Repräsentative Umfrage "Berlin-Monitor" - Verschwörungsmythen in Berlin weniger verbreitet als im Bundesschnitt

Do 25.11.21 | 15:39 Uhr
Symbolbild: Drei Demonstranten in Berlin (Quelle: dpa/Christoph Hardt)
Bild: dpa/Christoph Hardt

Sind Politiker nur Marionetten? Bräuchte es eine einzige Partei, die das Volk repräsentiert? Solche Fragen haben Wissenschaftler 2.000 Menschen aus Berlin gestellt - um herauszufinden, wie stark sie zu Verschwörungsmythen und Rechtsextremismus neigen.

Berlinerinnen und Berliner sind etwas weniger anfällig für Verschwörungsmythen als die Menschen im übrigen Deutschland. Trotzdem weist rund ein Viertel der Menschen in der Hauptstadt eine Verschwörungsmentalität auf. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage Berlin-Monitor 2021 [berlin.de | Ergebnisse der Umfrage als PDF] der Universität Leipzig zu politischer Kultur in der Hauptstadt hervor.

Dass Politikerinnen und Politiker "Marionetten der dahinterstehenden Mächte" seien, glauben zum Beispiel 21 Prozent der Befragten aus Berlin. Bei der bundesweiten Autoritarismus-Studie stimmten im vergangenen Jahr dieser Aussage sogar 33 Prozent zu. Auch verschwörungsmythische Aussagen zur Corona-Pandemie sind in Berlin weniger verbreitet als im deutschen Durchschnitt.

Knappes Viertel wünscht sich "einzige starke Partei"

Der Umfrage zufolge glauben aber immerhin 19 Prozent der befragten Berliner (bundesweit 31 Prozent), die Corona-Krise sei "groß geredet" worden, damit wenige profitierten. 32 Prozent waren der Meinung, die Hintergründe der Pandemie würde nie ans Licht kommen (bundesweit 47 Prozent).

Nach 2019 ist der Berlin-Monitor die zweite Umfrage dieser Art. Sie beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit der Ausbreitung antidemokratischer und rechtsextremer Einstellungen. So wünschen sich 23 Prozent der befragten Berliner "eine einzige starke Partei", die "die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Damit liegen sie über dem bundesweiten Vergleichswert (17 Prozent) - wie insgesamt bei der Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur.

Berliner sind weniger rassistisch als der Bundesschnitt

Bei allen anderen Dimensionen der rechtsextremen Einstellungen aber haben Menschen in Berlin deutlich niedrigere Werte als der Rest der deutschen Bevölkerung. Insgesamt 12 Prozent vertreten ausländerfeindliche Einstellungen, bundesweit sind es 17 Prozent. 73 Prozent sagen, sie seien mit der Demokratie alles in allem zufrieden (bundesweit 59 Prozent) und 93 Prozent finden, die Demokratie passe als Staatsform am besten zu unserer Gesellschaft.

12 Prozent der Befragten unterstützen die offen rassistische Aussage, es gebe eine "natürliche Hierarchie zwischen schwarzen und weißen Menschen". So offener antischwarzer Rassismus ist der Umfrage nach zwar nur bei einem Zehntel der Hauptstadtbewohner:innen anzutreffen. "Sehr deutlich sind aber die Hinweise auf latente Ressentiments gegen schwarze Menschen in Teilen der Bevölkerung", teilt die Universität Leipzig am Donnerstag in einer Auswertung der Umfrage mit.

Gleichzeitig sagen 89 Prozent der Befragten: "Ob Schwarz oder Weiß, das macht doch keinen Unterschied." 42 Prozent der Befragten gaben an, selbst Erfahrungen mit Diskriminierungen gemacht zu haben; vor zwei Jahren waren das noch 57 Prozent. Vor allem ging es um Diskriminierungen wegen des Geschlechts, der Herkunft, der wirtschaftlichen Lage oder einer Behinderung. Wegen Religion (4 Prozent) oder Hautfarbe (3 Prozent) fühlten sich nur wenige diskriminiert.

Rechtsextreme Einstellungen oft bei AfD-Wählern

"Rechtsextreme Einstellungen, aber auch antischwarzer Rassismus hängen mit Verschwörungsmentalität eng zusammen", betont Prof. Dr. Gert Pickel, einer der Studienleiter von der Universität Leipzig. Sie sind der Umfrage nach besonders häufig bei Wählerinnen und Wählern der AfD anzutreffen.

Die Daten des aktuellen Berlin-Monitor wurden zwischen September und November 2021 in einem Mix von Telefonumfrage und Online-Befragung erhoben. Befragt wurden 2.000 repräsentativ ausgewählte Berlinerinnen und Berliner. Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit der Universität Leipzig mit der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung und dem Senat.

Sendung: Abendschau, 25.11.2021, 19:30 Uhr

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