Lehrkräftemangel in Berlin - "Schule muss anders"-Demo zieht durch Berlin

Sa 06.11.21 | 18:31 Uhr
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Zahlreiche Menschen nehmen an der Demonstration der Kampagne «Schule muss anders» für «Mehr Personal, Chancengleichheit und echte Teilhabe im Berliner Schulsystem» teil. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Video: rbb|24 | 07.11.2021 | Material: Abendschau | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Die Initiative "Schule muss anders" hat am Samstag in Berlin demonstriert. Der Demonstrationszug zog am Nachmittag vom Haus der Statistik zum Roten Rathaus. Die Teilnehmerzahl lag laut Schätzung der Polizei im "hohen dreistelligen Bereich", wie ein Sprecher mitteilte. Die Initiative sprach von 2.000 Teilnehmern.

Dabei hat die Initiative zum Auftakt der Koalitionsverhandlungen über 6.500 Unterschriften aus fast 200 Berliner Schulen an Politiker überreicht, um den Forderungen nach wichtigen Reformen im Bereich Bildung Nachdruck zu verleihen.

Die Polizei sprach von einem ruhigen Verlauf der Demonstration. Die Hygiene-Regeln zur Corona-Pandemie seien weitestgehend eingehalten worden, sagte ein Sprecher. Es seien nur sehr wenige Menschen ohne Maske aufgefallen.

Initiative fordert große Ausbildungsoffensive

Die Forderungen der Initiative beinhaltet eine große Ausbildungsoffensive für Lehrkräfte. Man möchte erwirken, dass die Berliner Hochschulen verpflichtet werden, jedes Jahr 3.000 Absolventen auf den Arbeitsmarkt zu entlassen. Auch fordert die Initiative zusätzliche Berufsgruppen an Schulen, mehr Zeit für Beziehungs- und Teamarbeit sowie eine unabhängige Beratungs- und Beschwerdestelle gegen Diskriminierung.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin rief gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Bündnisses "Schule muss anders" zu der Teilnahme der Demonstration für bessere Schulen auf.

Die GEW fordert eine "Ausbildungsoffensive" für pädagogisches Personal, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das Thema müsse bei den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linken ganz oben auf die Agenda, hatte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Mittwoch der Deutschen Presse Agentur gesagt.

Drastischer Mangel an Pädagogen

Nach seinen Worten herrscht an Schulen ein drastischer Mangel an Lehrkräften, Erziehern und Sozialpädagogen. Auch Kitas, Hochschulen und Jugendämter seien unzureichend mit Fachkräften ausgestattet. "Wir wünschen uns mehr Anstrengungen des Senats, diesem Mangel entgegenzuwirken."

Der Personalmangel an den Bildungseinrichtungen behindert aus Sicht der GEW die pädagogische Arbeit, die heute wichtiger denn je sei. "Zuletzt hat die Corona-Krise gezeigt: Wir brauchen kleinere Lerngruppen, eine verlässliche Vertretungsreserve von zehn Prozent an den Schulen, einen besseren Personalschlüssel im Ganztag und in den Kitas, weniger Fälle pro Sozialarbeiter und Sozialarbeiterin im Jugendamt", so Erdmann. "Wir brauchen mehr Zeit für Beziehungs- und Team-Arbeit."

Sendung: Abendschasu, 06.11.2021, 19:30 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Da kein Lehrer hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, ist eine Verbeamtung von Lehrern Unsinn.

    Leider ist heute immer mehr zu beobachten, dass viele Eltern erziehungsunfähig sind und den Lehrern gerne den elterlichen Erziehungsauftrag zuschieben.

    Der Lehrerberuf gehört zu den Neigungsberufen. Vielleicht sind auch viele Lehrer für den Job nicht geeignet.

  2. 10.

    Als Lehrerin im Ruhestand kann ich den Beiträgen von "Neugieriger" und "Horst" nur zustimmen. Über viele Jahre hinweg habe ich beobachtet, dass Eltern immer weniger Erziehungsarbeit leisten und diese gerne an Kitas und Schulen delegieren. Eine gute Erziehung seitens der Eltern ist durch nichts zu ersetzen. Immerhin fordert sie auch unser hochgeachtetes Grundgesetz in Artikel 6, Absatz 2 ein:
    "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht."
    Hinweis: zuvörderst bedeutet zuerst.
    Tipp: Erziehung gelingt dann gut, wenn Eltern und Lehrer "an einem Strang ziehen".

  3. 9.

    Wie wäre es mit einem korrekten Satzbau als Motto? Dieses "Neusprech" aus der Werbung als Motto für eine Demo für mehr Bildung(!) zu nutzen, wirkt leider einfach nur peinlich.

  4. 8.

    Wenn ich mich schon über sprachliche Defizite anderer aufrege, dann doch am besten nicht selbst mit einem regelrechten Konvolut an Fehlern:
    „Vielleicht mir einem vollständigem Satz.“(sic!) ist selbst kein vollständiger Satz, statt „mir“ muss da „mit“ stehen und der doppelte Dativ „einem vollständigem“ ist auch grammatikalisch falsch.
    Aber es ist natürlich wichtiger, über Belanglosigkeiten zu meckern, statt sich mit Inhalten auseinanderzusetzen.

  5. 7.

    Das genau das nicht funktioniert, hat der Lockdown mehr als deutlich gezeigt, weil Schule nämlich keine reine Vermittlungsfunktion hat sondern auch von Miteinander der Beteiligten lebt. Ganz zu schweigen davon, dass viele Eltern verständlicherweise zu Hause mit der Erkenntnis, dass ihr Kind doch nicht hochbegabt ist komplett überfordert sind.

  6. 6.

    Dass viele Menschen diesen Job des Lehrers nicht mehr machen wollen ist sehr oft auch dem Auftreten vieler Eltern gegenüber den Lehrkräften geschuldet, die alle nur noch der Meinung sind, dass ihr Kind hochbegabt sei... Mit Respekt und Achtung hat das alles heute nur noch wenig zu tun.

  7. 5.

    Man sollte auch im Bereich der Bildung mehr auf Webinare setzen, bei denen der Stoff in einheitlichen Video Beiträgen bundesweit präsentiert wird und dann in Seminaren der Stoff nur noch mit den Schülern geübt wird. Je früher hier die Eigenveranzwortung von Kindern und Eltern gefördert ist, desto besser. Man braucht weniger Lehrer, die Stoffvermittlung wird bundesweit vereinheitlicht und die Schüler lernen die auch später sehr wichtige Eigenverantwortung beim Lernen!

  8. 4.

    Seit Jahren wird von allen Seiten über den Mangel an Pädagogen lamentiert und dabei ist dieser Beruf ein sehr schöner. Die Verbeamtung ist keine Lösung, im Gegenteil sie kostet sehr viel Geld und löst die Probleme nicht. Schlimm sind die unterschiedlichen Handhabungen in den einzelnen Ländern. Das eigentliche Problem sehe ich in den Schülern und den Eltern. Solange letztere ihre erzieherischen Defizite in den Schulen abladen können, wird das nix. Dazu kommt die abwertende Meinung vieler Schüler über die Lehrer. Von zu Hause bekommen diese doch in vielen Fällen vermittelt, das der, der da vorne steht wohl doof ist und nichts zu sagen hat. Und wenn „er“ was sagt dann gehen Mama oder Papa in die Schule und klären das auf Ihre Art. Ein echtes Zusammenspiel zwischen Schule und Elternhaus gibt es längst nicht mehr. Daher kann ich verstehen, dass sich junge Menschen anderen Berufen zuwenden und keine Lust darauf haben den erzieherischen Müll der Eltern wegzuräumen.

  9. 3.

    Da haben Sie völlig Recht. Aber richtige Grammatik scheint heute überbewertet zu sein (siehe Werbung Penny-Markt). Peinlich war der Lehrer, der in der Abendschau gezeigt wurde. Die Moderatorin hätte ihn fragen sollen, was denn der Spruch bedeutet bzw. dass das ja falsche Grammatik ist und da noch ein Wort fehlt. Mich wundert es nicht, dass viele Schüler heute kaum noch fehlerfreie Sätze sprechen können, wenn schon bei solchen Initiativen auf die einfachsten Regeln nicht geachtet wird und die Lehrerschaft das auch noch mitträgt. Da merkt wirklich niemand mehr etwas.

  10. 2.

    Tja, wer will schon in Berlin Lehrer sein?
    Verbeamtung ist da nur ein Stichwort, Deutsch als erste Fremdsprache das nächste.

  11. 1.

    "Schule muss anders"
    Stimmt genau!
    Vielleicht mir einem vollständigem Satz.
    Das würde schon mal helfen.

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