Fachkräftemangel in Berlin - Gewerkschaft ruft zu Demo für mehr pädagogisches Personal auf

Sa 06.11.21 | 09:01 Uhr
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Archivbild: Eine Lehrerin unterrichtet vor ihrer Klasse. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)
Bild: Christoph Schmidt/dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Berlin ruft gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Bündnisses "Schule muss anders" am Samstag zu einer Demonstration für bessere Schulen auf.

Die GEW fordert eine "Ausbildungsoffensive" für pädagogisches Personal, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das Thema müsse bei den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linken ganz oben auf die Agenda, hatte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Mittwoch der Deutschen Presse Agentur gesagt.

Drastischer Mangel an Pädagogen

Nach seinen Worten herrscht an Schulen ein drastischer Mangel an Lehrkräften, Erziehern und Sozialpädagogen. Auch Kitas, Hochschulen und Jugendämter seien unzureichend mit Fachkräften ausgestattet. "Wir wünschen uns mehr Anstrengungen des Senats, diesem Mangel entgegenzuwirken."

Der Personalmangel an den Bildungseinrichtungen behindert aus Sicht der GEW die pädagogische Arbeit, die heute wichtiger denn je sei. "Zuletzt hat die Corona-Krise gezeigt: Wir brauchen kleinere Lerngruppen, eine verlässliche Vertretungsreserve von zehn Prozent an den Schulen, einen besseren Personalschlüssel im Ganztag und in den Kitas, weniger Fälle pro Sozialarbeiter und Sozialarbeiterin im Jugendamt", so Erdmann. "Wir brauchen mehr Zeit für Beziehungs- und Team-Arbeit."

Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte und Erzieher an den Hochschulen erhöhen

Erdmanns Co-Vorsitzende Martina Regulin erinnerte daran, dass im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linken aus dem Jahr 2016 vereinbart wurde, jährlich 2.000 Lehrkräfte an den Hochschulen auszubilden. "Mit zuletzt 900 wurde dieses Ziel klar verfehlt." Nötig sei nun, die Ausbildungskapazitäten für Lehrkräfte und Erzieher an den Hoch- und Fachschulen zu erhöhen. Zudem müsse die Qualität des Studiums besser werden, um die Abbrecherquote zu verringern.

Bei den Koalitionsverhandlungen beschäftigt sich eine von 16 Facharbeitsgruppen mit diesen und anderen Bildungsthemen. In einem Sondierungspapier von SPD, Grünen und Linken, das Grundlage für die Verhandlungen ist, heißt es: "Zur Gewinnung, Aus- und Fortbildung von pädagogischem Fachpersonal werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die einen nachhaltigen Personalaufwuchs ermöglichen." Dazu gehöre auch die Verbeamtung von Lehrkräften.

Sendung: Inforadio, 06.11.2021

9 Kommentare

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  1. 9.

    Vielleicht vergessen viele Menschen, dass das Kita personal die Kinder auf das zukünftige Leben vorbereiten. Ein Großteil des Personals sind nicht im Erzieherberuf ausgebildet. Der Quereinstieg dauert mehre Jahre, bei denen lange Berufsberatung nicht zählt, sondern eine soziale bzw pädogische Vorbildung vorausgesetzt wird.
    Und ein Großteil der Kitas sind in freier Trägerschaft und dementsprechend vollkommen unter erzählt.
    Leider ist ein Tarifvertrag nicht zwingend in Berlin!!

  2. 8.

    Der Lehrermangel ist teilweise hausgemacht. Solange sich Schüler, gegenüber Lehrern benehmen dürfen wie die Schw…., nach der Methode „Du hast mir gar nichts zu sagen“, Lehrern drohen dürfen und zum Teil nur darauf aus sind den normalen Unterricht zu stören, möchte ich kein Lehrer werden bzw. sein. Obwohl es ein toller Beruf ist, wird er zu wenig geachtet und von vielen Eltern schon gar nicht. Sie Übertragen ihre Unfähigkeit in Sachen Erziehung gerne auf die Schulen. So wird das wohl nichts werden mit einer gebildeten Nation.

  3. 7.

    Ich bin in den letzten Zügen der berufsbegleitenden Ausbildung zum Erzieher und kann bestätigen, dass wir was Lehrer und ErzieherInnen anbelangt, völlig unterbesetzt sind. Beide Berufsgruppen sind unverzichtbar für den Schulbetrieb da beide Wissen vermitteln,welches oft zuhause nicht mehr unterstützt oder gelehrt wird. Ich habe mich gegen ein Lehramtstudium entschieden, da mir dieses zu langwierig war. Könnte ich Englisch, GeWi oder Sport als Einzelfach studieren und unterrichten -parallel zu meinem Job als Erzieher- würde ich das sofort tun. Wir benötigen flexible Ausbildungsangebote, mehr Gehalt für Erzieher, eine Verbeamtung von Lehrern und eine angemessene Ausstattung um endlich im Sinne des Berliner Bildungsprogramms- inklusiv-arbeiten zu können. Alle paar Wochen unterrichte ich meine Klasse (als Erzieher), weil Lehrer die ausfallenden Kollegen nicht mehr ersetzen können. Pädagogisch arbeiten kann ich mit den Kindern nur ganz bedingt, da kaum Zeit dafür ist. Ein Armutszeugnis!!!

  4. 6.

    Wenn wir alle durch Demonstrationen den Fachkräftemangel beseitigen könnten, wäre dies eine prima Idee.
    Aber nur aus Forderungen werden keine Fachkräfte "gebacken" die dann auch noch dabei bleiben.
    Wer will denn heute noch Lehrer werden? Die Ansprüche an das pädagogische Know-how bei Klassen mit hohen %-Zahlen an Schülern mit Migrationsgeschichte, steigt sicher auch weiter.
    Und im Übrigen werden auch mehr Pflegekräfte, Polizisten, Verwaltungsmitarbeiter, Handwerker u.a. mehr gefordert. Diesbezüglich können die Gewerkschaften noch soviel aufrufen, ändern wird das nicht viel.

  5. 5.

    Aus meinem familiären Umfeld weiß ich, dass der eine oder andere junge Mensch mit einem guten Abiturzeugnis gerne Lehrer werden würde, aber die Universitäten nur Absagen erteilen bzw. nicht zur gewünschten Fächerkombination zulassen. Der Fehler steckt im System. Ein sollte deutschlandweit ein zentrales System zur Zulassung zum Studium geben und eine Akzeptanz für die jeweilige Fächerwahl, denn es wird sicherlich in allen Fachbereichen Personal benötigt.

  6. 4.

    Super wichtige Demo, wir werden dabei sein!

  7. 2.

    Der Lehrermangel ist ein deutschlandweites Problem. Da steht Berlin nicht alleine da. Und wenn statt 2000 Lehrern nur 900 ausgebildet werden an den Unis, sollte man vielleicht mal überlegen, warum es nicht genug junge Menschen gibt, die Lehrer werden wollen.

  8. 1.

    Wie lange existiert der eklatante Mangel an qualifizierten Lehrern in Berlin schon? Und wie lange wird über die Rücknahme der Nichtverbeamtung schon diskutiert?

    Gefühlt Jahrzehnte! Mittlerweile kann ich Artikel wie diesen nur noch mit einem müden Lächeln zur Kenntnis nehmen.

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