Neues Ultimatum für Gespräch - Klimaaktivisten im Hungerstreik drohen mit Flüssigkeitsverzicht

Ein Camp von Hungerstreikenden ist im Regierungsviertel aufgebaut. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Audio: Inforadio | 20.09.2021 | Peter Klinke | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Die seit mehr als drei Wochen hungerstreikenden Klimaaktivistinnen und -aktivisten in Berlin haben der Politik ein neues Ultimatum für Gespräche gesetzt: Manche von ihnen wollen bei Nichtbeachtung auch keine Flüssigkeit mehr zu sich nehmen.

Sie riefen die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, sowie die Kanzlerkandidaten von CDU und SPD, Armin Laschet und Olaf Scholz, bis Donnerstag um 19 Uhr erneut zu einem Gespräch auf, wie die Gruppe am Montagmorgen mitteilte. Sollten die Politiker den Termin nicht wahrnehmen, wollen die Hungerstreikenden ihren Protest teilweise verschärfen.

Gruppe startete vor drei Wochen ihre Aktion

Einige der Aktivistinnen und Aktivisten, die inzwischen seit mehr als drei Wochen hungern, haben für diesen Fall damit gedroht, auch keine Flüssigkeit mehr zu sich zu nehmen. Der andere Teil der Gruppe will diesem "trockenen Hungerstreik" nicht folgen. "Wir Anderen treffen für uns die Entscheidung, dass es sich nicht mehr lohnt, den Kanzlerkandidat/innen noch mehr unseres wertvollen Lebens und unserer Gesundheit zu opfern, um sie diesen Test doch noch bestehen zu lassen", hieß es. Unklar blieb zunächst, ob sie dennoch den Hungerstreik in der bisherigen Form fortsetzen - oder die Aktion ganz beenden wollen.

Eine sechsköpfige Gruppe junger Erwachsener hatte am 30. August vor dem Reichstagsgebäude mit einem unbefristeten Hungerstreik begonnen. Ihr Ziel ist zum einen ein öffentliches Gespräch mit den drei Kanzlerkandidaten über den Klimawandel. Zum anderen verlangen sie die Einsetzung eines Bürgerrats, der der Politik Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz vorgeben soll.

Zwei Aktivistinnen haben Hungerstreik beendet

Zwei von ihnen hatten den Hungerstreik am Wochenende beendet. Einer 19-Jährigen, die einen Tag im Krankenhaus verbringen musste, gehe es inzwischen den Umständen entsprechend gut, teilte die Gruppe am Sonntag mit. Eine 18-Jährige habe nach dem Zusammenbruch der anderen Aktivistin die psychischen Strapazen nicht mehr tragen können, hieß es.

Ein 27-Jähriger, der inzwischen bereits zweimal im Krankenhaus behandelt werden musste, will den Hungerstreik demnach aber fortsetzen.

Stäblein ruft zum Ende der Aktion auf

Der Berliner evangelische Bischof Christian Stäblein rief derweil zu einem Ende der Aktion auf. "Ich verstehe den Nachdruck der Forderungen, trotzdem bitte ich eindringlich darum, mit dem Hungerstreik aufzuhören", erklärte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am Montag in Berlin. Er mache sich große Sorgen um die Gesundheit der Aktivistinnen und Aktivisten. Stäblein hatte am Samstag das Protestcamp besucht. Das Gespräch mit den jungen Menschen habe ihn bewegt, sagte er.

Sendung: rbb 88.8, 20.09.2021, 11 Uhr

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