Land soll übernehmen - Rot-Grün-Rot will Bund von Verkauf der S-Bahn an Berlin überzeugen

Sa 20.11.21 | 16:29 Uhr
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Archivbild: S-Bahnhof Berlin Hackescher Markt, S-Bahn Zug der Berliner S-Bahn, S7, Richtung Ahrensfelde. (Quelle: imago images/R. Wölk)
Audio: Inforadio | 20.11.2021 | T. Gabriel | Bild: imago images/R. Wölk

Das S-Bahn-Netz gehört dem Bund, die designierte Berliner Landesregierung aus SPD, Grünen und Linken will das ändern: Um "stressige" Ausschreibungen zu verhindern, soll das Land Berlin die S-Bahn übernehmen.

Die voraussichtlich künftige rot-grün-rote Koalition in Berlin will beim Bund dafür werben, dem Land die S-Bahn zu verkaufen. Der Linken-Verhandler Klaus Lederer sagte am Samstag, darauf hätten sich SPD, Grüne und Linke bei ihren Koalitionsgesprächen verständigt. Dies wolle man tun, um auf Ausschreibungsprozesse zu verzichten, die "viel Stress und Ärger" machten.

Während die Berliner SPD-Chefin Franziska Giffey auf Lederers Äußerungen spontan verhalten reagierte und erklärte, dass man darüber noch sprechen werde, bestätigten SPD-Quellen dem rbb, dass es tatsächlich eine solche Verständigung gab. Allerdings bedeute dies nicht, die derzeit laufenden Ausschreibungsverfahren abzubrechen, hieß es von SPD-Seite.

Plan in jedem Fall: landeseigenes Eisenbahnunternehmen

Von den Linken war dagegen zu hören, auch ein Abbruch der aktuellen Vergabeverfahren bleibe eine Option. Das wäre dann der Fall, wenn sich Berlin und der Bund bereits in den nächsten Monaten auf eine Kommunalisierung der S-Bahn einigen könnten. In Fachkreisen wird dies allerdings als wenig wahrscheinlich angesehen, da die Bahn bislang einen Verkauf ihres Tochterunternehmens immer abgelehnt hatte. Ob sich diese Haltung unter einer neuen Bundesregierung ändert, gilt derzeit als offen.

Nach rbb-Informationen einigten sich SPD, Grüne und Linke am Samstag außerdem darauf, einen Plan festzulegen, um in jedem Falle ein landeseigenes Eisenbahnunternehmen zu gründen. Dieses könnte sich gegebenenfalls an künftigen Vergaben beteiligen. Außerdem wolle man beim Bund dafür werben, das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen zu ändern, so dass bei besonderen Netzen wie dem der S-Bahn in Berlin auch Direktvergaben ohne Ausschreibung möglich wären.

Sendung: Inforadio, 20.22.2021, 16:30 Uhr

59 Kommentare

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  1. 59.

    Cool. Würde die Bundespolizei entlasten.

  2. 57.

    Auch nicht schlecht, diesmal mit dem Pseudo Verkehrsfreund unterwegs :)

  3. 56.

    Hindert sie wer hierzubleiben? Auf Nimmerwiedersehen! Ich bin das Berlin-Bashing soo leid und erst recht die dahinter stehen.

  4. 55.

    Na, die mit Wechselstrom betriebenen Strecken um Potsdam sind ja bereits vorhanden und werden für die Regionalbahn genutzt.

  5. 53.

    Die S7 fährt von Ahrensfelde über Berlin Hbf. bis Potsdam Hbf. Und das alles mit Gleichstrom? Auch in Brandenburg?

  6. 52.

    Das ist eine sehr gute Idee! Berlin schafft auch S-Bahn! :D

  7. 51.

    Weiter zu Kommentar " Björn" Brandenburg ist nicht besonders interessiert an S - Bahnen, da sie nicht soweit in das Flächenland hineingehen können. Das Bundesland möchte gern und verständlicherweise mehr Regiozüge Richtung Berlin. Also wenn die S - Bahn Berlin gehören würde müsste Brandenburg ihre Fahrten in Berlin bestellen und weiter ändert sich nichts.

  8. 50.

    Entschuldigen Sie, Björn. Das ist Nonsens. Schon heute wird der Betrieb mit Brandenburg abgesprochen und die S - Bahn und die BVG sowie DB Regio sind auch heute schon im VBB vereint. Brandenburg bestimmt ( bestellt ) wieviel S - Bahnzüge mit wieviel Wagen in ihr Bundesland fahren sollen und bezahlen dafür. Raten Sie doch mal warum die Züge der S8 nur mit 4 Wagen unterwegs sind! Weil Brandenburg auf ihrer Strecke von Schönfließ bis Birkenwerder nur sogenannte Halbzüge ( 4 Wagen ) bestellt.

  9. 49.

    Das könnte ja dann Brandenburg oder die DB mit dem Teil S-Bahn ändern, der nicht auf dem Hoheitsgebiet von Berlin liegt. Dann kann der Senat sein S-Bahn-Netz in Berlin betreiben und Brandenburg baut mit der Bahn sein eigenes S-Bahn-Netz um Potsdam und Richtung BER bzw. vielleicht sogar bis FüWa (war schon mal angedacht) aus mit der üblicheren Wechselstrombetriebsart (16 2/3 Hz?). Alternatiiv: Das S-Bahn-Netz wird mit der BVG unter die gemeinsame Verwaltung mit Brandenburg im VBB gestellt und Brandenburg erhält Anteile und natürlich Mitspracherechte. Ist natürlich überzogen, aber der Senat verkennt, daß das mit Brandenburg abzustimmen ist, wenn es nicht nur die Strecken auf Berliner Gebiet betreffen soll.

  10. 48.

    RGR ja nicht, sondern möchte über den Verkauf verhandeln. Und eine Umstellung auf Oberleitung ist nicht ohne weiteres möglich, da z.B. das Profil des Nord-Süd-Tunnels hierfür nicht ausreicht. Der letzte Satz Ihres Beitrages entlarvt Ihre ideologische Grundeinstellung.
    Unabhängig davon kann ich mir allerdings nicht vorstellen, wie Berlin die S-Bahn bezahlen will.

  11. 47.

    Es ist durchaus sinnvoll, Regionalbahnlinien ins Zentrum durchzubinden. Erst so entsteht ein schnelles und komfortables Angebot, das möglichst viele Personen zum Wechsel von PKW auf Bahn motiviert. Umsteigen am Stadtrand in die langsame S-Bahn ist zeitraubend und unattraktiv, viele werden dann lieber den PKW nutzen.

  12. 46.

    Die Berliner S-Bahn ist wegen des Gleichstrombetriebes ein Sonderfall. Daher ist die Übernahme durch das Land durchaus sinnvoll.

  13. 45.

    Sie glauben ernsthaft, der Berliner Senat möchte den Bund enteignen? In der Meldung ist von Kauf die Rede. Eine derartige Diskreditierung von RGR ist inhaltlich falsch und völlig unangemessen.

  14. 44.

    Soll es doch so bleiben wie es ist. Dieses hin
    Und her mit den ausschreibungen das, kommt
    Uns auf Dauer auch zu teuer. Die S Bahn ist ein
    Berliner unternehmen, und sollte es auch bleiben. Das ewige rumgebastele mit der privatesierung bringt auf dauer keine punkte.
    Man sieht es ja aus den 90er jahren, wie die
    Staats eigenden Wohnheuser an spekulanten
    , verschleudert" wurden. Mfg. Bernd.H

  15. 43.

    Die BVG kauft Loks? Für welche Züge denn? Ich glaube, Sie verwechseln da etwas.

    Und ja, es gibt bei der BVG Probleme mit dem Fahrzeugbestand. Diese sind jedoch in erster Linie auf einen jahrelangen Sparkurs zurückzuführen. Da wurde (und wird vielleicht immer noch) die Bestellung neuer Fahrzeuge lieber aufs nächste Jahr verschoben, um die Bilanz des laufenden Jahres hübsch zu halten. Dabei kommt dann raus, dass trotz allem Gerede von einem Angebotsausbau heute auf einigen U-Bahnlinien (v.a. U9 und U2) weniger Züge unterwegs sind als noch vor sieben Jahren.

    Ist aber eben eher eine Frage des Geldes, das halt auch irgendwoher kommen muss. Ich sag nur 10 Euro pro Jahr für einen Anwohnerparkausweis...

  16. 42.

    Nein, denn die Berliner S-Bahn hat im Gegensatz zu S-Bahnen in anderen Städten durchgehend eigene Gleise. Nirgends verkehrt sie auf Gleisen, die auch von Regional- und Fernverkehrszügen genutzt werden.

    Wenn Sie Ihr Argument zu Ende denken würden, müssten Sie auch fordern, dass die DB alle Berliner U-Bahn- und Straßenbahngleise unterhält.

  17. 41.

    Wenn man diese Strategie konsequent auf ganz D weiterdenkt, würde das Bahnnetz wieder in einzelne Ländernetze zerfallen. Damit wären wir auf dem Stand vor der Gründung der Reichsbahn angekommen. Ist das wirklich sinnvoll?

  18. 40.

    Man hat den Eindruck, dass Berlin im Geld schwimmt. Immobilien teuer zurückkaufen, teure Vorkaufsrechte wahrnehmen und jetzt auch noch die S-Bahn kaufen wollen? Wo soll das Geld eigentlich herkommen???

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