Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst - Verdi will mit weiteren Warnstreiks Druck auf Länder erhöhen

Do 25.11.21 | 13:44 Uhr
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Symbolbild: Warnstreik der Gewerkschaft Verdi (Quelle: dpa/Frank Bründel)
Bild: dpa/Frank Bründel

Weitere ganztägige Warnstreiks in den Senatsverwaltungen, Bezirksämtern, landeseigenen Kitas und Hochschulen Berlins haben am Donnerstag zu Verzögerungen und Einschränkungen geführt. Zu den Streiks hatten die Gewerkschaften Verdi, IG Bau und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der laufenden Tarifrunde des öffentlichen Dienstes aufgerufen.

Die Arbeitnehmervertreter wollen damit den Druck auf die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) weiter erhöhen. Für Samstag sind weitere Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der TdL angekündigt. Es geht um Gehaltserhöhungen für die Beschäftigten.

Protestzug und Kundgebung am Brandenburger Tor

Hunderte Streikende zogen am Donnerstagvormittag vom S-Bahnhof Tiergarten und vom Charlottenburger Tor zu einer Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Als Folge dessen kam es in der Berliner Innenstadt zu Behinderungen. Betroffen war auch die Straße des 17. Juni zwischen Ernst-Reuter-Platz und Brandenburger Tor.

Die GdP teilte mit, dass sich "fast 4.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes" an dem Streik beteiligt hätten. "Wir erwarten, dass sich die Arbeitgeberseite am Wochenende in der nunmehr dritten Verhandlungsrunde endlich bewegt und auf unsere Forderungen reagiert", so GdP-Landesvize Christian Hanisch.

Berliner Feuerwehr nicht zum Streik animiert

Die Gewerkschaft Verdi hatte im Vorfeld Arbeitsniederlegungen für Beschäftigte aus dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), dem Landesamt für Einwanderung (LEA), den Bürger- und Ordnungsämtern der Bezirke sowie der Polizei angekündigt.

Die ebenfalls in der GdP vertretenen Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr seien "aus Rücksicht auf die derzeitige, immense Belastung im Rettungsdienst nicht zum Streik animiert" worden, konkretisierte der Sprecher der GdP.

Verhandlungen seit Anfang Oktober

Seit Anfang Oktober verhandeln mehrere Gewerkschaften mit den Ländern. Sie fordern für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst fünf Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 150 Euro monatlich. Außerdem sollen die Entgelte für Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie für Auszubildende, Studierende und Praktikanten erhöht werden.

Am Mittwoch hatte schon die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu einem Warnstreik aufgerufen. Daran beteiligten sich etwa 6.000 Beschäftigte von Kitas, Schulen und Hochschulen. Auch in der vergangenen Woche hatten die Arbeitnehmervertreter Warnstreiks durchgeführt.

Sendung: Inforadio, 25.11.2021, 8:20 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Wer die Tarifverhandlungen für durch Verdi beobachtet,merkt gleich,das die Vandlungsführer zahnlose Tiger sind.
    Erst groß tun und dann sich einlullen lassen.
    Es wird Zeit ,das die Mitarbeiter im ÖD von einem starken Mann wie den GDL Chef vertreten werden.

  2. 6.

    Es ist leicht an anderen herumzumäkeln, aber es geht hier nicht nur um eine Lohnanpassung sondern vor allem um Arbeitsbedingungen, um Wertschätzung, um Zukunft. Für das Gehalt in Kitas, Gesundheits-, Sozial- und Bildungsberufen will doch keiner in der freiem Wirtschaft arbeiten. Viele Stellen im Öffentlichen Dienst sind unbesetzt und es herrscht Fachkräftemangel. Das wird nicht besser, sondern schlimmer werden, wenn diese Berufe nicht aufgewertet werden. Die Länder reden von Haushaltskonsilidierung - und wir dafür zahlen, indem sie Hand an das Eingruppierungsverfahren legen - zu Ungunsten der Arbeitnehmer*innen. Wenn sie das schaffen, verdienen wir noch weniger als vorher - sehr viel weniger. Ist das fair? Wir haben den Laden in der Pandemie am Laufen gehalten und jetzt sollen wir die Rechnung auch noch übernehmen. Sollen sie doch die Reichen besteuern.

  3. 5.

    Volle Zustimmung.
    Verdi tut immer so als bestünde der öffentliche Dienst nur aus Feuerwehrleuten und Krankenpflegepersonal.
    Es gibt aber auch das Verwaltungspersonal das zum Beispiel ja die letzten Wahlen so toll organisiert hat.Oder in meinem Bürgeramt wo vier Mitarbeiter in zwei Computer schauen und sich allen Ernstes über Ihre Überlastung beschweren.
    (Es gab aber genung Computerarbeitsplätze)

  4. 4.

    Hallo Rbb,
    wann berichten Sie eigentlich auch mal darüber, dass die TdL plant die Eingruppierungen aufgrund neuer Tätigkeitsbewertungen ("Arbeitsvorgang") zu ändern und so für Gehaltsverluste bei den Tarifbeschäftigten zu sorgen?! Das ist die Position und das derzeitige "Angebot" der Arbeitgeber, wogegen man auch streikt.

  5. 3.

    Na ich weiß nicht, wenn ich das Schild sehe und lese, was da drauf steht, dann komme ich ins Schmunzeln. Sicherlich kann man über einige tarifliche Eingruppierungen echt nachdenken. Und wer mehr Geld bekommen sollte. Wenn ich an die Berliner Verwaltung denke in der Nacht, dann bin ich vor Lachen um den Schlaf gebracht, um es in Anlehnung an einen Ausspruch zu nennen. In Berlin können sich manche Angestellte echt nicht beklagen ob ihres Gehalts und der "anfallenden Arbeit", die Urlaubs- und Freizeitgestaltung ist auch sehr sozial ausgerichtet. Wenn die Verwaltung neu strukturiert und digitalisiert sowie das Personal entsprechend angepasst wird, dann wird man bestimmt mit den Finanzen und der Personalsituation anders umgehen können. Ich kann dem Streik so nur bedingt zustimmen.

  6. 2.

    Also ich bin heute 11.38 seit 9.00 dabei und es sind fast nur gelbe Westen von verdi zu sehen. Vielleicht warst du gestern am Mittwoch bei der Gew-veranstaltung?

  7. 1.

    Ich war auf den Streiks. Verdi Anhänger waren dort in der Minderheit. Auf 100 GEW-ler kamen vielleicht 3 Verdi-Gewerkschaftler. Auch die Kundgebungen waren ausschließlich in GEW-Hand.
    Seltsame Berichterstattung. NUn von einer Verdi-Aktion zu berichten hat nichts mit der Realität zu tun.

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