Protestwoche in Berlin - Klimaprotest bleibt trotz Sitzblockaden, Kunstblut und Demos ruhig

Di 17.08.21 | 21:15 Uhr
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Teilnehmer an der Demonstration für mehr Klimaschutz stehen an der SPD-Zentrale. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Die groß angekündigte Protestwoche von Umweltaktivisten um Extinction Rebellion für mehr Klimaschutz verpufft ein wenig. Auch am Dienstag sind auf den Berliner Straßen eher wenige Demonstranten, dafür aber viele Polizisten zu sehen.

Einige Dutzend Aktivisten besetzten am Dienstag erst den Zugang zum Sitz des Deutschen Bauernverbands und etwas später die Straße vor dem Landwirtschaftsministerium nahe dem Regierungsviertel. Die Polizei war bei den Sitzblockaden jeweils vor Ort, sperrte Straßen ab, redete mit den überwiegend jungen Aktivisten und löste die Blockaden nach und nach auf. Größere Verkehrsbehinderungen blieben aus.

Später bespritzten Demonstranten das Konrad-Adenauer-Haus, die CDU-Parteizentrale, mit roter Farbe - laut den Organisatoren des Protestes war es Kunstblut. Die Polizei nahm die Personalien von 40 Beteiligten auf. Am Nachmittag zogen Demonstrationen mit hunderten Menschen von den Parteizentralen von CDU und SPD in die Innenstadt.

Aktivisten sitzen, teils festgekettet und mit Tiermasken, bei einer Blockade des Eingangs des Deutschen Bauernverbands an einem Kastenstand. Mehrere Umwelt-Aktivisten demonstrieren in dieser Woche mit zahlreichen Veranstaltungen und Protestaktionen in der Stadt für mehr Klimaschutz. Mit dem sogenannten «August Rise-up» machen mehr als 60 Bewegungen, Vereine und Nicht-Regierungsorganisationen auf den Klimawandel aufmerksam und rufen auch zum zivilen Widerstand auf. (Quelle: dpa/C. Soeder)
Bild: dpa/C. Soeder

Demonstranten klebten Hände an die Türen des Bauernverbands

Beim Bauernverband nahe der Friedrichstraße setzten sich etwa 70 Demonstranten am Morgen mit Corona-Masken und Abstand direkt vor die Türen und auf das Vordach, wie auf Fotos zu sehen war. Einzelne Demonstranten klebten ihre Hände an die Türen oder ketteten sich an.

Das Bündnis aus vielen Initiativen, darunter auch Extinction Rebellion, kritisierte die Landwirtschaftskonzerne, die für zerstörte Böden und hohe Emissionen verantwortlich seien. Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, erwiderte: "Gebrüll und Schüttelreime - mit diesem unterirdischen Niveau können wir nichts anfangen."

Auch Landwirtschaftsministerium wurde blockiert

Gegen Mittag setzten sich etwa 100 Demonstranten vor das Landwirtschaftsministerium in der Wilhelmstraße. Die "Umweltzerstörung und Klimazerstörung der Industrie kann so nicht
weitergehen", schrieb das Bündnis im Internet. Vor der rot bespritzen CDU-Zentrale stand auf einem Transparent: "Klimapolitik blockieren = mehr Klimaopfer".

Teilnehmer einer Protestaktion von Umweltaktivisten stehen mit Bannern für eine umweltfreundlichere Klimapolitik vor dem Konrad-Adenauer-Haus, der CDU-Parteizentrale. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Veranstalter zählen 3.000 Demo-Teilnehmer

Gegen 15 Uhr starteten dann zwei Demonstrationszüge bei regnerischem Wetter von den Parteizentralen von CDU und SPD durch die Berliner Innenstadt. Vorneweg liefen Gruppen von Trommlern, auf Transparenten wurden CDU und SPD fehlender Klimaschutz vorgeworfen. Nach Angaben der Initiative "AugustRiseUp" beteiligten sich mehr als 3.000 Menschen an den beiden Aufzügen. Am Abend gab es laut Extinction Rebellion eine kleinere Blockade in der Nähe des Naturkundemuseums. Auch diese wurde von der Polizei aufgelöst.

Diskussionen um Polizeieinsatz

Das Bündnis hatte der Polizei am Montag einen übertrieben großen Einsatz vorgeworfen. Einige geplante Aktionen hätten wegen der großen Polizeipräsenz nicht geklappt. Die Protestwoche hatte mit Verzögerungen und weniger Teilnehmern als erwartet begonnen.

Am Brandenburger Tor versammelten sich am Montagvormittag etwa 300 Menschen zu einer Sitzblockade. Im Monbijoupark bauten einige Dutzend Umweltschützer Zelte und eine Bühne auf. Es gab kleinere Rangeleien mit der Polizei und einige Festnahmen.

Weitere Blockaden von Straßen, Kreuzungen und Gebäuden sind für den Rest der Woche angekündigt.

Sendung: Abendschau, 17.08.2021, 19:30 Uhr

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17 Kommentare

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  1. 17.
    Antwort auf [Leni] vom 17.08.2021 um 13:50

    Es sind doch wohl eher diese verwöhnten demonstrierenden Wohlstandskinder , wo Papa schön die Miete bezahlt usw.,welche sich mal einen ordentlichen Job suchen sollten , damit sie nicht andere bei der Ausübung ihres Jobs behindern müssen .

  2. 16.

    Das ist oft mehr Lifestyle ! Angesagt, und hip geworden! Trampeln den Rasen nieder. Bäume werden bekleistert. Mein alter Herr sagte mir einmal: schon damals haben die Hippies mehr verschmutzt und kaputt gemacht. Und heute die Aktivisten zum größtenteils.

  3. 15.

    Wen sollen denn diese Demos noch erreichen? Das Thema Klimawandel ist doch schon omnipräsent, sowohl in den Medien, als auch im Parlament. Diese ständigen Proteste nach dem Motto "Wir gehen euch so lange auf den Sack, bis ihr so denkt wie wir!" bringen rein gar nichts. Eher im Gegenteil, die Mehrheit ist zunehmend genervt davon. Wir brauchen keine Proteste, wir brauchen sinnvolle und akzeptable Vorschläge und Maßnahmen, wie die Energiewende von jedem Einzelnen mitgetragen werden kann und zwar sozialverträglich und dergestalt, dass die Menschen diesen Weg auch freiwillig und aus Überzeugung mitgehen. Da haben die Protestierer leider überhaupt keine realistischen Vorschläge. Massive Einschränkungen bis in den kleinen Wohlstand der Mittelschicht hinein und Kostensteigerungen werden von der breiten Masse niemals mitgetragen werden.

  4. 14.

    Das Versagen der Energiewende nur der großen Koalition in die Schuhe schieben zu wollen, ist scheinheilig und unsachlich. Die Grünen haben im Bundesrat eine stattliche Mehrheit über ihre Regierungsbeteiligungen in den Ländern und haben darüber am Versagen massiv mitgewirkt und Einfluss genommen. Grüne Traumwelten und die wirtschaftlichen bzw. gesellschaftlichen Realitäten klaffen nämlich weit auseinander und viele gut gemeinte Vorschriften haben zu erheblichen gesellschaftlichen Verwerfungen geführt. Die aktuelle Energiepolitik, die von allen Regierungsparteien im Bund und den Ländern mitgetragen wird, ist eine massive Umverteilung von unten nach oben! Unter einer grünen Bundesregierung würde sich dies, entgegen aller Beteuerungen, noch weiter verschärfen.Wir brauchen keine Ideologie sondern realistische und ausgewogene Maßnahmen.

  5. 13.

    Zum Verstehen von Unterschieden:

    Eine Demo ist eine Form öffentlicher Meinungsäußerung, bei der die Belästigung anderer Leute durch Straßensperrungen etc. nicht das Ziel ist, sondern eine Begleiterscheinung. Deshalb werden Demos in der Regel auch angemeldet. Zeit und Ausmaß der Sperrungen sind vorab bekannt, und betroffene Mitbürgerinnen und Mitbürger können sich darauf einstellen.

    Bei den Klimageländespielern ist das anders. Hier ist größtmögliche Belästigung und Chaos ja das erklärte Ziel. Außerdem ist es letztlich unpolitischer Spaß-Aktivismus. Würden diese Leute politisch denken, dann würden sie wohl zuallererst darüber nachdenken, ob sie mit solchen Aktionen andere Leute wirklich dazu bewegen, die von ihnen bevorzugte Partei zu wählen.

    Da ich in der Schule meistens gut aufgepasst habe, nehme ich an, dass eher das Gegenteil der Fall ist.

  6. 12.

    Sie haben leider nicht verstanden, dass es vielen nur um den Spaß und nicht die Sache geht. Die Schulschwänzer wollten einmal Müll aus Grünanlagen sammeln raten sie mal wie viel da gekommen waren.

  7. 11.

    RN:
    "Ich hatte als Jugendlicher auch was übrig für Geländespiele. Aber wir haben das sozialverträglich am Stadtrand oder im Wald gemacht und haben keine anderen Leute dabei belästigt."

    Tja, da hat jemand den Unterschied zwischen Demonstationen und Geländespielen nicht verstanden. In der Schule anscheinend nicht aufgepasst, weil von Geländespielen geträumt.

  8. 10.

    "Ca. 200 von 3,4 Mio? Echt jetzt? Der Zuspruch von solchen Aktionen kann ja nicht so groß sein, sonst würden nicht nur eine Handvoll in der Stadt ihre Zelte aufbauen, während andere ihren Lebensunterhalt verdienen."
    Genauso ist es! Das war aber bei der Fahrrad Demo am Wochenende auch nicht anders. Grad mal ca. 1000 Radfahrer waren dabei trotz bestem Wetter!
    Am 26.09. werden die Berliner Wähler entscheiden wie es mit ihrer Stadt weitergehen soll. Ich bin gespannt.

  9. 9.

    Die Zahlen kenne ich schon seit Tagen. Das Versagen liegt auch bei den Grünen welche Klimaschutz verhindern wie beim Bau von Hochspannungsleitung oder dem Glyphosat in der Landwirtschaft.

  10. 8.

    Schade dass die Grünen keine Ahnung haben. Trittin sagt Klimaschutz kostet nur eine Eiskugel und Baerbock denkt Kobold sei ein Element. Aber den Demonstranten geht es oft nur um Selbstdarstellung. Viele bei haben reiche Eltern und haben bislang nie selber gearbeitet. Erinnern wie uns nur im die Flug-Affäre bei Freeday for Future. Wer hat den diese Flüge wohl bezahlt.

  11. 7.

    Absolute unnötige Aktion von verstrahlten Leuten die nichts mit sich anzufangen wissen , außer mit einem LKW in einen Park zu fahren und Lieder zu singen und auf Bäume zu klettern.wie immer schaden sie der Umwelt mehr als sie ihr nutzen. Und eine Hauptstadt ohne Autos soll,kann und wird es nicht geben und das ist auch gut so .

  12. 6.

    Ich hatte als Jugendlicher auch was übrig für Geländespiele. Aber wir haben das sozialverträglich am Stadtrand oder im Wald gemacht und haben keine anderen Leute dabei belästigt.

  13. 5.

    Wie nötig die Proteste sind kann man hier nachlesen:
    https://www.energiezukunft.eu/politik/rasanter-anstieg-der-co2-emissionen-in-deutschland/
    Das macht das ganze Versagen von Union und SPD der letzten Jahre deutlich.

  14. 4.

    Eine Aktion, die aufgrund der geringen Teilnehmerzahl (ca. 200 von 3,4 Mio) von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.
    Hier werden berufstätige Bürger in "Geiselhaft" genommen und daran gehindert, auf dem schnellsten Weg zur Arbeit zu kommen. Sinnvoller wären doch Aktionen direkt vor den Regierungsgebäuden der Entscheidungsträger. Oder weiß man etwa nicht, wer die Verantwortlichen sind und wo sie arbeiten? Wer das organisiert hat, sollte lieber arbeiten gehen.
    Ca. 200 von 3,4 Mio? Echt jetzt? Der Zuspruch von solchen Aktionen kann ja nicht so groß sein, sonst würden nicht nur eine Handvoll in der Stadt ihre Zelte aufbauen, während andere ihren Lebensunterhalt verdienen.

  15. 3.

    ich hoffe das diese "Klimaaktivisten" den Monbijoupark wieder sauber verlassen ohne Verhüllung und zertrampelten Rasen. Alles andere wäre scheinheilig.

  16. 2.

    Cool,aber es soll regnen.

  17. 1.

    Hört sich nach einem togeglaubten und nötigen Traum an, ziviler ungehorsam ist in Zeiten absolut fehlender Klimapolitik in allen Fällen essenziell, so das ich alle diese wichtigen Aktionen befürworte, gern dürfen auch 2 Wochen harter Blockaden bei rum kommen, Autos haben in Innenstädten ohnehin nichts mehr verloren, das ist ein altes Paradigma das es ohnehin beendet ist.

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