Vertrag unterzeichnet - Land Berlin übernimmt ab 2023 das Management der Ampeln

Do 04.11.21 | 16:23 Uhr
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Ampel in verschiedenen Farben in Berlin (Bild: imago images/Sabine Gudath)
Audio: Inforadio | 04.11.2021 | Sabine Müller | Bild: imago images/Sabine Gudath

Mehr Rechte für Fußgänger und Radfahrer, weniger Raum für Autos: Der Berliner Verkehr verändert sich und stellt die Ampeln in der Stadt vor neue Herausforderungen. Deren Management übernimmt bald wieder das Land.

Das Land Berlin betreibt ab 2023 seine mehr als 2.100 Ampeln wieder in Eigenregie. Seit dem Jahr 2006 ist die privat betriebene Alliander Stadtlicht GmbH mit dieser Aufgabe betraut – in zwei Jahren wechselt die Zuständigkeit in die Hände der landeseigenen Grün Berlin GmbH. Der entsprechende Vertrag wurde am Donnerstag unterzeichnet, wie beide Unternehmen mitteilten.

Damit rekommunalisiert das Land Berlin einen wichtigen Teil seines Verkehrsmanagements: Planung, Bau, Modernisierung, Betrieb und Wartung der Ampelanlagen in Berlin soll künftig die neu zu gründende Grün-Berlin-Tochter GB infraSignal GmbH übernehmen.

Senatorin verweist auf Mobilitätsgesetz

Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) sieht in dem Schritt einen entscheidenden Beitrag zur Beschleunigung der Mobilitätswende: "Moderne Ampelschaltungen sind eine entscheidende Stellschraube, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den Umweltverbund aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Nahverkehr schnell noch attraktiver zu machen. Zugleich bringen wir auf diese Weise den Klimaschutz voran", teilte sie am Donnerstag mit.

Mit der Rekommunalisierung solle auch die gesetzlich festgeschriebene Mobilitätswende gesichert werden, so die Senatorin. Die Anforderungen an das Management der Ampel-Infrastruktur seien zuletzt stetig gestiegen, gerade wenn es um den Schutz von Fußgängerinnen und Fußgängern, Radfahrenden sowie zur ÖPNV-Beschleunigung gehe. Für die Transformation Berlins zu einer Stadt der Verkehrswende sei der effiziente Aus- und Umbau der Lichtsignalanlagen "essenziell", so Günther.

Von der Alliander AG, dem Mutterunternehmen der Alliander Stadtlicht GmbH, hieß es, man unterstütze und begrüße den Wechsel beim Ampelmanagement. "Aufgrund der immer komplexer werdenden Anforderungen an den Schutz Kritischer Infrastrukturen und der notwendigen Umsetzung einer nachhaltigen Verkehrswende gehören Lichtsignalanlagen in die Hände der Stadt", teilte der CEO des Unternehmens, Frank Zeeb, am Donnerstag mit.

Mehr als 3.000 Totalausfälle vor einem Jahr

Bereits im September hatte ein Sprecher der Verkehrsverwaltung die Rekommunalisierung des Ampel-Managements angekündigt. Auch er verwies auf die gestiegenen Anforderungen an die Lichtsignalanlagen durch das Mobilitätsgesetz, darunter der barrierefreie Ausbau von Verkehrswegen. Zudem schreibt das Gesetz vor, dass Busse, Bahnen und Radfahrende bei der Ampelschaltung Vorrang haben. Außerdem kritisiert die Verkehrsverwaltung seit langem zu kurze Grünphasen für Fußgänger.

Nach jüngsten Angaben der Senatsverkehrsverwaltung gibt es derzeit insgesamt 2.135 Ampeln in Berlin. Doch nicht immer funktionieren sie: Im Jahr 2020 gab es 3.160 Totalausfälle, bis September diesen Jahres knapp 2.000, wie es in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (fraktionslos) aus dem Juli heißt. Demnach dauerte es im Vorjahr durchschnittlich acht Stunden und 19 Minuten, bis ausgefallene Ampeln wieder blinkten.

Als Gründe für defekte Ampeln nannte die Senatsverkehrsverwaltung den Ausfall von Bauteilen, Beschädigungen etwa nach Unfällen, eindringendem Regen und Netzschwankungen.

Sendung: Abendschau, 04.11.2021, 19:30 Uhr

44 Kommentare

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  1. 44.

    Danke für diesen Beitrag! Genauso sehe ich es an etlichen längeren Straßen. Würden die Leute die vorgeschriebene Geschwindigkeit fahren, würden sie viel öfter in den Genuss einer grünen Welle kommen.

    Gerade an der Heerstraße jeden Tag zu beobachten. Die Menschen sind einfach nicht in der Lage bei ihren 50 km/h zu bleiben und wundern sich dann, dass sie an jeder Ampel halten müssen. Mein Mann und ich (jeden Tag Heerstr.) haben dieses Problem so gut wie nie - nur leider, wenn sich die anderen eben nicht an die Geschwindigkeit halten.

  2. 43.

    War da der Zustand der Stadt Berlin auch schon so marode?
    Schon damals wurde sie von der Bonner Regierung gepampert und das würde genüsslich ausgelebt.
    Heute ist es nicht anders. Nur die Selbstsucht, die Arroganz, die Selbstverliebtheit und das Unvermögen der verantwortlichen Politiker ist unerträglich geworden.
    War das 1980 auch schon so?
    Erzählen Sie, waren Sie dabei?

  3. 42.

    Ich hab meistens grüne Welle. Das mache ich einfach wie ich es mal in der Fahrschule gelernt habe: Vorausschauend fahren und die Geschwindigkeit anpassen. Das heißt dann halt dass man nicht 65 fährt wenn man schon sehen kann, dass man die nächste Ampel nicht bekommt, sondern vielleicht auch mal nur 35. So komme ich mit meinem alten Saugdiesel auf unter drei Liter in der Stadt.

  4. 41.

    Kann mir alles egal sein, ich fahre sowieso nicht mit dem Auto nach Berlin rein. Es gibt am Kronprinzessinnenweg einen Parkplatz, der nicht mal was kostet, von da sind es nur ca. 500m bis zum nächsten S - Bahnhof. Kann man gut laufen und dann stressfrei mit der S - Bahn in die City fahren.

  5. 40.

    Der Senat sollte mal lieber das Management über die Kliniken statt über die Ampeln übernehmen. Das wäre viel dringlicher.

  6. 39.

    "Land Berlin übernimmt ab 2023 das Management der Ampeln"

    Hurra!!! Dann wird alles super und besser... genauso super wie die gesamte Verwaltung in Berlin arbeitet.
    Tipp an alle Verkehrsteilnehmer: Schon mal online Auffrischungskurse machen, wie das noch mal ging mit den Schildern und der Vorfahrt an Kreuzungen ohne Ampeln. ;-)

  7. 37.

    Straßenbahnen verfügen oft über eigene Ampeln die auch weiterhin bevorzugt werden. Das Selbe wäre für Busse wünschenswert aber wie lässt sich das überhaupt realisieren?

    Außerdem, es wird hier gemeint das die Autos am schnellsten verschwinden bei Grünphasen.
    Ich denke es ist andersherum, wenn Autofahrer noch ineffizienter durch die Innenstadt kommen, sind sie bald langsamer als die Öffis, wer nichts transportieren muss sollte schnell auf die Idee kommen das Sie anders billiger, sauberer und endlich schneller ans Ziel kommen.
    Das Auto kann mal stehen bleiben, nicht jede Fahrt muss mit dem Auto stattfinden.

  8. 36.

    "Mehr als 3.000 Totalausfälle vor einem Jahr"
    Wetten, dass ....?? diese Zahl getippt wird?
    Wie schon von Einigen geschrieben wurde, hat RRG oder was jetzt etabliert werden soll, heißt dann SPD, Grüne, SED, verändern wird sich nichts.
    Die dauergriendende Master- und Doktorarbeit-Betrügerin, verspricht mit salbungsvoller und einschläfernden Stimme Versprechungen, die dann nicht gehalten werden. Dit iss Berlin.
    Digitalausbau, marode Schulen, Straßen, Parkanlagen, der BER, nicht zuletzt die angezweifelte Wahl u.v.a.
    läßt das Vertrauen schwinden.

  9. 34.

    Das Land Berlin sollte ganz dringend erst einmal die Regie für den bezahlten Dienst am Kunden Bürger ernst nehmen und dafür Sorgen, dass die Bürgerämter funktionieren. Es ist eine unglaubliche Schande wie man hier mit den Rechten der Bürger umgeht. Zu den katastrophalen Zuständen auf den Bürgerämtern und ihre katastrophalen Auswirkungen auf die Bürger habe ich bis heute noch kein Wort gehört. It's a shame!

  10. 33.

    Für was alles das Mobilitätsgesetz herhalten muss, hier sogar für den barrierefreien Ausbau. Dann wird 2023 bestimmt z.B. am Hermannplatz/Sonnenallee ganz schnell eine abgesenkte Bordsteinkante aufpoppen.

    Ansonsten hatte Günther es ja nicht so mit der UN Menschenrechtekonvention und dem darauf basierenden Bundesgesetz für die barrierefreie Ausgestaltung des Nahverkehrs. Wie so vieles schon sie das auf die lange Bank.

  11. 32.

    @3+4+7-9+22+24: Das sind Gründe, nicht mit dem Auto, sondern mit dem Umweltverbund zu fahren.

  12. 31.

    Berlin will jetzt Ampel können, hat ja schon bei Flughafen und Wahl versagt. Hoffentlich nicht noch so eine Lachnummer, weil Verkehr dann auch nicht mehr in der Haupstadt geht.

  13. 30.

    Nicht wenige "rote Wellen" gehen leider auch auf das Konto von motorisierten Kampffliegern, die unbedingt die Ersten an der nächsten Ampel sein müssen, dann dort, bei "Rot" im Weg stehend, den leidlichen Restverkehrsfluss auch noch zum Erliegen bringen. Losgefahren wird dann ala Rot, Gelb, Grün - ganz Grün. Schließlich ist man ja mit Bleifuß an der nächsten Ampel wieder der Erste. "Miss Sophie" muss irgendwo in dieser Stadt 'ne Fahrschule haben.

    ... und nein, nicht alle Radfahrer gondeln wie eine "Kamikatze" über rote Ampeln. Manche Autofahrer passen ja auch beim Abbiegen auf. Es sind nie "DIE" schuld.

    Übrigens ... grüne Welle klappt auf der Heerstr. mit einem kurzen Zwischenstopp am Theo über den ErPl bis zur Goldelse - wenn da keine Tiefflieger oder Schnarchnasen wieder zwischenhauen. Am Faktor "Mensch" wird noch manche Elektronik scheitern.

  14. 29.

    Gerade für Straßenbahnen gibt es Ampelbevorrechtigungen, die natürlich den Sinn haben, dass versprochene Fahrzeiten möglichst auch eingehalten werden können. Das sehen Sie an senkrechten und waagerechten Balken, jeweils hell vor dunklem Untergrund leuchtend.

    Voraussetzung für deren Wirksamkeit ist natürlich, dass eigene Fahrtrassen zumindest an einschlägigen Stellen existieren, die vor Überfahrbarkeit geschützt sind. Das ist beim Rasengleis und beim Schottergleis der Straßenbahn besser gewährleistet als bei Asphalt beim Bus.

  15. 28.

    Auch wenn ich nicht angesprochen bin:

    1. Verkehr ist die Gesamtheit des Verkehrs, nicht nur der Autoverkehr. Von daher ist der Stau des Autoverkehrs ein Unterproblem, das mit der Attraktivitätssteigerung anderer Verkehrsarten abgewogen werden muss.
    2. Die beste Art, Stau auf Autofahrbahnen zu vermeiden, ist nicht, anderen Verkehrsarten deren Grün streitig zu machen, sondern die Fahrbahnen weniger mit Autos zu belegen.
    3. Die Entscheidung liegt mithin bei jedem einzelnen Menschen. Und es ist Aufgabe der Gewählten, diese VerkehrsmittelWAHL zu ermöglichen. Das geht eben (nur), wenn eine einzige spezifische (Unter-)Verkehrsart nicht alle anderen an der Entfaltung hindert.
    4. Jahrzehntelang wurde das missachtet. Es bleibt mithin unerhört viel zu tun, das Schiefgelaufene von mehreren Jahrzehnten Schritt für Schritt - und das meine ich doppeldeutig - zu ändern. In Potsdam wie in Berlin.

  16. 27.

    Darüber brauche ich nicht nachdenken, wenn ich in Stau stehe, weil ich beruflich auf das AutO angewiesen bin und nicht mir von Leuten erklären lassen muss, das ich Radfahren soll, die nichts über meinen beruflichen Hintergrund wissen, hätte ich nur einen Bürojob oder eine feste Arbeitsstelle, nehme ich gern Ihren Gedankengang mit. Aber solange Leute Dienstleistungen in Anspruch nehmen, dessen Mobilität vorausgesetzt wird, bitte nachdenken und nicht nur seine Sichtweise sehen. Mit freundlichen Grüßen

  17. 26.

    Fakt ist, je länger ein Auto steht je mehr Abgas im Stau. Ein Katalysator arbeitet auch erst ab einer bestimmten Temperatur und Geschwindigkeit. Gruene Welle wäre ideal, gab es früher auch an verschiedenen Stellen in der Stadt. Wenn intelligent angelegt kann man auch die Fussgaengerintervalle ausreichend anpassen,Radfahrer fahren eh bei jeder Farbe. Auch bei Rot. Ob allerdings eine staedtische Instanz das schafft steht auf einem anderen Blatt.

  18. 25.

    Aber Busse und Strassenbahnen müssen dann auch lange an der Ampel warten. Ist das gut für den Fahrplan?

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