Steinmeier räumt staatliche Fehler ein - Berlin gedenkt der Opfer des Terroranschlags vom Breitscheidplatz

So 19.12.21 | 19:29 Uhr
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5. Jahrestag des Anschlags vom Breitscheidplatz: Angehörige eines der Opfer stehen am Mahnmal "Der Riss" vor Blumen und Kerzen, die dort im Gedenken an die Opfer niedergelegt wurden. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Video: rbb24 | 19.12.2021 | Petra Gute | Bild: dpa/Fabian Sommer

13 Menschen starben durch den Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz - mehr als 60 wurden verletzt. Fünf Jahre nach der Tat wurde am Sonntag in Berlin an die Opfer erinnert. Dabei räumte der Bundespräsident Fehler ein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat staatliche Fehler und Versäumnisse im Zusammenhang mit dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz eingeräumt.

Bei einer Gedenkveranstaltung zum fünften Jahrestag des Anschlags sagte Steinmeier am Sonntagabend, der Staat habe sein Versprechen auf Schutz und Sicherheit nicht eingehalten. Er müsse bei neuen Erkenntnissen zu der Tat weiter ermitteln. Das Staatsoberhaupt kritisierte außerdem Versäumnisse bei der Unterstützung der Hinterbliebenen und Verletzten. Doch es habe auch spürbare Verbesserungen gegeben, und das sei vor allem dem Engagement der Hinterbliebenen zu verdanken.

Müller: Wir sind alle immer noch fassungslos

Der Anschlag habe die Hinterbliebenen in Schmerz und Trauer gestürzt. "Der Riss des 19. Dezember 2016 teilt ihr Leben in ein Davor und ein Danach", erklärte Steinmeier bei der interreligiösen Gedenkfeier mit Hinterbliebenen und Angehörigen in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. "Er teilt auch das Bewusstsein unserer Gesellschaft in ein Davor und ein Danach."

Die Predigt bei der Gedenkveranstaltung hielt Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. An dem Gedenken nahm auch der scheidende Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) teil. Er sagte, "wir sind alle immer noch fassungslos" über den schwersten islamistischen Terroranschlag in Deutschland: "Das sind sehr schlimme Erfahrungen, die uns geprägt haben." Der Anschlag habe auch gezeigt, wie wichtig konkrete Hilfe und Unterstützung für die Opfer sei.

Opferbeauftragte hatten zuvor zum Teil scharfe Kritik am Umgang der Behörden mit den Angehörigen geäußert.

Glockenläuten um 20:02 Uhr

Beim anschließenden Gedenken mit Hinterbliebenen am Mahnmal - einem goldenen Riss über die Treppenstufen zum Kirchenschiff - wurden die Namen der 13 Opfer verlesen und Kränze niedergelegt.

Ab 20.02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, schlug die Glocke der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche 13 Mal für die 13 Todesopfer. Vor fünf Jahren waren bei dem Anschlag zwölf Personen ums Leben gekommen, mehr als 60 Menschen verletzt. Im vergangenen Oktober war ein weiterer Mensch an den Folgen seiner Verletzungen verstorben, die er sich zugezogen hatte, als er Erste Hilfe leistete.

Woidke: unfassbarer Anschlag

Bundeskanzler Olaf Scholz erinnerte auf Twitter an die 13 Todesopfer, die Verletzten und die Hinterbliebenen. "Der Staat muss wehrhaft sein und seine Bürgerinnen und Bürger schützen", schrieb Scholz. Er sprach von einem schrecklichen Vorfall, der sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben habe.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser erklärte in einem Statement, niemand könne absolute Sicherheit garantieren: "Soweit noch Fragen offen sind, werden wir Antworten suchen. Nichts wird unter den Teppich gekehrt. Das sind wir den Opfern und Hinterbliebenen schuldig."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke erklärte zum fünften Jahrestag, der unfassbare Anschlag habe eine tiefe Wunde im Gemeinwesen hinterlassen. Seine Gedanken seien bei den Hinterbliebenen und allen, die unter den Folgen litten.

Bei dem Terroranschlag steuerte ein islamistischer Terrorist am 19. Dezember 2016 einen Sattelschlepper in die Besuchermenge des Weihnachtsmarktes. Fünf der 13 Todesopfer stammten aus Polen, Israel, Italien, der Ukraine und Tschechien.

Sendung: Abendschau, 19.12.2021, 19:30 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Danke für Ihren Kommentar. Sie haben das Problem sehr gut beschrieben.

  2. 21.

    Selbst bei den "hartgesottensten" Clans ist es offensichtlich, dass es sich keineswegs um den "kriminellen Teil der Zuwanderung" handelt(e), sondern um Beteiligte, die im Laufe der Zeit kriminell wurden. Das ist ein erheblicher Unterschied. Und erst dann kann eine etwaige persönliche Verantwortung von gesellschaftlichen Umständen geschieden werden, um dann das Zusammenwirken von Facetten einzudämmen.

    Das ist aber um der Aufrechterhaltung eines Feindbildes offenbar nicht gewollt.

  3. 20.

    In dieser Sache gab es meiner Meinung nach sehr viele Fehler.
    Der islamische Terrorismus wird bis heute noch nicht ernst genug. genommen.

  4. 19.

    Nein, Lena muss sich nicht für ihre Kommentare schämen. Die Kommentare geben das Gefühl und die Meinungen sowie Erfahrungen eines großen Teils der Menschen in Deutschland wieder. Es ist doch ganz offensichtlich, dass der Staat nicht in der Lage war und ist die Bevölkerung vor dem kriminellen Teil der Zuwanderung zu schützen und es gibt offensichtlich so gut wie keine Möglichkeit diese Menschen wieder aus D oder Europa raus zu bekommen.

  5. 18.

    Wo genau sehen Sie mangelnde Anteilnahme am Schicksal des Lkw-Fahrers? Woher wissen Sie, was er vor seiner Tötung erlebt haben muss?
    Fest steht, hätte man ihn - der eher an seiner Entladestation ankam - entladen lassen, statt ihn wegzuschicken, würde er heute noch seine Touren drehen.
    Sein Tod tut mir entsetzlich leid. So wie der Tod jedes einzelnen Opfers und auch der Verletzten.
    "Lena" hat den politischen Machtwechsel offenbar verschlafen.
    Fest steht, es ist Entsetzliches passiert. Durch dumme, einfältige und verblendete Terroristen, die MIR und anderen Menschen ihre verquere Denkweise mit Gewalt aufdrücken wollen. Bleibt aus meinem Land fern oder passt Euch an. Punkt.

  6. 17.

    Liebe Claudia, ich stimme Ihren Kommentar voll zu. Lassen Sie sich von den üblichen Posts hier nicht verärgern.
    Es geht um das Leid all dieser Menschen, die um ihre Angehörigen trauern und nicht um die Abwesende Alt Bundeskanzlerin Merkel. Nicht war Lena? In stiller Anteilnahme, Lothar.

  7. 16.

    Wer ist denn "ihr" und auf welche "Hasstiraden" beziehen sie sich denn?

  8. 15.

    You are absolutely right,
    as a EU citizen I salute your courage to speak what many think but do not dare to say
    I live in Germany because I love it, in my case I bring money here since I work 90% in other EU countries
    And stay in Germany on and off
    I studied and work here legally
    Again as a EU I did not need to adapt since
    our culture is the same or particle the same
    ( British /Portuguese )
    I believe in respect any
    country we go to and behave as
    guests.
    Stay strong.

  9. 14.

    Hört auf mit eurer Jammerei !Echte Anteilnahme geschieht im Stillen.

  10. 13.

    Kann ich so nicht stehen lassen ... wofür genau sollte ich mich schämen?

    Dass Sie "sprachlos" sind, ist kein Argument.

    Wenn Sie meinen Kommentaren inhaltlich etwas Substantielles entgegenzusetzen haben, dann können Sie das hier tun ... genau dafür ist dieses Forum ja da.

    Also, kommt noch was? Ich warte.

  11. 12.

    Es ist beschämend, das es nur einen livestream gab und keine Live Übertragung. Aber alle andere Arten von Gedenkveranstaltungen aus aller Welt werden live übertragen. Dafür sollte der rbb sich schämen, aber so wie ich es hier kenne wird der Kommentar nicht veröffentlicht.

  12. 11.

    Lena, Sie sollten sich für Ihre Kommentare schämen.
    ich bin sprachlos.

  13. 10.

    Die mangelnde Anteilnahme und Gleichgültigkeit am Schicksal des polnischen Lkw Fahrers, der Furchtbares erlebt haben muss vor seiner Ermordung, ist erschütternd und unbegreiflich.

  14. 9.

    Wie kann es sein, daß in dem Livestream ständig Einblendungen vorkamen, die auf die Kontrastesendung verweisen.
    Waren dort evt. Hacker zugange die sich in der Livestream eingeschleust haben und wenn ja, warum wurde die Sendeschiene nicht davor geschützt ?

  15. 8.

    “Hass“ ist eine unklare, undefinierte Kategorie, die als Kampfbegriff missbraucht wird. Was sie als “Hasstiraden“ framen, ist in Wahrheit die völlig berechtigte Wut von Menschen, die als Staatsbürger nie gefragt wurden, ob sie “bereichert“ werden wollen durch die völlig unkontrollierte Zuwanderung von Millionen von Menschen, unter denen sich natürlich auch islamistische Terroristen befanden und befinden. Man wird nicht gefragt, man hat es zu akzeptieren, so der Konsens in Parteien (außer AfD) und den meisten Medien. Das erzeugt Wut. Begreifen sie das?

  16. 7.

    Das Bedauern der mangelhaften Unterstützung reicht nicht. Herr Steinmeier hatte Jahre Zeit diese mangelhafte Unterstützung zu ändern und für Besserung zu sorgen

  17. 6.

    Und wo ist Merkel? Immerhin hat sie diese Toten billigend in Kauf genommen.

  18. 5.

    Das traurigste ist, das ihr nicht mal zu diesem Thema eure Hasstiraden aussen vor lassen könnt!
    Mein Mitgefühl gibt allen Hinterbliebenen und Betroffenen, meine Hochachtung den Rettungskräften, Helfern und Polizisten, die diese entsetzliche Tat nie vergessen werden. Und: danke an die Polizei, die auch heute wieder zu UNSEREM Schutz zahlreich vor Ort war.

  19. 4.

    Aber alle anderen Verantwortlichen sind anwesend. Reicht das nicht?

  20. 3.

    Und unsere Politiker vergießen wieder mal Krokodilstränen?

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