Aktion am Kanzleramt - Klimaforscher und Kirche rufen zu Ende des Hungerstreiks auf

Ein Camp von Hungerstreikenden im Regierungsviertel (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Audio: Inforadio | 22.09.2021 | Peter Klinke | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Am Mittwochnachmittag haben sechs der ursprünglich sieben Aktivisten angekündigt, den Hungerstreik zu beenden. Ein Aktivist und eine Aktivistin, die sich vor einer Woche der Gruppe angeschlossen hatte und in Hungerstreik getreten war, wollen die Aktion dagegen fortsetzen.

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hat die Klima-Aktivisten vor dem Reichstagsgebäude in Berlin um einen sofortigen Abbruch ihres Hungerstreiks gebeten. "Das Zeichen, das ihr gesetzt habt, ist ohnehin schon auf der ganzen Welt wahrgenommen worden", schrieb Schellnhuber am Mittwoch in einem Offenen Brief. Der Gründer und frühere Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bot den Aktivisten an, so bald wie möglich Treffen mit führenden Klimawissenschaftlern zu organisieren. Auch könne er sein Netzwerk von Kontakten nutzen, "damit ihr mit Persönlichkeiten sprecht, die zu überzeugen sich wirklich lohnt".

Schellnhuber warnt vor "Arroganz des selbstauferlegten Martyriums"

Dafür brauche es allerdings ein paar Monate Zeit, "die wir nach der weitgehenden politischen Untätigkeit der letzten drei Jahrzehnte auch noch aufbringen sollten", schrieb Schellnhuber weiter. Der Tag, "wo man sich für das Wohlergehen der Gemeinschaft selbst Gewalt antun möchte", sei noch nicht gekommen und werde hoffentlich nie anbrechen.

Der Klimaforscher verwies auch darauf, dass es "neben der Arroganz der Macht und der Arroganz des Wissens" auch "eine Arroganz des selbstauferlegten Martyriums" gebe. "Wir müssen aber alle Arten von Arroganz ablegen, wenn wir die Welt noch gemeinsam retten wollen", mahnte Schellnhuber, der auch Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften ist.

Auch evangelische Kirche ruft zu Streikende auf

Zuvor hatte bereits der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die Klimaaktivisten zur Beendigung ihrer Aktion aufgerufen. "Ich appelliere dringend an Sie, wieder Nahrung zu sich zu nehmen", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Die bewusste Gefährdung des eigenen Lebens ist der falsche Weg, um sich für beherzte Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung und damit ja für das Leben einzusetzen."

Bedford-Strohm nannte den Hungerstreik zugleich ein "Alarmzeichen" für die Gesellschaft insgesamt. "Viele junge Leute sehen keine Zukunft mehr, weil sie den Veränderungswillen nicht sehen, der notwendig wäre, um die ökologischen Zerstörungsprozesse noch umzukehren", sagte er. "Wir machen uns schuldig an der jüngeren Generation, wenn wir ihnen die Zukunft verweigern." Es sei höchste Zeit umzusteuern.

Streikende wollen Gespräch mit Kanzlerkandidaten

Mehrere junge Menschen hatten am 30. August vor dem Reichstagsgebäude mit einem unbefristeten Hungerstreik begonnen. Sie wollen ein öffentliches Gespräch mit den drei Kanzlerkandidaten über den Klimawandel erreichen und haben dafür ein Ultimatum bis Donnerstag gestellt. Zudem fordern sie das Versprechen, dass die neue Regierung einen Bürgerrat einberuft, der sich mit Sofortmaßnahmen gegen die Klimakrise beschäftigen soll.

Klimaforscher Schellnhuber warb dafür, dass noch "eine Fülle von gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten" zur Verfügung stehe, "bei denen niemand zwingend sein Leben für die Bewahrung der Schöpfung gefährden muss". Vermutlich würden sich nach der Bundestagswahl am Sonntag "sogar größere Spielräume für eine deutsche Klimapolitik eröffnen, die der dramatischen Lage eher gerecht wird". Dabei könnten direkte Begegnungen zwischen Entscheidungsträgern und Aktivisten entscheidende Impulse geben. Die Aktivisten würden also auch in den kommenden Jahren dringend gebraucht.

Sendung: Inforadio, 22.09.2021, 13:00 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Kein Wunder, dass dort einige meinen die Welt geht unter wegen dem Klima, wenn dies von den Grünen ihnen doch ständig eingehämmert wird.

  2. 6.

    Ich hoffe das diese Leute ihre ärztliche Betreuung und Aufpäppelung selbst bezahlen müssen. Fehlt noch das dafür unsere Gelder genommen werden. Genauso die Herrichtung der Natur die sie verschandelt haben .

  3. 5.

    Diese Leute liegen dem Staat auf der Tasche und stellen Forderungen? Wo kommen wir denn da hin? Die Regierung hat das mit dem Klima schon mitbekommen, es geht ja in den letzten Monaten um nichts anderes mehr. Sollen diese Leute doch mal irgendwo in Asien ihre Zelte aufschlagen. Ich kann das mit dem Klima nicht mehr hören. Es gibt auch noch andere Probleme, z.B. fehlende Sozialwohnungen, fehlende Kitaplätze, marode Schulen, ÖPNV etc.

  4. 4.

    Bedford-Strohm hätte, anstatt warme Worte zu kredenzen, selbst in den Hungerstreik treten sollen, um ein "Alarmzeichen"
    zu setzen und sich zu solidarisieren. Sonst ist die KIrche sich ja auch nicht zu schade und zu fein, Stimmung zu machen. Allerdings immer nur aus einer sicheren Position heraus und niemals an der " Front " oder in vorderster Reihe !

  5. 3.

    Werden die Zelte eigentlich regelmäßig versetzt, um die Vegetation nicht zu schädigen?

  6. 2.

    tja da sind die hungernden nun in der realität angekommen...keiner will mit ihnen reden?
    ich hoffe der aufschlag im hier und jetzt wird nicht allzu hart...und heulen ist erpressung...
    bürgerrat!!! prust!!! friede den hütten und krieg den palästen...
    mal ehrlich,wie naiv muss man sein um zu glauben, dass man mit einem hungerstreik die politik in die knie zwingt?
    aber hey,ein versuch war es wert.

  7. 1.

    Man sollten diesen verwirrten jungen Menschen klar machen dass Erpressung niemals zum gewünschten Ziel führt.

    Diskussionen führt man in einer Demokratie auf anderen Wegen und nicht durch trotziges Verhalten unreifer "Aktivisten".

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