Zehntausende Menschen erwartet - "Unteilbar" will am Samstag in Berlin für solidarische Gesellschaft demonstrieren

Sa 04.09.21 | 12:16 Uhr
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Frau hält Plakat mit der Aufschrift "Unteilbar" (Quelle: imago/Stefan Boness)
Bild: imago/Stefan Boness

300 Organisationen sind beteiligt, zehntausende Teilnehmer werden erwartet. Am Samstag will das "Unteilbar"-Bündnis in Berlin demonstrieren. Dabei soll es um Themen wie Klimawandel, Rassismus und soziale Ungerechtigkeit gehen.

Das Aktionsbündnis Unteilbar erwartet am Samstag in Berlin mehrere zehntausend Menschen zu einer Großdemonstration für eine gerechte und solidarische Gesellschaft. Wie die Organisatoren am Mittwoch in der Hauptstadt mitteilten, beteiligen sich weit mehr als 300 Organisationen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) über die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bis hin zur Klimabewegung Fridays for Future und dem Berliner Mieterverein.

Linke, SPD und Grüne sind ebenfalls bei dem Protestzug dabei. Auch Linke-Spitzenkandidat Klaus Lederer sowie die Spitzenkandidatinnen für die Abgeordnetenhauswahl Franziska Giffey (SPD) und Bettina Jarasch (Grüne) werden erwartet.

Die großen Katastrophen unserer Zeit

Die Demonstrierenden wollen knapp drei Wochen vor der Bundestagswahl auf verschiedene Problemfelder und Bedrohungen hinweisen, die nach ihrer Auffassung den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunft der Menschen in Deutschland und auch weltweit gefährden. Das seien vor allem der Klimawandel, Rassismus, soziale Ungerechtigkeit und eine sich aktuell abzeichnende "humanitären Katastrophe in Afghanistan".

Im Wahlkampf für die Bundestagswahl würden "Inhalte zu wenig verhandelt und die sich zuspitzenden Krisen in ihrer Tragweite nicht ausreichend benannt", heißt es im gemeinsamen Aufruf der beteiligten Organisationen.

Edward Snowden per Videoschalte dabei

Die Demonstration beginnt um 13 Uhr mit einer Auftaktkundgebung im Bereich der Straße des 17. Juni, des Brandenburger Tors und des Potsdamer Platzes. Anschließend soll sich der langgezogene und in diverse thematische "Blöcke" gegliederte Zug zum Alexanderplatz bewegen, wo gegen etwa 15 Uhr bis 15:30 Uhr eine Abschlusskundgebung geplant ist.

Die Polizei geht von bis zu 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. "Aber wir rechnen nicht mit gewalttätigen Auseinandersetzungen", sagte eine Polizeisprecherin am Freitag.

Im Laufe der Veranstaltung sollen unter anderem DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel, die Fridays-for-Future-Aktivistin Carla Reemtsma und der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, sprechen. Per Videoschaltung ist auch ein Auftritt des im russischen Exil lebenden Whistleblowers Edward Snowden geplant.

Grafik: Route der #Unteilbar-Demo am 04. September in Berlin. (Quelle: rbb24)

Großdemonstration mit Hygieneregeln

Das Unteilbar-Bündnis organisiert seit Jahren immer wieder große und thematisch breit gefächerte Demonstrationen für eine offene und gerechtere Gesellschaft. 2018 beteiligten sich nach Unteilbar-Angaben an einer Kundgebung in Berlin etwa 240.000 Menschen. Zudem gab es unter anderem Demonstrationen vor Landtagswahlen oder nach dem rechtsextremistischen Anschlag auf die Synagoge in Halle.

Abgerundet wird die Demonstration am Samstag laut Organisatoren auch durch ein "deutlich politisches" Musikprogramm. Auftreten wird dabei etwa der Künstler Max Herre. Die Veranstalter betonten zugleich die Einhaltung der Corona-Schutzregeln. Die Teilnehmer sollten Masken tragen, am besten mit dem Standard FFP2. Zudem gelten die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Ungeimpfte Teilnehmer werden gebeten, sich vorher zu testen.

Sendung: Inforadio, 01.09.2021, 15:02 Uhr

85 Kommentare

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  1. 85.

    An dieser Stelle sei - unpopulärer Weise - auch
    einmal an das Risiko erinnert, dem sich die Polizisten, die die Demos begleiten, aussetzen müssen.

  2. 84.

    Massendemonstrationen zum jetzigen Zeitpunkt sind falsch - das gilt nicht nur für mehr oder weniger rechte Querdenker, sondern auch für Linke.

    Die Veranstalter mögen die Einhaltung der Corona-Schutzregeln 'betonen' - jeder weiß aber das unrealistisch ist, wenn alle Begleitumstände mit betrachtet werden: die Anreise in Gruppen, die sich drängelnden Zuschauer, die Party danach, nicht zuletzt die, die sich in der Demo nicht an die Regeln halten.

    Schon die massenmedial verbreiteten Bilder von Menschen, die bei den nahezu allwöchentlichen Demos des letzten Jahres die Abstandsregeln ignoriert haben, dürften maßgeblich daran beteiligt gewesen sein, dass die - bis dahin gut eingehaltenen - Schutzregeln immer weniger eingehalten wurden. - Die Folgen sind bekannt.

    Außerdem gibt das Erlauben linker Demos bei gleichzeitigem striktem Verbot rechter Demos dem Eindruck Nahrung, dass der Senat mit zweierlei Maß misst.

  3. 82.

    " Das große Problem war, dass dem Volk gepredigt wurde, dass im Sozialismus alle Menschen gleich sind, " Falsch, da sie Kommunismus und Sozialismus verwechseln.

  4. 81.

    Natürlich war es auch in Deutschland Faschismus. Das Wort Nationalsozialisten wurde nur als Propaganda genutzt um so zu tun als wären diese gegen die Kapitalisten. Es ist erstaunlich, dass viele noch heute diese falsche Bezeichnung nutzen. Wer das nutzt meint sicher auch die NSDAP wäre eine Arbeiterpartei gewesen. Mit dem Rest ihrer Worte haben sie allerdings recht.

  5. 80.

    A) Faschismus gab es nur in Italien, in Deutschland waren es Nationalsozialisten.
    B) Sie müssen natürlich mit niemandem diskutieren. Aber dann müssen Sie sich das auch entgegen halten lassen.
    C) Es bringt gar nichts, irgend jemand auszugrenzen. Missliebige Strömungen muss man argumentativ mit den besseren Argumenten stoppen. Nur so können deren Wähler überzeugt und zurück geholt werden.
    D) Die Spaltung der Gesellschaft entsteht dann, wenn sich Wähler nicht mehr vertreten und verstanden fühlen. Das haben die etablierten Parteien selbst verbockt. In den letzten Jahren wurden diese Menschen meistens zu Nichtwählern. Mit der AfD sahen diese wieder die Chance, sich Gehör zu verschaffen. Die AfD ist nicht Ursache sondern Symptom.
    E) Wer unteilbar deklariert und dabei ausgrenzt, spaltet eben auch ein bisschen.
    Das ist kein Vorwurf an Sie persönlich sondern allgemein gemeint. Ich wünsche mir wieder mehr verbindende Politik.

  6. 79.

    Ok, ich teile Ihre Ansicht, dass gerade jetzt zur Wahl solche Veranstaltungen von vielen gerne zur Selbstinzenierung genutzt werden. Und natürlich sind AfD und "Querdenker" (leider) Teil der Gesellschaft, allerdings gibt es einen Punkt, ab dem man sich abgrenzen muss. Wenn ich an radikale Teile beider Bewegungen denke, ist für mich die Diskussion vorbei. Frei nach Danger Dan: "Mit Faschisten diskutiert man nicht, dass hat die Geschichte gezeigt". Solidarische Grüße zurück!

  7. 78.

    Sie sollten meine Einwürfe genauer lesen, dann hätten Sie bemerkt, worauf ich hinaus will. Parteifunktionäre haben jetzt was auf einer solchen Demo zu suchen? Hier geht es doch offenkundig um die Abgrenzung von AfD und "Querdenkern". Sie sind aber nun einmal auch Teil der Gesellschaft, das Motto "unteilbar" ist deswegen aus meiner Sicht bloß selbstbezogen. Im übrigen bin ich seit über 30 Jahren Gerwerkschaftsmitglied, ich habe die Umstrukturierung, den Abbau des Sozialstaats miterlebt und dagegen demonstriert und gestreikt. Auf eine Demo ohne von Armut betroffene zu hören, auf der nur SpitzenpolitkerInnen und -funktionäre sprechen bei gleichzeitiger "bunter" Partystimmung habe ich aber keinen Bock. Den Gesprächsabbruch mit Andersdenkenden halte ich für falsch und nicht zielgerichtet. Mit solidarischen Grüßen! K.

  8. 77.

    Was soll das dann Aussagen? Dass Affen außerhalb ihres engsten Familienverbands egoistisch und sogar kriegerisch sind, ist ja wohl bekannt. Gegen andere Gruppen werden regelmäßig tödliche Angriffe gestartet und die Opfer sogar gefressen. Es wurde gar beobachtet, die Schimpansen Gorillas angreifen und töten. Leider sind auch Menschen nur nackte Affen geblieben. Neid und Kriege durchziehen die gesamte Geschichte und selbst die Gegenwart ist voll von Beispielen. Der Mensch kümmert sich um sich und seine nächsten Angehörigen. Alles andere steht hinten an. Selbstlos helfen tun nur Ausnahmen. Die meisten angeblich Helfenden verlangen nur Hilfe, die der Staat leisten soll, tragen aber selbst nur sehr wenig bei. Das ist auch nicht schlimm, jeder ist sich selbst der Nächste. Aber es ist unehrlich. Ich stehe wenigstens dazu, dass ich egoistisch bin.

  9. 76.

    Nein, Sozialismus ist eben nicht einfach nur eine Wirtschaftsform sondern in erster Linie eine politische. Sie bedingt ja eine allbestimmende Zentralregierung und eine Planwirtschaft. Anders kann nicht der Willen der Gemeinschaft über den des Einzelnen gestellt werden. Das kann nicht ohne Zwang funktionieren und ist deshalb immer gescheitert und wird dies auch bei jedem weiteren Versuch zwangsläufig tun. Wie gesagt, die Theorie ist faszinierend, sie ist aber eben nicht umsetzbar.

  10. 75.

    "Das Problem ist, dass heutzutage zu viele soziale Gerechtigkeit verlangen, in Wirklichkeit aber egoistisch die Erfüllung sämtlicher Wünsche zu Lasten der Solidargemeinschaft erwarten, ohne dafür etwas zurück geben zu wollen. "

    Was für ein neoliberaler Quatsch! Wenn es nach ihnen und ihrer Gesinnung ginge würden sie die Leibeigenschaft wieder einführen, zumindest eine Gesellschaft wie unter den Nazis.

    Genau wie diese schwafeln sie von Gemeinschaft, sie wollen aber die gesellschaftlichen Unterschiede zementieren. Genau wie ihr großes Vorbild. Während sie von einer geistigen Elite ala Napola schwärmen, wollen die Demonstranten eine echte Gemeinschaft, wo jeder Zugang zu Bildung und Wohlstand hat.

  11. 74.

    Ihre ganzen pseudo-evolutionären Theorien mal beiseitegelassen.
    Lesen Sie doch einfach mal ein echtes Verhaltens-Biologie Buch über Affengruppen, bevor Sie hier uninformierte biologistische Thesen aus Großvaters Klamottenkiste zum Besten geben.

  12. 73.

    Habe ich. Vom rumsitzen und online kommentieren hat noch keine Gesellschaft an Solidarität gewonnen. Vom auf die Straße gehen schon ('89, Dresden Nazifrei, Oranienplatz...). Und bevor sie fragen, ich habe mich jahrelang in diesen Bereichen betätigt und würde auch auf der Demo sein, wenn ich nicht 2 kleine Kinder zu versorgen hätte. Beste Grüße.

  13. 72.

    Sozialismus ist immer Diktatur? Warum?
    Sozialismus ist eine Wirtschaftsform, genauso wie Kapitalismus.
    Ob das politische System dazu demokratisch wie bei uns oder diktatorisch wie in der DDR ist, hat nichts damit zu tun.
    Es gibt ja auch kapitalistische Diktaturen - warum keine sozialistische Demokratie?

  14. 71.

    Ich habe nichts hineininterprretiert. Es geht um rechtliche Begriffe. Der Veranstalter/Leiter kann die Versammlung beenden. Auflösen darf eine Versammlung nur die Polizei. Oder nochmal zur Verdeutlichung:
    Beendigung = Versammlungsleiter möchte und entscheidet das so.
    Auflösung = Polizei entscheidet das so, auch gegen den Willen des Leiters.
    Wenn Sie also begrifflich "Auflösen" benutzen, bedeutet das automatisch, die Polizei hat entschieden. Wenn Sie das gar nicht meinten, dann wöäre "beendet" richtig gewesen.
    Falls jemand diese Unterscheidung kleinteilig finden solte, dann kann ich nur einen Blick ins VersFG Berlin oder auch das VersG des Bundes empfehlen. Da gibt es nun einmal feststehende Begriffe, die man nutzen sollte, um MIssverständnissen vorzubeugen. War nicht meine Idee :)

  15. 69.

    Das Problem ist, dass heutzutage zu viele soziale Gerechtigkeit verlangen, in Wirklichkeit aber egoistisch die Erfüllung sämtlicher Wünsche zu Lasten der Solidargemeinschaft erwarten, ohne dafür etwas zurück geben zu wollen. Man versteckt sich dahinter, dass der anonyme Staat alles zahlt und ignoriert, dass letztlich das ganze die finanzieren müssen, die den Spaß erarbeiten und Steuern zahlen. Denen wird immer mehr abverlangt, Arbeit lohnt sich damit immer weniger. Ein Sozialstaat ist wichtig und richtig. Aber sozial gerecht ist eben nur, solange nur denen geholfen wird, die diese Unterstützung auch wirklich benötigen, diese Hilfe angemessen ist und sie dazu dient, Menschen soweit möglich wieder in die Lage zu versetzen, selbst für sich zu sorgen und damit die Hilfe der Gemeinschaft wieder zurück zu geben. Immer nur höhere Forderungen stellen, ist eben keine Gerechtigkeit sondern Egoismus.

  16. 68.

    Immer wieder der gleiche verharmlosende Unsinn! Natürlich hat sich die DDR am echten Sozialismus versucht. Da aber massenweise die Menschen abgehauen sind, hat er genau so geendet, wie er in der Praxis enden musste - als astreine Diktatur. Da der Sozialismus das Wohl der Gemeinschaft immer, jederzeit und ohne Rücksicht über das Wohl des Einzelnen stellt, steht er der Freiheit des Individuums zwangsläufig entgegen. Es geht gar nicht anders, sonst wäre es kein Sozialismus. Jeder, der sich nicht 100%ig freiwillig unterwirft, muss mit Macht und Gewalt dazu gezwungen werden. Da Menschen im Grunde egoistisch sind, das haben wir von unseren Vorfahren den Affen geerbt, kann Sozialismus in der Realität nur mit Repressionen funktionieren. Die Theorie ist äußerst spannend, keine Frage, aber eben nicht umsetzbar.

  17. 67.

    Haben Sie auch Gegenargumente? Oder wollen Sie nur andere - in diesem Fall meine - Meinung diskreditieren, also über mich "herziehen"?

  18. 66.

    Sollte Ihnen etwa entgangen sein, dass Berlin mittlerweile Bundeshauptstadt ist?

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