Pläne der evangelischen Landeskirche - Prignitzer Kirchengemeinden rebellieren gegen geplante Mindestgrößen

Symbolbild: Die evangelische Kirche des Dorfes im Landkreis Teltow-Fläming (Quelle: dpa / Soeren Stache).
Audio: Antenne Brandenburg | 10.10.2021 | Mischa Frinke | Bild: dpa-Zentralbild

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) plant die Zusammenlegung von Kirchengemeinden auf eine Mindestgröße von 300 Mitgliedern - dagegen protestieren nun mehrere kleine Gemeinden. Am Sonntag hat die brandenburgische Initiative "Kirche im Dorf lassen" eine gleichnamige Webseite im Internet freigeschaltet [kirche-im-dorf-lassen.de]. Ein entsprechender Beschluss gegen die Pläne der EKBO soll von der Landessynode auf der Herbstagung im November verabschiedet werden.

Hinter dem Aufruf stehen nach eigenen Angaben Gemeindemitglieder aus den Orten Lennewitz, Kunow, Rosenhagen, Groß Leppin und Krampfer in der Prignitz. Sie befürchten ihren Worten zufolge eine "Entmündigung und Enteignung" von dörflichen Kirchengemeinden, sollte der Beschluss so umgesetzt werden. 300 Gemeindemitglieder zur Voraussetzung für die Existenz einer Kirchengemeinde auf dem Dorf zu machen, sei willkürlich und lebensfremd, hieß es am Sonntag.

Protestierende sehen vielerorts keinen Grund zu Fusion von Gemeinden

Der Protest richte sich dabei nicht grundsätzlich gegen strukturelle Veränderung. Es gebe Situationen, in denen eine Fusion sinnvoll sein könne. "Aber solche Zusammenschlüsse müssen freiwillig entstehen, wenn sie gelingen sollen, auf keinen Fall durch Druck von oben", sagte der Mitinitiator Andreas Haufe aus Lennewitz bei Bad Wilsnack. In vielen gut funktionierenden kleinen Gemeinden gebe es zu einer Fusion derzeit keinen Anlass.

Der Aufruf wird demnach bereits von zwölf Kirchengemeinden aus der Prignitz mitgetragen. Mit der Freischaltung der Webseite wolle sich die Initiative landesweit vernetzen, hieß es. Zudem werde man notfalls vor Gericht ziehen.

Symbolbild: Morgennebel verschleiert die Landschaft am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder mit Häusern und der Kirche von Lebus, Brandenburg (Quelle: dpa / Patrick Pleul)..Wie lange dürfen Dorfkirchen selbständig bleiben? Angesichts der Prognosen über die Mitgliederzahlen wird diese Frage in den nächsten Jahren zahlreiche Gemeinden in Brandenburg beschäftigen.

Mehr als 650 Gemeinden mit jeweils weniger als 300 Mitgliedern

Die Landeskirche argumentiert vor allem mit den anhaltend sinkenden Mitgliederzahlen. Prognosen der sogenannten "Freiburger Studie" zufolge, werden im Jahr 2060 im Süden und Westen Deutschlands immer noch mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung einer der beiden Kirchen angehören, im Osten aber trifft das nur noch auf jeden Neunten zu.

Die Kirchenleitung der EKBO befürchtet ihren Angaben zufolge, dass Gemeinden mit nur wenigen Mitgliedern in naher Zukunft von Verwaltungsfragen überfordert sein werden.

"Es geht jetzt darum, dass man die Verwaltung auf eine höhere Ebene verlagert, während das kirchliche Leben weiterhin vor Ort organisiert wird", sagte Harald Geywitz, Vorsitzender der Landessynode, im vergangenen Sommer. Irgendwann müsse schlicht entschieden werden, welche Mitgliederzahl die besondere Form der Körperschaft des öffentlichen Rechts rechtfertige. Als solche müsse sich jede Kirchengemeinde auch um Fragen wie Daten- und Arbeitsschutz kümmern, einen eigenen Haushalt aufstellen und ab 2023 auch Umsatzsteuer zahlen, egal, wie groß sie sei.

In der sich vom Norden Brandenburgs bis Ostsachsen erstreckenden EKBO gibt es derzeit noch mehr als 650 Gemeinden mit jeweils weniger als 300 Mitgliedern. Allein im vergangenen Jahr haben sich laut Geywitz mehr als 40 Kirchengemeinden zu größeren Verbünden zusammengeschlossen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.10.2021, 18 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Auch die evangelische Kirche hat ein gewaltiges Mitgliederproblem und kompensiert dieses durch Rückzug? Weniger Gottesdienste, weniger Gemeindearbeit, weniger Angebote für Kinder.
    Für mich persönlich völlig unverständlich und kontraproduktiv.
    Unser Pfarrhaus verfällt, im Kirchhof sterben alle Bäume ab, der Garten wird nur sporadisch gemäht, Gottesdienste werden immer seltener und dünnen aus.
    Wie wäre es, das Konstrukt der Gemeindekirchenräte zu modernisieren und diese zur Wirtschaftlichkeit zu bewegen?
    Das funktioniert nur selten gut...die alten Strukturen bremsen die Neuentwicklung aus.
    Nicht zu vergessen sind die Zahlungen durch Kirchensteuer ( Finanzamt) und die Ausgleichzahlungen von jährlich 500 Millionen Euro durch den Staat......!

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