Brandenburger Landtag - SPD-Fraktionschef Stohn legt sein Amt nieder

Erik Stohn, Fraktionsvorsitzender der Brandenburger SPD, spricht nach der Fraktionssitzung seiner Partei während einer Pressekonferenz. (Quelle: dpa/S. Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 05.10.2021 | M. Woller/A. Hewel | Bild: dpa/S. Stache

Im Frühjahr trat Erik Stohn als Generalsekretär der Brandenburger SPD zurück, nun legt er auch das Amt als Fraktionsvorsitzender nieder. Er wolle sich stattdessen den Koalitionsverhandlungen in Berlin widmen. Nach rbb-Informationen war Stohn nicht unumstritten.

Der Brandenburger SPD-Fraktionsvorsitzende Erik Stohn hat am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt.

Er wolle sich in Berlin in die Koalitionsverhandlungen für eine neue Bundesregierung einbringen, kündigte Stohn am Dienstag an. "Die SPD hat in Brandenburg und in Ostdeutschland ein sehr gutes Wahlergebnis erzielen können", sagte er zur Begründung. Daraus ergebe sich eine besondere Verantwortung: "In den Koalitionsverhandlungen muss soviel Osten stecken wie noch nie." Dabei gehe es insbesondere darum, für die Lausitz das Kohleausstiegsgesetz mit guten Bedingungen umzusetzen.

Parlamentarischer Geschäftsführer Keller soll übernehmen

Er habe der Fraktion am Dienstag den Parlamentarischen Geschäftsführer Daniel Keller als seinen Nachfolger vorgeschlagen, sagte Stohn. Die Fraktion habe dies wohlwollend aufgenommen. Die Wahl von Keller solle in einer Fraktionsklausur erfolgen. Ein Zeitpunkt dafür nannte Stohn nicht. Keller erklärte, zunächst müssten Gespräche auch über die Nachfolge für sein Amt geführt werden. Der 35-Jährige war erst 2019 in den Landtag eingezogen.

Nach rbb-Informationen waren Teile der Brandenburger SPD bereits seit längerer Zeit mit der Arbeit von Stohn als Fraktionsvorsitzendem unzufrieden. Kritik soll es vor allem an Stohns Verlässlichkeit und an seiner "Performance als Fraktionsvorsitzender" gegeben haben. Insbesondere Stohns designierter Nachfolger Keller soll Stohn seinen Posten schon länger streitig gemacht haben.

Kürzlich soll Keller angekündigt haben, bei der Wahl des Fraktionsvorsitzenden auf der SPD-Herbstklausurtagung in wenigen Wochen gegen Stohn antreten zu wollen. Um einer möglichen Abwahl entgegenzukommen, hat sich Stohn nun offenbar entschieden, selbst Keller als seinen voraussichtlichen Nachfolger zu präsentieren und eigene Ambitionen in Berlin zu verkünden.

Rückzug auch als Generalsekretär

Zu seiner neuen Rolle in Berlin wollte sich Stohn nicht konkret äußern. Er werde sich in enger Abstimmung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in den kommenden Wochen "intensiv kümmern", erklärte er. "Und dann schauen wir mal. Und zu gegebener Zeit gibt es wieder was mitzuteilen."

In der Zeit von 2017 bis 2021 war Stohn nicht nur Fraktionschef, sondern auch Generalsekretär des SPD-Landesverbandes. Im Februar erklärte Stohn, nicht wieder als Generalsekretär anzutreten, um sich auf das Amt des Fraktionsvorsitzenden konzentrieren zu können. Vor dem Bundestagswahlkampf 2021 hat er dieses Amt abgegeben, weil er sich auf das Amt des Fraktionsvorsitzenden konzentrieren wolle. Er wolle nicht an einem Tag "scharfzüngig die Mitbewerber bewerten" und am anderen Tag "Kompromisse suchen", hatte er im Februar in einem Interview mit den "Potsdamer Neuesten Nachrichten" gesagt.

Sein Nachfolger, David Kolesnyk, trat mit dem erklärten Ziel an, die SPD im Wahlkampfjahr als Heimat für alle Brandenburger zu positionieren.

Sendung: Brandenburg aktuell, 05.10.2021, 19:30 Uhr

12 Kommentare

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  1. 12.

    Wer gibt schon seinen sehr gut bezahlten Posten auf, wenn er nicht weiß, wo der Weg hin führt?

  2. 11.

    Ich werde Herrn Stohn schmerzlich vermissen. Er hat so viel Herausragendes für das Land Brandenburg getan, oder auch nicht. Und wieder eine Personalie in der SPD, der die Treppe rauffällt. Aber so ist das bei der alten Dame SPD.

  3. 10.

    Hallo Tina! Der Unterschied zwischen "Schweiß" und "Schweißer" ist Dir aber schon geläufig?

  4. 9.

    Ja, liebe Tina, man muss keinen Berufsabschluss haben um Politiker zu werden. Bei den Grünen Ist das ja Gang und gäbe.

  5. 8.

    So-so; aber nichts neues. Auffallend ist nur die geringe Lebenserfahrung vieler Parteileute und die fehlende Wertschätzung ehrlicher Arbeit. Wo kommen denn die vielen Probleme her, die letztlich nur durch Streiks Gehör finden ?

  6. 7.

    Anstatt hier pseudo-investigative Fragen zu stellen, hätten Sie mit Startpage, Wikipedia o.ä. suchen können. Alle Abgeordneten und die meisten Menschen in Parteiämtern legen ihren Lebenslauf offen. Und es muss auch nicht jede für die Menschwerdung Schweißer lernen. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft.

  7. 6.

    Seine soeben im rbb abgegebene Erklärung klingt unehrlich und unaufrichtig. Ehrlicherweise habe ich auch nichts anderes von dem Mann erwartet. Ganz sicher wird er nicht arbeitslos werden sondern, wie üblich in den Parteien nach oben fallen. Irgendwo wird es schon ein Pöstchen geben. Gut daran ist, es gibt einen Schwätzer weniger.

  8. 5.

    Hat der mal einen "gewöhnlichen" Beruf gelernt ? Oder ist der wie heute üblich ein mehrfach nachbesohlter Parteikader ? Wie kann dieser Typ je die Bürger verstehen, die täglich für Mindestlohn schuften ? Ein richtiges Industriepraktikum mit Schweißbildung könnte den für die wahren Begebenheiten sensibilisieren.

  9. 3.

    Als gelernter Ossi und Skeptiker frage ich mich ob der Typ doch nur an seine Zukunft denkt. Eines steht doch fest: Wir glaubten jetzt wollen bessere Menschen mit regieren. No no no. Politik ist heute noch lohnender als ehrliche Arbeit. Man darf ja mal seine Meinung sagen ? Natürlich sind wahre Könner kaum in der Politik zu finden. Wer was kann, der leistet etwas mehr als andere.

  10. 2.

    Sie hatten ein zwei Worte vergessen:
    "oder ob er sich 'wie bisher' nur für Potsdam und Umfeld arrangiert"

  11. 1.

    Na, dann bin ich mal gespannt ob der Nachfolger sich für ganz Brandenburg ins Zeug legt oder ob er sich nur für Potsdam und Umfeld arrangiert

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