Erderhitzung und Stadtstress - Mehr als die Hälfte der Straßenbäume in Berlin geschädigt

Vertrocknete Nadelbäume in einer ungepflegten Rabatte in der Einbecker Straße in Lichtenberg vor einem Wohnhaus (Bild: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Nur etwas mehr als 43 Prozent der Straßenbäume in Berlins Innenstadt sind gesund - das ist der niedrigste Wert seit mehr als 40 Jahren. Grund sind die Erderhitzung sowie typische Stressfaktoren in der Stadt, wie Bauarbeiten, Hunde-Urin und Tausalz.

Um die Vitalität der Straßenbäume steht es in Berlin schlecht. Das geht aus dem Straßenbaum-Zustandsbericht für das Jahr 2020 aus, der am Freitag veröffentlicht wurde. Dieser bescheinigt eine massive Verschlechterung der Baumgesundheit in den vergangenen Jahren.

Demnach sind die Schäden an Straßenbäumen seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1979 auf einem Höchststand – und beschleunigen sich vor allem in den vergangenen fünf bis 15 Jahren. Die vier untersuchten Arten Linde, Ahorn, Rosskastanie und Platane, die zusammen mehr als drei Viertel des City-Baumbestands ausmachen, zeigten im Jahr 2020 zu 56,6 Prozent Schädigungen der Stufen 2 bis 4 (leicht bis extrem geschädigt).

Nur noch rund 43 Prozent der Bäume komplett gesund

Komplett gesunde Straßenbäume (Stufe 1) gibt es in Berlins Innenstadt demnach nur noch zu 43,4 Prozent: Das sei der niedrigste Wert seit mehr als vier Jahrzehnten. Hierbei werden der S-Bahn-Ring sowie die dicht bebauten Quartiere in den Stadtteilen Steglitz, Weißensee, Pankow und Wedding dazugezählt.

"Wir sehen auch am Zustand der Straßenbäume, dass die Erderhitzung in Berlin angekommen ist. Sie leiden an Hitze und Trockenheit und zeigen gravierende Schäden", erklärte Umweltsenatorin Regine Günther. Erstmals nach langen Jahren des Sparens hätte der Senat deshalb in dieser Wahlperiode deutlich mehr Geld für die bezirkliche Baumpflege bereitgestellt, hieß es.

Witterung setzt besonders Rosskastanien zu

Als Grund für die jüngste Verschlechterung der Baumvitalität nennt der Bericht insbesondere die trockenheiße Witterung in den Jahren 2018 bis 2020 – die auch schon Berlins Waldbäumen extrem zugesetzt habe.

Die in diesen Jahren gehäuften langen Phasen ohne Niederschlag bei teils sehr hohen Temperaturen hätten unterschiedlich starke Auswirkungen auf die verschiedenen Baumarten: Während sich die Linden noch am robustesten zeigten (44 Prozent geschädigte Bäume), wiesen Ahorne und Platanen jeweils zu rund 70 Prozent Schädigungen auf.

Am härtesten seien Rosskastanien betroffen, bei denen fast 90 Prozent der Bäume geschädigt seien.

Typischer Stadtstress ebenfalls schädlich

Dem Bericht nach sind urbane Straßenbäume nicht nur den Folgen der Erderhitzung ausgesetzt, sondern auch dem Stadtstress wie Bauarbeiten, Hunde-Urin, Verkehrsunfällen, Bodenversiegelung und –verdichtung sowie Tausalz im Winter.

Allerdings trügen auch Schädlinge wie die Kastanienminiermotte dazu bei, ebenso der Befall mit Pilzen, Milben oder Mehltau.

Bei Neupflanzungen von Straßenbäumen werden die Bezirksämter seit 2012 von der Berliner Stadtbaumkampagne, einer mit Landesmitteln aufgestockten Spenden-Aktion, unterstützt. Damit konnten den Angaben nach inzwischen mehr als 12.000 zusätzliche Straßenbäume mit 225 verschiedenen Baumsorten gepflanzt werden. Für diesen Herbst seien rund 700 weitere Pflanzungen geplant.

30 Kommentare

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  1. 30.

    Hunde wurden schon immer gehalten.....mit allem was dazu gehört:-) Nicht erst seit dem der Klimawandel angefangen hat.
    Und ach auch nicht nur in Berlin sondern auf der ganzen Welt. Und auch dort pinkeln und k..... Hunde.

  2. 28.

    Ich würde sogar doppelt soviel Hundesteuer als jetzt verlangen, dann zieht nicht jeder zweite Berliner einen solchen Kläffer hinter sich her, der überall an jeden Baum und auf jede grüne Fläche hinpinkelt und hinsch....

  3. 27.

    Wohnte ich nicht im 4. Stock, würde ich auch Straßenbäume wässern, auch wenn der Erfolg nicht vielversprechend ist. Es entlastet die Bäume etwas - und mich natürlich, denn es tut weh, sie so dahinsterbend zu sehen. Der Bezirk kümmert sich völlig unzureichend, schon mit Grünflächenamt Kontakt aufgenommen, nur freundliche Sprüche, keine Taten.

  4. 26.

    Dann machen Sie doch mal z.Bsp. im Schloßpark Charlottenburg einen Spaziergang, dann sehen Sie vielleicht klarer. Trotz Bewässerung vertrocknet das Gehölz, Bäume kippen um, es gibt Probleme neu gepflanzte Bäumchen trotz Standbewässerungshilfe zuverlässig durchzubringen, Besucher werden mit Schildern vor der Gefahr vor herabstürzenden Ästen gewarnt - wegen Trockenheit! Berlin und Brandenburg sind die trockenste Region der Republik.

  5. 25.

    Hundeurin? Gut, dass der Finanzsenator die Befreiung von de Hundesteuer für Teile der Bevölkerung gestoppt hat.

  6. 24.

    Woher wollen Sie wissen, dass die Jugendlichen sonst nichts für den Klima- & Umweltschutz unternehmen? Kennen Sie etwa alle persönlich?

  7. 23.

    In einigen Kiezen stehen riesige Wassertonnen an den Straßen oder vor z.B. Kirchen, aus denen engagierte Anwohner/innen Wasser zum Gießen schöpfen können (Gießkannen liegen in oder an den Tonnen). Auch interessant: https://giessdenkiez.de/

    @Nachtwaechter: Ein Gratis-Tipp für eine gelungene Kommunikation: Vermeide Verallgemeinerungen!

    @rbb: Wenn die Netiquette Verallgemeinerungen mit einschließt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass eine friedlichere, positivere und vor allem produktivere Diskussion in den Kommentaren stattfindet. Ist es zu viel verlangt, gewisse Grundkenntnisse in Sachen Kommunikation vorauszusetzen?

  8. 22.

    Wie wäre es, wenn der links grüne Senat den Bäumen einfach verbietet krank zu werden. Oder eine Sitzecke davor stellt oder einen Radweg drumrum baut. Eine Baumgängerzone oder eine Spielbaumstraße. Oder einfach Baum in Auto umbenennen. Unbedingt sollten sie den Bäumen eine Wuchsgeschwindigkeitsbegrenzung und einen Wuchsdeckel...
    Mehr haben wir ja 4 Jahre nicht von diesem Senat gesehen.
    Bauen verhindert, Schulden gemacht, das Nichtklientel schikaniert, der Stadt geschadet... 4 Jahre weiter so...

  9. 21.

    RGR hat versagt, die grüne Fassade bröckelt zusehends. Es kommt immer mehr zu Tage, dass sie außer die Gesellschaft zu spalten quasi nichts erreicht haben außer noch Schulden für die jüngere Fridays for Future (welche Future ??) Generation und eine gegeneinander aufgehetzte und gegeneinander ausgespielte Bevölkerung bei der der Frust und die Aggression wächst.

  10. 20.

    Wenn die hüpfenden Teenies nicht nur hüpfen wuerden, sondern die Patenschaft über einige Bäume übernehmen würden, würden sie nicht nur von anderen Klimamassnahmen verlangen, sondern selbst etwas dafür tun. Aber meckern und fordern auf Kosten von Bildung ist einfacher und bequemer als selbst etwas für die CO2 Bindung zu veranstalten. Aber dafür gibt es dann vielleicht keine mediale Aufmerksamkeit.

  11. 19.

    Was ist jetzt mit Baumscheibenvergrößerung ?
    Wie war Das, mit mehr Geld für Grünpflege ?
    Wo waren die Grünflächenämter im Frühling, beim Baden oder beim Pflanzen bewässern ?
    Warum dürfen die Fach-Senatoren für Untätigkeit so viel Lob erwarten ? Wählt, wählt mit Bedacht.

  12. 18.

    Ne, ich renn auch nicht mit 10 kg rechts und 10 kg links am Arm vonner Bude bis zu meinem Straßenbaum, das mehrfach. Alter, das halten meine Knie nicht durch! Nen shit Gießwagen, den würde ich in meiner Freizeit auch noch lenken, und den Schlauch halten. Gibt man mir ja nicht, war klar....

  13. 17.

    Und das unter RR-GRÜÜÜÜN ! So peinlich. Der tolle neue Grünstreifen vorm Kino International den RRG gegen die Anwohner hinterhältig umgesetzt hat, der war auch fast das ganze Jahr vertrocknet.
    Eins ist sicher, wir brauchen mehr Radwege, Betonpoller und alles was RRG macht als mehr Bäume. Noch mehr Radfahrer die ihre Räder an Bäume und deren Schutzbügel ketten und dabei die Baumscheiben platttrampelm. Die Radfahrer leben hoooooch.
    RRG ist so, als würde sich ein Autofahrer eine 9 Volt Batterie ins Handschufach legen und sagen er wäre Klimaneutral.

  14. 16.

    "Ich kaufe mir ja nun auch keine Waffe und Handschellen um flüchtige Straftäter einzufangen"
    oweia, auf den "Vergleich" muss man erst mal kommen! mehr von Ihnen mit dieser Haltung in dieser Stadt
    und das Gruselkaninett ist eröffnet

  15. 15.

    Keine Hundesteuer? Diese Aussage ist Blödsinn. Wenn Sie den Bericht in den letzten Tagen richtig gelesen haben, ist Ihnen bestimmt aufgefallen, dass die Hundesteuer nicht generell abgeschafft wird. Und was den Hundeurin betrifft, das will ich nicht leugnen. Aber was ist mit den Herren der Schöpfung, die auch an jeden Baum urinieren, weil sie zu faul sind, ein WC aufzusuchen? Das ist übrigens auch eine Ordnungswidrigkeit, die leider nur zu selten geahndet wird.

  16. 14.

    Schon der Begriff Erderhitzung ist eine reißerische Wortschöpfung. Es gibt keine Erderhitzung sondern eine Klimaveränderung in Richtung Wärme. Durch diese Wortwahl zeigt sich unseriöser Journalismus. Das Klima ändert sich nun mal ständig mal in Richtung Wärme oder auch wieder Kälter. Desweiteren sollten Bäume und alle anderen Pflanzen in trockenen Zeiten gegossen werden. Zuständig die Besitzer, also die Stadt Berlin. Aber das kostet ja Geld, also appellieren an die Bürger und die Verantwortung von sich schieben.

  17. 13.

    Und wieder einmal ist die Erderwärmung bzw. der Klimawandel schuld.

    Wenn Trockenheit der Hauptgrund sein soll, verstehe ich nicht warum es bei unserem Nachbarn und uns eher nach Dschungel aussieht. Egal ob Baum, Strauch oder Blume es wächst auch ohne zusätzliche Bewässerung in sattem grün und leuchtenden Farben obwohl diese weder Wasser noch Pflege bekommen. Sie passen sich an.

    Schon seit Jahrzehnten warnen echte Experten davor das die Städte, dank hoher Gebäude und ständiger Verdichtung, keine vernünftige Belüftung mehr erhalten, da die Luft quasi steht. Dies erzeugt Wärme und konzentrierte Schadstoff-/ Feinstaubbelastung.

  18. 12.

    Es ist doch nicht die Aufgabe der Bürger, sich um Straßenbäume zu kümmern, zudem bei diesen Wasserpreisen. Ich wohne im Altbau, 4 Treppen und sie denken nicht, ich laufe mehrmals mit Eimern aus meiner Wohnung zu den Straßenbäumen. Mit einem Eimer ist es ja auch nicht getan. Da sollen sie bitte die darum kümmern, die verantwortlich sind. Ich kaufe mir ja nun auch keine Waffe und Handschellen um flüchtige Straftäter einzufangen.

  19. 11.

    Nicht immer meckern, einfach selbst für 2-3 Bäume die Verantwortung übernehmen und im Sommer ab und an gießen. Muss nicht jeden Tag dein, lieber ab und an viel als immer nur ein bisschen. Man lernt Nachbarn kennen und betätigt sich sportlich.
    Es gibt soooo viele Bäume in Berlin, das ist unmöglich diese alle vom Bezirk zu wässern, auch wären es immense Kosten.
    Einfach unterstützen, macht Spaß.

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