Doberlug-Kirchhain - 59 afghanische Ortskräfte in Brandenburg angekommen

Fr 20.08.21 | 12:12 Uhr
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Eine Frau, die zusammen mit weiteren Ortskräften aus Afghanistan am frühen Morgen des 20.08.2021 auf dem Gelände der DRK-Flüchtlingshilfe in der Erstaufnahmeeinrichtung angekommen ist, sitzt in einem Zelt. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb|24 | 20.08.2021 | Material: NonstopNews | Bild: dpa/Patrick Pleul

In der Nacht zu Freitag ist im Landkreis Elbe-Elster ein Konvoi mit 59 afghanischen Ortskräften eingetroffen. Die Häfte von ihnen sind Kinder und Jugendliche.

Rund 59 afghanische Ortskräfte und ihre Angehörigen sind am Freitagmorgen in Brandenburg angekommen. Zwei Busse aus Frankfurt/Main trafen in der Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) ein. Die ursprünglich für Donnerstagabend geplante Ankunft hatte sich wegen der Registrierung der Menschen erheblich verzögert.

Die Afghanen, darunter mehrere Kinder, wurden zunächst mit Essen und Trinken sowie medizinisch versorgt. Sie müssen drei Tage in Quarantäne und sollen voraussichtlich bis Dienstag in Doberlug-Kirchhain bleiben. Dann sollen sie auf die Bundesländer verteilt werden.

Der Brandenburger Innenstaatssekretär Markus Grünwald und der Chef der Ausländerbehörde Brandenburgs, Olaf Jansen, gaben am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt, dass am Freitag noch zwei weitere Flugzeuge aus Kabul in Frankfurt/Main ankommen. Auch diese Menschen sollen zunächst in der brandenburgischen Erstaufnahme in Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) versorgt werden.

29 Kinder und Jugendliche

Seit Montag wurden mehr als 1.600 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen. In Doberlug-Kirchhain wurde der Konvoi von Ortskräften aus Frankfurt am Main bereits am Donnerstagnachmittag erwartet. Wie der Brandenburger Innenminister Michael Stübgen in "Brandenburg aktuell" sagte, habe man für Donnerstag zunächst mit "knapp 100 Personen" gerechnet, die nach ihrer Ankunft einen Coronatest machen müssen und zunächst drei Tage lang in der Einrichtung in Doberlug-Kirchhain bleiben werden.

Jansen sagte am Freitag im rbb-Inforadio, die Menschen seien erschöpft und sehr müde nach einer sehr lange Reise im Landkreis Elbe-Elter eingetroffen. Es gehe ihnen aber "den Umständen entsprechend eigentlich ganz gut", so Jansen.

Weiterverteilung in andere Bundesländer

Nach ersten Berichten der Ortskräfte hätten auf ihrer Flucht viele versucht, mit traditioneller Kleidung unauffällig nach Kabul zum Flughafen zu gelangen. Sie würden nun neu eingekleidet, sagte Jansen. Viele hätten nur einen Rucksack oder eine Tasche mit sich, so Jansen. Unter den Menschen seien 29 Kinder und Jugendliche, die vor Ort von Jugend- und Sozialbetreuerinnen betreut werden würden. Aus dem Ort Doberlug-Kirchhain selbst habe man bisher nur positive Reaktionen und Unterstützung erfahren.

Ab Freitag würden sich erfahrene Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter um die Menschen kümmern, sagte Jansen. Dazu gehöre, mit ihnen Entlastungsgespräche zu führen. Zudem stünden Psychologen bereit, falls es Fälle von Traumatisierungen gebe.

Wie der Chef der Ausländerbehörde bereits am Donnerstag der rbb-Welle Radioeins sagte, erfolgt die Weiterverteilung der Menschen in andere Bundesländer nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel, der auch bei Asylbewerbern angewendet wird. "Das bedeutet, dass in Brandenburg etwa drei Prozent der Personen, die insgesamt in Deutschland ankommen, bleiben", sagte Jansen. Allerdings sei es auch möglich, dass einige Menschen noch in andere Länder weiterreisen würden. Einige hätten aus dem europäischen Ausland bereits Zusagen für eine Einreise bekommen.

Sendung: Inforadio, 20.08.2021, 8 Uhr

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16 Kommentare

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  1. 16.

    Ich freue mich über jeden, der da rausgeholt wird. Was mich etwas irritiert, ist die im Moment allgemeine geltende Sprache, dass die Deutschen und die Amerikaner die Afghanen im Stich lassen. Die Afghanen haben es 20 Jahre lang nicht geschafft, strapazierfähig Strukturen zu schaffen, wieso werden jetzt die Helfer an den Pranger gestellt, nur weil sie ihre Hilfe abbrechen. Den Enthusiasmus, mit dem man sich jetzt beschwert, hätte man die letzten Jahre gebraucht, um ein stabiles Staatssystem aufzubauen. Jetzt die Helfer zu beschimpfen, ist mir zu einfach, nein, es stellt den Sachverhalt auf den Kopf und lenkt von den wahren Gründen des Scheiterns ab.

  2. 14.

    Manchmal sollte man sich einfach über jeden einzelnen Menschen freuen, der glücklich aus diesem Land gerettet wird. Die Kommentarspalte spiegelt etwas anderes. Hier geht es um persönliche Eitelkeiten, nicht um diese Menschen und so nutzt jeder die Gelegenheit und benutzt jene für politische Botschaften, für Häme und Hass, für Wertungen und Sticheleien. Was ist ein Menschenleben wert, wenn diese Leben tatsächlich nur für persönliche Befindlichkeiten herhalten müssen?

  3. 13.

    "Ich fühle mich in machen Gegenden Deutschlands nicht mehr zu Hause".

    Ich auch, nämlich dort wo Rechtsextreme und Rassisten Faschisten und Rechtsextremisten in die Landesparlamente wählen.

    "Das macht einen traurig und wütend" Allerdings.

  4. 12.

    Da wo deutsche Spießigkeit und Fremdenfeindlichkeit herrschen, also in manchen Gegenden Deutschlands, da fühle ich mich auch nicht wohl.

  5. 11.

    "Warum glauben immer noch viele Deutsche die ganze Welt retten zu können? Auch in Mali, Somalia und vielen anderen afrikanischen Staaten wollen Millionen Menschen nach Europa. Können wir wirklich ALLE aufnehmen?"

    Rechtspopulistisches Geschwätz. Deutschland nimmt nicht einmal eine winzigen Bruchteil von Geflüchteten auf.

    "Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) schätzt, dass Ende 2020 die Zahl der Geflüchteten und Vertriebenen (forcibly displaced) weltweit auf 82,4 Millionen gestiegen ist – das sind 2,9 Millionen Menschen mehr als Ende 2019. Etwa 40 Prozent aller Geflüchteten sind Kinder.

    Der Großteil der Betroffenen, rund 48 Millionen, ist innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht (Binnenflüchtlinge)."

    https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/zahl-der-fluechtlinge.html

  6. 10.

    Die afd bringt es nicht und die Erde ist rund. Wem das nicht passt > Alternative AUSWANDERN sofort dahin wo einem die Staatsform besser gefällt. Deutschland ist mindestens seit 1700 Einwanderungsland (Hugenotten). https://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten

    Das hier stammt zwar von 2013, ist aber hochaktuell: https://www.dw.com/de/deutschland-kein-einwanderungsland/a-16104097

  7. 9.

    Die afd bringt es nicht und die Erde ist rund. Wem das nicht passt > Alternative AUSWANDERN sofort dahin wo einem die Staatsform besser gefällt. Deutschland ist mindestens seit 1700 Einwanderungsland (Hugenotten). https://de.wikipedia.org/wiki/Hugenotten

    Das hier stammt zwar von 2013, ist aber hochaktuell: https://www.dw.com/de/deutschland-kein-einwanderungsland/a-16104097

  8. 8.

    Ein großes Willkommen an die neu ankommenden Geflüchteten und ich hoffe, dass es noch viel mehr werden!

  9. 6.

    Hier ist Tag der Fremdenfeindlichkeit, wa? Mal wieder...

  10. 5.

    genau das frage ich mich auch. Und dann wundert man sich wenn immer mehr Bürger rechts der CDU Ihr kreuz bei der Wahl machen. Ich fühle mich in machen Gegenden Deutschlands nicht mehr zu Hause. Das macht einen traurig und wütend

  11. 4.

    Der Innenminister von Brandenburg Herr Stübgen hat gestern in "Brandenburg Aktuell" erklärt, dass nicht nur die deutschen Hilfskräfte ausgeflogen werden, sondern auch Personen, die nach Meinung des UNHCR (Politikerinnen, Ärzte, Lehrer, Bürgermeisterinnen usw), gefährdet sind. Es findet also in Afgahnistan eine Auswahl statt, wer ausgeflogen wird und wer nicht.
    Das bedeutet, dass sich Deutschland für mehr Menschen verantwortlich fühlt. Warum nimmt Deutschland auch diese Menschen auf, wie ist da die internationale Verteilung ?

  12. 3.

    Wieso bitte drei Tage Quarantäne? Ich musste nach dem Urlaub, trotz Test vor dem Einstieg ins Flugzeug, anschließend 5 Tage in Quarantäne, eigentlich sogar zehn, ich musste mich nach 5 Tagen freitesten.welche Maßstäbe werden hier bitte angelegt? wie kommt es zu dieser Ungleichbehandlung der einheimischen Bevölkerung?

  13. 2.

    Warum glauben immer noch viele Deutsche die ganze Welt retten zu können? Auch in Mali, Somalia und vielen anderen afrikanischen Staaten wollen Millionen Menschen nach Europa. Können wir wirklich ALLE aufnehmen?

  14. 1.

    Es wäre gerade jetzt in Zeiten steigender Coronazahlen gegeben, das die afghanischen Ortskräfte eine 14 tägige Quarantäne einhalten würde.

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