Protest-Camp vor dem Bundestag - Fast alle Klima-Aktivisten im Regierungsviertel beenden Hungerstreik

Jakob liegt am Morgen auf einem Matratzenlager in einem Zelt eines Protestcamps im Regierungsviertel. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Bild: dpa/Kay Nietfeld

Seit Ende August verzichten sieben junge Menschen in Zelten vor dem Reichstagsgebäude auf Essen, um damit ein Gespräch mit den Kanzlerkandidaten zu erzwingen. Die meisten der Gruppe beenden nun die Aktion.

Nach mehr als drei Wochen haben drei weitere Klimaaktivisten ihren Hungerstreik in Berlin abgebrochen. Das teilte die Sprecherin der Aktion, Hannah Lübbert, am Mittwoch mit. Von ursprünglich sieben Teilnehmern haben somit inzwischen sechs wieder angefangen zu essen. Zwei von ihnen beendeten bereits am vergangenen Wochenende aus gesundheitlichen Gründen den Hungerstreik.

Die Aktion hatte am 30. August in der Nähe des Berliner Reichstagsgebäudes begonnen. Die Klimaaktivisten im Alter von 18 bis 27 Jahren forderten ein öffentliches Gespräch mit den drei Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen sowie die Einsetzung eines Klima-Bürgerrats. Die Kandidaten Armin Laschet (CDU/CSU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) haben Einzelgespräche nach der Wahl angeboten und ein Ende der Aktion gefordert.

"Wir würden sterben zugunsten eines Weiter-So"

Zuletzt wurde für diesen Donnerstag (23. September) ein neues Ultimatum für ein öffentliches Gespräch gestellt. Sollte auch dies verstreichen, wolle man auch auf das Trinken verzichten, hatten ein junger Mann und eine Frau, die neu zur Gruppe hinzugestoßen war, angekündigt. Von den übrigen Aktivistinnen und Aktivisten hieß es nun, es gebe keine Bereitschaft der Kandidaten zum Gespräch. "Würden wir weitermachen - wir würden sterben zugunsten eines kalten, fantasielosen politischen Weiter-So, das für alles Leben auf der Erde tödlich enden wird", erklärte Gruppensprecherin Lübbert.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Appelle für eine sofortige Beendigung des Hungerstreiks gemehrt. Nach einem Besuch im Camp hatte unter anderem der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein für einen Stopp der Aktion geworben. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert beobachtet auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Hungerstreik mit Sorge.

Klimaforscher Schellnhuber zollt Respekt

Der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber zollte den Teilnehmern des Berliner Hungerstreiks Respekt. Aber auch er forderte sie dringend zum Abbruch der Aktion auf. "Dass ihr alarmiert seid, ist nur folgerichtig - ich bin selbst in größter Sorge um die Zukunft unserer Zivilisation", schrieb Schellnhuber am Mittwoch in einem offenen Brief an die Aktivisten.

Falls irgendwann einmal alle realpolitischen Mittel ausgeschöpft seien, könne er sich sogar vorstellen, "mich selbst an einem Klimahungerstreik zu beteiligen", schrieb der langjährige Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Doch "noch steht uns eine Fülle von gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten zur Verfügung, bei denen niemand zwingend sein Leben für die Bewahrung der Schöpfung gefährden muss".

Sendung: Abendschau, 22.09.2021, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Ich kann die jungen Leute verstehen, im Grunde ist ihr radikales Handeln und Begehrenn doch der dramatischen Klimasituation angemessen. Es ist ihr Leben, ihre Lebensqualität, sind ihre Lebensgrundlagen, die auf der Kippe stehen. Die Grünen werben z. Zt. u. a. mit einem Wahlplakat aus dem Jahr 1979 (!) zum Thema Umweltschutz. Wie weit sind wir seitdem gekommen? Es ist wirklich zum Verzweifeln. Aber Herr Schellnhuber hat die richtigen Worte gefunden, sie sind zu beherzigen.

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