Neuankünfte deutlich angestiegen - Berlin schafft neue Unterkünfte für 1.200 Asylsuchende

Di 19.10.21 | 14:01 Uhr
Modulare Flüchtlingsunterkunft, In den Leonorengärten, Leonorenstraße, Lankwitz, Steglitz-Zehlendorf, Berlin, Deutschland (Quelle: dpa/Bildagentur-online/Joko)
Video: Abendschau | 19.10.2021 | Studiogespräch Olga Dryndova (Osteuropa-Expertin) | Bild: dpa/Bildagentur-online/Joko

Die Machtübernahme der Taliban und eine Zunahme von Geflüchteten, die über Belarus nach Deutschland kommen, hat die Neuankünfte in Berlin in diesem Jahr fast verdoppelt. Innerhalb von vier Wochen sollen nun 1.200 neue Plätzen eröffnet werden.

Weil die Zahl der Geflüchteten zuletzt zugenommen hat, schafft Berlin zusätzlichen Platz für Asylsuchende. Innerhalb von vier Wochen werden fünf Unterkünfte mit zusammen 1.200 Plätzen eröffnet, wie Monika Hebbinghaus vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Zum einen handelt es sich um zwei Containerdörfer in Marzahn und Lichtenberg, die während der Flüchtlingskrise 2015/2016 gebaut wurden und nun reaktiviert werden. Hinzu kommen zwei Neubauten in Neukölln und Spandau sowie ein sanierter Komplex im Bezirk Mitte. "Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen, die in Berlin ankommen und Asyl beantragen, auch untergebracht werden", sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach der dpa.

Neuankünfte in diesem Jahr verdoppelt

Wie in anderen Bundesländern kommen derzeit auch in Berlin wieder mehr Asylbewerber an. Nach Angaben des LAF wurden bis Ende September rund 5.000 Neuankömmlinge registriert und damit bereits mehr als im gesamten Vorjahr (4.589). "Wir hatten zuletzt mehr als 800 Zugänge pro Monat", schilderte Behördensprecherin Hebbinghaus. Im Durchschnitt der letzten Jahre seien es 400 bis 500 gewesen. "Wir gehen davon aus, dass diese Dynamik anhält."

Als Ursachen nannte sie stärkere Fluchtbewegungen aus Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban und eine Zunahme von Geflüchteten, die über Belarus nach Polen und dann nach Deutschland gelangen. Auch die Zahl von Menschen, die aus Moldau, Georgien oder anderen Ex-Sowjetrepubliken nach Berlin kommen, nahm demnach zu. Diese haben zumeist keinen Anspruch auf Asyl.

Bislang sind in Gemeinschaftsunterkünften des LAF mehr als 20.000 Geflüchtete untergebracht, 800 Plätze sind frei. Bei mehr als der Hälfte dieser Menschen ist das Asylverfahren abgeschlossen, sie hätten eigentlich Anspruch auf eine Wohnung. Da es davon in Berlin jedoch viel zu wenige gibt, leben sie vorerst weiter in den Heimen.

Programm für Syrer im Lebanon

Unterdessen kommt das Berliner Aufnahmeprogramm für syrische Flüchtlinge in Gang. Ein Mensch wurde bereits nach Berlin ausgeflogen, weitere folgen in den nächsten Wochen, wie Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) ebenfalls am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Im Zuge des Programms für besonders schutzbedürftige Syrer, die vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat in das Nachbarland Libanon geflüchtet sind, stehen 100 Plätze pro Jahr zur Verfügung. Dabei geht es etwa um Frauen, die Opfer von familiärer Gewalt wurden, um von Kinderarbeit bedrohte Kinder und Jugendliche oder stark traumatisierte Menschen.

Betrifft schutzbedürftige Menschen aus Bürgerkriegsregionen

Bereits Ende 2018 hatte das Abgeordnetenhaus den Senat aufgefordert, in Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen ein solches Programm für besonders schutzbedürftige Menschen aus der Bürgerkriegsregion aufzulegen. Nach einigem Hin und Her bezüglich des genauen Personenkreises und Verzögerungen wegen der Corona-Pandemie greift es nun für Syrer, die als Flüchtlinge im Libanon leben.

Für stark gefährdete Menschen, die auch dort nicht sicher seien, biete Berlin nun eine Zuflucht, sagte Breitenbach. "Mich freut, dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen der Pandemie und des Zusammenbruchs unter anderem der Stromversorgung im Libanon die Vorbereitungen für die Aufnahme des diesjährigen Kontingents weitgehend abgeschlossen werden konnten."

Ausgesucht für das Programm werden die Menschen vom UN-Flüchtlingshilfswerk. Bevor sie nach Berlin kommen, durchlaufen sie vor Ort ein aufwendiges Verfahren mit Aufnahme- und Sicherheitsgesprächen, Visaerteilung und Ausreisegenehmigung.

Sendung: Abendschau, 18.10.2021, 19:30 Uhr

Korrekturhinweis: In einer vorherigen Version stand, dass neue Unterkünfte für 12.000 Asylsuchende geschaffen werden. Es handelt sich aber nur um Unterkünfte für 1.200 Asylsuchende. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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