Brandenburg verschärft Testpflicht - Ungeimpfte Pflegekräfte müssen sich häufiger testen lassen

Di 02.11.21 | 21:28 Uhr
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Archivbild: Pflegerin Silke arbeitet am 07.05.2020 in einem Pflegeheim mit einer Atemschutzmaske. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Video: Brandenburg aktuell | 02.11.2021 | Theresa Majerowitsch | Bild: dpa/Christophe Gateau

In Brandenburg müssen sich ungeimpfte Pflegekräfte bald ab einer Inzidenz von über 100 jeden Tag testen lassen. Gesundheitsministerin Nonnemacher bringt erneut eine Impfpflicht ins Spiel - warnt aber auch vor den Folgen.

Das Brandenburger Kabinett hat festgelegt, dass sich nicht geimpfte oder nicht genesene Beschäftigte in Pflegeheimen täglich testen lassen müssen. Dies gilt für Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100, wie die Staatskanzlei am Dienstag mitteilte. Die erweiterte Testpflicht hat die Brandenburger Landesregierung nach einem Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim in Schorfheide am Werbellinsee (Barnim) mit zwölf Toten beschlossen. Die Regel soll unabhängig von der Inzidenz auch bei akuten Corona-Ausbrüchen gelten.

"Jetzt müssen wir besonders vulnerable Personengruppen wie Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen und Hochaltrige schützen", sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne). "Sie haben ein besonders hohes Risiko für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe." Deswegen werde die Testpflicht im Pflegebereich ausgeweitet.

Nonnemacher sieht bei Impfpflicht Fachkräftemangel als Problem

Sie halt es für begrüßenswert, so Nonnemacher, wenn auch geimpftes Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen regelmäßig getestet würde. Allerdings sind sie laut Bundesverordnung aktuell wie negativ getestete Personen zu behandeln. Eine Impfpflicht für Menschen im Gesundheitssektor sei ebenfalls nur auf Bundesebene einzuführen, sagte Nonnemacher dem rbb. Allerdings solle man das "noch einmal ernsthaft diskutieren", so die Brandenburger Gesundheitsministerin.

Ein großes Problem sei dabei allerdings der Fachkräftemangel, vor allem in der Pflege. "Wenn Sie in einem Land wie Brandenburg, mit einer hohen Impfskepsis in einigen Teilen der Bevölkerung, den Druck auf das Pflegepersonal noch weiter steigern, dann kann es sein, dass bestimmte Einrichtungen gänzlich ohne Pflege dastehen.", so Nonnemacher.

Ausnahme bei Testpflicht nur in Krankenhäusern

In Landkreisen und kreisfreien Städten mit weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen müssen sich Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen und Kliniken künftig an drei statt wie bisher zwei Tagen pro Woche testen lassen. Davon abweichend sind bei einem speziellen Hygienekonzept in Krankenhäusern auch nur zwei Tests pro Woche möglich, wie es in der neuen Umgangsverordnung heißt.

Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag hatte sich am Dienstag ebenfalls für tägliche Tests der Arbeitskräfte in Pflegeheimen ausgesprochen. Zudem müssten die weiteren an Covid-19 erkrankten Menschen in dem Heim besser versorgt werden, forderte Fraktionschef Sebastian Walter. "Die Heimaufsicht muss gemeinsam mit den Gesundheitsämtern dafür sorgen, dass die Erkrankten in Krankenhäuser kommen", forderte er. Bachmann erwiderte auf dpa-Nachfrage, dass es jedem Bewohner frei stehe, ins Krankenhaus zu kommen. Die Entscheidung träfen die Hausärzte der Bewohner.

Testpflicht bei 3G leicht gelockert

Aktuell steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Brandenburg stetig an. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag steckten sich 128,3 Menschen innerhalb von sieben Tagen je 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus an. Am Sonntag hatte dieser Wert bei 121,8 gelegen.

Aktuell werden 194 Personen wegen einer Covid19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, davon befinden sich 40 in intensivmedizinischer Behandlung, von denen 33 beatmet werden. Landesweit sind damit 3,9 Prozent der verfügbaren Intensivbetten in Krankenhäusern mit Coronapatienten belegt.

Etwas gelockert wird die 3G-Regel. Bislang muss in Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz fünf Tage ununterbrochen über dem Schwellenwert von 35 liegt, ein negativer Coronatest vorgelegt werden. Diese Testpflicht gilt nicht, wenn der Schwellenwert von 35 ausschließlich aufgrund eines klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen unterschritten wird. "Wenn zum Beispiel die Sieben-Tage-Inzidenz eines Landkreises nur über den Wert von 35 steigt, weil es in einem Pflegeheim oder in einer Gemeinschaftseinrichtung einen Corona-Ausbruch gibt, der klar eingrenzbar ist, gilt die Testpflicht noch nicht, stellt die Landesregierung klar.

Alle Regionen über 35er-Inzidenz

Nach der gültigen Umgangsverordnung besteht eine Testpflicht bei Open-Air Veranstaltungen erst ab einer Teilnehmerzahl von 1.000 Personen. In vielen öffentlichen Bereichen - darunter Innenräume von Gaststätten, Hotels oder Theatern - gilt eine Testpflicht oder Vorlage von Impf- oder Genesenen-Nachweis ab.

Inzwischen haben alle Brandenburger Regionen eine 7-Tage-Inzidenz von über 35. Außer der Prignitz (67,0), der Stadt Brandenburg an der Havel (79,1), der Uckermark (83,7) und Frankfurt (Oder) (94,7) lagen alle Landkreise und kreisfreien Städte über einem Inzidenzwert von 100. Der Kreis Elbe-Elster meldete mit einem Wert von 210,7 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.11.21, 09:00 Uhr

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44 Kommentare

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  1. 44.

    Es ist doch völlig irrelevant, ob sich Geimpfte signifikant seltener infizieren.
    Sie können sich infizieren und auch an den Tagen, an denen sie nicht getestet werden ansteckend sein.

    Alle müssen sich testen lassen, da alle ansteckend sein können, an jedem Tag, unabhängig von der Wahrscheinlichkeit, dass sie sich infiziert haben.
    Geht es darum Menschen zu schützen oder nur darum Geimpften Vorsteile zu verschaffen?

    Nebenbei: Seien Sie doch bitte höfflicher, Ulrike hat Ihnen nichts getan.

  2. 43.

    Das ist im Arbeitschutzrecht absolut klar geregelt. Jeden zusätzlichen Test zahlt der Arbeitgeber. Das sind ja noch dazu Selbsttests, die kosten unter 1 Euro.

  3. 42.

    Lieber Marc, Sie haben bestimmt recht, was die Kostenübernahme angeht, dass ginge bestimmt zu weit, weil man es nirgendwo anders jemals auch nur überlegt hat.

    Was aber für alle ihre genannten andere Dinge gilt ist: Die überfordern nicht die Krankhäuser/medizinische Versorgung. Deswegen sind Einschränkungen für Ungeimpfte nur folgerichtig. Da braucht man als Impfverweigerer nicht meckern...

    Es muss Kapazität in Krankenhäusern für Unfälle, Herzinfarkte und sonstiges noch vorhanden sein, sonst werden "unbeteiligte Dritte" durch die Impfverweigerer die die Krankenhäuser blockieren geschädigt.

  4. 41.

    Der Vater der besten Freundin meiner Tochter ist Intensivpfleger. Was meinen Sie wieviele Stadtbekannte Corona-Leugner schon bei dem auf intensiv lagen. Es sind einige, und das schlimme ist, dass die selbst danach noch weitermachen....

    Ein bisschen so wie der "geheilte" Lungenkrebskranke der fröhlich weiterraucht....

  5. 40.

    Was erwarten sie denn von einer Impfung? vollständigen Schutz vor Ansteckung? das wird biologisch wohl nie funktionieren.

    Tatsache ist aber, DASS die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren mit einer Impfung extrem deutlich sinkt (so 80-90%), man als gesunder Mensch praktisch komplett vor Krankenhausaufenthalten geschützt ist UND auch weniger ansteckend ist, weil die Zeitdauer die ein Geimpfter infektiös ist extrem verkürzt wird. Wenn Sie so wollen ist jeder Ungeimpfter ein Superspreader, während die Geimpften wenn überhaupt nur noch im Schnitt 1 Person anstecken könnten statistisch betrachtet....

  6. 39.

    Ulrike:
    "Wann kapiert die Politik endlich, dass auch Geimpfte Corona übertragen können?"

    Wann kapiert Ulrike endlich, dass Geimpfte signifikant weniger Corona übertragen können?

  7. 38.

    Jette:
    "Als Geimpfter kann ich mich NICHT testen lassen, kostenlos, obwohl Geimpfte sowohl infiziert werden können, erkranken können als auch den Virus verbreiten können!"

    Aber SEHR VIEL SELTENER!!!

    Jette:
    "- impfen schützt NICHT vor Ansteckung und Weitergabe
    - impfen schützt NICHT alte Menschen vor schweren Verläufen,
    - impfen hält nämlich nicht unendlich vor wie ein Tattoo mit der erste großen Liebe!"

    Alles FALSCH!
    Impfen schützt - zwar nicht absolut, aber relativ!

    Jette:
    "- das einzige, was hilft, ist Atemschutz, also FFP2 Masken, dauerhaft, von allen Angestellten und Besuchern."

    Auch Falsch! FFP2 schützt auch nicht absolut, sondern nur relativ!

  8. 37.

    thomas:
    "Warum ab 100 ? Ist man in Pflegeheimen bei einer 90er Inzidenz weiniger gefährdet? Gibt es da in irgendeiner Weise einen "wissentschaftlichen Hintergrund"?"

    Ja Mathematik:
    100 > 90
    in Worten: Einhundert ist größer als Neunzig.
    Das lernt man schon in der Schule!

    thomas:
    "Es riecht förmlich nach Willkür, Aktionismus und Kompetenz von Nichtskönnern."

    Ihr Kommentar "riecht förmlich nach" fehlendem Grundlagenwissen in Mathematik!

  9. 36.

    Detlef:
    "Wenn auch geimpfte das Virus verbreiten können (denn es ist nur Selbstschutz) ist es doch egal ob die Pfleger geimpft waren oder nicht!"

    Zum wiederholten Male: Geimpfte sind signifikant geringer ansteckend als Ungeimpfte, so dass eine Weitergabe von Viren sehr viel unwahrscheinlicher ist!!!

    Detlef:
    "Die Frage sollte doch sein: Wie kann es sein, das da massenhaft Leute erkranken die angeblich alle durchgeimpft sind."

    Es erkranken NICHT massenhaft Geimpfte, sondern massenhaft Ungeimpfte! 90% der Covid-Patiwenten auf den intensivstationen sind Ungeimpfte!

    Und ja, es gibt unter den Geimpften Vorerkrankte, bei denen die Impfungzwar auch wirkt, aber nicht so gut wirkt wie bei anderen!

  10. 35.

    " Ich hoffe doch, dass jeder Test normal von den ungeimpften Mitarbeitern in den Testzentren bezahlt wird, ausgeführt außerhalb der Arbeitszeit!" Im einfachsten Fall steigt dann einfach die Krenkschreibungsquote, im schlechteren Fall geht das Personal einfach (insbesondere bei ausländischen Mitarbeitern eher einfach). Was haben Sie dann gekonnt? Wie wäre denn erstmal generell den Infektionsschutz und die Hygienevorschriften für alle straffen oder strikter durchsetzen? Es hieß doch immer, daß Masken Infektionen wesentlich verhindern (je nach Schutzklasse). Tragen denn alle Masken und das auch vorschriftsmäßig? Wenn man keine Tröpfchen oder Aerosole in die Umgebung verteilt, ist es dann nicht eigentlich fast egal, ob man ohne Maske Infektiös ist? Da Schmierinfektionen wohl keine Bedeutung haben, bleibt doch nur der Luftweg.

  11. 34.

    Solche Kommentare wie der Ihre, lassen mich wirklich langsam an der gesamten Gesellschaft zweifeln.
    Auch Raucher und Menschen die sich minderwertig ernähren landen auf Intensivstationen (Bluthochdruck und andere Zivilisationskrankheiten sind Auswirkungen unserer Ernährung).Auch sie gehen bewusst das Risiko einer Erkrankung ein…müssen diese dann auch ihre Kosten selber tragen???
    …nach ihrer Ansicht können wir ja dann jede Form von gesetzlicher Versicherung abschaffen, da das Solidarprinzip ja nicht für alle gilt…

    Es ist wirklich traurig sowas zu lesen…

  12. 33.

    Jetzt fällt es doppelt schwer ins Gewicht dass es im gesamten Gesundheitswesen schlechte gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen gibt. Seit über 10 Jahren wurde es unterlassen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen guten Personalschlüssel verbindlich festzulegen. Statt dessen wurde weiter Ökonomisierung seitens der Politik vorangetrieben. Die Gesundheit des Personals wurde geschädigt und der Patienten gefährdet. Wenn wegen einer Impflicht noch mehr Personal abwandert ist auch nichts gewonnen. Warum hört und liest man nichts von gesetzlichen Sofortmaßnahmen um die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen sofort attraktiv zu machen?

  13. 32.

    Wer bezahlt die Tests der ungeimpften Mitarbeiter? Und warum werden geimpfte Mitarbeiter nicht getestet? Und die Küchenmitarbeiter? Reinigungskräfte? Alle ohne Maske, ungetestet, ungeimpft womöglich? Und der Heimleiter, infiziert, getestet, trotzdem hingegangen? Maske? Solche Fehler dürfen nicht passieren! Alle jeden morgen am Tor testen. Alle mit Masken. Da gehen die Zahlen ratzfatz runter und alle Senioren dürfen weiterleben!

  14. 30.

    Wann kapiert die Politik endlich, dass auch Geimpfte Corona übertragen können?
    Wenn das so weiter läuft, werden wir wie 2020 wieder 1000 Tote am Tag haben.

  15. 29.

    Na dann viel Erfolg bei der Suche nach Ihrem gewünschten Pflegepersonal. Bei allem Verständnis für Ihre Sorge um die Eltern, haben Sie sicher noch nicht verstanden, in welcher prikären Lage unser Pflegesystem sich z.Zt. befindet.

  16. 28.

    ...und Sie wollen damit genau was erreichen? Den Pflegenotstand vergrößern, weil noch mehr Pflegekräfte das Handtuch werfen?

  17. 27.

    Und hier nun die Lottozahlen *ähm* frisch gezogenen Inzidenz-Grenzwerte....

    "ab einer Inzidenz von über 100"

    ....alle Angaben wie immer ohne Gewähr! ;-)

    Ja, laut Regelungen des Bundes, sind Geimpfte den negativ Getesteten gleichgestellt und brauchen daher keinen Test, aber sinnvoller wäre es doch ALLE zu testen, die sich in solch sensible Bereiche begeben.

  18. 25.

    Ah, und wo werden diese Angestellten getestet, auf wessen Kosten? Ich hoffe doch, dass jeder Test normal von den ungeimpften Mitarbeitern in den Testzentren bezahlt wird, ausgeführt außerhalb der Arbeitszeit! Pfffft! Als Geimpfter kann ich mich NICHT testen lassen, kostenlos, obwohl Geimpfte sowohl infiziert werden können, erkranken können als auch den Virus verbreiten können!

    Wann genau wacht Deutschlands Politik auf?
    - impfen schützt NICHT vor Ansteckung und Weitergabe
    - impfen schützt NICHT alte Menschen vor schweren Verläufen,
    - impfen hält nämlich nicht unendlich vor wie ein Tattoo mit der erste großen Liebe!
    - das einzige, was hilft, ist Atemschutz, also FFP2 Masken, dauerhaft, von allen Angestellten und Besuchern. Natürlich nur in einer nachweislich nicht infizierten Umgebung. Sobald der erste Senior betroffen ist, auch bei allen Bewohnern.

    Und wann wacht die Stiko auf, damit endlich auch Ärzte boostern? Impfzentren sind nämlich weg, unwiederbringlich.

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