Signa-Turm in Berlin-Mitte - 134 Meter hoch in den Himmel über dem Alex

Fr 05.11.21 | 06:09 Uhr | Von Jenny Barke
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Visualisierung des Projekts MYND am Alexanderplatz. (Quelle: SIGNA Real Estate)
Bild: SIGNA Real Estate

Ein Teil von Galeria Kaufhof ist abgerissen, an gleicher Stelle entsteht ein dritter Hochhaus-Turm am Berliner Alexanderplatz. Einen schmissigen Namen hat der Tower bereits. Was hinter der Fassade stecken soll. Von Jenny Barke

Das Besondere an dem Turm solle sein, dass er nichts Besonderes ist. So beschreibt Architekt Jan Kleihues das von ihm geplante Gebäudeensemble dem rbb. Vielmehr solle der Neubau am Alexanderplatz eine Ergänzung für die Warenhausbebauung darstellen.

Doch dafür musste erst einmal ein wenig Warenhausbebauung weichen: Ende Oktober feierten Politiker, der Architekt und der Investor eine "Abriss-Party" an der Ecke Dircksenstraße/Karl-Liebknecht-Straße. Medienwirksam zertrümmerten der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan van Dassel (Grüne) und der Senator für Stadtentwicklung, Sebastian Scheel (Linke) einen Teil der Natursteinfassade von Galeria Kaufhof.

Visualisierung des Projekts MYND am Alexanderplatz. (Quelle: SIGNA Real Estate)
Bild: SIGNA Real Estate

Auf Laden-Sockel thronen Büro-Etagen

Platz machen für Neues, so der Plan. Nach der Demontage von 4.000 Quadratmetern Galeria Kaufhof soll an der abgerissenen Westecke ein Sockelbau errichtet und auf diesem der Turm gebaut werden - bei laufendem Betrieb des Warenhauses.

Der Berliner Senat hatte für die Baugenehmigung zur Bedingung gemacht, dass Galeria Kaufhof und die Karstadt-Kaufhäuser erhalten bleiben. Seit des "Teil-Abriss-Events" gibt es schon einen Namen für das Projekt: "Mynd" soll der Turm heißen, der Name steht für "My Mind".

Und auch die Pläne für die insgesamt 110.000 Quadratmeter sind schon recht konkret. Der unter- und überirdische Sockel soll das Warenhaus Galeria Kaufhof wieder erweitern. Zusätzlich soll es einen neuen Eingang an der Karl-Liebknecht-Straße geben, der zu Einzelhandelsgeschäften führt. Auf dem Sockelgebäude sollen 33 Etagen mit insgesamt 42.000 Quadratmetern Geschossfläche thronen. Büros, Arztpraxen und Co-Working-Flächen sind hier geplant.

Kleihues "junior" setzt Arbeit des Vaters fort

Ein Hundertstel der Fläche, also etwa 1.000 Quadratmeter, hat Signa dem Land Berlin als "gemeinnützige Fläche" zugesichert, also mietfreie oder mietpreisreduzierte Flächen zur gemeinwohlorientierten Nutzung. Dabei habe Signa bereits Entgegenkommen gezeigt, erklärt Manfred Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Vor 20 Jahren, als die Bebauungspläne verabschiedet worden sind, waren gemeinnützige Flächen nocht nicht gefordert worden. "Wir konnten das nur mit der Freiwilligkeit regeln", sagt Kühne. Auf Auflagen zur Schaffung von Wohnraum verzichtete der Senat indes, zu laut sei die Umgebung mit den nahegelegenen Schienen und Schnellstraßen.

Lange Zeit blieb das Park-Inn das höchste Haus am Alexanderplatz. Und das, obwohl es bereits direkt nach der Wende hochfliegende Pläne für die Umgestaltung der Berliner Mitte gab. Kleihues "junior" setzt nun das Projekt seines Vaters fort: Josef Paul Kleihues modernisierte das DDR-Warenhaus Centrum nach der Wende.

Hochhaus-Wettrennen hat begonnen

Doch bis weitere Visionen der frühen Neunziger Gestalt annehmen konnten, musste erst der Druck auf dem Wohnungsmarkt steigen. Mit der Nachfrage wuchs die Lust auf neue Bauprojekte. 2019 begann ein russischer Investor die Bauarbeiten für den "Alexander Tower" direkt am Einkaufszentrum Alexa.

Ende Oktober war Baustart für den ersten und auch höchsten der vier neuen Tower - er wird mit 150 Metern so hoch wie das Park-Inn. Beim zweiten Hochhaus vom Investor Covivio haben die Tiefbauarbeiten im Frühjahr begonnen. "Wir machen jetzt weiter. Wir leisten uns ein kleines Wettrennen darum, wer als erstes oben ist", sagt Signa-Deutschland-Chef Timo Herzberg über den bevorstehenden Baustart des "Mynd"-Turms.

Visualisierung des Projekts MYND am Alexanderplatz. (Quelle: SIGNA Real Estate)

Turm soll CO2-neutral werden

Nur bei der Höhe wird das dritte Hochhaus das Wettrennen nicht gewinnen. Auf Drängen des Senats hatte Signa im Vorfeld 15 Meter seiner Turmpläne gekappt. Die 150 Meter Höhe der geplanten vier Hochhäuser waren ein Streitthema mit dem Land Berlin: Das städtebauliche Konzept sieht eine maximale Höhe von 150 Metern vor. Doch Voraussetzung dafür sei, dass die Türme an ihrer Spitze immer schlanker würden, erklärt der Leiter für Städtebau, Kühne. "Solche filigranen Türme funktionieren in New York, in Deutschland ist das meist für die Projektentwickler nicht machbar." Für Signa wäre das zu unwirtschaftlich gewesen, sagt Kühne. Nun werden es 134 Meter.

Der Architekt Kleihues will mit anderen Merkmalen glänzen. So wirbt das Architekturbüro Kleihues+Kleihues damit, ein besonders nachhaltiges Hochhaus zu bauen. Mit einer gewölbten Deckenkonstruktion sollen 30 Prozent Beton eingespart werden. Zudem sollen spezielle Fenster eingesetzt werden, die eine besonders energieeffiziente Nutzung ermöglichen. Signa will mit der besonderen Bauweise einen CO2-neutralen Turm errichten.

Dennoch gelten Türme als sehr energieverbrauchend: Durch die Höhe entstehen große Angriffsflächen für die Witterung, zudem benötigen die aufwändigen Konstruktionen weit mehr Ressourcen als durchschnittliche Bauten.

Zukunftsperspektive "City Ost"

Wenn alles glatt läuft, wird der Sockelbau 2025 und der "Mynd"-Turm ein Jahr später fertig gestellt. Dann könnten Berlinerinnen und Berliner eine neuen Blick über die Dächer der Stadt gewinnen: In der 33. Etage soll eine Dachterrasse entstehen, deren Besuch auch nach den Landenöffnungszeiten möglich sein soll.

Mit den neuen Türmen könnte auch eine Aufwertung des Alexanderplatzes stattfinden, der "City Ost". Immer wieder gerät der Platz als "Kriminalitäts-Hotspot" in die Schlagzeilen. Das könnte sich durch die neue Anziehungskraft und das neue Klientel ändern, so die Hoffnung des Senats. "Uns ist es lieber, die Grundstücke sind bebaut, sodass die Aufenthaltsqualität und auch die Sozialkontrolle besser wird", sagt Kühne. Doch ein paar Jahre wird es noch dauern, bis sich zeigt, ob sich durch die vier neuen Hochhäuser Berlins Mitte hin zu einem neuen Wohn-, Arbeits- und Flanierviertel wandelt.

Sendung: Abendschau, 05.11.2021, 19:30 Uhr

Beitrag von Jenny Barke

36 Kommentare

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  1. 36.

    "Sozialkontrolle" - passt. Das Gesindel ab an die Ränder. Wie werden wir Berlinerinnen dann den Feierabend in der 33. Etage im Tower genießen! Und auf dem einen Prozent gemeinnütziger Fläche. Im Ernst: Liebes RBB-Team, recherchiert doch mal, welche Gelder da fließen, um mit solchen irren Projekten unsere Stadt zu verschandeln und Zentren zu kommerzialisieren.

  2. 35.

    So soll es also aussehen, meine Fresse was für ein Schrott. Hasst ihr Berlin wirklich so sehr? Was soll das? Noch mehr shoppen!? Ca 70 Konsumtempel in der Stadt hinzu kommt der Onlinehandel, Mann was stimmt nich mit euch "Entscheider"? Was den ähm ja Architekten angeht, Job verfehlt, 5 setzen.

  3. 34.

    ca. 22 meter - sodass die feuerwehr mit ihrer leiter auch auf´s dach kommt und der notarzt beim stromausfall noch luft hat um patienten im obersten geschoss sofort helfen zu können sowie aus tausend anderen vernünftigen gründen, aber wenn jemand mit geld vor der spd wedelt dann werden die genossen auch schwach...

  4. 33.

    Im windigen Schatten von Büro-Wohn-Hochhausklötzen ist die Aufenthaltsqualität bekanntermaßen superduper und Kriminalität nicht vorhanden, Lehrt der Blick nach FFM, NY oder auch schon an den Potsdamer Platz und in die City West. *ironieaus
    Es wurde in den 90ern gemunkelt, daß mit dem geplanten Hochhauswald am Alex tatsächlich der Fernsehturm verdeckt/die Sicht auf ihn verhunzt werden sollte, wo es doch den Oberen (West) schon nicht gelungen war, ihn abreißen zu lassen (war nach der Wende tatsächlich die Überlegung ...).

  5. 32.

    Wie hoch war eigentlich die Traufhöhe? Muß der Alex unbedingt verschandelt werden? Ist kein touristischer Anziehungspunkt mehr. SCHADE

  6. 31.

    Was könnte da noch weiter an Namen einfallen:
    Eine Adaption Antonio Gaudis, Entwürfe von Zaha Hadid ...
    nur eben nicht pubertär nach Höhe gedrängt auf einen Haufen, sondern im gebührenden Abstand, damit ein Solitär, wie es der Fernsehturm nun einmal ist, ein Solitär bleibt.

  7. 30.

    Also wenn Sie Sachsenhausen meinen, dann haben Sie Recht, wenn Sie das "amerikanische Sachsenhausen" auf der anderen Main-Seite meinen, dann ist dort in der Tat "tote Hose", weil die Büros in den Türmen, Abends leer sind. Eigentlich weiß jeder, dass zwischen Hochhäusern kein Flair entstehen kann, die Frankfurter auf jeden Fall. Und die an der Oder auch, aber die aus einem anderen Grund: die haben nur eins... Aha, macht sich eine Bauform rar, wird sie als wertvoll angesehen.

  8. 29.

    Abgesehen von der unglaublichen Beliebigkeit und Hässlichkeit des geplanten Hochhauses - was soll bitte an dem Namen "schmissig" sein? Kann kein Mensch irgendetwas mit anfangen, schon gar nicht ein deutsch sprechender.
    Namen für Gebäude in Berlin werden im übrigen seit jeher von den Berlinern verliehen und nicht von denen, die sie bauen - siehe z. B. die schwangere Auster.

  9. 28.

    In Beton gegossene Phantasielosigkeit, die aber darin thematisch ganz wunderbar die Neubauten um den Berliner Hauptbahnhof ergänzt: Rasterfassaden und Schießschartenarchitektur allerorten- Berlin fehlt der Mut zur Form. Schade.

  10. 25.

    Das kleinste Hochhaus der Welt. Unsere Rekorde stützen uns.

  11. 24.

    Wie kann die Stadt nur so bescheuert sein und sich eine ihrer tollsten Sehenswürdigkeiten - den Fernsehturm - so zubauen lassen????

  12. 23.

    Volle Unterstützung! Diese Klötze ohne jede Fassadengliederung: in Beton und Glas gegossene Langeweile auf dem Niveau beliebiger Gewerbebauten wie z.B. am Südkreuz. Ein derart zentraler Platz verdient skulpturale, zumindest jedoch markante Architektur. Davon ist in den Modellbildern nichts zu erkennen. Optisch armselige Zweckbauten, die die Aufenthaltsqualität nicht im geringsten verbessern.
    Was bin ich froh, das das Humboldtforum entgegen allem Architektengejammer in historischer Fassadenrekonstruktion errichtet wurde!
    @David aus Karlshorst: genau meine Meinung, Markante Neubauten wie in vielen anderen Hauptstädten fehlen in Berlins Zentrum weiterhin.

  13. 22.

    Wer noch nie dort war, kann darüber gar nicht urteilen. Frankfurt ist nicht hässlich!

  14. 21.

    Eine der schlechter Artikel mit vielen inhaltlichen Fehlern.

  15. 20.

    Ist Signa nicht die Firma von diesem dubiosen Rene Benko, der mutmaßlich Sebastian Kurz und u. A. auch den kroatischen Regierungschef bestochen/vorteilsgenommen hat?

  16. 19.

    De Alex mnifestriert seinen zweifelhaften Ruhm als häslichster Platz Berlins, wenn nicht gar Deutschlands.

  17. 18.

    Hallo Markus. Wie recht Du doch damit hast. Das wäre wunderbar. Ein Hundertwasser Hochhaus. Oder zumindest eins womit Berlins Mitte wesentlich anschaulicher wird. Aber so wie geplant, finde ich das ganze komplett einfallslos. Was ich sehr,sehr schade finde.

  18. 17.

    Wieder ne Vogelklatsche mehr! Sichtachsen werden zugestellt naja ist eh nichts mehr zu retten!

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