Interview im rbb-Fernsehen - GEW-Vorsitzender: Lehrermangel in Berlin größer als angegeben

Sa 02.10.21 | 22:19 Uhr
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Ein Schüler meldet sich in einer gemischten Klasse der Stufen 4-6 an der Fritz-Karsen-Schule im Berliner Ortsteil Britz. Quelle: dpa/Christoph Soeder
Audio: Abendschau | 02.10.2021 | Bild: dpa/Christoph Soeder

Nach den Sommerferien offenbaren sich beim Personal an den Berliner Schulen größere Lücken, als Bildungssenatorin Scheeres (SPD) vorher angegeben hatte. Nach Berechnungen des rbb fehlen der Hauptstadt derzeit rund 380 Lehrkräfte.

Der Lehrermangel in Berlin ist offenbar um ein Vielfaches größer als vom Senat vor Schulbeginn angegeben. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin, Tom Erdmann, warf der scheidenden Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Samstag in der Abendschau vom rbb "Augenwischerei" vor.

Scheeres habe vor Beginn des Schuljahres in einem Interview in der rbb Abendschau behauptet, in der Hauptstadt würden lediglich 80 Lehrkräfte fehlen. Die Senatsverwaltung für Bildung erteilte auf mehrfaches Nachfragen des rbb die Auskunft, dass sich diese 80 Stellen "relativ gleichmäßig" auf das gesamte Stadtgebiet verteilten. "Allerdings gab es insbesondere in den Randbezirken Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Reinickendorf noch größeren Einstellungsbedarf, so auch in Mitte", teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung dem rbb mit.

380 Lehrkräfte zu wenig

Nach Angaben des GEW-Vorsitzenden Tom Erdmann sei Anfang August aber bereits klar gewesen, dass es am Ende wahrscheinlich eher 400 fehlende Lehrkräfte sein würden. So interpretiere er auch aktuelle Zahlen aus der Schulverwaltung, die dem rbb vorliegen. Die Zahlen dokumentieren den Bedarf an Unterrichtsstunden sowie die tatsächlich stattgefundenen Unterrichtsstunden im Bezirk Spandau im vergangenen August. Da deutlich weniger Stunden stattfanden als eigentlich nötig, ergibt sich nach Berechnungen des rbb ein Bedarf von rund 66 Lehrkräften allein in Berlin-Spandau. Nach rbb-Informationen liegt der stadtweite Mangel an Lehrkräften aktuell bei 380.

Während die Senatsbildungsverwaltung erklärt, die Zählweise sei nicht nachzuvollziehen und auch keine eigenen Zahlen vorlegt, bestätigt der Gesamtpersonalrat der Berliner Schulen, Dieter Haase, die Rechnung des rbb. "Die Schulverwaltung müsste eigentlich die genauen Ausstattungszahlen der Berliner Schulen haben und die bewegen sich in dem Feld", sagte Haase am Samstag dem rbb.

Erdmann forderte vom neuen Senat, mehr Lehrkräfte ausbilden zu lassen. Das Ziel, jährlich 2.000 angehende Lehrerinnen und Lehrer an den Universitäten auszubilden, sei noch nicht erreicht. Derzeit seien es 900 pro Jahr; gebraucht würden eigentlich 3.000. Auch Seiteneinsteiger müssten besser qualifiziert werden.

Sendung: Abendschau, 02.10.2021, 19:30 Uhr

29 Kommentare

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  1. 29.

    Also mich überrascht diese Erkenntnis in keinster Weise. Ich war sehr viele Jahre Elternsprecherin und auch im Elternrat. Und ich kann sagen, dass dieser Umstand nach den Ferien immer, wirklich immer, so war. Es hat sich in all den Jahren eher verschlimmert als verbessert!

    Unser Schulsystem ist bis zur kleinsten Ecke marode kaputt gespart.

  2. 28.

    Die Lehrkräfte arbeiten regelmäßig viel mehr als viele Nichtwissende.

    Anscheinend sind dann die Familienangehörigen(1 Haushalt) unserer Bekannten auch alles Nichtwissende. Die bekommen anscheinend nichts von den vielen Tätigkeiten außerhalb der Schulzeit mit. Im übrigen konnte diese nach 18 Jahren Elternzeit wieder problemlos in den Beruf zurück, während jeder Arbeitnehmerin nach 3 Jahren vom Jobcenter jegliche Berufserfahrung abgesprochen wird und einem Kurse per Zwang auferlegt werden obwohl man diese gar nicht benötigt.

  3. 27.

    Sie sollten sich zunächst mal informieren, bevor Sie hier Ihren unqualifizierten Nonsens verbreiten. 28 Stunden bedeuten Präsenz an der Schule, dort sind die stundenlangen, täglichen Unterrichtsvor- und Nachbereitungen, Elternabende, Kommunikation mit Eltern und Schülern außerhalb der Schule noch nicht enthalten. Die Lehrkräfte arbeiten regelmäßig viel mehr als viele Nichtwissende, wie Sie offenbar einer sind, deshalb sind auch die Ferien notwendig, um sich zu erholen. Ihr Unwissen bedeutet, dass Sie scheinbar Ihre Schulzeit nicht zum Lernen genutzt haben, gehen Sie zur Nachhilfe.

  4. 26.

    Ich habe bis vor sechs Jahren noch in einem anderen Bundesland gewohnt, in dem ich als Lehrerin tätig war.
    Dort war schon Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts folgender Ausspruch in Oberschulämtern, Schulämtern ... usw. im Umlauf: "Die Erziehungskraft der Elternhäuser hat nachgelassen." In meinen folgenden Dienstjahren musste ich leider noch sehr oft an diesen Ausspruch denken, weil ich ihn bestätigt fand. Ganz besonders damals, als ich nach einer Familienpause wieder in den Beruf zurückkehrte. Mein Eindruck verstärkte sich, dass Eltern leider immer weniger Interesse an der Erziehung ihrer Kinder und an der Beschäftigung mit ihnen haben. Ganz krass zeigte sich dies mir, als wir im Ruhestand nach Berlin gezogen sind und nun in einer Wohnanlage mit vielen jungen Familien leben.
    Die Kleinen beshäftigen sich im Hof, die Mütter sitzen dabei und - es sind keine Einzelfälle - sie beschäftigen sich nicht mit ihren Kindern, sondern mit ihren Smartphones. Schon einjährige Kinder werden morgens schlafend zur Kita getragen.
    Die etwas älteren Kinder werden morgens in die Kita gebracht, wo sie auch zu Mittag essen. Gegen Abend werden diese Kinder aus der Kita abgeholt, dann lässt man sie draußen spielen. Danach wird zu Abend gegessen und anschließend werden sie schlafen gelegt. Wann findet da ein Familienleben mit Erziehungsarbeit statt?
    In der Schulzeit geht das so weiter. Anstatt die englischen Vokabeln selbst abzufragen, engagieren hier einige Eltern gerne einen pensionierten Lehrer, der sich um das Kind kümmern soll. Zum Schwimmenlernen schickt man das Kind am liebsten in einen Spezialkurs, anstatt dies dem Nachwuchs am Wochenende selbst beizubringen. Weitere Beispiele könnte ich ergänzen. Die Arbeit mit Kindern erscheint einigen Eltern als sehr mühsam und wird gerne delegiert.
    Solche Kinder, die zu wenig Erziehung im Elternhaus genossen haben und damit zu wenig Sozialverhalten zeigen, machen Lehrern die Unterrichtsarbeit unnötig schwer, weil sie die Versäumnisse der Elternhäuser nachholen müssen.
    Eltern sollten sich ruhig über ihre Pflichten informieren. Artikel 6 Absatz 2 unseres Grundgesetzes gibt darüber Auskunft.

  5. 25.

    Vielleicht sind auch als Erstes die Eltern gefragt. Sie sollten, so lange ihr Kind wach ist, ihr Handy bei Seite legen und sich mit ihrem Kind beschäftigen. Mit im reden, Brett- und Kartenspiele spielen, raus gehen, zum Elter-Kind-Turnen gehen, ins Scheimmbad gehen, usw. Die Kinder wissen, wenn sie in die Schule kommen, noch nicht einmal ihren Nachnamen, ihren Wohnort, ihr Geburtsdatum, geschweige können sich alleine an-und ausziehen. Sie wissen auch nicht wie man sich zu benehmen hat. Alles wird umher geschmissen und kaputt gemacht. Kein Respekt gegenüber dem Eigentum Anderer und überhaupt kein Respekt gegenüber anderer Menschen. Nur Kinder in die Welt setzen und weiter nichts. Dann soll sich die Kita und die Schule kümmern. Hauptsache die Familie stirbt nicht aus. Oh mein Gott!!!

  6. 24.

    https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20211002_1930/Lehrkraeftemangel.html

    Hier kann man inzwischen ein 19-sekündiges Statement von Herrn Erdmann hören; warum schreiben Sie „ Interview…“, wenn Sie es weder verschriftlichen noch verlinken noch hier auf dieser Seite einstellen?

  7. 23.

    Ich finde es sehr gut dass endlich „frischer Wind“ in die manchmal recht eingestaubte (lang- und vor langer zeit studierte) Lehrerschaft kommet. Neue Ideen, andere Herangehensweisen an das Lehren. Ich finde wir müssen die „Quereinsteiger“ unterstützen und freue mich dass zumindest so erst einmal eine recht zügige Erleichterung für die Schulen da ist.
    Den Kindern gefällt es und vielleicht kommen wir so auch endlich zu einer Veränderung im Schulsystem/ Lehrplänen, Abläufen etc! Das ist dringend zu modernisieren, wie man besonders in letzter Zeit gemerkt hat.
    Und bitte…. mehr Gemeinsamkeit- Miteinander, wie wir es auch von unseren Schülern erwarten.
    Unterrichten ist kein Zauberwerk- wenn man es mit Freude tut.

  8. 22.

    Man muss nicht studieren um Kinder das mitzugeben was sie brauchen im Leben!!!
    Sie können froh sein das es Quereinsteiger gibt denn ohne sie hätten Sie noch mehr zu tun in ihrem Job! Zudem das ganze Schulsystem sehr zu überdenken ist es so weiter zu vermitteln wie es heute ist. Ich bin dafür mehr Erzieher an Schulen einzusetzen diese eine Lehrer an der Seite stehen dieser kann gerne Quereinsteiger sein.

  9. 21.

    Vielleicht könnte man "Kulturbeauftragte" in den Schulen einstellen. Die organisieren Weihnachtsfeiern, Sommerfeste, Projektwochen, Elternnachmittage, Schülerzeitung, Konzerte, Klassenfahrten, Ausflüge und sind Begleiter. Dann können sich die Lehrkräfte mehr auf ihre Kernaufgaben konzentrieren!!

  10. 20.

    Interessant : Die Hasskommentare im lockdown und bei Corona-Maßnahmen gegen die Lehrerschaft und sich jetzt über Lehrer-Burnout wundern.

  11. 19.

    Mit einer wtl. Arbeitszeit von aktuell 28 Std. ist noch viel Luft in der Erhöhung der AZ. Auch über die Anzahl der Ferientage ergibt sich einiges an Potential. Was also soll das Gejammer?

  12. 18.

    Wenn man jetzt noch die wirklich untauglichen Quereinsteiger hinzuzählt haben wir mit Sicherheit mehr als 1000 unbesetzte Planstellen. Damit meine ich nicht, das jeder Quereinsteiger eine Fehlbesetzung ist, viele allerdings doch.

  13. 17.

    Mir tun jeden Tag die Kinder leid... In unserem Lehrerzimmer sitzen eine Menge Kollegen, die haben früher Kaffee to go verkauft oder im Büro gearbeitet. Von Entwicklungspsychologie oder Erziehungswissenschaft haben die noch nie was gehört, werden aber täglich auf unsere (Grund-)Schüler losgelassen. Ich habe mal so richtig an einer Universität Lehramt studiert, bin aber nicht verbeamtet worden. War politisch nicht gewollt. Wenn jetzt demnächst die neueingestellten "Lehrkräfte" möglicherweise bei vollem Gehalt wieder verbeamtet werden sollten, verabschiede ich mich in die innere Immigration. DANKE für nichts, Politik!

  14. 16.

    Die GEW hat hier bestimmt die treffenderen Zahlen. An meiner Schule (Gymnasium in Spandau) ist der Mangel so groß, dass Stunden erkrankter Lehrkräfte nicht mehr vertreten werden können. Und die Situation verschärft sich immer weiter, da viel Mehrarbeit und Überlastung zu einem hohen Krankheitsstand führen. Die ersten Lehrkräfte stehen nicht mehr nur mit einem Bein im Burnout. Eine Problematik, die der Senat nich hören will und schlichtweg ignoriert. Es wurde sogar explizit von einer Mitarbeiterin des Senats gesagt, es ginge aktuell nur um die Schüler und nicht um die Gesundheit des Personals. Wer möchte unter diesen Bedingungen den noch gerne Lehrer werden?

  15. 15.

    Die GEW und ihr Sprachrohr Tom Erdmann und ihre Forderung mehr Lehrkräfte an Berliner Universitäten auszubilden ist nur noch lachhaft.
    Zum einen würden sich alle anderen Bundesländer - in denen die Lehrkräfte noch verbeamtet werden - bei den Berliner Universitäten mit Kusshand bedanken, da sie noch mehr voll ausgebildete Lehrkräfte aus Berlin mit wesentlich besseren Gehalts- und Umfeldkonditionen abwerben könnten was zur Folge hätte, dass Berlin mal wieder nicht für sich sondern für andere Bundesländer mehr Lehrkräfte ausbildet und zum anderen ist es wirklich traurig, dass die GEW als Gewerkschafter es bis heute leugnet, dass eine - wieder -Verbeamtung von Lehrkräften in Berlin definitiv helfen würde, die Situation zumindest von dieser Seite aus zu beruhigen. Die GEW ist zu einer reinen Scheingewerkschaft verkommenen die die Realität ausblendet und mit hirnrissigen Argumenten und Vorgehensweisen versucht, die real existierenden Problemfelder zu benennen. Ideologisch halt!!

  16. 14.

    Wie ist so viel strukturelle Doofheit nur zu erklären? Und dass diese sich immer wieder durchsetzt? Vor Jahren hat der Senat begonnen, Schulen zu bauen und ich fragte mich damals schon, wo die ganzen Lehrer herkommen sollen. Weshalb konnte sich Frau Scheeres immer wieder durchsetzen mit soviel Unfähigkeit? Wie ist so etwas möglich?

  17. 13.

    Juhu, da freuen sich aber die anderen Bundesländer, wenn Berlin noch mehr Lehrer für sie ausbildet! Was für ein bescheuerter Vorschlag der GEW ohne hirn und Verstand. Als wenn diese Maßnahme das Lehrer Problem in Berlin lösen würde!

  18. 12.

    Die GEW fordert mehr Lehrerinnen auszubilden.
    Das ist toll! Wohin gehen dann die ausgebildeten Lehrkräfte? Nach Brandenburg, Hamburg, Bremen usw. Was ist da nochmal anders? Ach ja es gibt dort die Verbeamtung. Jetzt soll Berlin auch noch zum Ausbildungszentrum für Deutschland werden. Gute Idee. Verbeamtung jetzt! Damit unsere Kinder wieder ausgebildete Fachkräfte an ihren Schulen haben, damit Chancengleichheit herrscht und Berlin irgendwann mal aus dieser Bildungsmisere rauskommt. Peinlich!

  19. 11.

    Wer glaubt den noch den Zahlen von SenBJF und von Frau Scheeres? Den BVV-Ausschüssen der Bezirke werden sehr transparent durch die Schulaufsichten die offenden Lehrerstellen benannt. Ebenso ist transparent, wie viele der eingestellten Lehrkräfte gerade in den genannten Bezirken keine ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer sind. An Grundschulen sind oft 2/3 Seiten- und Quereinsteiger.

    Frau Scheeres und ihre Staatssekretärin Frau Stoffers kennen diese Zahlen. Aber gute Presse sind ihnen wichtiger. - Man kann nur auf einen totalen Neuanfang bei SenBJF nach diesen Wahlen hoffen...

  20. 10.

    Was sehr wichtig ist, ist der Respekt gegenüber Erwachsenen. Diesen haben viele nicht vom Elternhaus mit bekommen. Zudem es Lehrerinnen schwerer haben als Lehrer sich durchzusetzen, das viele Kinder mit Migration dies nicht so sehen. Der Lehrer ist für die Bildung verantwortlich nicht für die Erziehung, dies müssen die Eltern mitgeben. Man merkt das es an allem in Berlin fehlt und wenige sollen es ausbaden. Dies nenne ich ein totalversagen der Politik!!! Rot rot grün und die Eltern wählen sie dieses Jahr wieder Lach!!!

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