Bauprobleme am Potsdamer Parlament - Sandsteinbrocken platzen aus Fassade des Landtagsschlosses

Sa 13.11.21 | 09:37 Uhr | Von Oliver Soos
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Umzäunte Fassade am Potsdamer Landtag (Quelle: Oliver Soos/rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 13.11.2021 | Christoph Hölscher | Bild: Oliver Soos/rbb

Seit fast einem halben Jahr ist die bröckelnde Fassade des Brandenburger Parlaments umzäunt. Informationen der Landtagsverwaltung zeigen, dass es schwerwiegende Bauprobleme gibt, die sich noch gut ein Dreivierteljahr hinziehen können. Von Oliver Soos

Die Landtagsverwaltung in Potsdam hat die Abgeordneten in dieser Woche in einem Rundbrief über die Geschehnisse an der Außenfassade ihres Arbeitsplatzes informiert. Demnach sind im Juni zwei Sandsteinbrocken aus 14 Metern Höhe auf den Boden gestürzt. Der erste an der Außenseite des Ostflügels, neben der Einfahrt zur Tiefgarage. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes habe über eine Kamera den zerbrochenen Sandstein entdeckt, er sei etwa 20 cm lang und 1,5 Kilo schwer gewesen, erzählt der Abteilungsleiter der Landtagsverwaltung, Ralph Leidenheimer.

"Das erste, was man da zu tun hat, ist mit einem kühlen Kopf die Sicherungsmaßnahmen vorzunehmen. Aber ohne Frage denkt man auch darüber nach, was hätte passieren können", sagt Leidenheimer. Zunächst wurde nur der Bereich rund um den Absturz mit Flatterband abgesperrt. Als wenige Tage später im Innenhof ein weiterer kleinerer Sandsteinbrocken aus der Fassade brach, wurde das gesamte Schloss umzäunt, bis auf die Eingänge, die als ungefährlich gelten.

Blick auf die Fassade und den Dachsims des Brandenburger Landtages (Bild: rbb/Soos)
| Bild: rbb/Soos

Insgesamt sieben Gefahrenstellen

Ein Steinrestaurator konnte fünf weitere Gefahrenstellen entdecken und lockeres Sandsteinmaterial herausklopfen. Nun heißt es warten, bis der Betreiber des Gebäudes, die Zech Facility Management GmbH (die die früher zuständige BAM Immobilien Dienstleistung übernommen hat), den Schaden behebt. "Wir hatten verschiedenen Techniker, Statiker und Vermesser schon vor Ort und haben dann unseren Partner, die Zech Gruppe beauftragt, einen unabhängigen öffentlichen Gutachter auszuwählen, damit die Ursachenforschung erfolgen kann", sagt Ralph Leidenheimer von der Landtagsverwaltung.

Die Experten, die schon da waren, konnten feststellen, dass es offenbar schwerwiegende Bauprobleme am Dach des Landtags gibt. Die so genannte "konstruktive Fuge", eine circa einen Zentimeter dicke Lücke, zwischen dem oberen Ende der stehenden Fassade und dem Dachgesims, habe sich geschlossen, auf etwa 80 Prozent ihrer Länge. Normalerweise wird das Dachgesims vom Rohbau getragen und ragt über die Fassade. Nun drücke es auf die Fassade, so dass Sandsteinbrocken aus ihr herausplatzen.

Lose Brocken, die aus der Fassade Potsdamer Landtags herausgeklopft wurden (Quelle: rbb/ Oliver Soos)

"Nach acht Jahren fällt die Fassade auseinander"

Die Sächsische Sandsteinwerke GmbH, der Errichter der Fassade, wollte sich auf rbb-Nachfrage nicht zur möglichen Ursache äußern, sondern erst das Gutachten abwarten. Laut der Landtagsverwaltung hat die Firma als Subunternehmer der BAM ID die Fassade errichtet und dabei selbst weitere Subunternehmer eingesetzt.

Genau hier liegt aus Sicht des Linken-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Walter das Problem. "Es ist einfach peinlich. Nach nicht einmal acht Jahren Nutzung fällt hier die Fassade auseinander. Wenn öffentliche Infrastruktur in privater Hand ist, kannst du nicht agieren, sondern musst darauf warten, dass der Besitzer handelt", sagt Walter. Der Abgeordnete von BVB/Freie Wähler, Matthias Stefke, sieht das Problem dagegen nicht in der Kooperation von öffentlicher und privater Hand. "Ich möchte nur mal an den Flughafen BER erinnern, wo die öffentliche Hand gebaut hat und wo wir wöchentlich erleben, dass etwas nicht funktioniert." Stefke fordert eine schnelle Aufklärung und Ausbesserung der Schäden am Landtagsschloss. "Ich denke, dass wir hier bald Baugerüste sehen werden, aber ich denke und hoffe nicht, dass wir deswegen aus dem Gebäude ausziehen müssen."

Zeitplan noch unklar

Welche Bauarbeiten nötig sein werden, ob zum Beispiel Teile der Fassade oder des Daches abgenommen werden müssen, ist noch völlig unklar. Die Landtagsverwaltung hat laut eigener Aussage die Zusage vom Gebäudebetreiber bekommen, dass die Ausbesserungen bis September kommenden Jahres zu schaffen seien.

Sendung: Inforadio, 11.11.2021, 06:50 Uhr

Beitrag von Oliver Soos

26 Kommentare

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  1. 26.

    Hätten Sie auch nur etwas Ahnung von Potsdam und wären richtiger Potsdamer würden Sie nicht eine solche Ansammlung von Falsch-Informationen und Beleidigungen unserer Stadt schreiben, dann aber als erstes die alten Lehmhütten an Havel auf bauen, da der Anfang ist. Helmut Krüger: "Ohne diesen jetzt wieder zumindest im Äußeren rekonstruierten Bau wäre Potsdam weiterhin Dorf, allenfalls märkische Kleinstadt geblieben bzw. geworden, wie dutzende Orte drumherum. Sanssouci ist erst danach und wäre nicht ohne das erfolgt."

  2. 25.

    Das Fake-Schloss und ihr Bezug interessiert mit Verlaub nur ein paar Braock-Fetischisten dem Rest der Welt ist dieser unnütze Prestige-Bau egal.

  3. 24.

    über 400 Millionen Euro wird der Rosa Klotz die Schloss-Attrappe kosten welcher gegen den Willen der Bürger von einigen Reichen den Potsdamern aufgezwungenen wurde und nun das auch noch.

  4. 23.

    Sie haben vollkommen recht: Gerade Brandenburg hat ja mit dem BER ein exzellentes Beispiel dafür, wie kostengünstig und pflegeleicht ein "praktischer und trotzdem ästhetisch ansprechender Neubau" sein kann. Mehr Glas- und Betonfassaden braucht das Land!

  5. 22.

    Man kann auch feststellen: Jeder Baupfusch ist klimaschädlich. Liegt da gar ein Konstruktionsfehler vor ?

  6. 21.

    Ich finde das wahlweise RRG/Berlin/Brandenburg/Deutschland Bashing einfach nur dumm. Das passiert in allen Ländern wo durch Kapitalismus Windeier produziert werden. Ich will garantiert nicht einen "Sozialismus" à la DDR Einparteiendiktatur aber diese Richtung die wir seit Jahrzehnten eingschlagen haben ist einfach nur kontraproduktiv. Was für eine Verschwendung an Materialien und Manpower.

    Richtig wäre also Kapitalismus, du bist so peinlich.

  7. 20.

    Disneys Zauberschlösser sind halt nicht für die Ewigkeit gemacht.
    Deutschland, du bist so peinlich.

  8. 19.

    Sie sind offensichtlich auch ein Mensch mit dem gewissen Blick für s Detail. Ich sehe mir auch so gern gelungene Baukunst an. Alt und modern. Technisch richtig spielt auch eine Rolle. Es muss mich einfach packen. Als Triebwermechaniker habe ich viele Jahre die Triebwerke eines Flugzeuges fast von innen gesehen beim überfliegen. Heute ahne ich was in einem Chip passiert. :=)

  9. 18.

    Beim Landtag bröckelt die Fassade...und nun nicht mal mehr bildlich gesprochen!

  10. 17.

    Der für die nach dem Krieg wieder restaurierte Straße Unter den Linden stilbildende Palast ist im Äußeren jüngst wieder erstanden. Das hätte schon seinerzeit getan werden können, doch leider herrschte keine Empfindung für den besagten Zusammenhang.

    Was einen Verlauf hat, hat einen Anfang und ein Ende. Der Verlauf sind die "Linden", der Anfang das frühere Schloss / das heutige Humboldt-Forum, das Finale in diesem jetzt wieder erkennbaren Zusammenhang ist das Brandenburger Tor.

  11. 16.

    Der für die nach dem Krieg wieder restaurierte Straße Unter den Linden stilbildende Palast ist im Äußeren jüngst wieder erstanden. Das hätte schon seinerzeit getan werden können, doch leider herrschte keine Empfindung für den besagten Zusammenhang.

    Was einen Verlauf hat, hat einen Anfang und ein Ende. Der Verlauf sind die "Linden", der Anfang das frühere Schloss / das heutige Humboldt-Forum, das Finale in diesem jetzt wieder erkennbaren Zusammenhang ist das Brandenburger Tor.

  12. 15.

    Dann hörte auch die Verantwortungsverschiebung auf.

    Diese Verantwortungsverschiebung gab es übrigens auch am B E R. Just am gleichen Tag, an dem der Bundestag das Entsendegesetz zur versuchten Eindämmung von Billigarbeit beschloss, wurde seitens Berlin bekanntgegeben, dass durch Auslagerung an Fremdfirmen Kosten beim B E R eingespart werden sollten. Das zeitliche Zusammentreffen war natürlich Zufall; der Zusammenhang als solcher indes nicht.

    Im Gestrüpp verwickelter Verantwortungslosigkeit geht die Transparenz gegen null.

  13. 14.

    "Laut der Landtagsverwaltung hat die Firma als Subunternehmer der Zech Gruppe die Fassade errichtet und dabei selbst weitere Subunternehmer eingesetzt."

    Einfach alle AN nach Tarif bezahlen und schon "lohnt" es nicht mehr Billigkräfte von Subunternehmern einzusetzen.

  14. 13.

    Ich ich soviel Pfusch am Bau betrieben hätte, würde ich meine Firma auch abmelden um nicht in Haftung genommen zu werden.

  15. 12.

    Ich finde es irgendwie beschämend. Wir können in Deutschland bauen was wir wollen und irgendwie sind immer Mängel dabei. Mal abgesehen von dem Chaotenbau BER, gab es erhebliche Mängel am Berliner Hauptbahnhof in Größenordnungen, das Humboldtforum wurde mit erheblicher Verspätung fertig und nun die Probleme am Landtagsgebäude. Mal ganz zu schweigen von den Problemen an den Autobahnen, wo die Probleme mit dem Betonkrebs lange bekannt waren, aber ignoriert wurden. Sind wir in Deutschland zu unfähig oder zu dämlich zu bauen??? Der Palast der Republik hatte angeblich Asbestprobleme, aber Fassadenteile sind nicht abgefallen.

  16. 11.

    Mit der berühmte Liebe zum Detail wurde offenbar nicht gearbeitet. Für mich ist das eher die Widerspiegelung eines teilweise herrschenden Unwillens. Wenn ich vom Bahnhof mit dem Rad komme und auf den stadtbildprägendsten Bau zufahre. bin ich jedesmal beseelt von Freude. Gleichzeitig aber erlebe ich, dass gut vier Fünftel getrieben von Eile aufs Tempo drücken, keinen Blick nach links und rechts werfen und die Fußverkehrsszenerie entlang der Südfassade aufmischen.

    Ohne diesen jetzt wieder zumindest im Äußeren rekonstruierten Bau wäre Potsdam weiterhin Dorf, allenfalls märkische Kleinstadt geblieben bzw. geworden, wie dutzende Orte drumherum. Sanssouci ist erst danach und wäre nicht ohne das erfolgt.

  17. 9.

    Natürlich nicht. Ist auch völlig überflüssig, wir leben schließlich seit Langem nicht mehr in einer Monarchie. Ein praktischer und trotzdem ästhetisch ansprechender Neubau wäre mehr als angemessen gewesen. Aber es soll ja aussehen wie früher. Innen siehts dann aus wie eine gewöhnliche Firmenzentrale. In Berlin werden wir vermutlich auch noch einige Baumängel am Humboldtforum erleben.

  18. 8.

    Deutschland und Bauen, passt irgendwie nicht mehr zusammen!

  19. 7.

    Nich mal Paläste bauen kann Deutschland.
    Traurig wie wir uns abschaffen , da freut sich der Steuerzahler.

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