Proteste am Samstag - Tausende demonstrieren gegen hohe Mieten in Berlin

Sa 11.09.21 | 16:38 Uhr
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Demonstrationszug gegen steigende Mieten, am Alexanderplatz in Berlin Mitte. (Quelle: rbb)
Video: rbb|24 | 11.09.2021 | Material: Abendschau, ARD-aktuell | Bild: rbb

Kaum bezahlbarer Wohnraum, steigende Mieten: Der angespannte Wohnungsmarkt hat am Samstag wieder Tausende auf die Straße getrieben. Vor den Wahlen zu Bundestag und Abgeordnetenhaus soll so der Druck bei dem Thema erhöht werden.

Tausende Menschen haben am Samstag in Berlin für eine andere Wohnungs- und Mietenpolitik demonstriert. Mehr als 7.000 Menschen gingen nach Schätzung der Polizei gegen "Mietenwahnsinn" auf die Straße, berichtet die Nachrichtenagentur EPD. Aufgerufen hatte ein Aktionsbündnis, das einen Kurswechsel der Politik für bezahlbares Wohnen forderte. Auf Transparenten wurde unter anderem ein bundesweiter Mietendeckel gefordert.

Mit eigenem Wagen und Kostümen beteiligte sich außerdem die Berliner Initiative "Deutsche Wohnen Co. enteignen" an der Demonstration. Am 26. September sind die Berlinerinnen und Berliner nicht nur zu den Wahlen zum Bundestag und Abgeordnetenhaus aufgerufen. Sie können auch über den Volksentscheid der Enteignungsinitiative abstimmen. Sie fordert die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsgesellschaften.

Zum Auftakt auf dem Alexanderplatz waren laut Polizei am Mittag nur mehrere Hundert Menschen erschienen. Die Veranstalter hatten mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet und eine Demonstration mit bis zu 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern angemeldet. Nach einem Regenschauer am Nachmittag hatte sich das Protestfeld allerdings deutlich gelichtet, so ein rbb-Reporter, der den Protest beobachtet hat.

"Tanzdemo" schließt sich dem Mietenprotest an

Die Demonstration unter dem Motto "Wohnen für alle! Gemeinsam gegen hohe Mieten und Verdrängung" führt vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor und weiter in Richtung Großer Stern auf der Straße des 17. Juni. Dort soll bis 17 Uhr die Abschlusskundgebung stattfinden. Unterstützt wird die Großdemo von Gewerkschaften sowie von Sozial- und Wohlfahrtsverbänden. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 30.000 Teilnehmenden. Sie appellieren an alle Demonstranten, eine Corona-Maske zu tragen und auf Abstand zu achten.

Ebenfalls am Samstagnachmittag (15 Uhr) will eine "Tanzdemo" mit dem Titel "Wem gehört die Stadt? Gemeinsam gegen soziale Spaltung" von Friedrichshain über die Leipziger Straße und den Potsdamer Platz nach Tempelhof ziehen.

Vom Alexanderplatz in den Regen

Mieterbund und DGB haben zu Protest aufgerufen

"Die Mieten sind viel zu hoch, neue Wohnungen kaum zu finden. Die Wohnsituation vieler Mieter und Mieterinnen hat sich in den letzten zehn Jahren dramatisch verschlechtert. Der Run auf Betongold bedroht unser Zuhause", hieß es im Aufruf zu der Demonstration. Der Sprecher der bundesweiten Mietenstopp-Kampagne, Matthias Weinzierl, erklärte die "Mietenfrage" zur wichtigsten sozialen Frage der Gegenwart. Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe rief am Freitag zur Teilnahme an der Demonstration auf. Zu den Unterstützern zählen außerdem der Deutsche Mieterbund sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund.

Der Berliner Senat machte sich am Freitag im Bundesrat für neue gesetzliche Regelungen stark. Den Ländern müssten bei der Regulierung der Mietmärkte mehr Rechte eingeräumt werden.

Bei einer Mietendemo an Pfingsten waren nach Veranstalterangaben im Mai 10.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Polizei zählte damals 2.500 Demonstranten.

Parallel zur Bundestags- und Abgeordnetenhauswahl stimmen die Berliner am 26. September über die Enteignung von großen Immobilienunternehmen ab. Sollte es eine Mehrheit für das Vorhaben geben, wird sich der künftige Senat damit beschäftigen müssen.

Streckenverlauf der Mietendemo (Quelle: rbb24)

Sendung: Inforadio, 10.09.2021, 11:30 Uhr

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69 Kommentare

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  1. 69.

    Zum Glück sterben diese Leute aus! Diese betuliche, spießige „Idylle“ ist ja schrecklich! Der zivilisatorische Fortschritt ist an Ihnen wohl komplett vorbeigegangen!

  2. 68.

    Sie müssen doch die Kommentare nicht lesen, gerade bei diesem Thema sind Meinungen sehr verschieden.
    Ich finde die Demo ganz gut wenn es auch nichts bringen wird wenn nicht endlich der Senat was macht und den sozialen Wohnungsbau voran treibt.
    Die Mieten sind zu hoch, man könnte sich Wohngeld sparen wenn die Mieten bezahlbar wären. Da jetzt eine Hartz vier Gesellschaft heranwächst und immer mehr obdachlos werden wird es noch richtige Probleme geben. Enteignung ist der falsche Weg

  3. 67.

    Interessant ist, für niedrigere Mieten lohnt es sich wohl auf DemoTour zu gehen. Für angemessene Entlohnung lohnt es wohl nicht. Die Erfolgsaussicht bei den M-Haien scheint größer zu sein.
    Ja liebe Demonstranten, ohne Gewerkschaften wird es wohl nichts werden.Aber das istSozialistisches Teufelwerk.

  4. 66.

    Interessant ist, für niedrigere Mieten lohnt es sich wohl auf DemoTour zu gehen. Für angemessene Entlohnung lohnt es wohl nicht. Die Erfolgsaussicht bei den M-Haien scheint größer zu sein.
    Ja liebe Demonstranten, ohne Gewerkschaften wird es wohl nichts werden.Aber das istSozialistisches Teufelwerk.

  5. 65.

    Autofahrer demonstrieren doch auch jeden Tag. Damit sie die Demo nicht anmelden müssen nennen sie das Stau.

  6. 64.

    oder einfach mal wieder in die Kneipe ein schönes kühles Blondes trinken, nachdem ich meinen Impfnachweis gezückt habe.

  7. 63.

    Berlin schrumpft wieder lt. Veröffentlichung durch die zuständige Behörde. Heißt das, es werden wieder Wohnungen frei? Außerdem gibt es noch etliche leerstehende Häuser in der Stadt, nichts passiert. Was ist das nur für ein Senat frage ich mich. Solche Immobilien müssten unter Zwangsverwaltung gestellt werden wie z.B. in Hamburg und auf Kosten des Eigentümers saniert und wieder vermietet werden. Die Mieteinnahmen werden mit den Sanierungsmaßnahmen verrechnet.

  8. 61.

    Habe vergessen hinzuzufügen, dass ich dort nur mitmarschieren würde, wenn die AfD, die Basis, der III. Weg oder die Identitäre Bewegung entsprechende Aufmärsche organisieren würden.

  9. 59.

    Ist das so?
    Mir sind im unmittelbaren und entfernteren Freundes- und Bekanntenkreis keine Fälle bekannt. Allerdings gibt es im Bekanntenkreis viele die gerne umziehen wollen (z.B. wegen Nachwuch) aber schlicht keine Wohnung bekommen, oder erst nach 50+ Bewerbungen. Und am Preis haperte es dabei selten.

    Ich selber wohne in einfacher Wohnlage und würde meine Wohnung gerne dem Markt für ein persönliches Upgrade zurückgeben, hab es aber mittlerweile aufgegeben. Es mangelt primär an Wohnraum in Berlin und dann erst an bezahlbaren Wohnraum.

  10. 58.

    Sie behaupten “[n]ormale Menschen entspannen am Wochenende, heimwerken, waschen Auto, unternehmen was mit den Kindern, grillen, Unkraut zupfen, treffen Freunde, usw. usw.”, demzufolge ist Ihrer Ansicht nach die absolute Mehrheit der Menschen nicht normal, weil am Wochenende arbeiten, nicht heimwerken, kein Auto und/oder keine Kinder haben und auch keinen Garten, wo sie nicht grillen oder Unkraut zupfen, keine Freunde treffen usw. usw. Eine sehr eingeschränkte Sicht ist das.

  11. 56.

    Was bitte sind “normale” Menschen? Dafür gibt es keine Definition!
    Ihrer Meinung nach wäre schon unnormal wer kein Auto hat. Denken Sie mal über Ihre Behauptung nach.

  12. 55.

    " Diese unnötigen Demos nerven mich immer noch sowie 95 % aller anderen Berliner Arbeitnehmer ."

    und mich nerven 100% solcher unnötiger, unsozialen und vor allem undemokratischer Kommentare. Und trotzdem würde ich für das Recht, dass sie diese (für mich sehr seltsame) Meinung sagen dürfen jederzeit demonstrieren.

  13. 54.

    Ja da stimme ich voll zu, aber das ist eine aussterbende Rasse…. Volkssport? Muss man wegen jeder Sache gleich demonstrieren, gibt ja mittlerweile kein Wochenende ohne…

  14. 53.

    Ja da stimme ich voll zu, aber das ist eine aussterbende Rasse…. Volkssport? Muss man wegen jeder Sache gleich demonstrieren, gibt ja mittlerweile kein Wochenende ohne…

  15. 51.

    Lasst uns gegen die verfehlte Linke Baupolitik in Berlin demonstrieren und Die Linke Ende Septemer abwählen in Berlin, weil nicht nur die meisten Wirtschaftswissenschaftler sich einig sind, dass Milieuschutz, Mietendeckel, Umwandlungsverordnungen und Mietspiegel das Angebot verknappen. Wenn in Folge der Regulierung weniger Wohnungen an den Markt kommen, steigen die Kaufpreise und die Mieten ziehen zeitversetzt nach.

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