Bericht des Weltklimarates - Vogel geht von schnellerem Ende der Braunkohle aus

Mo 09.08.21 | 20:20 Uhr
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Ein Kohlekraftwerk im Lausitzer Braunkohlerevier (Quelle: dpa/Florian Gaertner)
Video: Brandenburg aktuell | 09.08.2021 | C. Hölscher sowie Interview mit St. Rahmstorf | Bild: dpa/Florian Gaertner

2038 soll mit der Braunkohle in Deutschland Schluss sein. Der Brandenburger Umweltminister Vogel glaubt hingegen, das Ende werde schon früher kommen. Wenn die Preise für CO2-Zertifikate anziehen, werde sich die Kohle schlicht nicht mehr lohnen.

Der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung wird nach Ansicht des Brandenburger Umweltministers Axel Vogel (Grüne) schneller kommen als 2038.

Er reagierte auf den am Montag veröffentlichten Bericht des Weltklimarates IPCC, der eine Verschärfung der Klimakrise prognostiziert. "Die Ereignisse überstürzen sich ja", sagte Vogel dem rbb. "Und wenn CO2-Zertifikate verknappt werden, wenn die Preise für CO2-Emissionen steigen, dann wird es auch wesentlich schneller zu einem Kohleausstieg kommen, als wir uns politisch mal überlegt hatten", sagte Vogel am Montag Brandenburg aktuell.

Bislang ist in Deutschland ein Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 vorgesehen. Brandenburger Koalitionsspitzen wie SPD-Fraktionschef Erik Stohn hatten dieses Ausstiegsszenario bislang verteidigt. Zuletzt hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Forderungen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) nach einem Ausstieg bis 2030 eine Absage erteilt, da es eine klare Vereinbarung zum stufenweisen Ausstieg bis 2038 gebe.

Die wärmsten sechs Jahre in Deutschland seit Messung

Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hatte am Montag seinen neuen Bericht vorgestellt. Darin heißt es, Modellrechnungen hätten gezeigt, dass selbst bei den striktesten Klimaschutzmaßnahmen eine Erwärmung der Erde um 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit in den kommenden 20 Jahren kaum noch verhindert werden könne.

Der Bericht zeigt so deutlich wie nie zuvor auf, wie der steigende Treibhausgas-Ausstoß den Planeten bedroht. Der Meeresspiegel steigt schneller, das Eis an den Polen und Gletscher schmelzen rascher. Die Menschen müssten sich wegen der steigenden Temperaturen auf mehr Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen und Hitze einstellen, heißt es. Der Weltklimarat erwähnt keine einzelnen Katastrophen, aber mit Extremereignissen sind Überschwemmungen wie jüngst im Westen und Süden Deutschlands oder extreme Hitze wie in Südosteuropa und im Westen Kanadas gemeint.

Insgesamt haben mehr als 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern rund 14.000 Klima-Studien für den Weltklimarat ausgewertet, die seit dem letzten Bericht dieser Art 2013 erschienen sind.

Das 1,5-Grad-Ziel steht im Pariser Klimaabkommen von 2015. Die Staaten wollen die Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1850-1900) deutlich unter zwei Grad halten, möglichst aber bereits bei 1,5 Grad. Bislang liegt die Erwärmung bei etwa 1,1 Grad, mit regionalen Unterschieden. In Deutschland sind es schon 1,6 Grad. Die vergangenen sechs Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Messungen.

Sofortiges Umsteuern könnte schlimmste Folgen noch verhindern

Die klimapolitische Sprecherin der Grünen im Brandenburger Landtag, Ricarda Budke, nannte die Studienergebnisse "erneut alarmierend". Es zeige sich aber auch, dass noch Zeit zum handeln sei. "Wir fordern vom Bund, den Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohleverstromung vorzuziehen", so Budke.

Auch die Wissenschaftler, die an dem Bericht mitgearbeitet hatten, gehen davon aus, dass sich die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch verhindern lassen könnten. "Wenn wir die Emissionen schnell herunterfahren, haben wir eine gute Chance, das 2-Grad-Ziel einzuhalten", sagte einer der Autoren, Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. Dazu müsste bis spätestens 2070 Klimaneutralität erreicht werden. Selbst bei gutem Klimaschutz dürfte der Meeresspiegel nach dem Bericht Ende des Jahrhunderts um bis zu 62 Zentimeter höher sein als 1995-2014. Klimaneutralität heißt, dass nur noch höchstens so viel Treibhausgas ausgestoßen wird wie Senken aufnehmen können.

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.08.2021, 19.30 Uhr

39 Kommentare

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  1. 38.

    Wenn es keinen Kohlstrom mehr gib sitzen wir eben im Dunklen. Wo kam bitte der Strom in der ersten Jahreshälfte her?

  2. 37.

    Wenn die grünen Träumer sich mal der Realität stellen würden, dann wäre ihnen vielleicht bekannt, dass im ersten Halbjahr der Verbrauch fossiler Brennstoffe in Deutschland wegen der schwächelnden Windkraft deutlich zugelegt hat und es ohne fossile Energieträger zum Blackout gekommen wäre. Es wäre ihnen vielleicht auch nicht entgangen, dass in den USA der Abbau von Kohle, entgegen der vollmundigen Ankündigungen Bidens, massiv zugenommen hat und deren Aktienkurse wegen bester Zukunftsaussichten geradezu durch die Decke gehen. Die Energiewende ist richtig und wichtig, aber nicht im Hauruck-Verfahren sondern geordnet und so, dass sowohl Wirtschaft, als auch Gesellschaft sich darauf einstellen können. Gefundene Kompromisse ständig wieder in Frage zu stellen, gehört nicht dazu und ist undemokratisch. Wenn nicht alle mitziehen, rettet Deutschland die Welt auch nicht und die angebliche Vorbildwirkung ist leider ein Märchen.

  3. 36.

    Im Atom liegt keine Lösung. Die Situation verändert sich gerade.
    Ging es doch vorher darum Kipppunkte zu vermeiden bei denen die Natur klimaschädliche Gase in Massen ausstößt, geht es jetzt darum die Beschleunigung zu vermeiden. Früher wurde abgestritten, dass wir das Klima beeinflussen können, doch mit gemeinsamer globaler Anstrengung haben wir es doch geschafft.
    Wir müssen trotzdem unseren CO2 Ausstoß auf 0 und darunter senken um die Beschleunigung nicht zu heftig ausfallen zu lassen, sitzen aber dann trotzdem im Gewächshaus. Den fossilen Kraftstoff zu wechseln bringt gar nichts und Atom zählt dazu. Am Ende wird jede Energie zu Wärme.
    Um es bildlicher Auszudrücken: Im schon angeschalteten Herd stellen wir noch brennende Kerzen hinein und hoffen dass es nicht zu heiß wird. Viel Glück dabei. Mit Solar, Wind, etc nehmen wir die Energie aus der Hitze im Ofen und machen daraus Strom. Da kommt wenigstens nichts hinzu.

  4. 35.

    Im fernen Hannover glauben Sie in der Lausitz sieht es wirklich so aus. Sicher in einen seriösen Bericht gehören keine manipulierten manipulierenden Bilder.

  5. 34.

    Wenn es keinen Kohlstrom mehr gib sitzen wir eben im Dunklen. Wo kam bitte der Strom in der ersten Jahreshälfte her?

  6. 33.

    Vielleicht haben Sie es noch nicht gehört, aber es gibt einen Gesetzesentwurf, nach dem es statthaft ist bei geringem Stromangebot den Ladestrom an Ladestationen zu verringern bzw. zeitweise einzustellen. Wenn das mit Ladeinfrastruktur geht, dann geht es auch mit jedem Hausanschluss.

  7. 32.

    Aktuell plant allein China Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 247 Gigawatt, davon sind 88,1 GW bereits in Bau.

  8. 31.

    Aber: Innovationen, pfiffige Ideen= FEHLANZEIGE!"
    Man könnte jetzt natürlich auch fragen, wohin uns die Innovationen und pfiffigen Ideen so gebracht haben.

  9. 30.

    Und wenn z.B. ein Pumpspeicherwerk gebaut werden soll, kommen sogenannte Umweltschützer um die Ecke, die zwar gerne den einzelnen Baum umarmen, dabei aber den Blick auf den Wald drumrum ausblenden.

  10. 29.

    Grüne "Lösungen": Preise erhöhen, Steuern einführen u.v.m. Aber: Innovationen, pfiffige Ideen= FEHLANZEIGE!
    Einige ideologen glauben, drehe ich an der CO2-Steuerschraube, verschwinden die Kohlekraftwerke und andere fossile Emittenten. Nur dem ist nicht so: es steigen lediglich die Großhandelspreise für Elektroenergie. Passend dazu der Irrglaube, dass eine LKW-Maut den Schwerlastverkehr von den Straßen verdrängt. Mangels logistischer Alternativen (Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines deutschen Güterzuges beträgt 25km/h)bleibt der LKW-Verkehr und die Maut wird auf die Logistikgebühren aufgeschlagen welche letzendlich der Auftraggeber an den Endkunden weitergibt. Merke: jede Erhöhung der Maut bringt eine Endverbraucherpreiserhöhung. Ähnlich die CO2-Steuer: Hohe fossile Nachfrage mangels Alternative ergibt steigende Preise. Siehe Strompreisentwicklung Deutschland. Wir schaffen das....

  11. 28.

    "Vogel geht von schnellerem Ende der Braunkohle aus" ...oder man geht vom schnellen "Vogel-Ende" aus..., weil ein Minister der kommentiert statt handelt, oder lieber zuteilt statt schafft, oder lieber "Ausspielt" (Windräder, Wasserzuteilung) statt löst usw. letztlich nicht gebraucht wird.

  12. 27.

    Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Alle Kraftwerke abschalten kann nicht die Lösung sein. Was passiert kein Wind, keine Sonne - wo kommt dann die Energie her. Deutschland kauft dann Kohlestrom aus Polen und Atomstrom aus Frankreich. Der Bürger ist der Dumme - er muss alles teuer bezahlen.

  13. 26.
    Antwort auf [Peter ] vom 09.08.2021 um 22:01

    Wenn zeitnah kein Kohlestrom mehr im Netz ist, verstummen ganz gewiss auch Ihre wenig inhaltlich wertvollen Bashings gegenüber den Mitarbeitern in der Kohle- und Energiewirtschaft, die als Mitarbeiter natürlich dafür verantwortlich sind, das Deutschland einen riesigen Energiehunger hat und sich dieser Appetit dank E-Mobilität und Smart-Homes noch deutlich verstärken wird. Die Bergleute baggern schließlich nur aus Langeweile im Brandenburger Karnickelsand. Zum Thema: Jeder Liter Kraftstoff den wir in den KFZ-Motoren nicht mehr verbrennen sollen, muss durch Elektronergie ersetzt werden. Nur bei Windstille iss da nicht viel mit dem Zappelstrom. Ganz aktuell (just now) beträgt die "grüne Stromeinspeisung" 27% und der Strompreis pendelt bei ca. 115,-pro MWh. Wo nun kommen die fehlenden 73% her zur Bedarfsdeckung des deutschen Stromhungers her? Richtig: aus der Steckdose über das grün-gelbe Kabel...

  14. 25.

    KKW, die in westlichen Industriestaaten im Bau sind, sind i.d.R. bei explodierenden Preisen um Jahre verspätet - s. z.B. Block 3 Flamanville mit geplanter Fertigstellung in 2012 nach fünfjähriger Bauzeit zum Preis von 3,3 Mrd. Euro. Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis der in Betrieb geht und bis dahin Kosten in Höhe von mindestens 20 Mrd. verursacht haben. Olkiluoto (FIN) könnte vielleicht bald in Betrieb gehen. Für Hinkley Point liegen die Kostenschätzungen der EDF bei mittlerweile 22 Mrd. brit. Pfund. Es gibt bestimmt Wetten, wer eher in Betrieb geht: Das KKW oder der ITER.

  15. 24.

    -löl- Wo haben Sie denn diese "Weisheit" her? Dank der Erhöhung des CO2-Preises steigen im selben Verhältnis die Strompreise. Seit Wochen bewegen sich die Erzeugerpreise jenseits der 100,-€/MWh. Die Vorverkaufspreise an der Leipziger Strombörse für 2022 bewegen sich jenseits von 70,-Euro. Und da das Bundle aus konventioneller Stromerzeugung aktuell immer noch bei ca. 50% liegt, wird sich daran auch kaum was ändern. Bezahlt wird das an der Steckdose. Wir können gern 10.000 Windräder pro Jahr errichten. Alle haben eins gemeinsam: sie speisen 0 (NULL) MW bei Flaute ins Stromnetz. Bei Wind jedoch bringen sie dann die Netze in Gefahr. So ist das mit der hochvolatilen Stromerzeugung. Fazit: bei hoher Windeinspeisung verschenken wir in Europa den Strom: Minus!!! 65,-€ letztes WE und bei Flaute importieren wir zu Horrorsummen. Das sind die Fakten und keine Ideologie!

  16. 23.

    Machen Sie sich keine Sorgen, auch Ihnen und Ihren Nachkommen wird der Klimawandel vorschreiben wie Sie zu leben haben. Die Erkenntnis dauert bei einigen halt nur etwas länger.

  17. 22.

    Klar, so ein Szenario wird für genutzt um
    a alle anderen machen nicht mit
    b Kernkraft ist die Rettung
    c die Grünen wollen nur verbieten
    und weitere Stanzen in das Forum zu blasen.
    Nicht ein mal wird das Thema Energiesparen, Konsumverzicht , bessere Verkehrslenkung o.ä. angesprochen.
    Wäre ja auch nicht so einfach von der Tastatur her zu lösen.
    Müsste man ja was tun.
    Und da könnte ja jeder kommen.

  18. 21.

    Ein wirklich gutes, abschreckendes Foto, das einfach nur den brutalen Umgang mit der Natur zeigt. Solche Bilder sind ja zum Glück bald Geschichte. Was wollen Sie zeigen, blühende Landschaften etwa?

  19. 20.

    Die Realität sieht momentan anders aus,
    schauen Sie mal an die EEX, z.Zt. knapp 100€/MWh, das fünffache gegenüber dem letzten Sommer.
    Die großverbrauchende Industrie ächst unter diesen Preisen, welche durch Kohle- und Atomausstieg weiter steigen werden. Wir schaffen hier ab und importieren später den gleichen Strom aus dem Ausland. Wie genial...

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