Interview | IPCC-Klimabericht - "Die Ostsee als Urlaubsregion könnte profitieren"

So 15.08.21 | 11:22 Uhr | Von Sabine Prieß
  15
Strandbesucher haben sich bei Temperaturen von knapp 30 Grad am Strand an der Ostsee eingefunden. (Quelle: dpa/Stefan Sauer)
Bild: dpa/Stefan Sauer

Dürre, Trockenheit, Waldbrandgefahr: Die IPCC-Klimaprognose für Berlin und Brandenburg sieht drastische Veränderungen auf die Region zukommen. Laut dem Klima-Experten Douglas Maraun könnte eine Region am Ende aber profitieren.

rbb|24: Herr Maraun, was wir schon länger merken: Die Waldbrände haben in Brandenburg in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Ist der IPCC-Bericht so zu verstehen, dass wir uns in den nächsten Jahren auf noch mehr Dürren und Waldbrände einzustellen haben?

Douglas Maraun: Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir in den nächsten Jahrzehnten deutliche Veränderung spüren. Für Brandenburg konkret erwarten wir für den Sommer zwar, dass die Niederschläge ähnlich bleiben, aber weil die Temperaturen steigen werden, trocknet der Boden schneller aus. Das wird dazu führen, dass Dürren stärker werden und die Waldbrandgefahr stiegt.

Heißt das, auch die Pegel der Seen werden weiter sinken, das Grundwasser wird weniger und teils knapp werden?

Wir hatten in Brandenburg 2018 und 2019 hintereinander starke Dürren. Das sind extreme Ausreißer gewesen, wo es monatelang nicht geregnet hat. Ob diese lange, lange Trockenheit etwas mit dem Klimawandel zu tun hatte, wissen wir einfach noch nicht. Wir wissen aber, dass die Temperaturen durch den Klimawandel schon beeinflusst sind. Die Bodenfeuchte ist in Brandenburg gesunken und ist immer noch niedrig – das hat auch Auswirkungen aufs Grundwasser. Generell wird der Boden trockener werden, mit Folgen für die Land- und Forstwirtschaft.

Douglas Maraun (Quelle: Uni Graz/Douglas Maraun)
Douglas Maraun ist Leiter der Forschungsgruppe Regionales Klima an der Universität Graz und einer der Leitautoren des Weltklimabericht des Weltklimarats IPCC. Seine Forschungsschwerpunkt sind regionale Klimaänderungen und insbesondere Extremniederschläge und Dürren. | Bild: Uni Graz/Douglas Maraun

Großes Thema ist in Brandenburg immer noch die Braunkohle – eigentlich ist 2038 als Enddatum vorgesehen. Wenn wir die 1,5 Grad schaffen wollen, ist dann diese Jahreszahl noch zu halten?

Wenn wir bis Ende der 2030er-Jahre mit dem Kohleausstieg warten, ist es sicherlich zu spät um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

Für Nordeuropa werden insgesamt weniger Frosttage und mehr Niederschläge im Winter prognostiziert werden. Heißt das, wir können in Berlin mit Wintern wie in London rechnen – also kein Schnee, aber viel Regen?

Ich kenne selbst noch sehr kalte Winter in Berlin mit minus 10 oder minus 20 Grad. Die werden natürlich wärmer durch den Klimawandel aber die Temperaturen würden wahrscheinlich dennoch immer wieder unter 0 sinken, so dass wir immer wieder mal Schnee bekommen. Aber natürlich wird die Anzahl der Schneetage abnehmen. Es wird in den nächsten Jahrzehnten immer noch im Winter häufig kälter sein als jetzt in London, aber es wird tendenziell mehr Niederschlag geben. Denn wenn die Luft wärmer wird, kann sie auch mehr Feuchte aufnehmen.

Grafik Veränderung des Schneefalls im Einzugsgebiet der Elbe. (Quelle: IPCC WGI Interactive Atlas; Grafik: rbb|24)
| Bild: IPCC WGI Interactive Atlas; Grafik: rbb|24

Blicken wir Richtung Ostsee. Deren Meeresspiegel soll nicht unbedingt steigen, aber der Sauerstoffgehalt soll sinken. Wie müssen wir uns unser beliebtes Ausflugsziel in hundert Jahren vorstellen?

Tatsächlich wird der Meeresspiegelanstieg in der Ostsee etwas geringer ausfallen als in anderen Meeren. Die Temperaturen werden steigen und wenn es weniger Sauerstoff geben wird, leiden natürlich die Fische. Der Mittelmeerraum wird möglicherweise so heiß werden, dass man dorthin eventuell gar nicht mehr in Urlaub fahren will. Es kann also sein, dass die Ostsee als Urlaubsregion – wenn es vielleicht insgesamt dort sonniger und wärmer wird – profitiert.

Die großen Entscheidungen müssen auf der politischen Ebene getroffen werden. Ist es dennoch aus ihrer Sicht wichtig, dass jeder Einzelne etwas zum Klimaschutz beiträgt?

Wenn man das Pariser Klimaziel erreichen will, dann muss die Weltgemeinschaft als Ganzes reagieren. Wenn einem als Einzelner der Klimaschutz wichtig ist, dann kann man nur darauf hinwirken, dass Klimaschutzpolitik mehrheitsfähig wird. Wenn ich als Einzelner einen Flug vermeide, verändert das nichts. Aber wenn man als viele Einzelne ein gesellschaftliches Klima schaffen kann, in dem Klimaschutz ernst genommen wird und in dem man Wahlen beeinflussen kann, dann schafft man es auf der großen Skala, Politik zu beeinflussen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Sabine Prieß, rbb|24.

 

Sendung: Brandenburg aktuell, 15.08.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Sabine Prieß

15 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 15.

    Genauso ist es, bin mit dem Fahrrad ein Stückchen weiter weg von Parkplatz und Strandbar gefahren. War kaum ein Mensch da, nur Quallen :-(

  2. 14.

    Die gibt es auch auch auf den Inseln, wie u.a. Hiddensee, Usedom, Rügen usw.
    ,

  3. 13.

    Selbst in den Ferien kann man es angenehm ruhig am Ostseestrand haben, das habe ich gerade kürzlich erst wieder erlebt. Man braucht nur etwas ein bis zwei Kilometer vom nächsten Autoparkplatz entfernt an den Strand gehen, das ist den meisten schon zu weit und dadurch hat man seine Ruhe. Wir hatten tageweise gute 50 Meter Strand für uns alleine, waren halt mit dem Fahrrad unterwegs und dadurch flexibler in der Platzwahl.

  4. 12.

    Club Off Rom.Lesen.Das Ende des Wachstums.Erschienen im Jahr 1972.Es steht alles drin, was heute passiert, unter den Begriff Klimawandel.Nichts dieser Forderungen sind Umgesetzt worden.

  5. 11.

    Bei diesem Bild kriege ich Platzangst.

  6. 10.

    Unsere Politiker werden irgendwann damit kommen das wir pro Haushalt nur noch eine USB Steckdose brauchen. Alles andere wird dem Lieferdienst überlassen.

  7. 8.

    Keine Sorge, Polen liefert notfalls Strom. Frankreich auch. Und wenn es ganz übel wird lassen wir alles in China produzieren. Die bauen grad Kohlekraftwerke, werden also immer genug Strom haben.

  8. 7.

    Auch in Brandenburg profitieren wir. Mehr Dreck und Krach auf allen Wegen. Auch die "legale Naturnutzung" expoldiert. Immer mehr Campingplätze, Bootsanlagen und übernachtende Hausbootnutzer.

  9. 6.

    Spanien im Sommer sieht auch so aus und trotzdem fahren Leute hin. Ferienzeiten erzeugen immer solche Fotos. Wer nicht in den Ferien reisen muss, der hat andere Fotos.

  10. 5.

    Sorget euch nicht, lebt! In Deutschland baut man im Trinkwasserschutzgebiet eine Gigafactory, Reiche sollen Steuergeschenke bekommen, Arme sollen unter dem Wort „Klimaschutz“ mehr Abgaben leisten. Das Geld allein rettet nicht das Klima. Während Reiche ihr Kapital anlegen und Strände mit Protzbauten zupflastern, werden Arme sich nichts mehr leisten können. Im Moment ist der sparsame Verbraucher aber eher der, der für wenig Wasserkonsum und wenig Energieverbrauch bestraft wird. Irre, oder? Wenn wir nicht aufpassen, landen wir im absoluten Sozialismus für Reiche, für das Klima sind die Unterschichtler verantwortlich, alle selbst schuld, warum sind sie so arm, in einem so reichen Land. Übrigens, wenn der Kipppunkt großer Gewässer erreicht ist, kann sich kein Reicher mit seinem Geld retten, ein kleiner Trost im Namen der Gerechtigkeit. Satire off.

  11. 4.

    Nicht nur das Bild ist schockierend. Wenn ich hier immer lese, raus aus der Braunkohleverstromung, ist das schockierender.
    Klar sollte irgendwann Schluss sein mit dieser Art der Energieerzeugung. Aber wie dann weiter?
    Funktioniert noch nicht. Kein Wind, kein Strom. Kein Sonnenschein, kein Strom. So Klugscheisser wie dieser Herr hier, haben wir Hunderte, die glauben die Welt neu zu erfinden. Fahrt durch Europa und schaut euch die Umweltbewussten an. Es wird einen übel.

  12. 3.

    Wenn ich das Foto am Anfang des Artikels sehe vergeht mir glatt die Lust am Ostseeurlaub.

  13. 2.

    Auch wenn Brandenburg aus der Kohle aussteigt vorher ist das 1.5 Grad Ziel nicht zu halten.
    Mit der Ostsee als Gewinner habe ich auch so meine Zweifel

  14. 1.

    Das Foto ist Schock genug, deshalb ab in den Urlaub ins Ausland.
    Wir sind überbevölkert. Haben z.B. 30 Mal kleiner die Fläche der USA, haben aber ein Drittel der Einwohner, also auf die Fläche 10x mehr Einwohner auf engstem Raum.
    Daran sieht man wie blöd wir hier dran sind. Und damit ist der Tourismus hierzulande für mich unattraktiv.

Nächster Artikel