Pläne auch für Schönhauser Allee - Radfahrer und Fußgänger sollen auf der Torstraße mehr Platz bekommen

Grafik zu einem geplanten Radweg auf der Torstraße in Berlin Mitte. (Quelle: SenUVK)
Video: Abendschau | 21.09.2021 | Agnes Sundermeyer | Bild: SenUVK

Radfahrer und Fußgänger sollen auf der vielbefahrenen Torstraße mehr Platz bekommen. So sehen es Pläne der Verkehrsverwaltung vor, die dem rbb vorliegen. An anderer Stelle, nämlich auf der Schönhauser Allee, wird genau das schon bald umgesetzt.

Neben der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg soll auch die Torstraße in Berlin-Mitte umfangreich umgestaltet werden. Nach Unterlagen aus der Senatsverkehrsverwaltung, die dem rbb vorliegen, sollen Radfahrer und Fußgänger mehr Platz bekommen. Fahrspuren und Parkplätze für Autos sollen dagegen wegfallen.

Den Plänen zufolge ist der erste Bauabschnitt des "Projekts Torstraße" auf dem Abschnitt zwischen Rosenthaler Platz und Hannoversche Straße / Chausseestraße vorgesehen. Auf diesem etwa 1,5 km langen Stück soll die Torstraße je rechts und links einen 2,30 Meter breiten, geschützten Radfahrstreifen bekommen. In beiden Fahrtrichtungen ist nur noch eine Kfz-Spur geplant. In südlicher Fahrtrichtung soll zusätzlich ein Mehrzweckstreifen entstehen, für Lieferzonen, Bushaltstelle sowie Fahrrad- oder Roller-Stellplätze.

Fertigstellung bis 2027 geplant

Die derzeit vorhandenen Parkspuren auf der Torstraße würden ersatzlos wegfallen. Die Fußwege sollen aufgewertet und dafür teilweise entsiegelt werden, durch größere Baumscheiben und bepflanzte Beete. Ziel des Umbaus ist laut Senatsverwaltung eine "deutlich bessere Aufenthaltsqualität" auf diesem Straßenzug, vor allem für den Fußverkehr. Radfahrende sollen nach dem Umbau sicherer auf der Torstraße fahren können, wo es derzeit überhaupt keinen Radweg gibt.

Der Zeitplan für den ersten Bauabschnitt auf der Torstraße sieht zunächst für 2022 eine Bürgerbeteiligung vor, 2024 sollen die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Die Fertigstellung könnte im Jahr 2027 erfolgen, so die Verkehrsverwaltung. Das Vorhaben steht allerdings unter Vorbehalt: Noch ist die Grüne Regine Günther Verkehrs- und Umweltsenatorin. Ob ihre Partei dieses Ressort nach der Wahl noch unter sich haben wird, wird sich nach den anstehenden Wahlen zeigen.

Archivbild: RadfahrerInnen und FußgängerInnen an der überfüllten Kreuzung Eberswalder Straße Ecke Schönhauser Allee in Berlin Prenzlauer Berg. (Quelle: dpa/Schoening)Eberswalder Straße Ecke Schönhauser Allee.

Umgestaltung der Schönhauser Allee im nächsten Jahr

Bereits im nächsten Jahr soll auch ein Teil der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg umgestaltet werden, wie die Senatsverwaltung für Verkehr am Dienstagvormittag mitteilte. Auch hier sollen Radfahrer und Fußgänger mehr Platz bekommen. Der Umbau soll Mitte 2022 beginnen und bis zum Herbst des nächsten Jahres abgeschlossen sein. Erste Vorbereitungen sollen schon in den kommenden Wochen getroffen werden.

Im Rahmen des Mobilitätsgesetzes sollen demnach geschützte Radwege entstehen, gleichzeitig sollen Gehwege verbreitert werden. Das Gesetz wurde im Sommer 2018 verabschiedet. Geplant sind die entsprechenden Umbaumaßnahmen für den Abschnitt zwischen Eberswalder/Danziger Straße und Gleimstraße/Stargarder Straße.

Auch die Außengastronomie soll mehr Platz bekommen

Auf einer Länge von rund 720 Metern entsteht dort jeweils auf der rechten Spur, wo bislang überwiegend Autos parken, ein geschützter Radfahrstreifen, heißt es in der Mitteilung der Senatsverwaltung. Damit sollen Radfahrende erstmals ausreichend Platz zum Überholen erhalten. Zum anderem wird der bisherige Radweg künftig dem Gehwegbereich zugeordnet, wodurch dem Fußverkehr deutlich mehr Platz zur Verfügung stehen soll.

Zusätzliche Fahrradbügel, Sitzbänke und mehr Platz etwa für Außengastronomie sollen Komfort und Aufenthaltsqualität auf dem Abschnitt erhöhen, so die Verkehrsverwaltung weiter. Für den Lieferverkehr sollen Ladezonen eingerichtet werden. "Der fließende Autoverkehr bleibt wie bisher zweispurig mit einer gemeinsamen Spur für die Straßenbahn", heißt es weiter in der Mitteilung.

FDP und Changing Cities kritisieren Mobilitätsgesetz

Auch andernorts werden große Straßen in Berlin im Rahmen des Mobilitätsgesetzes umgestaltet, unter anderem am Tempelhofer Damm. Anfang September waren solche Pläne auch für den Boulevard "Unter den Linden" bekanntgeworden. Hier sollen gesicherte Radwege und mehr Grün enstehen, wie die Senatsverwaltung für Verkehr mitteilte.

Kritik an solchen Umgestaltungen kommt unter anderem von der FDP. Deren Berliner Verkehrspolitiker Henner Schmidt kritisierte nach Bekanntwerden der Pläne für den Boulevard "Unter den Linden", bei dem Umbau drohten die Fehler der Kantstraße oder Friedrichstraße wiederholt zu werden. "Wieder scheint der Radverkehr im Mittelpunkt zu stehen, wieder auch zulasten des ÖPNV und des Fußverkehrs", so Schmidt.

Kritik kommt auch von der Initiative Changing Cities. Sie wirft dem rot-rot-grünen Senat vor, seine Ziele für eine Verbesserung des Radverkehrs weit verfehlt zu haben. Die Bilanz nach drei Jahren Mobilitätsgesetz falle vor allem bei den Radschnellverbindungen "verheerend" aus.

Sendung: Abendschau, 21.09.2021, 19:30 Uhr

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93 Kommentare

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  1. 93.

    Dass man nicht auf das Auto verzichten mag verstehe ich.

    Bevor sie jedoch die Umweltkarte spielen, checken Sie doch mal zu wieviel Prozent ihr deutsches Auto tatsächlich in D gefertigt wurde. Also auch die Vorprodukte wie Kunststoffgranulate, Rohstahl und so weiter. Und wenn sie das Schweröl anführen, mit dem ein Fahrrad von China hierher transportiert wird, dann rechnen sie vielleicht einmal nach wieviel Fahrräder damit immerhin transportiert werden.

  2. 90.

    " Meine beiden Fahrzeuge sind in germany produziert worden. Ich lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden. "

    Nein wie naiv. In Germany produziert, mit Startern aus China, Bremsscheiben aus der Ukraine... usw.

    Natürlich lassen sie sich kein schlechtes Gewissen einreden, sonst müßten sie ja mal über ihr Verhalten nachdenken.

  3. 89.

    Es gibt parallel zur Torstraße schon eine Fahrradstraße, die Linienstraße. Die geht von der Friedrichstraße bis zum Rosenthaler Platz. Warum also noch extra Radwege in der Torstraße?

  4. 88.

    Ach, von daher weht der Wind. Wer Birnen mit Äpfeln vergleicht der möchte nicht diskutieren. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich aber andere als "militant" bezeichen um anschließend mit den dümmsten Vergleichen zu kommen, das ist nicht militant, das ist plump und vorhersehbar.

    Preisfrage: Wieviele Fahrräder braucht es um in etwa die gleichen Schadstoffe und Umweltbelastung zu produzieren wie ein einziges KfZ? Hunderte? Tausende? Zehntausende?

    Was sie hier versuchen ist nicht militant, sondern nur plump und primitiv.

  5. 87.

    Berlin ist keine Weltstadt! Darum ziehen ja viele hierher! Hauptstadt ja! Weltstadt niemals. Wenn die Autos immer mehr verdrängt werden, wird es nicht mehr zur „Weltstadt“. Kutschen, Räder und flanieren mit Sonnenschirm:). Ironie?

  6. 86.

    Habe ich auch. Ich muss nicht sparen. Ein Auto gehört mit zu Mobilität und Lebensqualität. Übrigens wird ein Großteil der Fahrräder in China ohne Umweltauflagen gefertigt und per Schiff mit schweröl um die halbe Welt geschifft genau wie ein Großteil eurer Klamotten die ihr anhabt. Wo die Reifen herkommen ganz zu schweigen. Meine beiden Fahrzeuge sind in germany produziert worden. Ich lasse mir kein schlechtes Gewissen einreden.

  7. 85.

    Fahrräder stehen häufig genau so im öffentlichen Raum wie Autos."
    Genau. Wer hat sich nicht als Autofahrer schon über die tonnenschweren, hochglanzpolierten Fahrräder geärgert die in 2. Reihe geparkt den ganzen Autoverkehr aufhalten?
    Aber das darf man ja hier nicht mehr sagen!!!!!!!!

  8. 84.

    Sehr schön, dass sie sich mit dem ersten Satz selber die Antwort auf ihr finales Statement geben. Und wenn nach Ihrer Meinung Autofahrer weichen müssen, sollten sie bedenken, dass Ihnen der Platz vorher auch ausreichend gegeben wurde und dafür andere Gruppen weichen mussten.

  9. 83.

    Für den Abschnitt der Torstrasse zwischen Prenzlauer und Schönhauser Allee gibt es allerdings keine parallele Fahrradstrasse. Gerade hier ist es für Radfahrer sehr eng ung gefährlich. Eine Radspur würde tatsächlich eine große Verbesserung darstellen.

  10. 82.

    Die beschriebenen Projekte sind schön. Dagegen verschweigen Politiker und Medien - auch der rbb - die neue Mode, Radwege zulasten von Fußgängern auszubauen, indem Radpisten hemmungslos über Gehwege geführt werden, mit Vorrang für Radler. (Beispiele: Tiergarten Großer Stern; gegenüber S-Bhf Feuerbachstr. u.v.a.)

  11. 81.

    Lustig: Die Oranienstraße wird nächstes Jahr schon umgebaut, aber die Pläne sind trotz abgeschlossener Bürgerbeteiligung immer noch geheim. Ob da wohl der Bürgewille umgesetzt wird?*! Ich glaube nur was ich real sehe, und da stockt sogar der Umbau in der Kottbusser Straße Richtung Kotti...
    *@rbb Oder wisst ihr da mehr? ;)

  12. 80.

    Ein parkendes Auto nimmt allerdings den Platz von sechs bis zehn Fahrrädern ein.

  13. 79.

    Weil die existierenden Radwege zu schmal und am falschen Ort sind. Da sieht man Radfahrer nicht und fährt sie dann beim Abbiegen tot.

  14. 78.

    Lieber "Radfahrer",
    militant ist jedes Zurschaustellen von Abneigung jegliche anderem Denkens, auch Art einer Fortbewegung Fortbewegung und der einzig wahren eigenen Meinung. Ich stelle mal die Frage: womit werden alle Lager und auch die Antriebe der Räder geschmeidig und verschleißarm gehalten? Womit werden die Rahmen und anbauteile vor Korrosion geschützt? Sind das alles Stoffen, die derzeit Umwelt zuträglich sind? Sie fahren komfortabel auf Reifen aus Kautschuk. Wer ein konsequentes Umweltgewissen hat, sollte selbst aufs Rad verzichten. Ach nein, Frau Baerbock tourt ja mit einem Dieselbus durchs Land, aber die Grünen wollen Autos aus derr Stadt raushalten. Das ist wirklich konsequent inkonsequent. Dann verstehe ich Radfahrer sehr gut.

  15. 77.

    Gerade auf der Torstrasse, auf der es bislang keinen Radweg gibt, ist eine Neuordnung und Schaffung einer Fahrradspur sehr sinnvoll. Hoffentlich dann auch bald auf dem Abschnitt von Prenzlauer Allee bis Schönhauser Allee, wo die Gefahren für Radfahrer deutlich vermindert werden könnten.

    Aber, warum jetzt erst so spät, warum nicht schon früher?

  16. 75.

    @ Olaf: Na, dann können Sie mal sehen, was Sie alles sparen könnten. Da wäre doch eine Umweltkarte locker drin.

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