Mehr als 3.000 Kilometer - Senat beschließt neues Radwegenetz für Berlin

Eine Fahrradstraße in Berlin (Quelle: Flashpic/Jens Krick)
Bild: Flashpic/Jens Krick

Die Radwege in Berlin sollen stark ausgebaut werden. Nach langem Ringen hat der rot-rot-grüne Senat dazu am Dienstag einen Radverkehrsplan beschlossen. Insgesamt geht es um rund 3.000 km. Laut der CDU haben die Außenbezirke dabei das Nachsehen

Der rot-rot-grüne Senat hat am Dienstag einen neuen Radverkehrsplan beschlossen. Laut Senatsverwaltung für Verkehr soll in den kommenden Jahren ein Netz von Radverkehrsverbindungen mit einer Gesamtlänge von mehr als 3.000 Kilometern entstehen. Das seien doppelt so viele Verbindungen und mit deutlich höheren Standards als in den bisherigen Planungen, teilte der Senat mit.

Alle Radwege sollen mindestens zwei Meter breit sein

Kern ist ein 865 Kilometer langes sogenanntes Vorrangnetz mit den wichtigsten gesamtstädtischen Radverbindungen. Diese Strecken sollen mit einer Breite von in der Regel 2,50 Meter ausgebaut werden.

Ein sogenanntes Ergänzungsnetz ist 1.506 Kilometer lang, hier sollen die Radwege in der Regel 2,30 Meter breit sein, mindestens aber 2,00 Meter.

Hinzu kämen weitere gut 550 Kilometer Radwege auf Hauptstraßen, die nicht zum eigentlichen Radverkehrsnetz gehören, aber nach den Vorgaben des Mobilitätsgesetzes ebenfalls nach den Standards des Ergänzungsnetzes ausgebaut werden sollen.

Schließlich kommen noch geplante Radschnellverbindungen hinzu, nach derzeitigen Plänen 100 Kilometer. Diese "Fahrradautobahnen" sollen in der Regel pro Richtung mindestens drei Meter breit sein.

CDU sieht Außenbezirke und Pendler ausgeschlossen

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus kritisiert, dass die Außenbezirke bei dem Radwegeplan ausgeschlossen seien. "Gerade die Berliner in den Außenbezirken sowie Pendler brauchen sichere und attraktive (Schnell-)Radverbindungen zum Büro oder zum nächsten Bahnhof", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Oliver Friederici, laut einer Mitteilung vom Dienstag. "Der Fehler der Koalition, diese Menschen von allen Radwegeüberlegungen auszuschließen, muss schnellstens korrigiert werden."

Zudem bezeichnete Friederici die Bilanz des rot-rot-grünen Senats beim Wegeausbau als enttäuschend: "Nach fünf Jahren beharrlichem Zögern und Zaudern fällt der Grünen-Senatorin Günther auf einmal ein, noch schnell ein Radwegegesetz beschließen zu müssen, für dessen Umsetzung sie keine Verantwortung mehr tragen wird."

Die FDP-Fraktion sieht den Radverkehrsplan des Senats als "Diskussionsgrundlage", die "nun endlich" vorliege. Nun müsse die Streckenführung im Detail in den Bezirken überprüft werden, erklärte der infrastrukturpolitische Sprecher der Fraktion, Henner Schmidt.

Verkehrssenatorin Günther sieht "bundesweit einzigartiges Qualitätsniveau"

Der Radverkehrsplan nebst Netz wurde laut Senatsverwaltung für Verkehr gemeinsam mit den Bezirken entwickelt. Auch Expertinnen und Experten aus Fahrradinitiativen, Umweltverbänden und aus der Verkehrssicherheitsarbeit wurden hinzugezogen.

Verkehrs- und Umweltsenatorin Regine Günther erklärte: "Mit dem neuen Radverkehrsplan wird Berlin in den kommenden Jahren zur Fahrradstadt auf einem bundesweit bisher einzigartigen Qualitätsniveau." Zuletzt war die Grünen-Politikerin auch aus den Reihen der Koalition heraus kritisiert worden, weil der Ausbau der Radwege bisher nicht in gewünschtem Maße vorangekommen sei.

Der Senat hat den Radverkehrsplan nun an den Rat der Bürgermeister (RdB) überwiesen. Nach Stellungnahme des RdB soll der Plan vom Senat als Rechtsverordnung beschlossen werden – er tritt nach seiner Veröffentlichung im Amtsblatt unmittelbar in Kraft.

Sendung: Abendschau, 07.09.21, 19:30 Uhr


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81 Kommentare

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  1. 81.

    Sehr richtig. Wir sollten am 26.09.2021 entsprechend (ab-)wählen.

  2. 80.

    "Gerade die Berliner in den Außenbezirken sowie Pendler brauchen sichere und attraktive (Schnell-)Radverbindungen zum Büro oder zum nächsten Bahnhof"
    Also trifft das nur für Angestellte zu. Zur Werkbank oder Baustelle oder viele andere Arbeitsplätze darf man diese Wege also nur nutzen wenn man am Bahnhof arbeitet oder mit der Bahn fährt.
    Diesen Fehler liest und hört man immer öfter. Arbeit heißt nicht Büro. Die meisten Menschen in Deutschland arbeiten nicht im Büro. Auch in Berlin <50%.

  3. 79.

    Das ist schon lustig:
    "Autofahrende werden erst merken wie viel Platz sie einnehmen wenn man sie mal Stück für Stück auf die zugewiesenen Flächen verweist".
    Wer will hier wem was zuweisen und mit welchem Recht?
    Radfahrer haben aktuell nur 18% Anteil am Verkehr. Fußgänger 30% und MIV und Autos ca. ja 26%. Wenn man (Flächen-)Gerechtigkeit will, dann muss man das auch so akzeptieren. Und Fahrradfahrer scheinen nur für sich Rechte in Anspruch zu nehmen und anderen nicht zuzugestehen. Z.B. den größeren Verkehrsteilnehmergruppen. Das Mobilitätsgesetz ist seinen Namen nicht wert, da es einseitig ideologisch bestimmte Verkehrsteilnehmergruppen bevorzugt. Z.B. Radwege durch Parks und Grünanlagen.

  4. 78.

    Auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen. Der Durchschnitt an Verkehrsteilnehmern die keine Regeln kennen ist bei Autofahrern und Radkern gleich hoch. Nur dass Autos tödlicher sind.... .

  5. 77.

    In Berlin nehmen Straßen für den Autoverkehr deutlich mehr Platz ein als die Wege für alle anderen Fortbewegungsmittel zusammen. Insgesamt stehen Autofahrern 48,15 Quadratkilometer Fläche zur Verfügung, davon sind 8,04 Quadratkilometer Parkplatz.

    Also keine schlechte Laune.. Sie sind immer noch über Maaßen privilegiert.. :-)

  6. 76.

    Die CDU ist lustig. In Reinickendorf wurden unnden letzten Jahren nahezu keine Radwege gebaut. .... Mit Stimmennder CDU....
    Das zu der Benachteiligung der Randbezirke...

  7. 75.

    Ich bin entsetzt wieviele unsachliche "Kommentare" voller Hass und Hetze gegen Radfahrende hier freigeschaltet werden.

    "jedes Überqueren der Straße lebensgefährlich ist... fahren doch jetzt schon wie sie wollen und kennen keine Verkehrsregeln!... Statt Radwege lieber Kennzeichen und Steuern für die Radler...Wann gibt es endlich ein Gesetz das Radfahrer auch da fahren müssen... rücksichtslose, egozentrische und egoistische Radfahrer!... usw usf.

    Ekelhaft.

  8. 74.

    Radfahrer gefährden Fußgänger und Autos. Sie stören überall. In Parks, auf Fußwegen überall. Die Unfallzahlen mit Radfahrern explodieren. Die Politik macht genau das falsche und hätschelt und tätschelt die Rowdys und schmeißt Millionen für sie aus dem Fenster obwohl Schulen, Kitas uvm verfallen. Das ist ideologischer Irrsinn.
    Bürger, tut euch endlich zusammen gegen diese Stadtzerstörer. Wer Bullerbü will, der soll gar nicht erst nach Berlin ziehen um hier alles dafür umzukrämpeln. Zieht in die Lausitz oder nach Mc Pom. Da ist öko, da ist wenig Autos und auch besser für Kinder.

  9. 73.

    Die Damen u Herren wollen ja vermutlich auch in der kalten Jahreszeit mit dem Rad unterwegs sein auf den Radschnellweg. Nun gut, dann muss Günther auch dafür sorgen das dieser beheizt wird. Diese große Investition muss dann aber gegen finanziert werden. Pro 10 km 1,50 Euro Mautgebühr, 5 km 75 Cent. Natürlich Mautstellen an den Zu-und Abfahrten mit Überwachung durch Kameras. Und ein größeres Versicherungskennzeichen,damit keiner schummeln kann. Denke das wäre ggü.den Steuerzahlern nur gerecht.

  10. 72.

    Die Damen u Herren wollen ja vermutlich auch in der kalten Jahreszeit mit dem Rad unterwegs sein auf den Radschnellweg. Nun gut, dann muss Günther auch dafür sorgen das dieser beheizt wird. Diese große Investition muss dann aber gegen finanziert werden. Pro 10 km 1,50 Euro Mautgebühr, 5 km 75 Cent. Natürlich Mautstellen an den Zu-und Abfahrten mit Überwachung durch Kameras. Und ein größeres Versicherungskennzeichen,damit keiner schummeln kann. Denke das wäre ggü.den Steuerzahlern nur gerecht.

  11. 71.

    "Alleine von 2019 zu 2020 hat sich die Zahl der Fahrradunfälle verdreifacht."

    2020 - 17 Fahrradunfalltote, davon 8 durch abbiegende LKW
    2019 - 6 Fahrradunfalltote
    2018 - 11 Fahrradunfalltote
    2017 - 10 Fahrradunfalltote (Wahljahr)
    2016 - 19 Fahrradunfalltote

    Ich sag mal blubb ... obwohl jeder Einzelne einer zu viel ist. Die Verdreifachung kommt von der erfreulich niedrigen Zahl von 2019. Der Rest ist aufplusternde Polemik. Eine 0 wäre super, aber die ist unrealistisch. Dazwischen ist einmal "an der Bordsteinkante hängen geblieben", was im Endeffekt genauso gefährlich ist wie Straßenbahnschienen in Fahrtrichtung und sehr wenig Auswirkung wenn man die gesamte Gefahrenlage für Radfahrende bewertet.

  12. 70.

    "Was soll dieser Aufwand? Die fahren doch jetzt schon wie sie wollen und kennen keine Verkehrsregeln!"

    Thema verfehlt, hier geht es nicht um Autofahrer!

  13. 69.

    Trotz Ausbau ist die Fahrradinfrastruktur immer noch erbärmlich.
    Es werden mindestens zweispurige Radwege benötigt damit die Bummler und die schneller Fahrenden getrennt werden können. Es ist absurd rechts und links der Radspur immer wieder breitere Flächen für Fussgänger und Autofahrer vorzufinden während man sich auf 1,50m versucht zu arrangieren und die noch nicht mal voll nutzen kann.
    Ich sehe übrigens immer wieder, dass Autofahrer die Fahrradinfrastruktur ignorieren. Da wird mal eben auf dem Radweg gehalten um mal eben schnell etwas weg zu bringen. Parkt auf der Straße und steht euch gegenseitig im Wege. Ich habe kein Verständnis mehr für mal eben auf dem Gehweg oder Radweg parken. Autofahrende werden erst merken wie viel Platz sie einnehmen wenn man sie mal Stück für Stück auf die zugewiesenen Flächen verweist, denn die reichen ja auch schon nicht aus.

  14. 68.

    Wenn ich leidenschaftliche Radfahrerin wäre und noch nicht wüsste wo ich mein Kreuz bei der Wahl mache, würde mir durch diesen Bericht die Entscheidung leichter fallen. Gut ist, das ich lieber mit dem Auto fahre.

  15. 67.

    Komisch, dass dann etliche Radfahrer auf den Fußwegen fahren und nicht auf den vorgesehen Radwegen. Ich wurde letzte Woche wieder von einer Radfahrerin auf dem Fußweg über den Haufen gefahren, obwohl ein abgetrennter Radweg vorhanden war.

    Ach ja, und das gleiche gilt auch auf Straßen, obwohl grüne Pop-up-Radwege vorhanden sind. Diese Radfahrer fühlen sich zwar moralisch den Autofahrern überlegen, sie sind es aber nicht.

  16. 66.

    Offensichtlich wird in den letzten Tagen vor der Wahl alles durchgewunken, waren doch 5 Jahre Zeit. Angst frisst Seele im Senat.

  17. 64.

    Warum den nicht? Mit einem gut ausgebauten und von Schnee befreiten Netz. Es wurde lange genug nur für Auto Politik gemacht!

  18. 63.

    Als Radfahrer zahle ich mit Sicherheit mehr Steuern als Du.

  19. 62.

    Eine Millionenstadt bleibt auf wichtige Fernverbindungshauptstraßen angewiesen z.B. zwischen Th. Heussplatz und Alex. Der fließende Verkehr kommt nicht aus ohne Zweispurigkeit. Dies für Fahrräder wegzupinseln ist ein verkehrspolitischer Dilettantismus und kein Umweltschutz! Es ist eine extreme Umweltbelastung, den Verkehr stehend in einer langen Schlange Abgase ausstoßen zu lassen. Dichter Verkehr muß abfließen können und Abgase sich verflüchtigen. Da der Verkehrsbremser Senat die Bevölkerung umerziehen will, sind die Fahrradfahrer an Kreuzungen durch den hektischen Abbiegeverkehr im Toten Winkel in akuter Lebensgefahr. Wann wird der Senat die toten Radfahrer "beachten"?...
    Fahrradverkehr durch die Stadt muß weg vom motorisierten Verkehr ausgebaut werden durch sichere Wohnnebenstraßen! Und kein Umweltschutz entateht für alle, pinselt der Senat auch eine eigene Fahrspur für Pferdedroschken Unter den Linden! Nicht Verkehrsbehinderung schützt Umwelt, die Antriebstechnik muß neu werden.

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