Linksautonomes Bauwagencamp - Etwa 1.000 Menschen demonstrieren gegen Räumung von "Köpi-Platz"

Sa 09.10.21 | 22:15 Uhr
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Der Zug einer Demonstration linker und linksradikaler Gruppen gegen eine angekündigte Räumung des alternativen Wohnwagencamps "Köpi" zieht die Warschauer Straße entlang, 09.10.2021 (Quelle: dpa / Christoph Soeder).
dpa
Video: rbb|24 | 10.10.2021 | Material: TeleNewsNetwork | Bild: dpa

In einer Woche soll das linksautonome Bauwagencamp "Köpi-Platz" in Berlin-Mitte geräumt werden. Am Samstagabend demonstrierten etwa 1.000 Linke und Linksautonome dagegen. Zeitweise hat die Polizei den Demonstrationszug gestoppt.

Etwa 1.000 Menschen demonstrierten am Samstagabend gegen die Räumung des linksautonomen Bauwagencamps "Köpi-Platz" in Berlin. Das bestätigte die Polizei dem rbb. Eine Sprecherin nannte rbb|24 gegen 22 Uhr eine Zahl von knapp 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, laut einem Bericht des "Tagesspiegel" wuchs die Zahl der Demonstranten im Verlauf der Demo auf bis zu 1.500 heran. Laut Polizei waren ursprünglich 69 Personen für die Demonstration am Jahrestag der Räumung des linksautonomen Wohnprojekts "Liebig 34" angemeldet. Die Behörden gingen aber von weit mehr Teilnehmenden aus und planten ihren Einsatz entsprechend groß.

Etwa 300 Linke und Linksautonome hatten sich gegen 19 Uhr auf dem sogenannten "Dorfplatz" in der Rigaer Straße versammelt. Es blieb zunächst friedlich, Gegner der Räumung hielten Reden. Videos auf Twitter zeigen jedoch auch, wie Böller geworfen wurden. Rund 700 Polizeieinsatzkräfte waren nach Angaben der Sprecherin im Einsatz.

Vorübergehender Halt auf der Oberbaumbrücke

Der Demonstrationszug bewegte sich ab etwa 19 Uhr vom "Dorfplatz" über die Warschauer Straße in Richtung Mitte. Auf der Oberbaumbrücke zwischen Friedrichshain und Kreuzberg stoppte die Polizei die Demonstration gegen 19:45 Uhr vorübergehend, mit dem Verweis, einige Teilnehmer hätten sich mit Sturmhauben vermummt und sollten ihre Vermummung ablegen. So schilderte die Polizeisprecherin die Situation dem rbb. Beobachter der Demonstration kritisierten, dass Polizeikräfte den Demonstrationszug zeitweilig auf der Brücke einkesselten. Nach einigen Minuten konnten die Teilnehmer weiterlaufen. Im vorderen Teil der Demo kam es zu Rangeleien, einige Teilnehmer warfen Flaschen. Immer wieder waren aus der Menge polizeifeindliche Sprechchöre zu hören.

Gegen 20:50 Uhr kam der Demonstrationszug an seinem angemeldeten Ziel an, dem Wagenplatz in der Köpenicker Straße 133-136. Teilnehmer warfen Böller und Flaschen in Richtung von Polizisten. Die Polizei nahm mehrere Personen vorübergehend fest und setzte Pfefferspray ein, die Stimmung war aggressiv. Nach ersten Informationen vom Abend wurde ein Polizist verletzt, wieviele Verletzte es unter den Demonstranten gab, war bis zum Sonntag nicht bekannt. Laut eines vorläufigen ersten Fazits der Polizei vom späten Samstagabend im Gespräch mit rbb|24 gab es eine versuchte Gefangenenbefreiung und mehrere tätliche Angriffe auf Polizisten. Eine Sprecherin verwies für eine genauere Beurteilung des Abends auf den nächsten Tag.

Jörg Reichel, Vorsitzender der Berliner Gewerkschaft Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), Teil von Verdi, berichtete via Twitter, ein Pressefotograf sei wegen eines vorgeworfenen Verstoßes gegen das Urheberrecht für kurze Zeit festgenommen worden. Die Demo wurde nach einer Abschlusskundgebung gegen 21:20 Uhr für beendet erklärt, danach beruhigte sich die Situation schnell. Angemeldet war die Veranstaltung bis kurz vor Mitternacht.

Teilnehmer einer Demonstration linker und linksradikaler Gruppen protestieren gegen eine angekündigte Räumung des alternativen Wohnwagencamps "Köpi", 09.10.2021 (Quelle: dpa / Christoph Soeder).
Nach Abschlusskundgebung und -konzert wurde die Demo vorzeitig beendet - es gab mehrere Festnahmen. | Bild: dpa

Bewohner wollen Räumung per Eilverfahren stoppen

Die Siedlung in der Köpenicker Straße 137 gilt als eines der letzten Symbolprojekte der linksautonomen Szene in Berlin. Die Bewohner bezeichnen das Bauwagencamp als autonomen Lebensraum. Nach eigenen Angaben leben dort bis zu 50 Menschen. Im Juni hatte das Landgericht die Räumung des Grundstücks mit den bewohnten Bauwagen angeordnet. Das ebenfalls zum Projekt gehörende Haus auf dem Gelände ist von der Räumung nicht betroffen. Geklagt hatte der Grundstückseigentümer, der eine Baugenehmigung für das 2.600 Quadratmeter große Grundstück hat. Er gab an, das Gelände räumen zu wollen, um selbst zu bauen.

Die Bewohner des Bauwagencamps wollen die für den 15. Oktober geplante Räumung mit einem Eilverfahren vor dem Kammergericht stoppen. Das erklärte der Anwalt des Wohnprojekts am Freitag. Nach dessen Darstellung könnte eine Unterschrift des Hauseigentümers auf einer Prozessvollmacht gefälscht sein. Ein entsprechendes Gutachten werde dem Gericht in den kommenden Tagen vorgelegt, erklärte er. Am vergangenen Wochenende waren Hunderte Menschen durch Friedrichshain und Kreuzberg gelaufen, um gegen die geplante Räumung zu demonstrieren.

Sendung: Inforadio, 09.10.2021, 20:30 Uhr

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26 Kommentare

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  1. 26.

    Das ist leider so, wenn es auch so traurig ist. Sobald eine Stadt interressant wird, kommen die Investoren, was ja eigentlich gut ist. Aber das geht dann über in Zerstörung dessen was mal wichtig war.

  2. 25.

    Ganz ihrer Meinung. Brandenburg ist keine Kolonie von Berlin und eine Strafkolonie für schwer Erziehbare schon gar nicht.
    Dieses spezielle Berliner Denken, dass das Umland Kolonialgebiet ist, gibt es schon seit Ostzeiten. (Ost)Berliner dünkten sich damals schon als was besseres. Sie wurden ja auch mit Sonderkontingenten versorgt.
    Jetzt hat man dieses Denken auf ganz Berlin übernommen, m.E. völlig arrogant und abgehoben. So wird es nie einen Zusammenschluß geben. Wie denn auch, wenn man sich nicht auf Augenhöhe begegnet.

  3. 24.

    Die dekadentesten Bewohner Berlins sind die KÖPI-Bewohner.

    Gefragte, zentrale, teure Mikrolage in Spreenähe, dazu mit allen Annehmlichkeiten vor der Haustür.

    Und das alles auch noch in den eigenen, ebenerdigen „4 Wänden“.

    Wer möchte das nicht?

    Wer würde das ebenerdige, behindertengerechte Wohnen in den eigenen „4 Wänden“ in gefragtester Lage denn aufgeben wollen?

    Abgesehen davon schädigt diese dekadente Anspruchsgehabe der KÖPI-abgewöhnet vielen anderen Bürger, die dringend auf Wohnraum warten und die dort entstehenden Wohnungen beziehen könnten.

    KÖPI = Egoismus in Reinform !

  4. 23.

    So ist das nun einmal wenn der rot-grüne Senat sagt wir brauchen / bauen Wohnungen. Das geht ja natürlich nur dort wo auch Platz ist. Und so viel gibt es davon nicht.

  5. 21.

    Frage mich, warum die Leute sich keine Wohnung mieten oder kaufen???
    Mit Arbeit, Fleiß + Durchhaltevermögen wäre dies locker zu schaffen.
    Dass Rot-Rot-Grün durch seine Politik die Wohnungsnot immer weiter verschärft, daran denken diese Leute wohl nicht???
    Wahrscheinlich wählen die diese Parteien sogar.

  6. 20.

    Richtig. 60 Jahre reicht aber nicht. Diese Berliner Arroganz, dass das Umland eine Kolonie sei, gab es schon zu Zeiten als die Mauer noch stand, nicht nur zwischen Ost und West sondern auch zwischen Ostberlin und den Bezirken Potsdam bzw. Frankfurt/O. Die Berliner waren schon immer abgehoben, haben aber nichts auf die Reihe gekriegt. Daran hat sich nichts geändert.
    Und jetzt Feuer frei zum bashing.

  7. 19.

    @ Jeanette Schirrmann

    Herr Rattay ist damals aus West Deutschland extra nach West Berlin gekommen um Häuser zu besetzen. Desweiteren wurde er nicht getötet, sondern von einem
    BVG Bus überfahren, weil Herr Rattay bei den Krawallen auf die Straße gerannt ist.

  8. 18.

    Aber an euren freien Tagen und Wochenenden nach Berlin kommen und einkaufen und in unseren Parks feiern und zumüllen das geht? Lass mal die Kirche im Dorf.

  9. 17.

    Aber sonst gehts noch? Berlin soll mal seine Probleme, die man über Jahrzehnte durch politische Fehlentscheidungen selber geschaffen hat, gefälligst auch selber lösen und nicht verlagern. Brandenburg ist nicht der Mülleimer für Berlin. Es reicht schon, dass wir seit 60 Jahren euern Müll und Fäkalien entsorgen müssen.

  10. 16.

    Berlin war mal kunterbunt und für jeden gab es einen Platz. Jetzt herrscht überall das Geld. Alle bunten Lücken wurden aufgekauft und mit Bürokomplexen oder Eigentumsgruselbauten zugebaut. Von einem besonderen Ort mit besonderen Menschen entwickelt sich Berlin nach und nach in ein schnödes dumpfes Bla bla.
    Und damit werden Identitäten und Lebenswelten vieler vieler bunter Berliner vernichtet!!

  11. 15.

    Die wollen ja gar nicht nach Brandenburg, da regt sich ja praktisch niemand darüber auf.

  12. 14.

    Wir haben einen Grünen-Linken und SPD -Senat.
    Wenn Linke Projekte geräumt wurden mit Sicherheit nicht unter CDU,das hätten Sie nicht getraut im gegesatz zu RRG.Das einizige mal das CDU Linke Hausprojekte in Selbstverwaltung geräumt hat war am 22.09.1981 in Berlin-West unter anderem mit Tötung von Klaus Jürgen Rattay.Ein Grund warum ich mir in Berlin die Abwahl von Linke und Grüne wünsche .In der regierung haben sie nur Mist gebaut im gegensatz zudem wenn Sie in Opposition sitzen.Auch damals vor 40 Jahren ,war unter SPD Politiker Vogel,die Vorarbeit geleistet wurden,die Innensenator Lummer umsetzt...Herr geisel war damals in der SED und seine Politik erinnert an CDU-Lummer.Danach knallte es gewaltig ,in Bürgerkriegsähnliche Zustände-Dezentral,aus allen Schichten mit Solidarität aus der Bevölkerung .Anders als wir damals,Bewegungen gespaltet, Gegensatz zu den Franzosen,an einem Strick ziehen.Der RRG-Senat, räumt sein eigenes Klientel,unglaublich und immer wieder Tatsache.

  13. 13.

    KE:
    "Und Mitglieder von Die Linke und Die Grünen stehen daneben und klatschen, nehme ich an."

    Ich vermute, Sie liegen mit Ihrer Annahme völlig daneben. Ich habe jedenfalls nichts davon gehört, dass da "Mitglieder von Die Linke und Die Grünen daneben stehen und klatschen".

  14. 12.

    Und sie Mitglieder der AgD und der FDP stehen daneben und klatschen. Nehme ich an.

  15. 11.

    So ein bisschen frische Landluft hilft der Sauerstoffversorgung des Gehirns. Vielleicht hilft das auch gegen das verzerrte Weltbild. Auch die fehlende Verfügbarkeit von Supermärkten und Spätis wird hier helfen bei der Erkenntnis wie gut unsere Gesellschaft ist.

    Die Frage ist nicht ob man ein paar Wohnwagen bewegen kann sondern ob die Bewohner bereit sind auf die Annehmlichkeiten der zentralen Lage zu verzichten. Damit fehlt mir auch jedes Verständnis weshalb d man die Siedlung von dort nicht zu entfernen. Was auch immer dort geplant ist wird mehr Menschen dienen. Linksautonom kann man doch auch woanders sein.

    Kleiner Tipp: anstatt mit 1000 Leuten zu protestieren kann man von den Leuten je 1220 € einsammeln. Dann hätte man sich das Grundstück nach aktuellem Bodenrichtwert kaufen können.

  16. 10.

    Warum ist man eigentlich selber nicht auf die Idee gekommen, ein Grundstück zu besetzen, 20 Jahre dort zu leben ohne Miete und zu erwarten dass es dann irgendwann ein Gewohnheitsrecht ist. Man könnte natürlich auf diesen knapp 2600 Quadratmetern eine Flüchtlingsunterkunft bauen. Dann würden diejenigen die dort wohnen doch auch noch was Gutes tun. Was würden Sie denn von dem Vorschlag halten?

  17. 9.

    Aussagen werden nicht falsch, weil es sie von den (vermeintlich? ideologisch?)Falschen kommen.

    In Brandenburg gibt es viel Platz fürs Kampieren.

  18. 8.

    Also ich bin ja eher angeödet und ermüdet von den ewig gleichen Ritualen, Rebell-und-Gendarm-Spielchen und "XY bleibt!"-Parolen der sogenannten Autonomen. Angeblich sind die doch so kreativ, man merkt bloß nichts davon.

  19. 7.

    Und Mitglieder von Die Linke und Die Grünen stehen daneben und klatschen, nehme ich an.

  20. 6.

    .... und Wölfe.
    Aber im Ernst. Das Problem kann nicht durch örtliche Verlagerung gelöst werden.

    Einerseits möchte ich das den Brandenburgern nicht zumuten, andererseits sorge ich mich dann doch um die Sicherheit der Autonomen - auch wenn ich die nicht ausstehen kann. Sie wissen doch .... Liebe ist ... wenn alle von einem Waldspaziergang zurückkommen ;-).
    Ok - fast im Ernst wars jedenfalls.

  21. 5.

    Mir fällt gerade auf, wie ausfällig mein erster Kommentar ist. Ich schäme mich.

  22. 4.

    Und wieder dieselben Rumnörgler wie immer hier anzutreffen… Gähn.

  23. 2.

    Den Demonstranten ist das Grundgesetz sch...egal. Den Staat rufen die nur zum eigenen Vorteil an, ignorieren aber die Rechte anderer.

  24. 1.

    Ich verstehe das Problem dieser Leute nicht: Warum ziehen sie nicht nach Brandenburg? Da ist Platz genug zum Dauercampen, und die ökologischen Hardcore-Linken könnten gleich mitgehen. Frische Luft, Totenstille, wenig Verkehr, nur Felder und Wälder....

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