Neuwahl im Landkreis - In Oberhavel wird ein neuer Landrat gesucht

Sa 27.11.21 | 18:45 Uhr | Von Karsten Zummack
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Symbolbild: Autos parken am Rand der Mühlenstraße in der Innenstadt von Zehdenick. Am Ende der Straße steht das Gebäude der Stadtwerke. (Quelle: dpa/S. Stache)
Video: Brandenburg Aktuell | 21.11.2021 | Karsten Zummack | Bild: dpa/S. Stache

Im Landkreis Oberhavel winken schon wieder Wahlplakate von den Laternen, denn Landrat Ludger Weskamp (SPD) scheidet vorzeitig aus dem Amt aus. Wer wird sein Nachfolger? 179.000 Menschen können am Sonntag darüber entscheiden. Von Karsten Zummack

Bagger und Kräne drehen sich im nördlichen Berliner Speckgürtel, zum Beispiel in Schwante. Hier wurde im Wendeherbst 1989 die Sozialdemokratische Partei der DDR, die SDP, gegründet. Inzwischen gehört der Ort zur Gemeinde Oberkrämer, hat eine ziemlich bekannte Bäckerei und ist beliebt bei Zuzüglern aus Berlin. Die Einwohnerzahl hat sich - verglichen mit dem Jahr 1990 - verdoppelt.

Boom-Region Oberhavel

Solch ein Bevölkerungszuwachs ist kein Einzelfall im Landkreis Oberhavel. Entgegen früherer Prognosen gab es kaum Abwanderung, im Gegenteil: Die Bevölkerung ist in den vergangenen drei Jahrzehnten stetig gewachsen. Oberhavel zählt inzwischen gut 214.000 Einwohner. 77 Prozent von ihnen leben im strukturstarken Süden des Kreises. Dazu zählen Städte wie Hennigsdorf, Oranienburg und Velten. Hier haben sich viele namhafte Unternehmen angesiedelt. Studien sehen den Kreis als eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen Deutschlands.

Ganz anders sieht es im Norden von Oberhavel aus. Die Region lebt vom Tourismus, schließlich gibt es hier viel Wasser. Gleichwohl fühlt sich manch einer in Fürstenberg und Umgebung abgehängt. Die Bahn verkehrt deutlich seltener, Busverbindungen sind ausgedünnt. "Oberhavel hat das schlechteste Busangebot in ganz Brandenburg", beklagt der grüne Landrats-Kandidat Clemens Rostock. Dabei sei dies kein armer Landkreis.

Tatsächlich gehörte das Thema Verkehrsanbindungen auch zu den großen Themen im aktuellen Wahlkampf. Hinzu kommen nach Aussage des SPD-Bewerbers Alexander Tönnies noch die Bereiche Wohnen und Bildung, denn der verstärkte Zuzug erfordert auch neue Schulen und Kitas. Boom ist eben immer auch mit Wachstumsschmerzen verbunden. Das räumen alle vier Kandidaten für den Chefsessel im Kreis ein. Doch wer sind die Bewerber?

Alexander Tönnies von der SPD - Landratswahl Oberhavel. (Quelle: rbb/K. Zummack)

Der SPD-Kandidat Alexander Tönnies

Mit den Eignern des bekannten Lebensmittelkonzerns um den Ex-Schalke-04-Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies habe er nichts zu tun, versichert der 50-jährige Alexander Tönnies. Er selbst ist in Berlin-Pankow groß geworden, hat ursprünglich Facharbeiter für Werkzeugmaschinen gelernt. Später wurde Tönnies Polizist und Sprecher der Berliner Polizei.

Seit 20 Jahren lebt er in Hohen Neuendorf, ist dort inzwischen Beigeordneter der Kommune. Mit dieser Verwaltungserfahrung will Alexander Tönnies punkten. In den vergangenen Wochen setzte er so stark wie keiner seiner Mitbewerber auf den klassischen Straßen-Wahlkampf, war fast täglich in der Region unterwegs. "Wir müssen aufpassen, dass der Norden des Kreises nicht abgehängt wird“, sagt Tönnies. Sein großer Vorteil: In den vergangenen drei Jahrzehnten stellte seine Partei immer den Landrat in Oberhavel.

Sebastian Busse von der CDU Landratswahl Oberhavel. (Quelle: rbb/K. Zummack)
Bild: rbb/K. Zummack

Sebastian Busse von der CDU

"Alle warten auf Busse", prangt auf vielen Plakaten des CDU-Kandidaten Sebastian Busse. In Wahlkampfzeiten darf schließlich auch mit Namen gespielt werden. Der Spruch ist doppeldeutig gemeint. Denn schließlich möchte er nicht nur den Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis stärken. Er heißt eben auch so: Busse.

Der 41-Jährige lebt in Staffelde – ein Ortsteil von Kremmen. In der Kleinstadt ist er seit fünf Jahren Bürgermeister. Durch dieses Amt, durch sein Engagement im Fußballverein und bei der Feuerwehr sieht er sich gut vernetzt. Jetzt will der ehemalige Gas-Wasser-Installateur und Außenhandelskaufmann den Landkreis neugestalten.

Für den Fall, dass er das Vertrauen der Einwohner bekommt, verspricht er nicht nur bessere Busverbindungen und eine Taktverdichtung. "Das Wichtigste aktuell ist der Schulentwicklungsplan. Der muss definitiv im März, April vom Kreistag beschlossen werden", sagt Busse.

Vasco Piehl von der AfD - Landratswahl Oberhavel. (Quelle: rbb/K. Zummack)
Bild: rbb/K. Zummack

Vasco Piehl geht für die AfD ins Wahlrennen

Der berühmte Seefahrer Vasco da Gama soll Pate gestanden haben bei der Namensgebung. In Dresden geboren, lebt der 41-jährige Vasco Piehl mittlerweile in Nassenheide. Für die AfD sitzt er in der Gemeindevertretung Löwenberger Land. "Hier setze ich mich dafür ein, dass wir den Zuzug begrenzen und keine großen Wohngebiete mehr erschließen“, sagt Piehl mit Blick auf Infrastruktur-Herausforderungen und Naturschutz.

Aktuell arbeitet er als Förster beim Landkreis. Gern würde der AfD-Mann dort einige Stufen höher klettern. Sein Mindestziel ist das Erreichen der Stichwahl. Immerhin landete seine Partei bei der Bundestagswahl 2021 in Oberhavel nur knapp hinter der CDU auf Rang 3.

Als große Themen erachtet Piehl derzeit die Corona-Lage sowie die Afrikanische Schweinepest. Darüber hinaus erachtet er den Umstieg auf erneuerbare Energien als unumgänglich, schon weil Erdöl knapp wird. Der AfD-Landratskandidat wünscht sich beim Ausbau aber eine stärkere Einbeziehung der Bevölkerung.

Clemens Rostock von den Gruenen - Landratswahl Oberhavel. (Quelle: rbb/K. Zummack)
Bild: rbb/K. Zmmack

Clemens Rostock (Bündnis ´90 / Die Grünen)

Jung, ökologisch, politisch erfahren – mit diesen Attributen möchte Clemens Rostock bei der Wahl punkten. Oberhavel zähle zu den Hochburgen seiner Partei in Brandenburg, betont der 37-Jährige. Für die Bündnisgrünen sitzt er im Landtag, lebt mit seiner Familie in Hennigsdorf.

Da lag es nah, auch für den Chefsessel im Kreis zu kandidieren. Zu seinen Themenschwerpunkten zählt der Ausbau des Radwegenetzes und des ÖPNV in Oberhavel. "Da müssen wir doch deutliche Schritte vorankommen“, sagt Rostock mit Blick auf schwache Zeugnisse insbesondere für das hiesige Busangebot. Er wirbt für eine Mobilitätsgarantie.

Zugutekommen dürfte ihm die offizielle Unterstützung der Linken. Deren Kandidat hatte seine Bewerbung aus persönlichen Gründen zurückgezogen.

Stichwahl möglich

Sollte im ersten Wahlgang kein Kandidat die Mehrheit erreichen, gibt es am 12. Dezember eine Stichwahl. Wenn der Sieger das Quorum von 15 Prozent aller Stimmen verfehlt, also nicht ausreichend Bürger an der Wahl teilnehmen, entscheidet der Kreistag über den neuen Landrat von Oberhavel.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 21.11.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Karsten Zummack

8 Kommentare

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  1. 8.

    Hacky, eine Wahl ist auch dann demokratisch, wenn niemand die AfD wählt, klingelt es? Das Alter hat nix mit dem Verstand zu tun.

  2. 7.

    Ich habe es genau so gesagt wie ich es meine.Ich bin der Meinung das man immer in eine rechte Ecke gedrückt wird wenn man anderer Ansicht ist,außerdem kenne ich den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie. Ich bin in dem Alter das zu unterscheiden.

  3. 6.

    Ich habe es genau so gesagt wie ich es meine.Ich bin der Meinung das man immer in eine rechte Ecke gedrückt wird wenn man anderer Ansicht ist,außerdem kenne ich den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie. Ich bin in dem Alter das zu unterscheiden.

  4. 5.

    Übrigens, Rechte denken immer, dass es undemokratisch zugeht, wenn die AfD nicht gewählt wird. Demokratie bedeutet in diesen Kreisen etwas anderes, diese Leute nennen das Diktatur und genau an diesem Punkt wird es lächerlich. Vielleicht haben Sie ja nur die Definitionen verwechselt oder passend gemacht, gell.

  5. 4.

    Du hast vollkommen Recht.Leider ist es in der Politik Gang und Gäbe sich zu ihrem Vorteil zuverhalten und dabei nicht an die denken die sie gewählt haben.Sollte es so sein das der Kandidat von der AfD in die Stichwahl kommt werden die anderen dafür sorgen das er sein Ziel nicht erreicht, sowas nennt sich dann demokratisch. Übrigens ich bin nicht Rechts eingestellt.

  6. 3.

    Schade, kein Wort warum überhaupt gewählt wird. Unser Landrat, SPD Genosse Westkamp, hat sich entschieden seinem Wahlversprechen über acht Jahre nicht zu folgen und hat sich statt dessen mitten in der Wahlperiode zum Präsidenten der Ostdeutschen Sparkassen wählen lassen. Teuer für den Steuerzahler, gut für sein Portmonee und absolut unanständig. Und alle machen mit.

  7. 1.

    @Redaktion: "in der Oberhavel" - das wollen wir doch nicht hoffen, einfach "der" streichen bitte :-)

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