Fast 30 Berliner Schulen betroffen - Berliner Lehrkräfte streiken für kleinere Klassen

Die GEW - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft - hat die Lehrkräfte an Berliner Schulen zum Streik aufgerufen . Mit einem Fahrradkorso am Oranienplatz demonstrieren die Lehrer für kleine Klassen und bessere Gesundheitsvorsorge. (Quelle: imago images/B. Friedel)
Audio: Inforadio | 04.10.2021 | Kirsten Buchmann | Bild: imago images/B. Friedel

Es geht nicht um Geld, sondern um Entlastung: Die Bildungsgewerkschaft GEW hat an rund 30 Berliner Schulen Lehrkräfte zum Streik aufgerufen. Das Ziel: Kleinere Klassen. Laut Gewerkschaft haben sich 500 Lehrkräfte aus fast 30 Schulen beteiligt.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat Lehrkräfte an rund 30 ausgewählten Berliner Grund- und Oberschulen für Mittwoch zu einem Warnstreik aufgerufen. Laut GEW-Angaben beteiligten sich bis zum Mittag über 500 Lehrkräfte an der Aktion.

Ziel sei, in einem Tarifvertrag eine Verkleinerung der Klassen festzuschreiben, teilte die Gewerkschaft mit. Durch eine geringere Arbeitsbelastung solle so zum Gesundheitsschutz der Lehrer und Lehrerinnen beigetragen werden.

Archivbild: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Kita haben sich vor einem Streiklokal eingefunden. Die Streikenden folgen einem Aufruf der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). (Quelle: dpa/B. Wüstneck)
Bild: dpa/Wüstneck

Betroffen sind unter anderem die Willy-Brandt-Schule, das Rosa-Luxemburg-Gymnasium, das Kant Gymnasium, die Karlsgarten-Schule und die Virchow-Oberschule. Eine vollständige Liste aller am Streikaufruf beteiligten Schulen hat die GEW auf ihrer Webseite aufgelistet [gew-berlin.de].

Laut GEW waren bereits im Juni die zuständigen Senatoren dazu aufgefordert worden, Tarifverhandlungen über einen "Tarifvertrag Gesundheitsschutz" aufzunehmen. Dies allerdings habe der Finanzsenator abgelehnt. "Daher bleibt als nächster Schritt nur die Möglichkeit, mit einem Warnstreik Druck auf den Arbeitgeber auszuüben", so die Gewerkschaft.

GEW setzt auf die Solidarität der Eltern

"Uns ist bewusst, dass der Unterrichtsausfall der letzten Monate durch Corona für die Familien eine enorme Belastung war", sagte der GEW-Vorsitzende Tom Erdmann. Gleichzeitig bat er die Eltern um Solidarität, da auch ihre Kinder von kleineren Klassen profitieren würden.

Während des Warnstreiks zogen die Lehrkräfte mit einer Fahrrad-Demonstration vom Oranienplatz in Kreuzberg entlang der Parteizentralen von Grünen, FDP und Linken bis zur Zentrale der Berliner SPD im Wedding.

Sendung: Inforadio, 06.10.2021, 07:00 Uhr

25 Kommentare

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  1. 25.

    Die Lehrer*innen haben’s gerade nötig, weil viele - nicht alle - sich so besonders gut und flexibel um ihre SuS „gekümmert“ haben.

  2. 24.

    Liebe Karin, Ihre Definition bzw. die von von Ihnen beschriebenen Kriterien für das Beamtenverhältnis sind schlicht falsch.
    Lehrer sind Landesbeamte, sie können nur landesweit versetzt werden. Bundesweit können nur Bundesbeamte versetzt werden - das betrifft aber keine Lehrer.
    Da Landesbeamte dem Landesrecht unterliegen, ist es völlig irrelevant, ob es in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Rahmenpläne, Schulformen etc. gibt.
    Staatliche Abschlüsse, Versetzungen oder eben Nicht-Versetzungen etc. sind klassische "Eingriffsverwaltung" und damit hoheitliche Aufgaben. Gegen Zeugnisnoten und die Nichtversetzung kann auch ganz regulär ein Widerspruch (wie bei einem Bescheid) eingelegt werden....
    Aber Sie haben natürlich Recht, dass hoheitliche Aufgaben an natürliche oder juristische Personen übertragen werden können, vgl. Schornsteinfeger, TÜV oder Mauteinzug.
    LG

  3. 23.

    Liegt diese mögliche "Überforderung" am Lernsystem oder ist es vielmehr das private Umfeld oder der soziale Mikrokosmos der Kiez-Kidz, der die Umsetzung des Lehrstoffes behindert oder nahezu unmöglich macht? Generell machen kleine Klassen Sinn. Es ist meist ruhiger, die Schüler können sich besser konzentrieren, es ist ggf. auch für die Lehrkraft mehr Zeit da, auf einzelne besser eingehen zu können.

  4. 22.

    Sie kennen keinen, der sich totgearbeitet hat…

    Ich arbeite aber täglich mit welchen, die am Limit sind und das liegt an der knappen Personalausstattung und den schwierigen Rahmenbedingungen.

  5. 21.

    Als Fördermitglied eines Gymnasiums weiß man: der Streik-Erfolg wird klein sein, weil die Beamten nicht streiken dürfen. Kleinere Klassen ist für die Bildung eher eine Binsenweisheit. Die Lehrerschlüssel sind dem anzupassen und die "abgesaugten" Lehrer in der Verwaltung, am besten mit den Bürolüftungsgeräten, "an die Front" zurückzuschicken. Und für die Leugner der hohen Belastung: Unterricht von 4-6 h/d = 8- 12 h Arbeitszeit/d; außerhalb der Ferien wird das Wochenende durchgearbeitet und das Licht im AZ geht zu oft erst in der Nacht aus, und die sozialen Betreuungsgespräche/Telefonate sind nicht mitgerechnet. Obwohl die Ferien keine Urlaubszeit sind, hat man den Eindruck, dass diese "rausgearbeitet" werden.

  6. 20.

    Wie viele Lehrer kennen Sie denn gerade für so eine generalisierende Aussage? Gilt Ihr Kommentar für Grundschullehrer*innen oder Oberschullehrer*innen?

    Mir kommt der Verdacht, dass Sie wenig Ahnung haben, was das Management des Unterrichtsprozesses und der inklusive Ansatz an Berliner Schulen für zusätzliche Aufgaben mit sich bringen.

  7. 19.

    "...Achso? Den Kindern lesen, schreiben und rechnen beizubringen ist also keine hoheitliche, sprich staatliche, Aufgabe?..."

    Ich sage auch nein. Ganz einfach deshalb, weil jedes Bundesland zum Thema Bildung sein eigenes Süppchen kocht. Erst wenn die Schulbildung bundesweit einheitlich geregelt werden würde - gleiche Lehrpläne, Personalschlüssel etc. - könnte über eine Verbeamtung der Lehrer/Lehrerinnen diskutiert werden. Beamte müssen nämlich auch bundesweit nach Bedarf einsetzbar sein, ob sie wollen oder nicht. DAS ist ein Beamter. Ich habe eine Lehrerin in meinem Bekanntenkreis, Mitte 40. Seit 20 Jahren unterrichtet sie 4. u. 5 Klassen in Treptow/Köpenick. Überlastet? Überhaupt nicht. Vieleicht liegt es aber auch daran, dass sie weiß, wie man Kinder unterschiedlicher Migration motivieren kann.
    Und: Niemand auf dem privaten Arbeitsmarkt hat soviel Freizeit wie sie.

  8. 18.

    In Berlin gehören Schule und Bildung nicht zu den wichtigen, geschätzten Aufgaben der Politik. - Schule wird in Berlin seit über 50 Jahren permanent und ausgiebig reformiert und umgebaut. Die Wertschätzung gegenüber Lehrern und Erziehern, egal ob verbeamtet, in Ausbildung oder angestellt, war und ist von Neid, Überheblichkeit, Missachtung und Geringschätzigkeit bestimmt. Da waren und sind, sich Berliner Politikierer immer einig, völlig unabhängig von Farbe, Sozialisierung und Ideologie. Alte-Weiße-Berliner-Menschen kennen und ertragen Das.
    Weil Niemand den Kindern, den 10-jährigen Windmühlen-Krieg zumuten Will, Darf und Kann.
    Bildung ist Grundrecht in Deutschland, in Berlin immer nur Fußmatte.

  9. 17.

    Hmm und wer Backt die ganzen Lehrer und wer baut die Räume dafür?

    Ich würde es toll finden, wenn es kleinere Klassen geben würde, damit Schüler und Lehrer besser lernen können.

    Aber sowas als Tarifbedingung zu machen finde ich schwierig. Sowas wäre ja eher ein Mittel- Langzeitprojekt.

  10. 16.

    Wer der Meinung ist, das lernen in einer Klasse mit 24 Schülern/Schülerinnen , ist positiv für Kinder, der irrt dich. Am Beispiel Brennpunkt- Kiez , zeigt sich, dass viele Kinder mit dieser Situation überfordert sind.

  11. 15.

    "Eltern würden hier verbeamtete Lehrer schätzen, denn diese dürfen nicht streiken..."
    ... können aber plötzlich und unerwartet an Solidarschnupfen erkranken. Letztlich profitieren die Staatsdiener u.U. von möglicherweise erfolgreich erstreikten und dringend notwendigen Verbesserungen.
    Wäre natürlich nicht "richtig", ist die "Käfighaltung" in maroden Bruchbuden aber auch nicht.

  12. 13.

    Leider sind die Forderungen völlig realitätsfern, auch wenn sie nachvollziehbar und wünschenswert wären/ sind. Mein Kind hat seit Schuljahresbeginn im August noch gar keinen Schulplatz an einer Sekundar-schule erhalten( 9. Klasse, freiwillige Wiederholung wg. Corona / von Schule in freier Trägerschaft kommend )trotz intensiver Bemühungen beim Schulamt. Lt. einem Bericht der " Berliner Zeitung " vom 05.08.2019 wurde für das Schuljahr 2021 ein Fehlbestand von ca. 23000 Schulplätzen prognostiziert! - Da hat die Politik vollkommen versagt und ich verliere langsam meinen Glauben bezüglich Verbesserungen...

  13. 12.

    Sie verwechseln staatliche mit hoheitlicher Aufgabe, das ist nicht zwingend deckungsgleich. Schulabschlüsse können nach staatlichen Vorgaben genau so gut von privaten Bildungsträgern erbracht werden und das wird es in Deutschland auch in Masse. Es gibt nicht nur freie Schulen sondern auch jede Menge privater Weiterbildungseinrichtungen. Hoheitliche Aufgabe ist nur, den Kindern Lernstoff nach staatlichen Vorgaben zu ermöglichen, sprich die Verwaltung der Schulen, nicht die Schule selbst.

  14. 11.

    Ich finde es beschämend, dass nach allem, was den Kindern und Jugendlichen bisher zugemutet wurde, nun noch weiterer Unterricht durch Streiks vorenthalten werden soll! Unfassbar eindimensionale Sicht.
    Hier geht es wohl mehr um die Profilierung von Gewerkschaften.

  15. 10.

    Eltern würden hier verbeamtete Lehrer schätzen, denn diese dürfen nicht streiken und es gäbe diesen Unterrichtsauafall jetzt nicht.
    Ich wünsche den Lehrern mit ihrem Vorhaben viel Erfolg und gönne ihnen bessere Arbeitsbedingungen von Herzen.
    Dass ein Teil der Bevölkerung keine Ahnung haben von den Belastungen im Lehrerberuf hat, kann man verschiedenen Beiträgen entnehmen.
    Dass Arbeit mit Kindern anstrengend ist, konnten Eltern während der Schulschließu gen anlässlich der Coronakrise selbst erfahren. Nicht grundlos wurde vehement nach Schulöffnungen verlangt.

  16. 9.

    Über den Sinn der Verbeamtung von Lehrern kann man sicher streiten, dass Lehrer jedoch keine hoheitlichen Aufgaben wahrnehnen, ist schlicht und einfach unwahr. Das Verleihen von staatlichen Schulabschlüssen, die auf erteilten Noten und staatlichen Prüfungen beruhen, sind hoheitliche Aufgaben!! Das Erstellen von Gutachten (Übergang GS-Sek.I) für die Zuteilung weiterführender Schulkarrieren sind hoheitliche Aufgaben!
    Angestellte sind auch nicht "flexibler disponierbar" - zumindest was die bedarfsabhängige Versetzung angeht - im Gegenteil, da sind Beamte aufgrund ihres Status' leichter "umsetzbar".
    Zu den anderen "Vorwürfen": Welche Fehler hat denn "die Lehrerschaft gemacht"? Zu wenig gestreikt? Sie kennen keinen Lehrer, der sich je "totgearbeitet" hätte? Wahrscheinlich vor allem keinen, der sich täglich mit Eltern auseinandersetzen muss, die ihre Schulzeit und das "Wohl" Ihres Kindes zum alleinigen Maßstab nehmen und meinen, die Arbeit eines Klassenlehrers mit 30 Schülern sowie weiteren 7 - 8 Klassen mit mindestens 200 Schülern beurteilen zu können!
    Wie gut die Arbeitsbedingungen sind, kann man ja allein schon daran sehen, dass - trotz anständiger Bezahlung - Zehntausende Lehrkräfte abwechselnd den Schulämtern und den Schulen "die Bude einrennen"!!

  17. 8.

    Achso? Den Kindern lesen, schreiben und rechnen beizubringen ist also keine hoheitliche, sprich staatliche, Aufgabe? Gerade dadurch dass Bildung zur Staatsaufgabe gemacht und Lehrer in diesem Zusammenhang als Staatsbedienstete behandelt wurden hat uns in unserer Entwicklung dahin gebracht, wo wir jetzt sind. Sonst säßen wir hier ohne unsere schöne moderne Technik in mittelalterlichen Zuständen.

  18. 7.

    Warum ruft die GEW nicht am FREITAG zum Warnstreik auf?
    Dann könnten die Schüler:innen zur gleichen Zeit für "Fridays for Future" demonstrieren...

  19. 6.

    Schlechte Arbeitsbedingungen für Lehrer? Ich kenne keinen Lehrer, der sich je totgearbeitet hat.

    Im Bereich der Lehrerschaft sind in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden. Es gibt auch keinen einzigen Grund, warum einige Bundesländer Lehrer verbeamten. Kein Lehrer übt hoheitliche Aufgaben aus. Nur wer hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, muss verbeamtet sein. Das trifft jedoch auf keinen Lehrer zu.
    Lehrer im Angestelltenverhältnis sind auch flexibler disponierbar.

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