedlich verteilt ist? Was in Schwedt direkt an der Oder kein Problem darstellt, wird in anderen Gegenden, z.B. östlich und südöstlich von Berlin ein solches: sinkende Grundwasserpegel, austrocknende Seen...

  4. 14.

    PV-Anlagen und Landwirtschaft können sich sogar ergänzen:
    https://www.sueddeutsche.de/wissen/agrophotovoltaik-photovoltaik-ackerflaechen-solarmodule-1.4649473

    Mit Schafen auf festen Grund gibt es das auch schon z.B. auf Pellworm. Wasserbüffel und Moor stellen aber andere Anforderungen an die Gründung.

  5. 13.

    Das war ein Artikel des RBB über den gleichen Moorwirt.

  6. 12.

    Wer rechnen kann: Das Wasswraufkommen in Berlin und Brandenburg betrug in 2019 laut Amt für Statistik 1,2 Milliarden Kubikmeter. Tesla benötigt davon 1/1000 bzw. so viel Wasser wie 23.000 Grünheider, Erkneraner o. Rüderdorfer bzw. 40.000 Brandenburger.

    Wussten Sie schon, dass der PCK für einen Liter Kraftstoff rd. zwei Liter Wasser benötigt? So manch überzeugten MIVler ist das egal.

  7. 11.

    Roman, sie haben 100% Recht , Pflanzen brauchen Licht, welches unter Solarpanelen echt Mangelware ist.

  8. 10.

    Kürzlich habe ich gelesen, dass es kaum kleinere Schlachtbetriebe gibt, die überhaupt Wasserbüffel schlachten könnten und eben auch das Fleisch verarbeiten würden. Geschmacklich wird es wohl dem Rindfleisch ähnlich sein. In der DDR hatte man die Moorwiesen trocken gelegt um diese Flächen landwirtschaftlich nutzen zu können. Da war doch mal eine Großaktion auf den Friedländer Wiesen ?

  9. 9.

    Richtig; als Strausbergerin kennt man schließlich die Dammwiesen und die dort weidenden Wasserbüffel.

  10. 8.

    Schafe sind für Moorbeweidung aber die falschen Tiere. Sie werden krank, wenn sie ständig auf feuchtem Untergrund stehen. Schon mal was von Moderhinke gehört? Wassserbüffel sind im Moor ideal.

  11. 7.

    Das wird kaum funktionieren.
    Die Pflanzen benötigen Sonnenlicht für die Photosynthese und damit zum Binden von CO2 aus der Atmosphäre.

    Ohne Sonne wäre das ein Haufen gammelnder Pflanzenrestematschbrei, der zur Jauche wird.

    Wir müssen uns damit abfinden, dass es Flächen gibt, die keinen direkt bezifferbaren Nutzen für den Menschen haben.

    Der Nutzen insgesamt ist der Klimaschutz.

  12. 6.

    Klar funktioniert das, man muss nur entsprechend bauen. Man kann die Anlagen auch ausreichend hoch bauen, dass da noch Schafe drunter passen.

  13. 5.

    Funktioniert nicht, da Pflanzen Licht brauchen. Wer sagt ihnen, dass wir die Flächen nicht bald für die Erzeugung von Lebensmittelen benötigen?

  14. 4.

    Klingt nach einer gute Idee, aber funktioniert das denn? Zum einen dürfen die geständerten Module nicht versinken, außerdem fällt auch die Beweidung mit Schafen wohl weg. Ansonsten könnte es klappen.

  15. 3.

    Was in der Reportage fehlt ist Wasser, viel Wasser. Aber das bekommt wohl eher Tesla.

  16. 2.

    Natur- und Umweltschutz ist der beste Klimaschutz. Der Ansatz ist gut. Hoffentlich wird es dann auch gut und richtig ausgeführt.

  17. 1.

    In Moorgebieten kann man auch sehr gut PV aufstellen. Die zusätzliche Beschattung verringert die Verdunstung und man gewinnt sauberen Strom.

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