Chronologie - Von Reuter bis Müller: Die Regierenden Bürgermeister Berlins

Di 21.12.21 | 12:03 Uhr | Von Oliver Noffke und Matthias Pohl
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Die Bildkombo aus Archivfotos zeigt die Regierenden Bürgermeister von Berlin jeweils während ihrer Amtszeit: (obere Reihe v.l.) Ernst Reuter 1948-1953, Walther Schreiber 1953-1955, Otto Suhr 1955-1957, Willy Brandt 1957-1966, Heinrich Albertz 1966-1967, Klaus Schütz 1967-1977, Dietrich Stobbe 1977-1981; (untere Reihe v.l.) Hans-Jochen Vogel 1981, Richard von Weizsäcker 1981-1984, Eberhard Diepgen 1984-1989 und 1991-2001, Walter Momper 1989-1991, Klaus Wowereit 2001-2014, Michael Müller seit 2014. (Quelle: dpa/Bildfunk)
Bild: dpa/Bildfunk

Müller geht, Giffey kommt: Die erste Frau im Roten Rathaus hat prominente Vorgänger wie Ernst Reuter oder Willy Brandt. Einige nutzten das Amt als Sprungbrett für höhere Weihen, andere stolperten über Affären. Von Oliver Noffke und Matthias Pohl

Bis kurz vor Weihnachten 2021 hat Michael Müller vom Roten Rathaus aus die Geschicke der Stadt gelenkt. Nun tritt Franziska Giffey als Regierende Bürgermeisterin in seine Fußstapfen.

Giffeys Vorgänger haben die Welt um Vergebung gebeten, wurden Kanzler, Bundespräsidenten, haben mehrfach die Stadt wieder aufgebaut oder wurden von teuren Skandalen heimgesucht. Ein Blick zurück.

Archivbild: Berlins Regierender Michael Müller (Foto: dpa/Forian Gärtner)
Bild: dpa/Florian Gärtner

Michael Müller (SPD), seit dem 11. Dezember 2014

Im SPD-internen Kampf um die Nachfolge Wowereits setzt sich der bisherige Stadtentwicklungssenator Michael Müller gegen den Landesvorsitzenden Jan Stöß und Fraktionschef Raed Saleh durch. Von seinem Vorgänger übernimmt er eine Koalition mit der CDU, nach der Abgeordnetenhauswahl 2016 wechselt Müller zu Rot-Rot-Grün. Seine Amtszeit beginnt mitten in der Flüchtlingskrise, bei der sich die zuständige Behörde Lageso nach Kräften blamiert. Der Anschlag auf den Breitscheidplatz wirft ein katastrophales Bild auf die Sicherheitsbehörden - das gilt allerdings nicht nur für Berlin. Und es dauert weitere lange Jahre und kostet weitere Milliarden, bis der BER endlich eröffnet. Und nicht wirklich funktioniert.

Auf der anderen Seite wird Berlin immer beliebter. Müller, der auch Wissenschaftssenator ist, gelingt es, das Siemens-Campus nach Berlin zu holen. Auch zieht es viele Startups in die Hauptstadt, gleichzeitig wird der Wohnraum immer knapper, Miet- und Immobilienpreise explodieren. Der Senat versucht entgegenzusteuern, indem er Wohnraum für viel Geld zurückkauft, das rot-rot-grüne Projekt Mietendeckel scheitert krachend. Während der Coronakrise ist Müller als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz omnipräsent. Ende 2020 entscheidet er sich, als Regierender aufzuhören und in die Bundespolitik zu wechseln.

Archivbild: Gestikulierend hält der damals Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit auf dem Landesparteitag der SPD in Berlin eine Rede. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Klaus Wowereit (SPD), 16. Juni 2001 bis 11. Dezember 2014

"Ich bin schwul - und das ist auch gut so." Mit diesem Satz wird Klaus Wowereit am 10. Juni 2001 schlagartig berühmt. Er kommt so der Boulevardpresse zuvor. Schmähstücke über seine Sexualität verbieten sich nun, später trauen sich auch andere Spitzenpolitiker ihr Coming-out. Sechs Tage später wird Wowereit Regierender Bürgermeister einer Minderheitsregierung zwischen SPD und Grünen, die von der PDS toleriert wird. Im Oktober führt er die Sozialdemokraten bei den vorgezogenen Wahlen zum Abgeordnetenhaus zu einem deutlichen Sieg.

Wowereit bleibt ein Mann der markigen Worte. "Berlin ist arm, aber sexy", zitiert ihn im November 2003 das Magazin "Focus Money". Es wird eine Art inoffizieller Werbeslogan. Im Mai 2012 sagt er im Abgeordnetenhaus: "Demgemäß kann heute keiner eine Garantie abgeben." Gemeint ist der Eröffnungstermin des BER, der kurz zuvor zum zweiten Mal verschoben wurde. Nun auf Oktober 2013. Vom Ausmaß der Probleme will der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende des Flughafens erst kurz vorher erfahren haben. Auch durch das BER-Debakel rauschen die Beliebtheitswerte des einst populären Stadtoberhaupts immer tiefer in den Keller - 2014 legt er sein Amt nieder.

Berlins ehemaliger Regierende Bürgermeister, Eberhard Diepgen (CDU) (Bild: DPA)
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Eberhard Diepgen (CDU), 24. Januar 1991 bis 16. Juni 2001

Keiner ist länger in diesem Amt gewesen als Eberhard Diepgen: 15 Jahre und fünf Monate - allerdings mit Unterbrechung. Im Dezember 1990 wählen die Berliner aus Ost und West erstmals gemeinsam seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Regierung. Die CDU holt 40,4 Prozent. Diepgen kehrt kurz darauf ins Rathaus Schöneberg zurück und zieht schließlich als erster Regierender Bürgermeister ins Rote Rathaus.

Die Neunziger werden politisch gesehen in Berlin zum Diepgen-Jahrzehnt. 1995 liegt seine Partei bei 37,4 Prozent, 1999 sind es 40,8 Prozent. Zwei Jahre später fliegen erst Scheingeschäfte der Berliner Landesbank auf und schließlich die Große Koalition auseinander. Die SPD will nicht mehr mit Diepgen koalieren und entzieht ihm das Vertrauen.

Berlins früherer Regierender Bürgermeister und jetzige Präsident des Abgeordnetenhauses, Walter Momper (SPD), mit seinem "legendären" roten Schal (Bild: dpa)
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Walter Momper (SPD), 16. März 1989 bis 24. Januar 1991

Bei der Berlin-Wahl im Frühjahr 1989 liegt die SPD 0,4 Prozentpunkte hinter der CDU. Doch weil die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, stehen die Konservativen ohne Koalitionspartner da. Walter Momper formt mit der Alternativen Liste (AL) einen rot-grünen Senat, in dem acht Frauen ein Ressort führen und neben ihm fünf weitere Männer mit am Tisch sitzen. Ein Novum für eine deutsche Landesregierung. Als am 9. November 1989 die Mauer fällt, ist der "Mann mit dem roten Schal" Regierender - und trägt seiner Stadt auf: "Berlin, nun freue dich." In der chaotischen Nachwendezeit muss Momper die erste Phase des Zusammenwachsens von Ost und West managen.

Mompers Regierungszeit wird nicht von der Wiedervereinigung abgekürzt, die eine Neuwahl notwendig macht - sondern von einer Straßenschlacht. Mitte November 1990 lässt SPD-Innensenator Erich Pätzold 13 besetzte Häuser in der Mainzer Straße in Friedrichshain räumen. Die Bewohnerinnen und Bewohner errichten Barrikaden und heben Gräben aus; die Polizei kommt mit Räumfahrzeugen und schießt Fensterscheiben mit Wasserwerfern ein. Zu viel für die Berliner Grünen. Die Koalition zerfällt.

Eberhard Diepgen 1996 (Quelle: dpa/Settnik)
Bild: dpa/Settnik

Eberhard Diepgen (CDU), 9. Februar 1984 bis 16. März 1989

Im Winter 1984 macht die Berliner CDU Eberhard Diepgen zum Regierenden Bürgermeister. Der Jurist aus dem Wedding hat bis dato die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus geführt.

Im darauffolgenden Jahr gewinnt Diepgen im Frühjahr klar die Wahl und erlebt im Herbst den GAU. Mit der sogenannten "Antes-Affäre" kommen Verbindungen zwischen der Berliner CDU und Verwaltungsangestellten mit fadenscheinigen Figuren aus dem Rotlichtmilieu und der Baubranche ans Licht. Diepgen ist selbst als Empfänger von "Spenden" involviert, drei seiner CDU-Senatoren stürzen über den Skandal. Bei den Abgeordnetenhauswahlen vom 29. Januar 1989 verliert die CDU/FDP-Koalition ihre Mehrheit.

Richard von Weizsäcker [Imago]
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Richard von Weizsäcker (CDU), 11. Juni 1981 bis 9. Februar 1984

Mit dem weltgewandten Juristen Richard von Weizsäcker ist die CDU schon 1979 stärkste Partei bei der Abgeordnetenhauswahl geworden, 1981 verpasst sie die absolute Mehrheit nur knapp und bildet einen Minderheitssenat, der von mehreren FDP-Abgeordneten toleriert wird. Weizsäcker bekennt sich zur Entspannungspolitik - 1983 trifft er in Schloss Niederschönhausen Erich Honecker.

Vor allem in Kreuzberg quälen den feingeistigen Christdemokraten die Hausbesetzer, mit Heinrich Lummer verfügt er über einen Innensenator, dem ein Ruf als Mann fürs Grobe vorauseilt. Die Chancen auf eine Wiederwahl 1985 stehen gut für Weizsäcker - als Karl Carstens allerdings auf eine zweite Amtszeit als Bundespräsident verzichtet, zieht er es vor, an die Spitze des Staates zu rücken.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Hans-Jochen Vogel (SPD) schaut am 08.04.1981 aus einem Fenster in einem Gebäude im Stadtteil Kreuzberg auf ein sanierungsbedürftiges Haus gegenüber. (Quelle: dpa/Elke Bruhn-Hoffmann)
Bild: dpa/Elke Bruhn-Hoffmann

Hans-Jochen Vogel (SPD), 23. Januar 1981 bis 11. Juni 1981

Weil die SPD in West-Berlin unter Schütz und Stobbe immer mehr in Filz und Affären versinkt, hält es die Bundespartei für eine gute Idee, den unbelasteten Juristen Hans-Jochen Vogel in die Frontstadt zu schicken. Vogel kann die Kompetenz von 4.444 Amtstagen als Oberbürgermeister von München vorweisen. Die Metropole an der Isar hat er zur Olympia-Stadt gemacht.

Vogels kurze Amtszeit an der Spree ist geprägt von Wohnungsnot und Hausbesetzungen. Bei der vorgezogenen Abgeordnetenhauswahl 1981 ist für die Genossen nichts zu holen, mit einem Wahlergebnis von 38,3 Prozent geht es in die Opposition. Vogel bleibt noch zwei Jahre in Berlin und wird dann SPD-Kanzlerkandidat.

Dietrich Stobbe (dpa)
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Dietrich Stobbe (SPD), 2. Mai 1977 bis 22. Januar 1981

Stobbe ist unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz Senator für Bundesangelegenheiten, seit 1967 sitzt er im Abgeordnetenhaus. Als Schütz zerrieben von innerparteilichen Machtkämpfen aufgibt, wird der 39-Jährige sein Nachfolger. In den 1970er Jahren werden viele Verkehrs- und Bauprojekte in West-Berlin realisiert, im Dezember 1978 wird unter dem Regierenden Stobbe die Neue Staatsbibliothek eröffnet, wenige Monate darauf das Internationale Congress Centrum (ICC).

Zum Verhängnis wird dem gebürtigen Ostpreußen die Garski-Affäre: Der Berliner Bauunternehmer Dietrich Garski hatte sich über den Senat Bürgschaften von 112 Millionen DM gesichert. Als Garski Ende 1980 pleite geht, muss das Land Berlin einspringen. Stobbe und sein gesamter Senat treten zurück.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Schütz, beantwortet während der Jahrespressekonferenz Fragen der Journalisten (Foto vom 07.01.1971). (Bild: dpa)
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Klaus Schütz (SPD), 19. Oktober 1967 bis 2. Mai 1977

Klaus Schütz ist ein enger politischer Weggefährte von Willy Brandt, der ihn als Außenminister zum Staatssekretär macht. Als Heinrich Albertz im Herbst 1967 zurücktritt, folgt er dem Ruf der SPD nach Berlin. In Schütz' Amtszeit normalisiert sich das Leben für viele Berlinerinnen und Berliner: 1971 wird das Viermächteabkommen geschlossen, Bundesrepublik und DDR einigen sich über den Transitverkehr und schließen den Grundlagenvertrag.

Nach der Wahl 1971 kündigt Schütz die Koalition mit der FDP, dank absoluter Mehrheit kann die SPD vorübergehend allein regieren. 1975 wird die CDU stärkste Fraktion, Schütz muss die FDP wieder dazuholen. Die letzte Phase seiner langen Amtszeit ist von Finanzaffären belastet, die zunächst Innensenator "Kutte" Neubauer das Amt kosten und schließlich Schütz selbst: Am 2. Mai 1977 tritt er zurück.

Heinrich Albertz gibt Statement (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Heinrich Albertz (SPD), 14. Dezember 1966 bis 26. September 1967

Der Theologe Albertz, geboren in Breslau, beginnt seine politische Karriere in Niedersachsen, wo er sich um Flüchtlingsangelegenheiten kümmert. Er wechselt nach Berlin und wird unter Brandt zunächst Senatskanzleichef und dann Innensenator. Als Brandt nach Bonn geht, wählt das Abgeordnetenhaus Albertz zu dessen Nachfolger.

Albertz bildet eine Koalition mit der FDP, doch lange bleibt er nicht im Amt: Am 2. Juni 1967 wird bei einer Demonstration gegen den Schah der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Eine parlamentarische Untersuchung ergibt Fehler von Polizei und Senat, Innensenator Wolfgang Büsch muss zurücktreten. Bei der Neubesetzung des Postens kommt es zum Streit in der SPD - "Pfarrer Albertz" nimmt seinen Hut.

Präsident John F. Kennedy und Willy Brandt im Jahre 1961, Quelle: imago
Bild: imago stock&people

Willy Brandt (SPD), 3. Oktober 1957 bis 1. Dezember 1966

Willy Brandt hat die NS-Zeit im Exil verbracht und die norwegische Staatsangehörigkeit angenommen - mit einem Diplomatenpass kommt er 1946 nach Berlin, um als Presseattaché der norwegischen Militärmission zu arbeiten. 1947 lässt er sich wiedereinbürgern, wenig später beginnt seine politische Karriere in der SPD. 1951 zieht Brandt ins Abgeordnetenhaus ein und wird 1955 dessen Präsident - und nach dem Wahlsieg gegen Amrehn mit gerade einmal 43 Jahren Regierender Bürgermeister.

Brandt ist westorientiert und trotzt der sowjetischen Drohung, die Verbindungswege nach Berlin zu kontrollieren, mit dem Slogan "Berlin bleibt frei". Doch am 13. August 1961 muss er als Regierender den Mauerbau miterleben. Im Juni 1963 steht er auf dem Balkon vom Rathaus Schöneberg neben US-Präsident John F. Kennedy, als dieser "Ich bin ein Berliner" verkündet. Brandt versucht, die Konfrontation mit dem Ostblock mit einer "Politik der kleinen Schritte" zu entschärfen, Ende 1963 erreicht er das Passierscheinabkommen. Als 1966 in Bonn die CDU/FDP-Koalition zerbricht, geht Brandt als Außenminister einer Großen Koalition nach Bonn.

Archivbild: Bürgermeister von Berlin Franz Amrehn gibt am 17.02.1963 für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus seine Stimme ab. (Quelle: dpa/Günter Bratke)
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Franz Amrehn (CDU), 30. August 1957 bis 3. Oktober 1957 kommissarisch im Amt

Nach dem Tod Otto Suhrs übernimmt Franz Amrehn kommissarisch das Amt des Regierenden Bürgermeisters - als erster gebürtiger Berliner. Seit 1950 sitzt er im Abgeordnetenhaus, dem Senat gehörte er bereits als Bürgermeister an. Amrehn hat Bankkaufmann gelernt, im Krieg wird er als Soldat schwer verwundet. Danach studiert er Jura und leitet ein Bauunternehmen. Bei der Abgeordnetenhauswahl 1958 tritt er gegen Willy Brandt an und verliert.

Obwohl er die kürzeste Amtszeit aller Regierenden hat, ist Amrehns Rolle als Strippenzieher nicht zu unterschätzen: Er sitzt fast 20 Jahre lang bis 1969 im Abgeordnetenhaus und danach bis zu seinem Tod 1981 im Bundestag. In Berlin ist er in den 1960er Jahren Partei- und Fraktionschef der CDU.

Archivbild: Otto Suhr, um 1956 (Quelle: dpa/Gert Schuetz)
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Otto Suhr (SPD), 11. Januar 1955 bis 30. August 1957

Der studierte Volkswirt Otto Suhr bildet nach der Wahl 1955 eine Koalition mit der CDU, obwohl die SPD auch alleine hätte regieren können. Sein Konzept für ein Berliner Aufbauprogramm wird 1955 vom Wirtschaftsministerium in Bonn beschlossen. Als großer Erfolg gilt auch die Internationale Bauausstellung 1957, das weitgehend zerstörte Hansa-Viertel wird von 53 internationalen Architekten neu gestaltet.

Erstmals wird mit dem gebürtigen Oldenburger auch ein Regierender Bürgermeister zum Bundesratspräsidenten gewählt. Die Amtsübernahme jedoch erlebt er nicht mehr: Zwei Wochen nach seinem 63. Geburtstag stirbt Otto Suhr an Leukämie.

Archivbild: Berlins Regierender Bürgermeister Dr. Walther Schreiber. Aufnahme vom 01.06.1954. (Quelle: dpa/Günter Bratke)
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Walther Schreiber (CDU), 22. Oktober 1953 bis 11. Januar 1955

Reuters SPD hat zusammen mit CDU und FDP regiert - nach dessen Tod bricht die Allparteien-Koalition auseinander und der CDU-Landesvorsitzende Walther Schreiber bildet einen Senat zusammen mit der FDP. Der gebürtige Thüringer hatte bis 1933 bereits der preußischen Regierung als Handelsminister gedient.

Von Reuter übernimmt Schreiber die Aufgaben, West-Berlin weiter in die Bundesrepublik zu integrieren und weitere Bundeshilfen loszueisen. Doch bereits nach 15 Monaten endet seine Amtszeit, als die SPD sich bei der Abgeordnetenhauswahl die absolute Mehrheit zurückholt.

Archivbild: Prof. Ernst Reuter, Regierender Bürgermeister von Berlin 1948-1953. Historische 50er Jahre Schwarzweißaufnahme. (Quelle: dpa/K. Röhrig)
Bild: dpa/K. Röhrig

Ernst Reuter (SPD), 7. Dezember 1948 bis 12. November 1953

Seine Rede "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt" vor rund 300.000 Berlinern während der Blockade kennt fast jeder - dass Ernst Reuter zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Regierender Bürgermeister ist, ist weniger bekannt. Die Rede findet am 9. September 1948 vor dem Reichstag statt, drei Monate später wird Reuter zum Oberbürgermeister West-Berlins gewählt, seit dem 1. September 1950 heißt das Berliner Stadtoberhaupt dann Regierender Bürgermeister.

Reuter muss zunächst die massiven Wirtschaftsprobleme der Stadt in den Griff bekommen, die durch die Blockade noch verschärft wurden. Er organisiert Gelder aus dem Marshall-Plan und drängt beim Bund auf dauerhafte Berlin-Hilfen. In den 20er Jahren noch KPD-Funktionär, hat Reuter sich mittlerweile zum strammen Antikommunisten gewandelt. Er drängt auf eine enge Anbindung West-Berlins an die Bundesrepublik. Am 17. Juni 1953 ist Reuter gerade im Urlaub, als in der DDR der Volksaufstand losbricht. Wenige Wochen später verstirbt der erste Regierende Bürgermeister, gerade einmal 64 Jahre alt, im Amt an einem Herzinfarkt.

Louise-Schroeder © dpa
Louise SchröderBild: dpa

Ergänzung I: Oberbürgermeister von Groß-Berlin

Die obige Liste bezieht sich auf die Regierenden Bürgermeister Berlins, seit es dieses Amt gibt (1950). Zwischen 1945 und 1950 gab es die Oberbürgermeister von Groß-Berlin, die von den Alliierten ernannt bzw. bestätigt werden mussten. Diese sind:

  • Arthur Werner (parteilos), 17. Mai 1945 bis 10. Dezember 1946
  • Otto Ostrowski (SPD), 5. Dezember 1946 bis 17. April 1947
  • Louise Schroeder (SPD), 8. Mai 1947 bis 7. Dezember 1948

Schroeder übernahm das Amt nach Ostrowskis Rücktritt kommissarisch; im Juni wurde Ernst Reuter zum Oberbürgermeister gewählt. Weil die Sowjets der Wahl jedoch nicht zustimmten, blieb Schroeder bis zum Dezember 1948 im Amt. Bei der Wahl der Stadtverordnetenversammlung am 7. Dezember wurde Reuter erneut gewählt.

Archivbild: Friedrich Ebert jr. eroeffnet Aussprache der Volkskammer 1971. (Quelle: dpa/akg-images)
Friedrich Ebert jr.Bild: dpa/akg-images

Ergänzung II: Oberbürgermeister von Ost-Berlin

Wegen zunehmender Spannungen im Magistrat - dem obersten Exekutivorgan Groß-Berlins nach dem Krieg - bildete sich 1948 im Ostteil der Stadt eine "außerordentliche Stadtverordnetenversammlung", die den bisherigen Magistrat für abgesetzt erklärte und einen eigenen Oberbürgermeister wählte. Die Kompetenzen der Ost-Berliner Bürgermeister waren stark eingeschränkt, die Wahl fand per Einheitsliste statt.

  • Friedrich Ebert jr. (SED), 30. November 1948 bis 5. Juli 1967
  • Herbert Fechner (SED), 5. Juli 1967 bis 11. Februar 1974
  • Erhard Krack (SED), 11. Februar 1974 bis 15. Februar 1990
  • Christian Hartenhauer (PDS), 23. Februar 1990 bis 30. Mai 1990
  • Tino Schwierzina (SPD), 30. Mai 1990 bis 11. Januar 1991
  • Thomas Krüger (SPD), 11. Januar 1991 bis 24. Januar 1991

Erhard Krack trat am 12. Februar 1990 zurück und übernahm die Verantwortung für die Fälschung der Kommunalwahl von 1989. Sein Nachfolger Christian Hartenhauer wurde noch von der alten Stadtverortnetenversammlung gewählt. Bei der ersten freien Wahl setzte sich dann SPD-Mann Tino Schwierzina durch. Im Einigungsvertrag wurde festgehalten, dass bis zum 24. Januar 1991 der Magistrat Schwierzina gemeinsam mit dem Senat Momper amtieren sollte. Weil Schwierzina im neu gewählten Abgeordnetenhaus zum Vizepräsident bestimmt wurde, übernahm Thomas Krüger das Amt für die letzten zwei Wochen.

 

Sendung: Inforadio. 21.12.2021, 11 Uhr

Beitrag von Oliver Noffke und Matthias Pohl

25 Kommentare

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  1. 25.

    ? "Neue Bundesländer" ? "Ossis" ? Wenn das nicht ewiggestrig ist, was dann??
    Im Übrigen hat man Fr. Giffey - wie allen Anderen, die dieser Farce schon zum Opfer gefallen sind - den Doktortitel verliehen. Punkt! Wenn erst nach Jahren festgestellt wird, dass nicht alles aus der eigenen Feder stammte, rechtfertigt das m. E. keine solchen Hexenjagden!

  2. 24.

    Der Artikel behandelt die (Regierenden) Bürgermeister von Berlin seit Ernst Reuter, die in der Tradition der Berliner Verfassung in freien Wahlen seit 1948 bis heute gewählt wurden. Ergänzt ist er um die Bürgermeister seit 1945 bis zur ehrenwerten Louise Schroeder. Dadurch, dass die gleichgeschalteten Ostberliner Apparatschiks erst in einer weiteren Ergänzung erwähnt werden, sind Sie Bürger zweiter Klasse? Wirklich? Dann haben Sie den Artikel möglicherweise nicht verstanden.

  3. 23.

    Es geht hier nicht um das vermissen der DDR, jedenfalls bei mir nicht! Sondern einfach um eine aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, die ja nun mal jeder Mensch hat. Und das ist nun mal die Sozialisierung und das Leben in der DDR. Ein Artikel wie dieser o.ä. hätte ich mir gewünscht! Dass das politische System ein anderes war, ist klar, aber man kann doch trotzdem darüber Berichten! Wir waren bzw. sind doch keine Menschen 2ter Klasse, oder?!

  4. 22.

    Niemand außer ein Rest Versprengter vermisst die Ostberliner Statthalter der SED-Diktatur von 1948 bis 1990, die höchstens als kommunistische Apparatschiks oder als Wendehälse vor den ersten freien Wahlen zur Ostberliner Stadtverordnetenversammlung (6. Mai 1990) zu erwähnen sind. Schließlich wählte die Bevölkerung bei den einzigen freien Wahlen in der DDR und Ostberlin am 18. März 1990 mit deutlicher Mehrheit die Parteien, die den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland wollten. 

  5. 21.

    Als ich den Regierenden kennen gelernt habe, ging die Mauer auf und war unter dem Volke wo Herr Momper den Bürgern aus dem Osten einen Kaffee ausgab und sich mit den Bürgern unterhalten hat! Das war einmal, nicht der Kaffee nein, die Unterhaltung mit dem Bürger. Heute haben diese Bürgermeister Angst, sich unter das Volk zu mischen.

  6. 20.

    Ja, jetzt ist das doch eine schöne Übersicht.
    @RBB: Jetzt nur noch Schroeder (mit oe) bitte richtig schreiben.
    vielen Dank

  7. 19.

    Korrekt. Louise Schroeder (mit oe nicht mit ö) bekleidete das Amt nur kommissarisch, aber sie bekleidete es. Sie jetzt unter den Tisch fallen zu lassen, nur damit man einen schönen Superlativ ("erste") hat, finde ich nicht in Ordnung. In die Auflistung gehört sie einfach rein. So zu tun, als hätte es in ihrer Regierungszeit keine(n) Oberbürgermeister(in) gegeben ist doch absurd.

  8. 18.

    Ja das sehe ich auch so, wer möchte schon immer wieder daran erinnert werden, dass er in einem Unrechtsstaat lebte, und selbst ein SED - Mitglied war.
    Was Berlin betrifft, hat die DDR trotz Vier - Mächte - Verbotes, diese Stadt zur Hauptstadt ernannt. Ja, die DDR sah sich, mit ihren antifaschistischen Anstrich als Sieger, und der UDSSR passte es gut ins Konzept.

  9. 17.

    Nach Ihrer eigenen Aufstellung war auch Herr Amrehn nur kommissarisch und kurz im Amt des Regierenden... wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

  10. 15.

    Louise Schröder war die 1. Bürgermeisterin 1947 - 1948

  11. 14.

    Kann mich da der Meinung meiner Vorrednerin nur anschließen. Es ist traurig, dass hier Berlin als Hauptstadt der DDR und die dortigen Bürgermeister nicht einmal erwähnt werden. Sicher, dass die Einheit doch keine Übernahme war!?

  12. 13.

    Und was ist mit Louise Schröder? Ich denke, Frau Giffey ist die zweite Frau als Bürgermeisterin und weiß das auch.

  13. 12.

    Liegt vielleicht daran dass es, so weit ich es zusammen bekomme nur 4 Bürgermeister gab.

  14. 11.

    Wenn ich mich nicht täusche gab es aber schon mal eine Frau als Bürgermeisterin von West Berlin und zwar
    Von 1949-1951
    Louise Schroeder aber vielleicht wird das ja auch anders gewertet.

  15. 10.

    Um so weiter man zurück geht um so mehr bekommt man Tränen in den Augen! Warum wohl?
    Politik ja aber leider nicht mehr so wie damals.

  16. 9.

    Schade, auch ich hätte gern etwas über die drei herausragenden, frei gewählten Oberbürgermeister von Ost-Berlin gelesen.
    Über die verschiedenen Ansätze, die sie hatten, der politischen Ausrichtung und der verschiedenen Parteien, denen sie angehörten.
    Über Unabhängigkeit, Entscheidungsfreiheit und Demokratie.

  17. 8.

    Sie haben Luise Schröder vergessen, sehr schade!
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Louise_Schroeder

  18. 7.

    Die erste Frau?!? Haben Sie da richtig recherchiert lieber RBB?

  19. 6.

    Um so weiter man zurück geht, um so mehr bekommt man Tränen in den Augen.
    Warum wohl?

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