Forderung nach Abschussquote in Brandenburg - Aktionsbündnis will 80 Wölfe zum Abschuss in diesem Jahr freigeben

Do 27.01.22 | 19:09 Uhr
Drei Wölfe in Brandenburg (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Bild: dpa/Soeren Stache

Wegen der wachsenden Wolfspopulation in Brandenburg fordert ein Bündnis aus Jägern, Landwirten und Waldbesitzern, den Abschuss von 80 Tieren in diesem Jahr freizugeben. Das Umweltministerium in Potsdam sieht keine rechtliche Grundlage dafür.

Das Aktionsbündnis Forum Natur (AFN) hat sich dafür ausgesprochen, in Brandenburg dieses Jahr 80 Wölfe zum Abschuss freizugeben. Die wachsende Population mache es "unabdingbar", die Gesetze um ein Begrenzungsverfahren zu ergänzen und eine Abschussquote zu erlassen, sagte Dirk-Henner Wellershoff, der Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg. Im AFN sind neben Jägern unter anderem auch der Deutsche Bauernverband (DBV) und Waldbesitzer organisiert.

Mit der Abschussquote würde sich der der Bestand auf etwa 550 Wölfe einpegeln, so der Projektkoordinator Gregor Beyer. Ohne Tötungen werde die Zahl der Wölfe noch in diesem Jahr bundesweit auf etwa 2.000 ansteigen, die meisten davon in Brandenburg. Nach Angaben des Bündnisses habe Brandenburg bereits die weltweit höchste Wolfsdichte zu verzeichnen. 15 Jahre nach der ersten Ansiedlung eines Wolfpaares werden dort nach Angaben des Landesumweltamtes mittlerweile rund 50 Rudel gezählt.

"Kompromiss zwischen Weidetierhaltung und Wolfsschutz"

Das Bündnis plädiert dafür, dass Wölfe nicht nur unter das Naturschutzrecht, sondern auch unter das Jagdrecht fallen sollen - und somit abgeschossen werden dürfen. Der Bauernverband Brandenburg bezeichnete die Regulierung als "Kompromiss zwischen Weidetierhaltung und Wolfsschutz". Die vorgeschlagene gesetzliche Verankerung einer Abschussquote sei "mehr als überfällig".

Das Brandenburger Umweltministerium sieht jedoch keine rechtliche Grundlage für einen Abschuss von Wölfen nach einem Kontingent. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sei eine Prüfung von Möglichkeiten eines regionalen Bestandsmanagements angekündigt, hieß es im Potsdamer Ministerium. Zudem sei die laufende Überprüfung von bisherigen Einzelfall-Entscheidungen zum Abschuss von Wölfen durch die EU-Kommission abzuwarten.

Die Landesregierung setze weiterhin auf Maßnahmen zum Herdenschutz vor Wölfen, Entschädigungen bei Wolfsrissen - und auch auf die brandenburgische Wolfsverordnung zum Abschuss von Wölfen auf der Grundlage der Ausnahmevorschriften des Bundesnaturschutzgesetzes.

Nabu: Abschuss höchstens in Einzelfällen

Der Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) sprach sich gegen eine Abschussquote aus. Stattdessen müsse sich auf Gebiete mit besonders vielen Schäden an Nutztieren konzentriert werden, hieß es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Dort müssten die Prävention verbessert und gegebenenfalls einzelne Tiere mit "unerwünschtem Verhalten" zum Abschuss freigegeben werden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 27.01.2022, 19:30 Uhr

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