Verleihung in Abwesenheit - Inhaftierter Kremlkritiker Nawalny mit Medienpreis M100 geehrt

Demonstration für Freilassung von Alexej Nawalny (Quelle: imago-images/Mihkel Maripuu)
Video: Brandenburg Aktuell | 06.10.2021 | T. Bittner | Bild: imago-images/Mihkel Maripuu

Der inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny und seine Antikorruptionsstiftung sind am Donnerstag mit dem Preis der Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium geehrt worden. Die Preisverleihung fand am Abend im Schlosstheater des Neuen Palais in Potsdam statt.

Den Preis nahm Nawalnys Mitarbeiter und Vertrauter Leonid Wolkow entgegen. "Wir sind nicht besiegt, nein, wir sind im Gegenteil sehr viel sicherer als jemals zuvor", sagte Wolkow in seiner Rede. Nawalny habe eine politische Organisation aufgebaut, die Russland durch Bildung und Aufklärung verändert habe. "Am Ende des Tages werden wir gewinnen."

Mit dem Preis solle ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der Verteidigung europäischer Werte durch eine unabhängige Opposition und Zivilgesellschaft, faire Justizverfahren und das Recht auf Ausübung grundlegender Menschenrechte gesetzt werden, hatten die Veranstalter vorab mitgeteilt.

Frühere Preisträger: Hans-Dietrich Genscher und Deniz Yücel

Bekannt wurde Nawalny durch seine Anti-Korruptions-Ermittlungen gegen staatliche Unternehmen und hochrangige Regierungsbeamte. Am 20. August 2020 wurde er vor oder auf einem Flug nach Moskau vergiftet. Er kam zur Behandlung in die Berliner Charité und kehrte im Januar 2021 nach Russland zurück, wo er sofort verhaftet wurde. Nawalny wurde dort zu zweieinhalb Jahren Straflager verurteilt.

Der M100 Media Award wird seit 2005 jährlich im Rahmen der internationalen Medienkonferenz an Persönlichkeiten verliehen, die sich für Demokratie, europäische Verständigung, Meinungs- und Pressefreiheit einsetzen. Frühere Preisträger sind der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher und der Journalist Deniz Yücel.

Sendung: Inforadio, 06.10.2021, 6 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Da Sie sich besser auskennen als unserer Behörden, können sie uns sicher sagen, ob auch andere chemischen Kampfstoffe schon verwendet haben als der Geheimdienst?

  2. 9.

    Hat Julian Assange in letzter Zeit eigentlich auch einen Preis bekommen?
    Na gut der schmorrt in einem westlichen Gefängnis. Ist also etwas ganz anderes und wer kehrt schon gerne zuerst vor der eigenen Haustür.

    Ich will damit den Fall Nawalny auch nicht bewerten,sondern eigentlich nur mal etwas Aufmerksamkeit auf unsere Probleme lenken. Wir halten doch so gerne die Fahne der Werte hoch.

  3. 8.

    Schalten Sie bitte einfach mal einen Gang runter. Wo sind die Beweise, dass der russische Geheimdienst für den Anschlag verantwortlich ist? Wie kann es sein, dass in dem Straflager mit unsäglichen Zuständen Herr Nawalny ständig ein Smartphone zur Verfügung hat und Besuch empfangen kann? Und Herr Nawalny wird in seinem Heimatland noch ganz andere Gegner haben? Und er ist nach russischem Recht verurteilt worden und nicht nach Ihren persönlichen Befindlichkeiten. Und warum soll sich die deutsche Politik um einen russischen Straftäter kümmern?

  4. 7.

    Ist denn inzwischen geklärt, welche Variante der russische Geheimdienst angewendet hat, um Navalny zu vergiften? Es gibt drei Versionen der Vergiftung von Navalny. Zuerst soll es der Tee am Flughafen gewesen sein. Dann waren es mysteriöse Wasserflaschen, und aktuell war Nowitschok angeblich in Navalnys Unterhose.

  5. 6.

    Der Medienpreis ist für seine tolle, tägliche Berichterstattung aus dem so grausamen, menschenverachtenden Straflager?

  6. 5.

    Wer in russischen Gerichtssälen, Gefängnissen und Straflagern ein Smartphone besitzen darf und damit Bilder und Kommentare um die Welt schicken darf hat diesen Preis wirklich verdient …

  7. 4.

    Als der Fall Nawalny damals aktuell war sah ich sofort bei wikipedia nach. Ein unbeschriebenes Blatt ist der mal nun nicht. Ich bin wohl auch zu dumm die Zusammenhänge zu verstehen. Aber ich hoffe auf videos, die zeigen wie es ihm derzeit geht.

  8. 3.

    Tagesspiegel vom 05.08.2021, 16:15 Uhr:
    Nawalnys Ehefrau für drei Tage zu Besuch im Straflager
    „In dem Straflager Pokrow ist alles sehr anständig, und es sieht aus wie ein Zwei-Sterne-Hotel, es gibt sogar Gemälde an den Wänden.“

    Ich hatte auch immer andere Vorstellungen von russischen Straflagern!
    Da haben wir uns wohl beide geirrt, oder?

  9. 2.

    Sehr geehrte Frau Zimnak,
    ist Ihnen schon aufgefallen, dass ihr Post vollständig ignoriert wird?
    Haben Sie sich Gedanken darüber gemacht?
    In seiner Heimat ist A. Nawalny nicht annähernd so beliebt, wie sie hier versuchen zu suggerieren. Er hetzt gegen Volksgruppen und für die These vom Giftgasanschlag benennen Sie mir doch bitte die Quellen, mit denen Sie diese Behauptungen belegen wollen.
    Wußten Sie, dass Deniz Yücel einen deutschen Ex- Politiker auf Grund einer körperlichen Behinderung beleidigt hat und von einem deutschen Gericht dafür verurteilt wurde?

  10. 1.

    Sehr geehrte Damen und Herren, ich begrüße die Preisverleihung an Alexej Nawalny, der seit jahren immer wieder inhaftiert wurde, einem Anschlag mit einem chemischen Kampfstoff durch den russischen geheimdienst zum Opfer fiel und seit Anfang dieses Jahres unschuldig eine Haftstrafe von mehreren Jahren in einem russischen Straflager verbüßen muss, die sich durch drohende absurde Verurteilungen noch verlängern wird. Was es bedeutet in einem russischen Straflager zu sein, kann sich wohl niemand von uns vorstellen. Ich wünschte mir von Seiten der deutschen Medien und der Politik weit mehr Aufmerksamkeit dem himmelschreienden Unrecht und der Willkür gegenüber, die jeden Tag aufs Neue an der russischen Opposition verübt wird, deren Vertreter sich entweder in Haft befinden, zur Emigration gezwungen oder einfach liquidiert wurden. Warum lese ich Nawalnys unlängst unter unsäglichen Bedingungen im Straflager verfasste Rede in einer amerikanischen Zeitung und nicht in der deutschen Presse?

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