Jahresbericht - Zahl der Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen in Berlin deutlich gestiegen

Do 09.12.21 | 15:36 Uhr
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Historische Fassade beim Chamissoplatz in der Willibald-Alexis-Straße Ecke Kopischstraße in Kreuzberg, Berlin (Quelle: dpa)
Bild: picture alliance/Global Travel Images

Deutlich mehr Wohnungen wurden 2020 in Berlin von Miet- zu Eigentumswohnungen umgewandelt als im Vorjahr. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht zur Umwandlungsverordnung hervor. Die Zahl stieg von rund 12.700 Wohnungsumwandlungen im Jahr 2019 auf etwa 19.200.

3.000 Umwandlungen mehr in Milieuschutzgebieten

Vor allem in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Tempelhof-Schöneberg gab es einen Anstieg, heißt es in der Mitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, dabei seien speziell ältere soziale Erhaltungsgebiete betroffen, die bereits 2015 festgelegt worden waren. Insgesamt wurden rund 3.000 Wohnungen mehr als im Vorjahr in diesen sogenannten Milieschutzgebieten umgewandelt, im verbleibenden Stadtgebiet etwa 3.500.

Seit 2015 ist die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen in Milieuschutzgebieten genehmigungspflichtig. Die Bezirke können damit bei Wohnungen in diesen Gebieten entscheiden, ob die jeweilige Umwandlung genehmigt wird oder nicht.

Der Senat hatte die entsprechende Verordnung im vergangenen Jahr noch einmal verlängert bis 2025 und dabei formell verschärft. Für bestehende Wohngebäuden mit mehr als fünf Wohnungen gilt seitdem eine Genehmigungspflicht für die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, die Teilung von Wohnungen ist in diesen Gebäuden grundsätzlich verboten, Ausnahme-Genehmigungen sind schwerer zu erreichen.

Senator Scheel sieht sich bestätigt

Der Berliner Senator für Stadtentwicklung und Wohnen, Sebastian Scheel (Linke), sieht sich durch die nun präsentierte Statistik darin bestätigt, die Verordnung verlängert und verschärft zu haben: "Wir gehen davon aus, dass wir dank der neuen Regelungen im kommenden Jahr einen deutlichen Rückgang des Umwandlungsgeschehens erleben werden", wird er in der Mitteilung des Senats zitiert.

Sendung: rbb24, 09.12.2021, 16:00 Uhr

23 Kommentare

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  1. 23.

    Ich finde "private Vermieter" hört sich immer so niedlich an, aber die gibt es in Berlin ja kaum noch. Die meisten Wohnungen in Berlin gehören börsennotierten Unternehmen. Das waren 2020: Deutsche Wohnen (115.740 Wohnungen), Vonovia (42.241), ADO (17.924), Covivio (15.813) und Grand City (7.580). Danach kommen Fonds: Blackstone, Becker & Kries und Spree Phönix etwa: IMW Immobilien (Fonds, über 3.000 Wohnungen), UniImmo (Fonds, über 3.000), Albert + Victoria (anonym, über 3.000), Optimum Evolution (Fonds, 2.883). Als privat gelten Pears (über 3.000), Heimstaden (über 3.000) und dann mag es noch ein paar private Hausbesitzer geben, die ein oder zwei Miethäuser haben oder einzelne Wohnungen vermieten.

  2. 22.

    Das ist richtig. In einer Genossenschaft sind alle Mitglieder Miteigentümer. Eine Gewinnbeteiligung wird in Form von Zinsen auf die Genossenschaftsanteile auch ausgeschüttet. Allerdings ist die Höhe der Anteile begrenzt, die ein Mitglied erwerben kann. Mindestens müssen so viele Anteile erworben werden, wie drei Kaltmieten der bewohnten Wohnung kosten, ähnlich der Kaution, die für Mietwohnung fällig wird. Diese muss ja durch den Vermieter auch zinsbringend angelegt werden. Je nach Genossenschaft kann man mehr einzahlen, wobei die maximale Höhe durch die Genossenschaft festgelegt wird. Bei meiner sind es 7.500 €. Von den Zinsen leben kann also keiner und nicht die Verwaltung oder ein Einzelbesitzer sahnt ab, sondern jeder kriegt ein Stück vom Kuchen. Ich habe lange in einer normalen Mietwohnung gewohnt und bin froh, jetzt diese sichere Wohnlösung gefunden zu haben.

  3. 21.

    Genossenschaften sind ja letztlich auch nur eine besondere Form von Wohneigentum, da man ja selbst Genosse, also Miteigentümer ist. Man muss sich ja schließlich auch mit dem Kauf von Anteilen dort einbringen. Außerdem steht den Genossen auch eine Gewinnbeteiligung zu, deren Höhe abhängig von den Anteilen ist. Es ist also nicht korrekt, dass keine Gewinne erwirtschaftet und ausgeschüttet werden, auch wenn die Gewinnmaximierung natürlich nicht das Ziel ist.

  4. 20.

    "Da sieht man was RRG mit dem Wohnungsmarkt anstellt. Durch den verfassungswidrigen Mietendeckel und Stimmungsmache gegen Vermieter sind auf dem Berliner Wohnungsmarkt mehr Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, als der Senat neu gebaut hat.. "

    Nein, daran kann man sehen wieviel kriminelle Energie unter privaten Vermietern herrscht und dass wir deswegen sofort eine gesetzliche Regelung brauchen um die sich Seehofer jahrelang gedrückt hat.

  5. 19.

    Ich kann nur immer wieder betonen, dass es eine sozialverträgliche Lösung mit den Wohnungsbaugenossenschaften gibt. Erfolgreich in Berlin seit über 100 Jahren. Genossenschaften dürfen laut Satzung keine Gewinne erzielen sondern müssen reinvestieren. Das heißt, es gibt keine überzogenen Mietforderungen, der Wohnungsbestand wird in Schuss gehalten und Mitglieder sind im Prinzip unkündbar. Ausnahmen für den Ausschluss gibt es, zum Beispiel wenn sie die Miete nie zahlen oder regelmäßig Nachbarn bedrohen. Es ist absurd zu denken, dass Wohneigentum das Allheilmittel ist. Menschen verändern sich und die 2-Zimmer-Whg, die man sich mal leisten konnte, wird bei Familiengründung zu klein oder ist später vielleicht nicht seniorengerecht. Wohnen muss flexibel sein und sich an die Lebensbedingungen anpassen können. Man beugt mit Eigentum der Alterarmut auch nicht vor. Ich kenne Leute, die gebaut haben, durch Trennung oder Arbeitslosigkeit Kredite nicht mehr bedienen konnten und nun alles los sind.

  6. 18.

    Die Häuser denen die drin wohnen.

    Leider kann sich kaum jemand diese Preise leisten, ich frag mich wo das hinführen soll.
    Es ist schon etwas ernüchternd wenn man ein Leben lang arbeitet und sich nichts Eigenes leisten kann, sondern jeden Monat an einen Reichen abdrücken muss.
    Das muss sich ändern...

  7. 16.

    Ja, das sind die Reaktionen und Nebenwirkungen, wenn man Vermietung für Kleinvermieter durch immer mehr Auflagen und Einschränkungen unlukrativ und unattraktiv macht. Die verkaufen dann an finanzstärkere Verkäufer, oftmals Fonds oder Gesellschaften, die sich gegenüber dem Staat deutlich besser durchsetzen können. Der ehemalige Kleinvermieter freut sich über den enormen Gewinn und kann sich noch was Gutes leisten. Die künftigen Mieter verlieren dabei. Der Markt reagiert eben immer, aber selten so, wie die Politik es phantasiert hat.

  8. 15.

    Wenn man keine Ahnung hat...
    Jede Eigentumswohnung besitzt ein eigenes Grundbuchblatt und ist gemäß Teilungserklärung eindeutig benannt und abgegrenzt. Rechtlich besteht eigentumsrechtlich kein Unterschied zu anderem Grundbesitz. Lediglich das Grundstück befindet sich in gemeinschaftlichem Eigentum aller Wohnungseigentümer. Worin hier ein Problem bestehen soll oder gar eine Sonderrolle, bleibt Ihr Geheimnis. Das Konstrukt ist lediglich eine Konkretisierung, was persönliches und was gemeinsames Eigentum ist, um Ansprüche klar abzugrenzen und dient damit dem Rechtsfrieden. Anderenfalls müssten Wohnungseigentümer eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts bilden und das innervertraglich regeln. Das Ergebnis nach außen wäre identisch.

  9. 14.

    Horst:
    "Was hat der letzte Berliner Senat erreicht: Jede frei werdende Wohnung wird sofort verkauft, kein normaler Eigentümer in Berlin hat mehr Lust auf Neuvermietung. Ich kann das sehr gut verstehen und genauso machen, wenn ich könnte."

    Ja, manch einer ist stolz auf seinen asozialen Egoismus!

  10. 13.

    Besserwisser:
    "Danke an die Mietendeckelbefürworter.
    Das war mit Ansage!
    Jetzt wird ein Großteil dieser umgewandelten/verkauften Wohnungen ggf. als Zweitwohnungen durch die neuen Eigentümer genutzt und stehen dem Mietmarkt nicht länger zur Verfügung."

    Belegen Sie bitte Ihre Behauptung mit nachprüfbaren Quellen!

  11. 12.

    KlausBaerbel:
    "Vergessen wird auch oft, dass Versicherer in Immobilien investieren"

    Aber das ist doch das Problem der Vermieter, wenn sie einen zu hohen Spekulationspreis in den Kauf einer vermieteten Immobilie "investieren"!

    KlausBaerbel:
    "und die gleichen Mieter die über die Miete meckern erwarten gleichzeitig eine ordentliche Rendite für ihre Lebensversicherung."

    Belegen Sie bitte Ihre Behauptung, dass alle Mieter, die mit ihren Vermietern unzufrieden sind, "gleichzeitig eine ordentliche Rendite für ihre Lebensversicherung"!
    Oder ist das bloß eine böswillige Unterstellung?!?

  12. 11.

    KlausBaerbel:
    "Diese Tendenz wundert mich nicht, denn in dieser Stadt werden die Mieter gegen die Vermieter aufgeheizt"

    Wer "heizt" Mieter gegen Vermieter "auf"? Bitte konkret!

    KlausBaerbel:
    "und die Eigentümerrechte werden bei Wohnimmobilien immer mehr eingeschränkt."Ich denke, man sollte das Recht auf ein Obdach höher bewerten und mehr schützen als das Recht an einer Kapitalanlage für überflüssiges Geld!

    KlausBaerbel:
    "Das machen immer mehr Vermieter nicht mit und wehren sich."

    Das müssen leider viele Mieter täglich erleben, wie sich ihr Vermieter gegen Mieter wehrt.

  13. 10.

    Sie glauben doch nicht im Ernst, dass diese Wohnungen durch Berliner gekauft worden sind, die damit dem "Mieterhamsterrad" entkommen sind. Käufer sind häufig Spekulanten aus dem Ausland, die die Eigentumswohnung teuer weitervermieten. Bei mir im Nachbarhaus in Schöneberg wurde vor ein paar Jahren auf diese Weise kurz mal die komplette Nachbarschaft ausgetauscht. Eine 80qm-Wohnung für 600.000 € konnte sich der Normalverdiener da nicht leisten und die Mieten nach der Sanierung auch nicht mehr.

  14. 9.

    "Jede frei werdende Wohnung wird sofort verkauft, kein normaler Eigentümer in Berlin hat mehr Lust auf Neuvermietung. Ich kann das sehr gut verstehen und genauso machen, wenn ich könnte."

    Danke, sie haben in wenigen Worten zusammengefasst warum es keine privaten Vermieter mehr geben sollte.

  15. 8.

    Was hat der letzte Berliner Senat erreicht: Jede frei werdende Wohnung wird sofort verkauft, kein normaler Eigentümer in Berlin hat mehr Lust auf Neuvermietung. Ich kann das sehr gut verstehen und genauso machen, wenn ich könnte.

  16. 7.

    Das ist doch eine gute Nachricht. Es konnten mehr Menschen in Berlin dem Mieterhamsterrad entkommen. Somit sind diese Menschen auch weniger altersarmutgefährdet.

  17. 6.

    Danke an die Mietendeckelbefürworter.

    Das war mit Ansage!

    Jetzt wird ein Großteil dieser umgewandelten/verkauften Wohnungen ggf. als Zweitwohnungen durch die neuen Eigentümer genutzt und stehen dem Mietmarkt nicht länger zur Verfügung.

    Linke Mietenpolitik in Berlin ist asozial.

  18. 5.

    Keine gute Nachricht!

    Man sollte die Ausnahmeregelung, dass Eigentum an untrennbar verbundenen Teilen von Sachen (einzelne Wohnung im Haus) geschaffen werden kann, abschaffen. Das gibt es sonst nirgends im deutschen Recht. (§ 93 BGB: Bestandteile einer Sache, die voneinander nicht getrennt werden können, ohne dass der eine oder der andere zerstört oder in seinem Wesen verändert wird (wesentliche Bestandteile), können nicht Gegenstand besonderer Rechte sein.) Das WEG macht davon leider eine Ausnahme für Besserverdienende. Und dadurch werden die den Schlechterverdienenden zur Verfügung stehenden Mietwohnungen immer weniger und teurer. Am meisten profitieren davon die Umwandler, die die Altmieter vergraulen.

  19. 4.

    Da sieht man was RRG mit dem Wohnungsmarkt anstellt. Durch den verfassungswidrigen Mietendeckel und Stimmungsmache gegen Vermieter sind auf dem Berliner Wohnungsmarkt mehr Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt worden, als der Senat neu gebaut hat..

    Kein Wunder das kleine Vermieter aus der Vermietung teilweise lieber aussteigen und ihr Eigentum verkaufen möchten.

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