Impfungen für Kinder ab zwölf - Stiko-Mitglied stellt neue Impf-Empfehlung für Mitte August in Aussicht

Symbolbild: Ein Kinder- und Jugendarzt impft am 09.06.2021 eine junge Frau mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Video: Abendschau | 03.08.2021 | Philipp Höppner | Bild: dpa/Fabian Sommer

Kindern ab zwölf Jahren und ohne Vorerkrankungen können sich impfen lassen. Die Bund-Länder-Entscheidung dazu stößt auf breite Kritik, weil sie auch die Impf-Empfehlung der Stiko umgeht. Die will nun möglicherweise anpassen.

Der pensionierte Kinderarzt Martin Terhardt hat als Mitglied der Ständigen Impfkommission ein Update der Stiko-Empfehlung zu Impfungen von Kindern ab zwölf Jahren für Mitte August in Aussicht gestellt.

Die Kommission werde "wahrscheinlich in den nächsten 10-14 Tagen zu einer aktualisierten Empfehlung kommen, weil wir wahrscheinlich bis dahin die notwendigen Daten ausgewertet haben", sagt er im Interview auf Radioeins vom rbb. Ein Prognose, ob die Stiko ihre Empfehlung dann auf alle Kinder ausweitet, wollte Terhardt nicht abgeben. Er betonte, dass die Stiko auch unter dem aktuellen politischen Druck mit der größtmöglichsten Sorgfalt arbeiten wolle.

Spahn: Keiner muss sich impfen lassen

Bund und Länder hatten am Montag entschieden, allen Kindern ab zwölf Jahren ein breites Angebot für Corona-Impfungen zu ermöglichen. Damit umgehen sie die aktuelle Stiko-Empfehlung. Diese rät zurzeit 12- bis 17-Jährigen nur dann zu einer Impfung, wenn besondere Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas vorliegen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte am Dienstag den Beschluss: Es gehe um ein leichter verfügbares Angebot als bisher, weil genügend Impfstoff da sei, sich zu schützen. "Wer will, kann sich impfen lassen - keiner muss", sagte Spahn im rbb-Inforadio. Angesichts der ansteckenderen Delta-Virusvariante gelte aber generell: "Entweder man wird infiziert ohne Impfschutz, oder man hat den Impfschutz."

Beschluss vom Montag sorgt für vielfältige Kritik

Die Entscheidung der Gesundheitsminister führte zu heftigen Reaktionen am Dienstag. Der Hausärzteverband bezeichnet den Beschluss als "Wahlkampfgetöse". Warum nicht eine allgemeine Empfehlung der Stiko für alle Kinder ab 12 abgewartet werde, sei ihm "schleierhaft", sagte der Bundesvorsitzende Ulrich Weigelt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank-Ulrich Montgomery, kritisiert den Vorstoß: "Hier versucht man, sich aufzublasen gegenüber einer Kommission, die per Gesetz eingesetzt worden ist, um wissenschaftlich unabhängig zu prüfen", sagte er bei RTL und ntv.

Auch Elternvertreter fürchten Verunsicherung

Elternvertreter befürchten eine wachsende Verunsicherung. "Viele Eltern stehen dem Impfangebot sehr skeptisch gegenüber, mindestens so lange die Stiko keine Empfehlungen dafür abgibt", sagte Ines Weber, Vorstandsmitglied des Bundeselternrats, dem RND. Obwohl ausreichende Studien zur Verträglichkeit fehlten, fühlten sich Eltern unter Druck gesetzt, ihre Kinder impfen zu lassen, um ihnen den Schulbesuch zu ermöglichen, hieß es.

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sieht Stiko in der Pflicht

Dagegen sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, der "Rheinischen Post" [externer Link | rp-online.de], er persönlich befürworte die Corona-Impfung bei Jugendlichen. Das Risiko von Nebenwirkungen durch die Impfung sei extrem gering, sagte Fischbach und forderte die Stiko zu einer zügigen Neubewertung auf. Allerdings halte er aber nichts davon, Kindern und Jugendlichen in den Impfzentren zu impfen. "Das sollten wir Kinder- und Jugendärzte machen”, sagte er.

Sendung: Radio Eins, 03.08.21, 8:38 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Ich wäre froh und dankbar, wenn ich meinen 11jährigen und auch den 2jährigen impfen lassen könnte. Sobald ein Immpfstoff für Kinder unter 12 Jahren zugelassen wird, werde ich das auch tun.

    Wie man mutwillig seine eigenen Kinder dem unter der Delta-Variante sehr realen und spätestens ab Herbst nicht mehr abwendbaren Risiko einer nachgewiesenermaßen für einige Kinder sehr folgenreichen Krankheit (Long Covid? war da nicht was?) aussetzen kann nach dem otto, die Kinder überstehen das schon, denen passiert doch nichts - aber gleichzeitig vehement einen Impfstoff, der das entsprechende Spike-Protein des Virus nur in einer harmlosen Form im Körper reproduziert, ablehnen kann - nein, das erschließt sich mir nicht. Mit derselben Logik müsste man seine Kinder Tetanus durchmachen lassen, ist ja auch eine ganz natürliche Infektion...

  2. 19.

    Zum Donnerwetter. Warum wird auf die Stiko rumgehackt?? Das Rki lässt man doch auch in Ruhe. Ansonsten, es lebe der Wahlkampf.

  3. 18.

    "... aber wo gibt es denn noch Tote.?..."
    Super Einstellung!
    Wie viele Tote "brauchen" Sie denn am Tag?
    3 oder 8 oder 12 oder 120?

    Sie sollten sich evtl. noch einmal die Gedenkfeier von Herr Steinmeier für 70.000 Coronatote vom 18. April 2021 in Erinnerung rufen.
    Heute sind wir bei ca. 91.700 ... nur in Deutschland ... noch Fragen?

  4. 17.

    Ich bin echt froh, dass ich diese Entscheidung für meine Kinder nicht mehr treffen muss und meine Enkel sind noch unter 12. Ich fühle mit den betroffenen Eltern und kann mir den Druck vorstellen. Wie geht dann die Diskussion weiter? Dürfen ungeimpfte Kids dann keine Sportvereine mehr aufsuchen oder an Klassenfahrten teilnehmen? Fürchterlich der Gedanke

  5. 16.

    Ich lebe in Brandenburg und genau hier passiert das von mir beschriebene. Ich war sichtlich überrascht, sprach hierzu den Arzt an ( Gemeinschaftspraxis ) der mir dies noch einmal bestätigte

  6. 15.

    Nun wird auch die stiko nachgeben und zustimmen.
    Leider !!! Überall wird Druck ausgeübt. Es gibt viele infizierte,aber wo gibt es denn noch Tote.? Ist das noch eine Pandemie??

  7. 14.

    Unter dem massiven Druck durch die Politik hat die Stiko die Wahl, entweder ins Abseits gestellt oder personell erneuert zu werden - oder ihre sachkundige Empfehlung politisch korrekt zu verbiegen.

  8. 13.

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    es ist unerträglich was die Politik hier leistet. Erst werden die Erwachsenen durch die Hintertür zur Impfung „verpflichtet“ - Nachteile sind schon erkennbar wer es nicht tut - und nun sind die Kinder an der Reihe. Corona sollte, klar nicht auf die leichte Schulter genommen werden, aber Menschen, die es nicht wünschen, in die zweite Reihe zu stellen, geht garnicht. Dann führt verdammt noch mal die Pflicht zum Impfen ein und dann ist die ewige nicht mehr zu ertragene Diskussion vorbei! Ich hoffe der Staat übernimmt auch Spätfolgen, die heute noch keine weiß, wie sie aussehen!

  9. 11.

    Jeder, der sein Kind hätte impfen wollen, hätte dies tun können. Bei unseren Ärzten steht an der Anmeldung ein großes Schild: sofortige Impfung mit Biontech vorhanden, Kinder ausdrücklich erwünscht. Das ist sicher nicht die Regel, aber verbreitet. Schlimm, dass der politische Druck auf Eltern erhöht wird. Zu lesen ist: Bei einem Ausbruch müssen ungeimpfte Kinder 14 Tage in Quarantäne, geimpfte dürfen weiter am Präsenzunterricht teilnehmen. Impfpflicht also durch die Hintertür

  10. 10.

    Genau! Und da noch nicht jeder der Risikogruppe seine dritte Impfung bekommen hat und daher nicht ausreichend geschützt ist, lässt sich das Spiel auf Ewig fortsetzen. Es lässt sich einfach zu viel Geld verdienen mit der Angst und der Pandemie, warum damit aufhören?

  11. 9.

    Ich frage noch einmal: Schadensbegrenzung im Sinne der Politik oder Wahrheit? Diese Ankündigung hat schon jetzt einen bitteren Beigeschmack.

  12. 8.

    Wir brauchen eine konsequente Impfpflicht, wie es sie in der früheren DDR gab, um das Corona-Virus samt seiner Mutationen in konsequentester Weise zu tilgen.

    Jeder Eiertanz, wie Sie ihn fordern, führt nicht zum Ziel.

  13. 7.

    Die meisten Leute aus den Risikogruppen sind wohl geimpft. In Berlin z.B. ~82 % in der Altersgruppe 60+ vollständig und ~86 % einfach. Aber einige Risikopatienten können sich nicht impfen lassen - die brauchen den Schutz der restlichen Gesellschaft :)

  14. 6.

    Jepp! Aber... Impfpflicht muss nicht gleich sein. Wenn denn mindestens 85% der Erwachsenen und vor allem die Eltern der Kinder sich impfen lassen würden! Da wäre auch schon viel geholfen.
    Das hat uns vor Jahrzehnten auch schon vor Epedemien bewahrt. Stichworte Masern, Pocken, Polio...
    Durch den Erfolg dieser vor Jahrzehnten erfolgten Volksimpfungen haben viele vergessen, dass lebensbedrohende Epedemien wirklich viel Leid in die Familien und die Gesellschaft brachten. Von den Langzeitkosten der chronischen Folgebehandlungen mal nicht gesprochen.

  15. 5.

    Ist schön, wenn der einzige Kritiker der STIKO im Beitrag jemand ist, der in seiner Position und bei Umsetzung seines Vorschlages zumindest indirekt und seine Verbandsmitglieder direkt von der Entscheidung profitieren würden.
    Kritik dafür, dass die STIKO ihre Arbeit gründlich machen, gemäß unserer geltenden Gesetze und mit der gebotenen Sorgfalt bei Kindern. Na das nenne ich mal eine "unabhängige" Position, aus der man da argumentiert, gegen eine unabhängige Institution innerhalb des RKI!
    Sind es nun nicht genau jene Politiker, Ärzte und Bürger, die den Experten das Vertrauen absprechen, welche die letzten 1,5 Jahre gepredigt haben, dass wir genau diesen vertrauen sollen? Ist mir schleierös, wie das für Verunsicherung sorgen sollte.

  16. 4.

    Na da hat der politische Druck ja was gebracht. Klar wissen unsere Politiker es besser als Ärzte. Schließlich sind unsere Politiker total qualifiziert.

  17. 3.

    Schade um die verlorene Zeit, es hätten viel mehr Kinder zum neuen Schuljahr geimpft sein können. Diesen ehrenamtlichen Verein kann doch keiner mehr Ernst nehmen!

  18. 2.

    Wie wär es, wenn man sich endlich mal darauf konzentriert, eine Impfplicht für die Risikogruppe einzuführen...

  19. 1.

    öhm - zeitlich passend zum Schulbeginn - in BAYERN! Werden wir schon von Söder regiert oder kommt mir das nur so vor? Bei uns im Norden fängt die Schule schon nächste Woche an - ungeimpft. Ist ja bei Oberstufenschülern nicht so wichtig - ist ja nur das Abi... andere Bundesländer haben bereits wieder Schule!

    Ist wie bei der Kantine, die JEDEN Tag von der Mittagszeit überrascht wird (wie? Essen ist noch nicht fertig!).
    Auch hier: Überraschung! Schule hat angefangen!

    Danke für nix...

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