Pläne von Bund und Ländern - Patientenschützer gegen 2G-Regel in Pflegeheimen

Mi 03.11.21 | 10:23 Uhr
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Eine Frau erhält in einem Pflegeheim ihre Corona-Impfung (Bild: dpa/Jean-Francois Badias)
Bild: dpa/Jean-Francois Badias

Bund und Länder wollen bei ihrem nächsten Treffen über die 2G-Regelung in Pflegeheimen sprechen. Die Stiftung für Patientenschutz findet den Vorstoß unverantwortlich. Er treibe einen Keil zwischen Angehörige und Bewohner.

Wenn die Berliner und Brandenburger Gesundheitsminister zur Tagung mit Bund und Ländern am Donnerstag und Freitag zusammenkommen, steht auch das Thema 2G in Pflegeheimen auf der Agenda. Den Plan der Gesundheitsminister, in Pflegeheimen das 2G-Modell zu ermöglichen, kritisieren Patientenschützer jedoch scharf.

Das sei unverantwortlich, sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (RND).

Niemand könne ein Interesse daran haben, auf diese Weise einen Keil zwischen Angehörige und Bewohner zu treiben. "Ein selektives Betretungsverbot darf es für die 12.000 Heime nicht geben", forderte er. Bei der 2G-Regel haben nur geimpfte oder genesene Personen Zutritt zu Innenräumen von beispielsweise Pflegeheimen, Kultureinrichtungen, Gastronomie oder Krankenhäusern.

Verbandsvertreter fordert verpflichtende tägliche, kostenlose Tests

Stattdessen seien die Gesundheitsminister bei ihrer Konferenz am Donnerstag und Freitag aufgefordert, Beschlüsse für den Corona-Schutz und gegen die Isolation von 900.000 Pflegeheimbewohnern zu fassen, sagte Brysch. Konkret fordert er verpflichtende tägliche und kostenlose Tests für alle Mitarbeiter, Besucher und Bewohner. Diese Regelung müsse auch für Geimpfte und Genesene gelten, sagte Brysch.

"Sonst gelingt es nicht, das Virus vor der Einrichtung zu stoppen." Er forderte die Minister zudem auf, einen verbindlichen Fahrplan für die Boosterimpfungen der 4,2 Millionen Pflegebedürftigen vorzulegen. Sie müssten alle bis Ende November ihre Auffrischimpfungen erhalten haben, sagte der Verbandsvertreter.

Werbellinsee: Zwölf Tote im Pflegeheim

Im Beschlussentwurf für die Tagung der Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Donnerstag und Freitag in Lindau heißt es laut Bericht: "Den Ländern bleibt es unbenommen, für Besucherinnen und Besucher von Pflegeeinrichtungen die sogenannte 2G-Regel vorzusehen."

Einige Bundesländer verschärfen die Testpflichten für das Personal von Pflegeheimen und Kliniken. In Brandenburg müssen sich künftig nicht geimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 täglich testen lassen. Hintergrund ist ein Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee, dem bislang zwölf Bewohnerinnen und Bewohner zum Opfer fielen. Berichten zufolge soll nur die Hälfte des dortigen Pflegepersonals geimpft sein.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.11.2021, 05 Uhr

37 Kommentare

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  1. 37.

    Bitte meinen Kommentar nochmal richtig lesen. Darum ging es dort doch gar nicht.

  2. 36.

    Ich bin Krankenpfleger, habe 2* Biontec und auch die aktuelle Grippeschutzimpfung intus. Was ich nicht verstehe ist das ich mich nicht mehr testen muss. Ich arbeite mit deutlich immungeschwächten Patienten und kann nicht ausschließen den Virus zu übertragen ohne es überhaupt zu merken. Denn mein Immunsystem sorgt möglicherweise für eine unbemerkte Infektion die mich nicht stört, aber mich zur Infektionsquelle macht.
    Und Test auf eigene Kosten ist nicht einzusehen.

  3. 35.

    Woher haben Sie ihr Wissen? Bei uns gibt es 3 Tage die Woche kostenlose Tests für ungeimpfte Angehörige. Jeder Ungeimpfte darf besuchen mit Test. Und die Senioren verlassen das Haus wann sie möchten. Ob ihre Angehörigen geimpft sind, interessiert sie bei Familienfeiern auch nicht.
    Wir hatten die ganze Zeit über Besuch und Veranstaltungen. Zwar mit Abstand und Maske, aber so vereinsamt, wie beschrieben gab es nicht.
    Die Bewohner hatten mehr Freiheit als wir. Das Personal sollte nach Feierabend nach Hause gehen und jeden Kontakt vermeiden.

  4. 34.

    Das stimmt so nicht! Lt. Lagebericht Corona Berlin liegen dort 25!!! % Geimpfte auf der ITS.

  5. 33.

    Berlin ist ja auch das einzige Land, dass so schlau war noch zwei (?) Impfzentren zu behalten. Die anderen Länder haben ja geschlossen, BB auf alle Fälle. Die Kassenärztliche Bundevereinigung und die KVBB haben so verbissen um die Impfhoheit gekämpft, dass es logisch erschien weil alle es glaubten und jetzt stellt man sich hin und sagt es geht nicht.

  6. 32.

    Das Problem haben immer die Alten, die einsam sind. Wer sich nicht impfen lassen will "nur" um seine Tante im Altenheim zu besuchen, der kann sie dann nicht besuchen. Aber für die Tante im Heim wirds immer schwerer. Es war doch auch schon vorher so: Seine Freunde traf man seltener, aber man traf sie, vielleicht draußen, vielleicht in kleiner Runde. Aber ältere Verwandte, da hielt man doch eher Distanz und besuchte sie nicht. Dieser Erziehungsversuch gegenüber Ungeimpften geht wieder zulasten derer, die jetzt auch schon mies dran sind.

  7. 31.

    Die STIKO ist eine deutsche Einrichtung, die meines Wissens kein anderes Land hat.

    Bereits beim Aufstellen der damaligen Priogruppen gab es Ärger, weil bestimmte Krankheiten falsch eingruppiert waren (zu weit hinten). Dann gab es Ärger und es wurde korrigiert.
    Den nächsten Ärger gab es bei den Impfungen der Kinder/Jugendlichen, weil von der STIKO nichts kam. Dann hat die Runde der Bundesgesundheitsminister selber entschieden und die STIKO kam dann irgendwann hinterdran gewackelt.
    Die Runde der Gesundheitsminister (unter der Leitung des noch Ministers Spahn) sollte jetzt auch entscheiden, sonst wird das nichts.
    - Einige Impfstellen (gab es in BB in den Landkreisen) oder Impfzentren wieder öffnen und dann diejenigen, bei denen die sechs Monate rum sind, impfen. Das Angebot wird garantiert angenommen.
    - Da das Impfen durch die damalige Priorisierung zeitlich versetzt war, bleibt das jetzt auch verteilt.

    Entweder wollen wir Schutz durch Impfen oder nicht.

  8. 30.

    In Berlin kann jeder, bei dem die zweite Impfung 6 Monate her ist, sich die dritte Impfung holen.

  9. 29.

    Natürlich sind die ungeimpften für die vierte Welle verantwortlich. Das zeigen alle Daten. Um die 90% auf den Intensivstationen sind ungeimpften. Bei den geimpften sind es ausschließlich sehr alte mit erheblichen Vorerkrankungen. In Israel sind die hohen Inzidenzen durch die dritte Impfung von sehr hohen Werten auf unter 40 gefallen.

  10. 28.

    Ich habe im #3 ein wichtiges Thema angesprochen und möchte noch ergänzen.
    Was nützt es über Impfen/Impfpflicht zu fabulieren, wenn man in Deutschland nicht mal Auffrischungsimpfungen hinkriegt. Das ist weltweit wieder einmalig. Israelis lächeln mitleidig, wenn man sich mit ihnen darüber unterhält.

    Gestern war der Mertens mit seinen Lobbyfreunden der Ärzteschaft kurz im Fernsehen. Er weicht von der "magischen70" nicht ab, gibt aber auch keine Begründung dafür.
    Als nächstes pochte die Ärzteschaft darauf, dass sie und nur sie impfen sollte, erklären aber gleichzeitig, dass sie es nicht schaffen. Ist das die Begründung für die 70?
    Sitze ich irgendwie im falschen Film? Das ist ja wie zu Nonnemacher-Zeiten, bevor sie abgelöst wurde (leider nur von der Impforganisation). Die Prio2 wurde im März/April zweimal geimpft. In meinem Bekanntenkreis sehr viele. Jetzt sind die sechs Monate rum und sie warten auf ihren siebzigsten im nächsten Jahr.
    Wozu braucht man eigentlich eine STIKO?

  11. 27.

    Ich habe mich auch impfen lassen, um meinen Eltern nicht Corona zu überbringen. So viel sollte man für seine Angehörigen übrig haben.
    Wer das nicht berücksichtigt, muss draußen bleiben. Ausgenommen Besucher, die sich nicht impfen lassen können. Da dann mit Tests.
    Am besten eine Impfpflicht und es herrscht Klarheit

  12. 26.

    Ich muss grad lachen.
    Mal ein Tag im Pflegeheim erlebt und das Personal gezählt? Viel Auswahl gibt es nicht. Alternativ selbst versorgen, wenn die 2 Pflegekräfte der Etage nicht geimpft sind.
    Die Bewohner können sich nicht aussuchen, von wem sie sich versorgen lassen.
    Die 2 Pflegekräfte teilen sich eine Etage mit über 30 Bewohnern. Jeder hat mindestens 16 Leute am Abend zu versorgen. Das ist die Realität.
    Ich habe bereits in mehreren Heimen gearbeitet und der Personalschlüssel ist gleich. Aussuchen ist nicht.

  13. 25.

    Bei uns im Pflegeheim galt bis Juli FFP2 Pflicht für Personal und med. Maske seit August. Wie kommt man zu solchen Aussagen? Die Maskenverweigerer in unserem Pflegeheim waren Bewohner und Angehörige.
    Und das sagt doch schon einiges aus.

  14. 24.

    „ Ihre Kollegin sagte, sie wird dann eben als Verkäuferin arbeiten. “
    Dass sie sich da mal nicht täuscht, die Mitarbeiter bei unserem edeka sind alle geimpft, einige, die nicht wollten, sind nicht mehr da :-(

    Ihr ganzer Kommentar müsste Ihnen doch selber peinlich sein, dass es sowas gibt, also nee.

  15. 23.

    Genauso ist es, Erpressung! Das wurde auch gestern in einem Interview bei rbb mit einer Heimleiterin deutlich, die meinte, dass sie nicht für eine Impfpflicht der Pflegekräfte wäre, weil die sonst auch noch gehen würden und sie habe schon zu wenig Personal.

  16. 21.

    Dies sollten die alten Menschen im Pflegeheim entscheiden wie sie es sehen und wünschen von Pfleger mit und ohne Impfung versorgt zu werden!

  17. 20.

    Meine Nachbarin ist Pflegerin in einem Pflegedienst und sie sagte mir, dass es eine Schande für den Berufsstand ist, wenn sich PflegerInnen nicht impfen lassen wollen. Sie versauen den guten Ruf der guten PflegerInnen, denn es ist keinesfalls so, dass sich die Mehrheit nicht impfen lassen wollen, nur den ….. (das schreibe ich jetzt nicht wegen der Nettiquette) sind die Alten und Kranken scheißegal. Bei ihnen sind alle geimpft. Auch wenn das keinen 100%igen Schutz bietet.

  18. 19.

    Ist ihre Mutter nun tatsächlich stolz auf diese Aussage?

    Das sind ja erpresserische Methoden und sollte wegen Arbeitsverweigerung und Störung des Betriebsfriedens sofort zur fristlosen Kündigung führen.

  19. 18.

    Woher wollen Sie denn wissen, ob sich die Person denn nicht täglich testet? In diesem Fall wäre das wirklich ein großer Verlust, oder möchte Sie gerne zu diesen miesen Arbeitsbedingungen, wie es sie in der Pflege gibt, angestellt sein? Selbst Herr Spahn hat verstanden, wer im Endeffekt die Zügel in der Hand hat.

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