Beginn der Deportationen aus Berlin vor 80 Jahren - Wo die Züge warteten

Mo 18.10.21 | 11:27 Uhr | Von Matthias Schirmer
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Juden besteigen einen Eisenbahnwagen auf dem Bahnhof von Hanau, am 30. Mai 1942. (Quelle: dpa/AKG Berlin)
Audio: Inforadio | 18.10.2021 | Matthias Schirmer | Bild: dpa/AKG Berlin

Gleis 17 in Grunewald ist wohl der bekannteste Deportationsbahnhof Berlins. Aber nicht der einzige, von dem aus etwa 55.000 Berliner Jüdinnen und Juden verschleppt wurden - in Ghettos, Arbeits- und Vernichtungslager. Von Matthias Schirmer

17. Oktober 1941. Am Kudamm klingelt die Gestapo bei drei älteren Herrschaften. Die Geheime Staatspolizei kommt bei Anbruch der Dunkelheit und bringt die drei Charlottenburger Juden in ein sogenanntes Sammellager nach Moabit. Am nächsten Morgen laufen sie von dort durch den Regen bis zum Bahnhof Grunewald, Gleis 17. Marie Kallmann, verwitwet, ihre Schwester Therese Hirsch und Schwager Julius Hirsch. Acht Kilometer Fußmarsch. Nur die ganz Schwachen und Kinder dürfen auf den Lkw. Am Bahnhof Grunewald, so erinnert sich eine jüdische Augenzeugin, steht die SS mit Reitpeitschen. Aber bei diesem ersten Transportzug aus Berlin habe es noch keine Prügelszenen gegeben.

Am 18. Oktober vor 80 Jahren begannen in Nazi-Deutschland die Deportationen von Jüdinnen und Juden in Ghettos, Arbeits- und Vernichtungslager. Gleis 17 in Grunewald ist wohl der bekannteste Deportationsbahnhof Berlins, aber nicht der einzige. Gleis 2 am Anhalter Bahnhof und das Gleis 69 am Güterbahnhof Moabit haben ihre jeweils eigenen Geschichten zu erzählen.

Marie Kallmann (Quelle: privat)
Die 64-jährige Charlottenburger Witwe Marie Kallmann | Bild: privat

Etwa 10.000 Opfer bestiegen an Gleis 17 den Zug

In Grunewald bestiegen etwa 10.000 Opfer ihren Zug gen Osten. Marie Kallmann, ihre Schwester und der Schwager kamen von hier ins Ghetto Lodz. Dann wurden sie nach Chelmno weiter transportiert. Dort wartete der Gaswagen. Seit 1998 erinnert hier das zentrale Mahnmal der Deutschen Bahn AG an die eigene Verbrechensgeschichte. Rostige Eisengussplatten beidseits des Gleises dokumentieren alle Deportationsfahrten aus Berlin.

Die älteste Mahntafel von Grunewald wurde hier im November 1953 von Berliner Juden angebracht. Juden aus beiden Teilen der Stadt kamen, um hier zu gedenken, erzählt der Historiker Gerd Kühling - beobachtet von der Westberliner Polizei. Denn die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), die eingeladen hatte, galt als kommunistische Tarnorganisation. Der Versuch, die Gedenkveranstaltung von Amts wegen zu verhindern, scheiterte. Bahnhof und Gleis lagen auf Hoheitsgebiet der DDR.

"Reden ist verboten, aber singen nicht!"

Doch die Westberliner Ordnungshüter verboten Ansprachen und Reden. Auf einem Foto von 1953 steht stumm ein West-Berliner Polizist. Neben ihm die sichtlich zornige jüdische Sängern Lin Jaldati. Mit geballter Faust. Sie war selbst Holocaust-Überlebende: "Reden ist verboten, aber singen nicht", rief sie damals - und stimmte ein jiddisches Partisanenlied an: "Sag niemals, Du gehst den letzten Weg!"

Lin Jaldati im November 1953 am Bahnhof Grunewald. (Quelle: VNN/VdA)
Die Holocaust-Überlebende Lin Jaldati (rechts) singt am Bahnhof Grunewald 1953 aus Protest gegen die Behinderungen durch die Polizei ein Partisanenlied. | Bild: VNN/VdA

Transportwaggons an die regulären Züge angehängt

Samuel Jacobys Zug stand am Anhalter Bahnhof, am 10. Juli 1942. Samuel Jacoby war Witwer und Veteran des Ersten Weltkriegs. Täglich um 6.07 Uhr fuhr hier der ganz normale Zug über Dresden. "Diese Züge haben ganz regulär auch in Theresienstadt gehalten", erzählt der frühere Reichsbahner Andreas Szagun. "Es wurden einfach noch ein paar Dritte Klasse Schnellzugwaggons angehängt."

Vom Anhalter Bahnhof starteten die "kleinen Alterstransporte". Sie brachten jeweils 50 bis 100 Berliner Juden in das sogenannte Altersghetto in Böhmen. Viele hofften, für sie würde es nicht so schlimm kommen wie für die anderen, die in die berüchtigten Lager nach Polen gebracht wurden. Es gab schließlich Bedingungen, um mit so einem sogenannten Alterstransport nach Tschechien zu kommen: Man musste über 65 sein, gebrechlich oder jüdischer Partner einer nicht mehr bestehenden Mischehe - oder Träger einer Kriegsauszeichnung aus dem Ersten Weltkrieg.

Anhalter Bahnhof in Berlin (Quelle: imago images/Jürgen Ritter)
Bild: imago images/Jürgen Ritter

Die Nazis kassierten für die Unterbringung ab

Die Nazis behaupteten, Theresienstadt sei angeblich nur eine Art großes Altersheim. Und kassierten für die Unterbringung ab. Das böse Erwachen kam für viele der Deportierten erst beim Ausstieg auf dem Bahnhof Bauschowitz, schrieben tschechische Zeitzeugen: Kein Kurhaus wartete hier, sondern winzige Elendsquartiere. Viele der Ghettobewohner wurden später weiter transportiert – in die Gaskammern von Auschwitz. Über 9.000 Berliner Juden fuhren von hier aus ins Lager.

Reichsbahner Szagun ist Moabiter Heimatforscher und als Gutachter für das Bezirksamt Mitte/Tiergarten tätig. Er weiß, wo hinter dem Tempodrom in einem Wäldchen die letzten Reste der Bahnsteige liegen. "Die normalen Reisenden hier müssen gesehen haben, wie die Juden einstiegen", sagt er. "Aber die fielen ja auf den ersten Blick gar nicht auf. Nur durch den gelben Stern."

Samuel Jacoby (neben seiner Fau), wurde am 10.7.1942 vom Anhalter Bahnhof deportiert. (Quelle: privat)
Samuel Jacoby (neben seiner Frau), wurde 1942 vom Anhalter Bahnhof deportiert.Bild: privat

Winzige Gedenkstätte seit 2017

Die allermeisten Berliner Juden wurden vom Güterbahnhof Moabit in den Tod verfrachtet. Es waren mehr als 30.000, die nach Auschwitz, Treblinka und Sobibor deportiert wurden. Auch Zug Da 523 fuhr hier ab - am 3. Oktober 1942. Die Züge, die hier standen, waren endlos lang: 30 Waggons, so erinnern sich Zeugen. Auch Belgien-Veteran Moritz Steiner, ein Arzt aus Halensee, fuhr an jenem Tag von Moabit ab: Ein Sitzkissen und eine Goethe-Ausgabe hat er mitgenommen. In Theresienstadt überlebte er nur einen Monat.

Der Arzt und Veteran des 1. Weltkriegs Dr. Moritz Steiner, wurde am 3.10.1942 vom Güterbahnhof Moabit deportiert. (Quelle: privat)
Der Arzt und Veteran des I. Weltkriegs Dr. Moritz Steiner, wurde aus Moabit deportiert.Bild: privat

Thomas Abel von der Initiative Gleis 69 steht an den letzten Resten der früheren, sogenannten "Militärgleise" an der Quitzowstraße. Dieser Ort lag etwas abgelegener als die anderen beiden Deportationsbahnhöfe. Aber er war näher an den sogenannten Sammellagern. In der winzigen Gedenkstätte, die es seit 2017 zwischen Lidl und Baumarkt gibt, hat der pensionierte Kinderarzt vor einigen Monaten mal eine alte Dame mit Hund getroffen: "Sie sagte mir, sie wisse Bescheid. Sie wüsste, was hier passiert ist. Sie hätte die Juden schreien hören."

Thomas Abel vom Gedenkort G¸terbahnhof Moabit, aufgenommen am 3. Mai 2021 an der Gedenkst‰tte. Das GLEIS 69 erinnert an die Deportation von 30 000 Berliner J¸dinnen und Juden, die zwischen 1942 und 1944 von hier aus in Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden. (Quelle: imago images/Kitty Kleist-Heinrich)
Der Kinderarzt Thomas Abel am Deportationsgleis 69 in Moabit.Bild: imago images/Kitty Kleist-Heinrich

Deportationsrampe auf heutigem Lidl-Parkplatz

Der Großteil des Güterbahnhofs ist verschwunden, er wurde überbaut. Denn - auch auf Druck der Bundesregierung - hat die Bahn hier vor 20 Jahren Grundstücke zu Geld gemacht. "Unbestritten historisch ist aber das hier: die langsam korrodierende, verrottende Deportationsrampe von Gleis 69", sagt Abel und zeigt auf heillos verrostete Eisenträger. Ein Lidl-Parkplatz liegt neu gepflastert auf einem Teil der alten Rampe.

Der Verein verhandelt mit dem Discounter, der Stadt, dem Bezirk und der Deutschen Bahn. "Lidl hört uns sehr aufgeschlossen zu", sagt Abel. Das Ziel: Könnte der Discounter vielleicht ein Ersatzgelände bekommen und die – unterdessen denkmalgeschützte - alte Rampe wieder frei machen? Der Ausgang ist noch offen.

Sendung: 16.10.2021, Inforadio, 13:44 Uhr

Beitrag von Matthias Schirmer

24 Kommentare

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  1. 24.

    Wer hat diesen Ton zuerst angeschlagen? Sie!
    Mein Verwandter war Drucker und wie Sie sagen einer der kleinen Helden. Aber hat er das an die große Glocke gehängt? Nein! Ebenso meine anderen Gesprächspartner aus dem Widerstand. Ihnen ging es darum, dass Zeiten wie ab 1933 sich nicht mehr wiederholen!
    Eine Entschuldigung Ihrerseits für Unterstellungen wäre hier durchaus angebracht, anstatt genau das zu Tun wo vor meine Verwandter gewarnt, so zu tun als wäre aktiver oder passiver Widerstand von jedem leistbar!

  2. 23.

    Er wird es nicht verstehen. Je länger die Zeit vorbei ist, desto mehr Widerstandskämpfer gibt es und umso arroganter treten sie auf. In Wahrheit ist die große Masse Mitläufer und interessiert sich nicht für Politik, so lange man nicht persönlich betroffen ist. Man geht bequem mit dem Zeitgeist, damals wie heute. Um wirklich gegen ein Regime aufzutreten, fehlt den Meisten nicht nur Mut und Bereitschaft alle negativen Folgen für sich und die Familie zu akzeptieren, sondern auch die andere politische Perspektive. Das ist weder böse, noch entschuldigend gemeint, es ist nun mal so, dass es leichter ist, dem Mainstream zu folgen. Es bringt gar nichts, sich über die Menschen von damals moralisch zu erheben, wir müssen daraus lernen. Großmäuler gibt es viele, wenn es wirklich ernst wird, ziehen die meisten davon dann aber doch den Schwanz ein.

  3. 22.

    Ich hatte das Glück nicht nur in Büchern lesen zu können, sondern auch Zeitzeugen befragen zu dürfen.

    Insofern stellt sich hier die Frage wer hier nachplappert und ich verbitte mir diesen Ton!

  4. 21.

    Was wollen Sie mir unterstellen? Die Nationalsozialisten hatten zu keiner Zeit eine parlamentarische Mehrheit und hätten ohne die Notstandsgesetze niemals eine Diktatur errichten können. Ohne Diktatur wiederum wären die Verbrechen in dieser Form schlicht nicht möglich gewesen. Wenn eins aus der Geschichte zu lernen ist, dann ist das, dass Diktaturen schneller zustande kommen können, als man denkt und man es dann so einfach nicht wieder rückgängig machen kann. Die politischen Zugewandtheiten für die Nazis dürften mit Fortschreiten des Krieges deutlich abgenommen haben, mangels freier Wahlen ist das ja schwer feststellbar. Trotzdem war das Unterdrückungsregime so effizient, dass kaum einer aufbegehren wollte. Heimlich haben die Menschen damals anders gesprochen als offiziell. Diese Diktatur konnte sich kaum noch von innen zerstören, zumindest nicht in kurzer Zeit. Dafür brauchte es dann schon die Kriegsgegner, die das Regime zum Glück bezwungen haben.

  5. 20.

    Haben Sie Zeitzeugen gesprochen die im aktiven Widerstand waren? Nach Ihrer Antwort wohl eher nein und eben solche Menschen die einfach sagen es ging auch anders meinte mein Verwandter, als er sagte, er würde diesen Personen seine Meinung von Ihnen ins Gesicht sagen und diese Meinung war gelinde gesprochen nicht sehr positiv!
    Sie plappern alles nach, aber haben sich nie und nimmer mit der damaligen realen Situation auseinandergesetzt. Vielleicht lesen Sie meine Posts sich noch einmal durch, dann werden Sie vielleicht erkennen, dass ich mit mehreren Personen die im aktiven Widerstand in meiner Jugend gesprochen habe. Aus heutiger Sicht ist es ein leichtes zu sagen, ja das wäre auch anders gegangen, aber das nehme ich Ihnen nicht ab. Wissen Sie wie schwer es eigentlich ist von passiven den aktiven Widerstand zu gehen? Wieviele persönliche Entscheidungen getroffen werden müssen? Nein, sonst würden Sie nicht auf diese Art und Weise Widerstandskämpfer angreifen!

  6. 19.

    stimme Ihnen vollkommen zu! Ein Verbrechstaat wie 33-45 darf nie wieder zustande kommen. Und es gab noch mehr couragierten Widerstand unter höchster Lebensgefahr: https://www.visitberlin.de/de/1943-die-frauen-der-rosenstrasse

  7. 18.

    Bittesehr, gern geschehen. Nix gegen -ky aber Der Schattenmann ist kein Roman, sondern autobiographisch nach Tagebuchaufzeichnungen. Man fiebert förmlich mit. Noch'n Tipp: Zerstört, Besiegt, Befreit. ISBN 3-88725-182-2

    Darin schildert u.a. Hans Rosenthal wie er die letzten Tage vor der Befreiung Berlins erlebt hat und fast noch von Rotarmisten erschossen wurde.

    "Auch Hans Rosenthal, [...] gehört zu den Untergetauchten (sog. "U-Boote"), die in Berlin überlebt haben. Er wird von 2 Berlinerinnen in der Laubenkolonie "Dreieinigkeit" im Bezirk Lichtenberg länger als ZWEI Jahre versteckt".

    Tatsachen, wie es sich kein Romanschreiber ausdenken könnte und der Beweis dass es Menschen gibt, die auch noch in der größten Not der Nazibarberei Menschen geblieben sind.

  8. 17.

    ...auch ich habe das nicht bestritten. Und, machen wir uns doch nichts vor, der Bekannte von Kritiker hat ja auch nur seine Meinung wiedergegeben. Nicht ganz objektiv aber auch nicht nur subjektiv. Ich glaube schon, dass ein Großteil der damaligen Bevölkerung - und eben nicht die von Ihnen angesprochenen kleinen Helden und Heldinnen (irgendwie passt das Wort "klein" dann ja auch nicht ganz dazu) so dachte...
    Vielen Dank für den Buchtipp - ich lese gerade "Brennholz für Karftoffelschalen"

  9. 16.

    Das hat mit Klugsch... überhaupt nichts zu tun, das ist Fakt. Leider wurden die "kleinen" Helden nach '45 totgeschwiegen. Es gibt etliche Beispiele von Widerstand. Die, die "U-Boote" versteckt haben, denen ihre Lebensmittelkarten überlassen haben. Die einfach Mensch geblieben sind.

    Jede Wette sie haben sich mit Widerstandsgruppen wie "Onkel Emil" nicht einmal auseinandergesetzt. Wenn das Thema nicht so ernst wäre könnte ich also den Kugsch... zurückgeben.

    Inge Deutschkron, Hans Rosenthal uvm. Es gab nicht nur Schindlers Liste. Ich lege ihnen das Buch "Der Schattenmann" von Ruth Andreas-Fischer ans Herzen.

    Gerade die Unterstützer der Nazis von heute tun regelrecht so als wäre die Nazibarberei ein unabwendbares Naturereignis gewesen. Womit ich weder sie, noch "Kritiker" meine.

    "Mit der Vogelschiss Partei sitzen wieder Nazis und Rassisten im Bundestag.
    So hat alles schon mal angefangen. "

    So ist es.

  10. 15.

    Kritiker hat das gar nicht abgestritten, dass es nicht auch solche Leute, zu tausenden gab. Aber der Verwandte von Kritiker sprach von der breiten Masse zu den damaligen Gegebenheiten...
    Einfach auch mal zwischen den Zeilen lesen - denn Sie wissen doch: Klugsch... haben keine Freunde

  11. 14.

    "Mein Verwandter sagte mir, dass Problem lag damals darin, dass die Ideologie auf eine Bevölkerung traf die durch die Niederlage des ersten Weltkriegs, die Hyperinflationen und die hohe Arbeitslosigkeit jedem Menschen folgte, der ihnen eine bessere Welt versprach."

    Faule und vor allem bequeme Ausreden. Tausende haben gezeigt, dass es auch anders ging. Die betraf die Niederlage des ersten Weltkriegs, die Hyperinflationen und die hohe Arbeitslosigkeit nämlich auch.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Andreas-Friedrich

  12. 13.

    Ich lese hier aus vielen Beiträgen Vorwürfe gegen die Menschen die damals lebten. Haben sie je mit Zeitzeugen gesprochen oder Kontakt mit Menschen die aktiven Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben? Wohl kaum. Ich hatte das Glück und Vorrecht mehrere Widerstandskämpfer sowohl aus dem kommunistischen Widerstand, dem bürgerlichen Widerstand als auch mit Personen zu sprechen die Kontakte zum militärischen Widerstand hatten. Unisono haben sie betont, wie schwer es war aus der Masse der sogenannten Mitläufer auch nur in den passiven Widerstand zu gehen, geschweige denn in den aktiven Widerstand.
    Mein Verwandter sagte mir, dass Problem lag damals darin, dass die Ideologie auf eine Bevölkerung traf die durch die Niederlage des ersten Weltkriegs, die Hyperinflationen und die hohe Arbeitslosigkeit jedem Menschen folgte, der ihnen eine bessere Welt versprach. Er sagte sinngemäß zu mir, dass er die Mitläufer nicht verurteile, sondern nur jene verurteile, die heute behaupteten würden, sie würden Widerstand leisten bzw. ohne sich in die Zeit und die Umstände zuversetzen die Menschen verurteilen.
    Im übrigen man schaue sich die Fake News die mit Corona in Zusammenhang stehen und diesen Staat als totalitär darstellen, aber selber demagogisches bis antisemitisches Gedankengut versuchen unter die Bevölkerung zu bringen, genauso hat damals Goebels u.a. das Gedankengut in die Gehirne der Jugend und Teile der Bevölkerung getröpfelt. Vielleicht denkt einmal jemand darüber nach.

  13. 11.

    @Steffen: Die Mehrheit hatte nicht Angst, sondern mehrfach hintereinander mit immer größerer Zustimmung die entscheidenden Köpfe gewählt! Und die haben auch vor diesen Wahlen keinen Hehl daraus gemacht, in welche Richtung ihre Denk- und spätere Handlungsweise ging.
    Ihr Kommentar grenzt für mich an Geschichtsrevisionismus.

    Gleis 17 lohnt einen Besuch, da man dort sehr gut innere Einkehr zu den damaligen Geschehnissen halten kann.

  14. 10.

    Ihre Ausreden sind die gleichen der Mitläufer und Nutznießer des Regimes nach '45. Während sich die einen falsche Persilscheine ausstellen ließen oder Rattenlinien von fleißigen Helfern nutzten, wollten die anderen von alledem nichts gewußt haben.

    Wie schnell Diktaturen in sich zusammenfallen können wenn sich Mehrheiten finden, die das nicht mehr mitmachen haben wir am Ostblock gesehen, was sich allerdings nicht ohne weiteres mit dem Naziregime vergleichen lässt.

  15. 9.

    Mit der Vogelschiss Partei sitzen wieder Nazis und Rassisten im Bundestag.
    So hat alles schon mal angefangen.

  16. 8.

    "Die systematische Vernichtung von Menschen benötigt doch eine breite Zustimmung..." Genau da liegt der Irrtum. Es ist vollkommen ausreichend, wenn die Mehrheit Angst vor den Konsequenzen haben muss, wenn sie aufbegehrt. Diktaturen zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie nicht von der Mehrheit getragen werden sondern eine Minderheit ihre Interessen gegen die Mehrheit gewaltsam durchsetzt.

  17. 7.

    Humanismus ist fragil, mich entsetzt immer wieder die Selbstverständlichkeit in jener Zeit, die Vernichtung von Menschen einfach so zu veranlassen, die Vernichtung von Behinderten, von Sinti und Roma, von Juden, von Homosexuellen, von Kritikern, Widerständlern. Die systematische Vernichtung von Menschen benötigt doch eine breite Zustimmung und nur wenn alle mitmachen, funktioniert es. Wenn die Hälfe nicht mitgemacht hätte, wäre es nicht möglich gewesen. Aber sie haben mitgemacht, sich gegenseitig verraten und bespitzelt. Deshalb bin ich gegen Gleichgültigkeit und für genaues Hinschauen, wenn sich Rechtsextreme im Schafspelz in der Gesellschaft ausbreiten.

  18. 6.

    In meiner Familie lebten Menschen, die die zum Fußmarsch zum Bahnhof gezwungenen Juden am 10.1.38 ängstlich hinter der Gardine beobachteten, aber nicht die Traute hatten, damals in irgendeiner Form Stellung dazu zu nehmen. (Soviel zum immer wiederkehrenden Märchen, es hätte KEINER was gewusst). Ausserdem gaben die durch Faschisten angezettelten und durchgeführten Zerstörungen, Plünderungen, Entrechtungen und dergleichen mehr Zeugnis darüber, dass Menschenrechte für Nazideutschland absolute Fremdworte waren. Es ist daher weiterhin Überzeugungsarbeit zu leisten, dass die braunblaurote afd/npd durch Kreuze bei anderen Parteien in völlige Bedeutungslosigkeit durch Ignorieren zu schicken ist.

  19. 5.

    Sehr interessanter Beitrag !!!!

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