Prozess gegen ehemaligen KZ-Wachmann - "Jeder hat gewusst, was im Lager vorgeht"

Ein Bild des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen (Bild: dpa/arkivi)
Video: Brandenburg Aktuell | 05.10.2021 | Claudia Baradoy | Bild: dpa/arkivi

In Brandenburg beginnt am Donnerstag der Prozess gegen einen Hundertjährigen. Er soll als Wachmann im KZ Sachsenhausen wissentlich und willentlich Hilfe zur grausamen Ermordung Tausender Menschen geleistet haben. Von Claudia Baradoy

3.518 – diese Zahl hat die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es ist die Mindestzahl der Menschen, die zwischen Januar 1942 und Februar 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen zu Tode gekommen sind. In dieser Zeitspanne soll der mittlerweile 100-jährige Angeklagte im Lager als Wachmann tätig gewesen sein.

Ihm wird willentliche Beihilfe zur Erschießung sowjetischer Kriegsgefangener und zur Ermordung von Häftlingen mit dem Giftgas Zyklon B in eben diesen 3.518 Fällen vorgeworfen. Auch "die Tötung der Häftlinge durch die Schaffung und Aufrechterhaltung von lebensfeindlichen Bedingungen" sind laut Gericht Gegenstand der Anklage.

Prozess in Sporthalle der JVA Brandenburg/Havel verlegt

Der Beschuldigte lebte jahrelang unbehelligt in Brandenburg/Havel. Laut einem medizinischen Gutachten ist er für zwei bis zweieinhalb Stunden am Tag verhandlungsfähig. Weil der Hochbetagte den beschwerlichen Weg zum Landgericht in Neuruppin jedoch nicht mehr zurücklegen kann, wurde zunächst der "Stahlpalast" in Brandenburg an der Havel zum Gerichtsaal umgebaut. Er sollte ausreichend Platz für Gericht, Verteidiger, Zeugen, insgesamt 16 Nebenkläger und die internationale Presse bieten - dort fanden schon Europameisterschaften im Billiard statt, zuletzt wurde er als Corona-Impfzentrum genutzt.

Doch bis kurz vor Prozessbeginn waren beim Einbau von Technik noch Fragen zur Bausicherheit ungelöst - der Prozess wurde am Montag in die Sporthalle der Justizvollzugsanstalt Brandenburg verlegt. Das gelte für alle Verhandlungstage. "Das Gericht hat vergleichsweise viele Verhandlungstage angesetzt, insgesamt 22 Termine", sagte Gerichtssprecherin Iris le Clair.

"Eingangsgebaeude zum Haeftlingslager ""Turm A"", Gedenkstaette und Museum Konzentrationslager Sachsenhausen (Bild: dpa/Joko)Eingangsgebäude zum Häftlingslager, Turm A

Wieso wird dem Mann erst Jahrzehnte später der Prozess gemacht?

Doch warum wird dem Mann erst jetzt der Prozess gemacht? In der bundesdeutschen Nachkriegszeit wurden Ermittlungen oft nur eingeleitet, wenn eine aktive Beteiligung an konkreten Mordtaten nachgewiesen werden konnte, möglichst mit den Namen der Opfer und dem genauen Zeitpunkt. Die Heerscharen der Beschäftigten in den Lagern, die das Funktionieren der Tötungsmaschinerie absicherten, blieben unbehelligt. Ohne "Tat" kein Täter, so der Tenor.

Die Kehrtwende kam im Jahr 2011 – mit dem Urteil gegen John Demjanjuk, einen ehemaligen Wachmann in Sobibor [tagesschau.de]. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass auch Gehilfen schuldig sein können. Denn sie hätten einen Beitrag zum reibungslosen Ablauf des industriellen Tötens in den Vernichtungslagern geleistet.

Die wichtigen Aufgabe der Zentralen Aufklärung der NS-Verbrechen

Das Demjanjuk- Urteil war Initialzündung, die Archive weltweit erneut zu durchforsten. Das ist Aufgabe der Ermittler der Zentralen Stelle zur Aufklärung der NS-Verbrechen in Ludwigsburg. Die Arbeit der insgesamt acht Juristen ist langwierig. "Im Falle des Mannes aus Brandenburg/Havel sind wir im Staatlichen Militärarchiv Moskau fündig geworden. Dort liegen Kompanielisten, Personalakten und Verwaltungsunterlagen aus Sachsenhausen", sagt der Leiter der Behörde, Oberstaatsanwalt Thomas Will.

Wurde ein ehemaliger Wachmann gefunden, wird das Verfahren nach weiteren Vorermittlungen an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. So wurde auch der SS-Wachmann Oskar Gröning auf Vorarbeit der Ludwigsburger Stelle 2015 durch das Landgericht Lüneburg wegen Beihilfe zu einer Haftstrafe verurteilt, da Gröning allein "durch seine allgemeine Dienstausübung in Auschwitz bereits den Führungspersonen in Staat und SS Hilfe leistete". Es folgten bislang zwei weitere Verurteilungen von SS-Wachmännern, zuletzt im vergangenen Jahr in Hamburg. Immer wieder auch werden Verfahren eingestellt, weil die Angeklagten zwischenzeitlich verstorben sind oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vor Gericht erscheinen können.

Konnte jemand nicht wissen, was im Lager vor sich ging

Wusste der Wachmann, was im Lager passiert ist? Ist es überhaupt möglich, dass jemand keine Ahnung davon hatte, was vor sich ging? Diese zentrale Frage, muss das Gericht nun klären, nur dann kann er verurteilt werden.

Richard Fagot berichtet als Zeitzeuge regelmäßig von den Gräueln im Lager. Er hat auf diese Frage eine eindeutige Antwort: "Das ist lächerlich. Es ist unmöglich. Jeder hat gewusst, was im Lager vorgeht. Und auch außerhalb des Lagers!" Der heute 85-Jährige stammt aus einer jüdischen Familie im polnischen Lodz und war als kleiner Junge in Sachsenhausen interniert. Nach der Befreiung emigrierte er nach Israel und wurde Arzt.

Archivbild: Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, ehemaliges KZ Konzentrationslager in Oranienburg. (Quelle: imago images/J. Ritter)Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen

Die Beteiligung an Exekutionen zählten zu den Aufgaben der Wachleute

Mehr als 200.000 Menschen waren zwischen 1936 und 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Zehntausende starben an den Haftbedingungen, durch medizinische Experimente oder wurden ermordet. Zu den Wachmannschaften zählten zeitweise mehr als 3.500 SS-Männer sowie mehrere Hundert Aufseherinnen. Ihre Aufgabe war die äußere Bewachung des Lagers. Dazu besetzten sie die mit Maschinengewehren ausgerüsteten Wachtürme und patrouillierten entlang der Lagermauer. Sie eskortierten die Häftlinge zu Arbeitseinsätzen und stellten die Posten. Auch die Fahndung nach entflohenen Insassen und die Beteiligung an Exekutionen zählten zu ihren Aufgaben. Angebliche Erschießungen auf der Flucht durch Wachsoldaten gehörten zum Lageralltag.

Ein Zeitzeuge erinnert sich

Fagots Erinnerungen an das KZ Sachsenhausen sind die eines Kindes: "Der Himmel war rot in den letzten Kriegstagen, man hörte die Geschosse der Flaks und die Wachmänner waren alle aufgeregt, nervös, sie schrien umher und wollten nur noch weg!"

Er war neun Jahre alt, als er zusammen mit seiner Mutter am 21. April 1945 befreit wurde. Seine Mutter konnte nicht mehr laufen, hatte es aber geschafft, sich mit ihrem Sohn und der Tochter in einer leerstehenden Baracke zu verstecken – während die anderen Häftlinge auf den Todesmarsch getrieben wurden.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Zeitzeuge Richard Fagot hat das Konzentrationslager überlebt, Tausende Menschen mussten sterben. Für ihn gibt es auf die Frage, ob es der Gerechtigkeit dient, Jahrzehnte später einen 100 Jahre alten Mann vor Gericht zu bringen, keine eindeutige Antwort. "Einerseits: Mord ist Mord ist Mord. Anderseits: Wo war die Justiz bis heute? Die Zeugen der Anklage werden wieder die längst bekannten Gräuel erzählen. Und die, die sowieso nicht glauben wollen, werden weiterhin darauf beharren, dass alles gelogen sei ..."

Der Rechtsanwalt Thomas Walther vertritt die 16 Nebenkläger im Prozess. Sie kommen aus Deutschland, Holland, Israel, Frankreich und Peru und sind Überlebende oder die Söhne und Töchter derer, die im Lager umgebracht wurden. "Dass auch die Gehilfen der Tötungsmaschinerie sich jetzt verantworten müssen, ist eine späte Gerechtigkeit", sagt Walther. Viele Opfer und deren Familien seien an der Untätigkeit der Justiz über Jahre hinweg verzweifelt: "Jetzt besinnt sich die Justiz. Aber dadurch wird nichts repariert, was in der Vergangenheit versäumt wurde."

Sendung: Brandenburg aktuell, 07.10.2021, 19.30 Uhr


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Beitrag von Claudia Baradoy

37 Kommentare

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  1. 37.

    Für die Opfer ist diese Antwort gar nicht einfach zu verstehen.

    Übrigens, in der bundesdeutschen Justiz werden Ermitlungen bereits bei einem Mordverdacht eingeleitet.

  2. 36.

    Was verstehen sie daran nicht?
    "Wieso wird dem Mann erst Jahrzehnte später der Prozess gemacht?
    Doch warum wird dem Mann erst jetzt der Prozess gemacht? In der bundesdeutschen Nachkriegszeit wurden Ermittlungen oft nur eingeleitet, wenn eine aktive Beteiligung an konkreten Mordtaten nachgewiesen werden konnte, möglichst mit den Namen der Opfer und dem genauen Zeitpunkt. Die Heerscharen der Beschäftigten in den Lagern,.......... "

  3. 35.

    Verstehen sie nicht was gemeint ist? Von welchem Zwischenbericht sprechen sie?

  4. 34.

    Der Zwischenbericht ist eine versuchte Erklärung, aber keineswegs eine befriedigende Antwort.

  5. 33.

    Hannes:
    "Bei solchen Prozessen frage ich mich immer, wie würde der ganz normale Deutsche, damit meine ich auch den Richter, die Staatsanwaltschaft uvm. sich entscheiden, wenn man die Wahl hat zwischen Pest und Cholera.
    Entweder an die Front zu müssen um dort zu töten und/oder für Führer, Volk und Vaterland zu sterben, oder Zuhause bei der Familie zu sein, mit der Sicherheit nicht einfach so getötet zu werden, dafür aber als Befehlsempfänger mit wenig Verantwortung einen regelmäßigen Dienst zu schieben.
    Mit zeitlichem Abstand ist es einfach zu sagen, ich hätte mich gegen das KZ entschieden, denn es gibt heute keine Konsequenzen."

    Was soll das sein: "der ganz normale Deutsche"?
    Es besteht schon ein erheblicher Unterschied zwischen der Entscheidung in Vernichtungslagern zu arbeiten und der Entscheidung "nur" Kriegsdienst zu leisten.

  6. 32.

    Ihre Frage zeigt, dass sie den Beitrag noch nicht mal gelesen haben. Es gibt sogar eine Zwischenüberschrift dazu.

  7. 31.

    Was mich wirklich interessieren würde?
    Warum kommt es erst nach 77 Jahren zur dieser Anklage, lebte doch der Mann die ganzen Jahre in Deutschland?

  8. 30.

    Nachhinein zu urteilen mit dem Wissen von heute, ist zu einfach gedacht. Unrecht bleibt Unrecht und es war definitiv Unrecht. Wer heute urteilt mit der Überzeugung richtig zu handeln, sollte auch bedenken, daß er vielleicht auch aus der zukünftigen Sicht verurteilt wird.

  9. 29.
    Antwort auf [Immanuel] vom 05.10.2021 um 16:54

    Verdrehen Sie meine Worte absichtlich? *kopfschüttel*

  10. 28.

    Auch diese neue "Erkenntnis" wird nicht verhindern, dass sich Geschichte ständig wiederholt. Der Mensch kann sich nicht ändern. Die Psyche funktioniert wie sie funktioniert.

  11. 27.

    Ein sehr guter Komentar. Ich habe viele berichte, dokus u.a. aus dieser Zeit gesehen.war froh zu dieser Zeit nicht gelebt zu haben. Keiner kann sich in die damalige zeit, Situation hineinversetzen.

  12. 26.

    Alkohol, Drogen, psychologische Probleme gelten heute als strafmildernde Umstände, auch bei Tötungsdelikten. Was ist mit Gründen, die in den gesellschaftlichen bzw. politischen Umständen zu suchen sind? Daher finde ich diesen Prozess, wie auch den, gegen eine 96-jährige, die als junge Frau als Schreibkraft im KZ tätig war, und zum Prozessbeginn aus dem Alterheim floh, doch fragwürdig.
    Ich vermute, mache haben in ihrem Leben mit dem, in jungen Jahren erlebten Ereignissen, ihre eigenen Kämpfe ausgefochten und es sogar tief im Inneren verborgen. Manche Familie weiß bis heute nicht, was die Großeltern zu fiesen Zeiten erlebt haben.

  13. 25.

    "dass jemand es gewußt haben muss, der dort gearbeitet hat." Da wird kein vernünftiger Mensch bestreiten.

  14. 24.

    Ich wollte eigentlich auch noch einen Kommentar zum Thema verfassen, was ich mir jetzt aber sparen werde, da eigentlich schon alles gesagt wurde. Ihr (letzter) Kommentar beleuchtet die bisher dunkel gebliebenen Ecken und sollte nicht zerredet werden.

  15. 23.

    Genau! Wir haben es heute leicht, vom hohen Ross herunter über die Menschen damals zu richten. Wir sind alle ganz fest davon überzeugt, dass wir die Gräuel niemals zugelassen und sie bekämpft hätten, ja dass unter uns der Führer niemals die Macht erlangt hätte. Ich halte das für heuchlerisch und bin überzeugt, dass die Mehrheit von uns unter den damaligen Bedingungen, dem damaligen Wissen und vor allem der damaligen Propaganda genau so Mitläufer geworden wären, nicht mehr und nicht weniger überzeugt als die Menschen damals. Leider sind Menschen von Zeitgeist und Propaganda extrem beeinflussbar, damals wie heute. Immer noch sind Menschen für die vorgeblich gute Sache nach wie vor bereit, Freiheiten aufzugeben und sich einzuordnen, nicht kritisch und selbstkritisch zu hinterfragen und lieber ohne aufzufallen im Strom mitzuschwimmen. Wir müssen mehr aus dieser schrecklichen Zeit damals begreifen, statt uns über sie zu erheben. Das ist natürlich nicht als Freispruch für Mord zu verstehen.

  16. 22.

    Ihre belehrende Art können Sie stecken lassen. Die Sühne ist im deutschen Strafrecht definitiv dem Resozialisierungsgedanken untergeordnet. Anderenfalls würde lebenslang auch wirklich lebenslang bedeuten, wäre eine regelmäßige Überprüfung, ob eine Haft oder gar Sicherungsverwahrung fortgesetzt werden DARF, gar nicht vorgesehen. Den vordergründigen Gedanken der Sühne hat nämlich das BVerfG als grundgesetzwidrig, weil gegen die Menschlichkeit gerichtet, erklärt. Selbst in der Urteilsfindung ist die Aussicht auf Rehabilitierung immer mit zu beachten und wirkt sich regelmäßig strafmildernd aus. Der Sühnegedanke ist längst zur Nebensache geworden, Aufgabe der Justiz ist nicht vorrangig die Verwahrung sondern primär die Vorbereitung auf ein kriminalitätsfreies Leben danach.

  17. 21.

    Was ist damals mit Kriegsdienstverweigerern oder Deserteuren passiert? Das sollte sich jeder fragen...heute eine Meinung zu haben ist sehr einfach. Sehr, sehr einfach...weil keiner Angst haben muss.
    Mein Opa ist als 17jähriger desertiert, obwohl er wusste, was mit ihm passieren würde,wenn ihn sein "Vaterland" erwischen würde. Nicht jeder hat sich da getraut.

  18. 20.

    "Eigentlich geben sie die Antwort doch schon selber im letzten Teilsatz."
    Es ist nach der jetzigen Rechtsprechung aber eben relevant, ob es ein Vernichtungslager oder ein Konzentrationslager war. Dass in beiden gemordet wurde, ist gar nicht strittig. Dass beide höchst grausam und unmenschlich waren noch viel weniger. Der feine juristische Unterschied ist eben nur, dass in dem einen Beihilfe zum Mord noch angeklagt werden kann, im anderen nicht. Von daher ist die Einstufung des Lagers tatsächlich relevant, ob eine Verurteilung überhaupt noch möglich ist. Würde der Angeklagte wegen Mordes selbst ageklagt, gäbe es weder diesen Unterschied, noch die Diskussion über das Verfahren. Ich will den Herrn nicht von Schuld frei sprechen, das ist er definitiv nicht. Es ist nur diskutabel, ob er als Mittäter noch juristisch zur Verantwortung gezogen werden darf.

  19. 19.

    Nichts rechtfertigt das grundlose Töten von Menschen und die Gewalt und Folter, die Überlebende von KZs auch zusätzlich noch dort erlebt haben. Viel zu spät wurde mit der Aufarbeitung begonnen und der wirklichen Verurteilung der vielen Täter. So konnte sich die Ideologie der NS-Zeit weiter verbreiten und weitere Menschen wären deswegen beinahe umgekommen. Und jetzt kommt der ganze Mist aus dem Versteck wieder hervor und zeigt sich wieder offener. Weil dieses Gedankengut niemals richtig aus den Köpfen der Beteiligten und deren Nachkommen herausgearbeitet wurde. Gut, dass jetzt - wenn auch für manche viel zu spät - endlich wieder der Kampf gegen und die Bewältigung der Verbrechen der NS-Zeit aufgenommen wird. Es setzt Zeichen und regt an zu einem so wichtigen erneuten Diskurs. Auch wenn manche hier wohl eine Relativierung der Geschehnisse anstreben, es gibt (leider) eine neue Generation von Menschen die bezeugen können, zu was Nazis fähig sind.

  20. 18.

    Steffen:
    "Das deutsche Justizwesen ist nicht auf Rache aufgebaut sondern die Rehabilitierung steht im Vordergrund."

    Ihnen ist das deutsche Strafrecht offenbar unbekannt! Im Gegensatz zu Ihrem Strafrecht geht es im deutschen Strafrecht auch um Sühne, also Strafe - nicht Rache - und nicht hauptsächlich bloß um Rehabilitierung!

    Und natürlich macht es Sinn, jeden verhandlungsfähigen Angeklagten vor Gericht zu stellen, unabhängig davon, wie alt er ist! Ob er verhandlungsfähig ist oder nicht, wird das Gericht anhand medizinischer Gutachten gleich am Anfang des Prozesses feststellen und auch während des Prozesses prüfen, sofern Anhaltspunkte für Verhandlungsunfähigkeit vorliegen. Aber eine pauschale Straffreiheit ab 100 Jahre ist mit einem Rechtsstaat unvereinbar!

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