Antidiskriminierungsberatung der Humboldt-Universität - Studierendenvertretung sucht nicht-weiße Bewerber für Stelle

Das Palais des Prinzen Heinrich ist das Hauptgebäude der Humboldt-Universität Berlin. (Quelle: dpa/Daniel Kalker)
Bild: dpa/Daniel Kalker

"Wir bitten weiße Menschen, von einer Bewerbung abzusehen" mit diesem Satz in einer Stellenausschreibung hat die Studierendenvertretung der HU Berlin am Donnerstag heftige Reaktionen ausgelöst. Mittlerweile wurde die Formulierung geändert.

Eine Stellenanzeige der Studierendenvertretung der Berliner Humboldt-Universität hat am Donnerstag für Wirbel gesorgt. Bei dem Job geht es um eine Beratungsstelle zu rassistischer Diskriminierung. "Wir bitten (...) weiße Menschen, von einer Bewerbung für diese Beratungsstelle abzusehen", heißt es in der Ausschreibung.

Der forschungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Adrian Grasse, erklärte, das sei gesetzeswidrig und in krasser Weise diskriminierend. Rassismus dürfe nicht mit Rassismus bekämpft werden.

"Am besten Schwarz oder als PoC positioniert"

In der Ausschreibung wird darauf hingewiesen, dass die Beratungen aus parteilicher Perspektive stattfinden sollen. "Parteilich bedeutet hier eine Beratung, die sich an den Bedürfnissen der ratsuchenden Person orientiert, um einen Raum zu schaffen, in dem sich Betroffene von rassistischer Diskriminierung wohlfühlen und ihre Erfahrungen teilen können." In der Beratungsarbeit habe sich gezeigt, dass dies am besten gelingt, "wenn der_die Berater_in Schwarz oder als Person of Color positioniert ist".

HU: Nicht in unserem Sinne, Menschen zu diskriminieren

Für die HU erklärte Pressesprecher Hans-Christoph Keller gegenüber dem rbb: "Es ist ausdrücklich nicht im Sinne der Humboldt-Universität, Menschen zu diskriminieren. Egal welcher Hautfarbe und Herkunft, welchen Geschlechts, welcher weltanschaulichen Ansichten oder des Alters wegen. Wir verstehen uns als Ort der Meinungspluralität, der gegenseitigen Wertschätzung und des Respekts."

Die Leitung der Humboldt-Universität fordere die Verfasste Studierendenschaft deshalb auf, die Stellenausschreibung zu überprüfen. "Studierendenparlament und Referent_innenRat handeln als eigenständiger Arbeitgeber im privatrechtlichen Bereich. Dieser Bereich unterliegt nicht der Rechtsaufsicht der Humboldt-Universität."

Stellenanzeige umformuliert

Nach der Kritik wurde die Formulierung am Donnerstagabend geändert. Nun heißt es dort: "In der Beratungsarbeit hat sich gezeigt, dass dies Menschen am besten gelingt, die aus Perspektive der eigenen Betroffenheit von rassistischer Diskriminierung beraten können. Daher möchten wir insbesondere Personen, die rassistische Diskriminierungserfahrungen machen, dazu ermutigen, sich auf die Stelle zu bewerben."

Sendung: Abendschau, 16.08.2021, 19:30 Uhr

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69 Kommentare

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  1. 69.

    Währet den Anfängen und als warnende Beispiel sollte die deutsche Geschichte als Mahnung dienen."
    Und nicht nur die Deutsche Geschichte. Auch die deutsche Sprache were da vielleicht eine warnende Beispiel.

  2. 67.

    Astreine Diskriminierung bei der Besetzung einer Antidiskriminierungsstelle. LoL. Da sieht man wo radikales links-identitäres Denken hinführen kann.

  3. 66.

    @antidiskiminierungsstelle. Netter Nickname. Sie haben natürlich Recht, die Stellenanzeige ist diskriminierend und rassistisch. Was ich deutlich machen will - wir diskutieren zu viel über das Offensichtliche (Begrifflichkeiten, Formalismen) und vergessen dabei das Wesentliche, den Menschen. Ich habe 4 Jahre in/mit 4 ethnischen Gruppen zusammengelebt. Slawen, Türken, Griechen, Roma. Ich bin weiß, blauäugig, blond. Es dauerte 1 Jahr bis ich als Respektperson wahrgenommen wurde, 2 Jahre um als Vertrauensperson und Mensch akzeptiert zu werden und 3 Jahre um anteilig Rechte in der Gruppe wahrnehmen zu dürfen. Ich war in keiner dieser Gruppen jemals vollständig integriert. Äußerlichkeiten wie die Hautfarbe werden immer reflektiert. Wenn Sie als neutraler Weißer (keine Gruppenerfahrung) in eine Notsituation kommen, werden Sie sich hilfesuchend immer an einen Weißen und nicht an den danebenstehenden Schwarzen wenden. Und ein Schwarzer an einen Schwarzen. Das läuft unbewußt ab. Um bei Beratungen initial schnell Vertrauen aufzubauen sollte man die Schwelle der Äußerlichkeiten niedrig halten. Das kann sichtbare Religion, Geschlecht, Hautfarbe, Kleidung o.a. sein. Und ja, es ist formal diskriminierend, aber durchaus hilfreich für den Hilfesuchenden.

  4. 65.

    1. Auch weiße Menschen, die in einem unterprivilegierten Stadtbezirk (aka Plattenbau) aufgewachsen sind, kennen sicher Ausgrenzung und Rassismus genug.

    1. Kasia Lenhardt...Werden hier Usernamen gar nicht geprüft ? Kasia Lenhardt war Jg. 1995 und hinterließ einen Sohn. Wie soll sie da eine Tochter im studierfähigen Alter gehabt haben? *nmsf*

  5. 64.

    Gab's diese Einschränkung zur Sklavenforschung tatsächlich? Ist ja absurd. Die Römer hielten sich auch germanische Sklaven. Sollte doch wohl hinlänglich bekannt sein. Im Islam war es auch lange üblich Weiße zu versklaven. Die Ägypter versklaven Juden und so weiter. Sollte forschen über Sklaverei doch bekannt sein. Das war nie eine reine Frage der Hautfarbe.

  6. 63.

    Wenn deshalb ihre Tochter glaubt, dass sie im Studium an der HU Nachteile aufgrund ihrer weißen Hautfarbe erfahren könnte, dann hat sie den Artikel nicht verstanden und sollte aus anderen Gründen ein Studium an der HU überdenken. Die HU ist nicht für Rassismus/ Diskriminierung gegenüber ihrer Studierenden bekannt.

  7. 62.

    Genauso ist es ! Das ist Rassismus pur gegen alle, die nicht farbig sind. Und ich rede nicht nur von deutschen Menschen. So viele engagieren sich gegen Diskriminierungen jeglicher Art und werden jetzt selbst diskriminiert nur weil sie "weiß" sind.
    Übler geht es nicht mehr ! Aber es war schon immer so, dass die, die immer Toleranz von Anderen gefordert haben am intolerantesten waren. Andere Meinungen werden nicht respektiert, geschweige denn akzeptiert, was in der jetzigen Gesellschaft bei uns leider Gang und Gebe geworden ist.
    Und diese verbohrten und ideologisch verblendeten Leute wollen unsere Zukunft sein ? Da kann man nur Angst bekommen.

  8. 61.

    Na da handelt es sich um die diktatorische, rückwärtsgewandte Methode, alles "in die rechte Ecke zu schieben" was nicht dem "linksgrün*innen" (Gender-)Gedankengut entspricht. So werden dann Andersdenkende arrogant anmutend, wie "Feinde" behandelt. Das erinnert in das Toleranzgehabe der frühen 50iger Jahre und passt nicht in die heutige Zeit. Es ist sogar demokratiegefährlich, weil sofort offensichtlich werden soll: wer gehört zu uns und wer nicht. So stärkt man "die Ränder" und deshalb gibt es sie überhaupt.

  9. 60.

    Mann-o-Mann, müssen eigene Menschen ihr eigenes Volk hassen. Sowas verbohrtes, und dafür zahlen wir auch noch Steuern.

  10. 59.

    Zitat: "Aber auch als Weißer kann man Rassismus erfahren haben."
    Wie geht das denn?
    Ich dachte immer so etwas ist unmöglich!

  11. 58.

    Gibt es das umgekehrt in Afrika auch? Wohl nicht.

  12. 57.

    Es ist bedenklich wenn aus berchtigter Gleichberechtigung eine Bevorteilung wird!

  13. 56.

    "Nicht in unserem Sinne, Menschen zu diskriminieren"
    Wo ist denn da der Gleichheitsgrundsatz? Die haben doch wohl langsam was am Kopf! Man hat das ÜBERHAUPT NICHT zu diskutieren, es gibt keine Quoten. WIR WOLLEN DAS NICHT ihr Penner!

  14. 55.

    Da suchen sie keinen "weißen", weil er ja faktisch nicht genug Erfahrung mit Diskriminierung habe, aber merken gar nicht, dass sie mit ihrer Ausschreibung alle weißen dahingehend "qualifizieren".

    Mal abgesehen davon ist es schlicht Rassismus, wenn man sich in einem Bewerbungsverfahren aufgrund der Hautfarbe gegen einen Bewerber entscheidet. Und es ist auch Rassismus, wenn man denkt jemand könne etwas besser, weil er eine bestimmte Hautfarbe hat.

    Das ganze ist genauso dumm wie die Aktion, in der weißen Wissenschaftlern das Recht abgesprochen wurde über die Sklaverei zu forschen, weil sie ja nicht betroffen seien.

    Geht's noch? Da schäme ich mich in Grund und Boden an dieser Uni mal meinen Abschluss gemacht zu haben.

    Eine Änderung des Textes hilft da wenig. "Ups, pardon, unser Rassismus kam falsch rüber. Wir stehen doch für korrekten Rassismus." Oder wie?

  15. 54.

    "dennoch handelt es sich hierbei nicht um Rassismus, wie Rechte und Schlimmere gern behaupten. Dafür müsste es eine Hierarchisierung durch die Mehrheitsgesellschaft geben. "

    Bitte erklären Sie diesen Satz.

  16. 53.

    Dann legt man sich halt ne Weile in die Sonne... Ab wann ist man denn nicht (mehr) weiß?
    Mal im Ernst, das zeigt doch im Grunde nur, wie albern Bezeichnungen wie "weiß" (oder eben auch "schwarz") für die Beschreibung einer Hautfarbe sind. Niemand ist wirklich komplett schwarz oder weiß, eher gibt es alle möglichen Schattierungen und Abstufungen. Und jeder kann von Rassismus betroffen sein, der ja zumeist eher auf ethnische / kulturelle Hintergründe abzielt.

  17. 52.

    Besetzt werden sollten Stellen mit fähigen Menschen und nicht sortiert nach Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, Parteibuch oder, oder oder

  18. 51.

    Also nur für "rote", gelbe" und "schwarze" Menschen geeignet ?
    Was für ein Irrsinn, Eignung von der Hautfarbe abhängig machen zu können.
    Übrigens wurde die Sklaverei, als üble Form des Rassismus, in den USA unter einem weißen Präsidenten abgeschafft.

  19. 50.

    Das war durchaus ein arbeitsrechtlich problematisches Stellengesuch. Dabei gibt es so viele Stellen, die es aktiv gut vormachen, bei Reach Out und Co. z.B.

    Man kann hier nur vermuten, dass, wie viele AStA, auch dieser nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Studierenden steht und unkritisch, undifferenziert gegenüber Critical Whiteness ist. Der Versuch, situiertes Wissen Hauptbetroffener zu fokussieren, führte zu Delegitimation. Personelle Repräsentation allein meint aber nur oberflächliche Änderung der Zusammensetzung.

    Zwar sind Konstruktion sozialer Gruppen, Biologisierung und Delegitimation Bestandteil von Rassismus, dennoch handelt es sich hierbei nicht um Rassismus, wie Rechte und Schlimmere gern behaupten. Dafür müsste es eine Hierarchisierung durch die Mehrheitsgesellschaft geben. Tradierte Diskriminerung gegen "Weiße" o.ä. durch die Mehrheit? Wohl kaum. Vergleiche mit gar NS-Symbolen oder Volksverhetzung verharmlosen zudem letztere Verbrechen massiv.

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