Demos am Freitag - Warum eine Abiturientin und eine Großmutter beim Klimastreik mitmachen wollen

"Lang lebe das Klima" steht auf dem Transparent eines Demonstranten, der mit vielen weiteren Klimaschützern über die Oberbaumbrücke geht. (Quelle: dpa/Annette Riedl)
Bild: dpa/Annette Riedl

Zwei Tage vor der Bundestagswahl, ruft "Fridays for Future" zum Klimastreik auf - es wird einige Demos in der Region geben. Was erhoffen sich die Demonstrierenden? rbb|24 hat mit zwei Frauen aus verschiedenen Generationen gesprochen. Von Lena Petersen

Louisa Mohr (19) hat gerade ihr Abi gemacht und 2019 die "Fridays for Future"-Gruppe in Strausberg mitgegründet:

"Ich will die Menschen dafür sensibilisieren, dass Klimaschutz keine Nebensache ist. Es ist wichtig, dass man dafür aufsteht und laut ist. Ich möchte ihnen gern die Augen öffnen. Vor dem Klimastreik haben wir zum Beispiel auf der Straße Flyer verteilt. Einige Rückmeldungen waren positiv. Viele ältere Menschen sind bereit für Veränderungen und respektieren uns. Andere wollten nicht mit uns sprechen, nachdem sie gesehen haben, dass wir von "Fridays for Future" sind. Die haben gesagt: 'Hört doch auf!'. Die nehmen das Thema Klimaschutz überhaupt nicht ernst und wollen einfach weitermachen wie bisher. Der Großteil ist noch recht konservativ.

Louisa Mohr von der "fridays for future"-Ortsgruppe Strausberg (Quelle: Louisa Mohr)
Bild: Louisa Mohr

Ich finde es sehr wichtig, dass Greta Thunberg nach Berlin kommt. Das ist unsere letzte Chance vor der Wahl, noch etwas für das Klima zu tun. Ich habe Greta schon einmal beim Klimastreik vor dem Brandenburger Tor gesehen. Ich freue mich auf sie. Sie ist wie eine Ikone für die Bewegung und wenn sie da ist, lockt das noch andere Menschen an.

Meine Prognose ist, dass Rot-Rot-Grün die Bundestagswahl gewinnen wird. Sie müssen die klimapolitischen Ideen so schnell wie möglich auf den Weg bringen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Ziele von den Grünen und den Linken nur so dahingesagt sind.

Wir fordern Klimaneutralität bis 2035. Das Ziel der Bundesregierung ist überholt. Damit verfehlen wir das 1,5 Grad Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen. "Fridays for Future" in Brandenburg und speziell hier in Strausberg fordert außerdem, dass der ÖPNV ausgebaut wird. Wenn man zum Beispiel von Strausberg nach Erkner möchte, sollte man dafür nicht extra über Berlin fahren müssen. Da muss es eine direkte Verbindung geben. Auch das Radwegenetz sollte erweitert werden.

Wir haben auch schon einen Erfolg zu verzeichnen. Strausberg will ein Klimaschutzkonzept erstellen. In Zuge dessen soll ein Klima-Manager eingestellt werden. Er soll helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu bringen. So kann die Klimaneutralität tatsächlich erreicht werden. Da bleiben wir dran, damit das auch wirklich umgesetzt wird."

Katharina Dietze von der "Omas for future"-Ortsgruppe Berlin (Quelle: Jana Demnitz)Bild: Jana Demnitz

Katharina Dietze (67) ist fünffache Großmutter und hat im März "Omas for Future" Berlin ins Leben gerufen.

"Ich sehe das als ein Engagement für alle Menschen, nicht nur für meine eigenen Enkel. Klar denke ich auch an meine eigene Familie. Aber durch die großen Privilegien, die wir hier in Deutschland haben, wäre es vermessen zu sagen, dass es nur meinen Enkeln gut gehen soll. Ich hoffe auf jeden Fall, dass sie eines Tages auch politisch aktiv werden. Genau wie meine Kinder.

Die "Omas for Future" haben sich besonders auf die Fahnen geschrieben, die Menschen über 50 anzusprechen. Die stellen mehr als 50 Prozent der Wahlbevölkerung dar und erzeugen einen Großteil der Emissionen. Es ist gar nicht so einfach, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Besonders alte, weiße Männer haben oft eine dezidierte Meinung, wie die Welt zu sein hat. Die haben schon ihre Kinder nicht ernst genommen und nehmen jetzt ihre Enkel nicht ernst. Ich glaube, dass da in Hinblick auf die Klimakrise noch sehr viel Ignoranz und Arroganz herrscht.

Wir müssen die Jüngeren unterstützen und sehen uns auch ganz klar selbst in der Verantwortung. Wir haben so viel CO2 verursacht und so opulent gelebt. Jetzt müssen wir die Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung deutlich machen. Neben den allgemeinen Forderungen von "Fridays for Future" wollen wir die Menschen direkt ansprechen und ihnen aufzeigen, wie sie Kleinigkeiten in ihrem Alltag verändern können. Wir wollen sagen: 'Du bist nicht das Problem. Du bist die Lösung!'

Ich kann nur hoffen, dass die "Fridays for Future"-Bewegung zu altem Schwung zurückgelangt. 2020 haben wir wesentlich weniger CO2-Emissionen gehabt. Aber wenn ich jetzt sehe, wie gereist und geflogen wird! Ich glaube, dass der Egoismus durch Corona doch wieder verstärkt wurde. In der Klimakrise brauchen wir aber Solidarität. Darum finde ich es jetzt gerade extrem wichtig, dass wir uns melden, auf die Straße gehen und unsere Verantwortung übernehmen.

Wir kämpfen bis zur letzten Minute dafür, dass die Parteien, die sich besonders für den Klimaschutz einsetzen, die Wahl gewinnen werden. Einen schnellen Wechsel in der Klimapolitik halte ich aber auch nach den Wahlen nicht für realistisch. Es wird wahrscheinlich keinen radikalen Schwenk geben, weil die Industrie einfach immer noch viel zu stark das Sagen hat. Ich setze große Hoffnungen in die Europäische Union. Über die EU könnten strengere Gesetze kommen."

Gesprächsprotokoll: Lena Petersen

 

Die Kommentarfunktion wurde am 23.09.2021 um 19:00 Uhr geschlossen. Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt.

Beitrag von Lena Petersen

30 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 30.

    Behauptet doch auch niemand. Vielleicht sollten Sie nicht gegen Windmühlen kämpfen.

  2. 29.

    Irgend ein kluger Mensch hat mal sinngemäß gesagt: Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.

  3. 28.

    Na dann fangen Sie doch mal mit den physikalischen Auswirkungen des Klimawandels an.

  4. 27.

    Jens:
    "Unabhängig davon laufen wir gegenwärtig auf eine ernste Energiekrise für den kommenden Winter zu ..."

    Wo haben Sie denn diesen Unsinn her? Aus dem Internet? Na dann ist alles klar!

  5. 26.

    GeliebterSohn:
    "Antwort auf [Harry] vom 23.09.2021 um 13:36
    So ist es und nicht anders. Dieses Geschreie jeden Tag nervt doch bestialisch."

    Wo wohnen Sie denn, dass Sie "das Geschreie nervt"?
    Ich wusste gar nicht, dass man im Reichstag wohnen kann.

    GeliebterSohn:
    "Da müssen ca. 800 Millionen in der Welt hungern und die haben die Frechheit sich da hinzustellen aus ihrem Wohlstand heraus, um angeblich das Klima zu retten."

    Was hat hier das Theme Hunger mit dem Thema Klima zu tun? NICHTS! Thema verfehlt!

  6. 25.

    Indem man wie ,man gucke und staune, auch inzwischen von der FDP gefordert die 50 Milliarden fossile Subventionen abschafft.

  7. 24.

    KE:
    "Streikt mal schön, aber lasst nicht wieder euren Müll liegen."

    Wieso "wieder"?
    Wo haben die beiden schon mal ihren Müll liegen gelassen? Bitte konkret!

    KE:
    "Nachdem ich vor einiger Zeit online "Bekanntschaft" mit einer ach so besorgten Klimaaktivistin gemacht hatte, die sich lustig drüber machte, sich vor Ort um die Umwelt zu kümmern, wie zB Müllvermeidung-oder dem Einsammeln sowie Bäume im Sommer gießen, weil das ja eh egal wäre, wichtig wäre nur Klima, nehm ich diese Gruppierung nicht mal ansatzweise ernst. Wahrscheinlich sind die nicht mal in der Lage, Müll zu trennen."

    Tja, das ist das Problem mit Online-Bekanntschaften mit Fake-Aktivisten und mit Pauschalisierungen nach dem infantilem Klischee-Motte: Kenn ich eine, kenn ich alle, weil alle gleich sind! Differenzieren ist eine Fähigkeit, die manch einen - wie KE - überfordert!

  8. 23.

    Peter der Große:
    "Schrecklich wie diese Kiddy-Demo hier hochgeputscht wird. Naja man braucht ja Ablenkung nach den harten Zeiten ohne Schule."

    Schrecklich wie diese Kiddy-Demo hier niedergemacht wird. Naja man braucht ja Ablenkung nach den harten Zeiten im Home Office.

  9. 22.

    @ Jablonski

    Sprache ist nicht statisch. Sprache entwickelt sich weiter. Und so verändern sich auch Bedeutungen. Ihre Wortdefinition stammt noch aus der Vergangenheit. Sie sind im Gestern stehen geblieben.

  10. 21.

    Geht der Klimawandel ungebremst weiter werden Schal und Kerze nicht reichen.....
    Eigennutz, Kohlelobby und Parteienfilz haben die letzten 30 Jahre verhindert gegen zu steuern. Jetzt jammern diejenigen die ihren Arbeitsplatz verlieren rum und suchen die Schuld bei FfF.

  11. 20.

    Ich habe es langsam satt, hier ständig Nachhilfeunterricht in Physik für zu Leute geben, welche in der Schule nicht aufgepasst haben und deshalb glauben das man Strom in der Leitung speichern kann.
    Es ist auch Aufgabe der Journalisten, die unwissenden Menschen über physikalische Fakten aufzuklären, aber von dort kommt auch nichts.

  12. 19.

    Gas ist in Hülle und Fülle da aber durch die Nordstream 2 und dem Engagement des Herrn Schröder kann uns Russland nun schön erpressen. Entweder ihr nehmt das Gas von N2 ab oder wir verringern die Gaslieferung durch die alte Route.
    So sieht das aus.

  13. 18.

    "Besonders alte, weiße Männer haben oft eine dezidierte Meinung, wie die Welt zu sein hat." Ich fühle mich jetzt dreifach diskreminiert: Alt. Weiß und Mann. Oder stehe ich auf einer gleichen Stufe mit Alt, Weiß und Frau (=Oma). Aber ich glaube, dass Mann als Diskreminierung schwerer wiegt...

  14. 17.

    "Unabhängig davon laufen wir gegenwärtig auf eine ernste Energiekrise für den kommenden Winter zu ..."
    Gasheizung? Verdammte Falle.

  15. 16.

    Ich kann das Thema und das Geschrei der Leute kaum noch hören. Für viele ist es doch nur Vorwand und kein wirkliches Anliegen. Viele der Vorschläge entstammen dem Phantasialand und sind derzeit nicht realisierbar. Aber macht ruhig weiter und glaubt an diese Träume.

  16. 15.

    Geht der Klimawandel ungebremst weiter werden Schal und Kerze nicht reichen.....
    Eigennutz, Kohlelobby und Parteienfilz haben die letzten 30 Jahre verhindert gegen zu steuern. Jetzt jammern diejenigen die ihren Arbeitsplatz verlieren rum und suchen die Schuld bei FfF.

  17. 12.

    Durch den menschengemachten Klimawandel werden in Zukunft noch viel mehr Menschen hungern.

  18. 11.

    Die Wissenschaftler haben längst Vorschläge gemacht. Auch gibt der allergrößte Teil der Klimawissenschaftler FfF recht. Die Vorschläge müssen halt umgesetzt und nicht totdiskutiert werden.

Nächster Artikel