Brandbrief - Ärzte an Kinderkliniken sehen Versorgung in Gefahr

Do 27.01.22 | 09:44 Uhr
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Ärzte laufen durch einen Flur zur Rettungsstelle eines Klinikum in Berlin. (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
Audio: Inforadio | 26.01.2022 | Annette Kufner | Bild: dpa/Gregor Fischer

Vor allem Personalmangel sei der Grund für die Misstände in der ärztlichen Kinderversorgung in Berlin. In einem dringlichen Brief wenden sich Kliniken nun an die Politik. Das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen stehe auf dem Spiel.

Ärztinnen und Ärzte von acht Berliner Kinderkliniken und einer Einrichtung in Brandenburg haben sich mit einem Brandbrief an Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gewandt.

In dem Schreiben vom 26. Januar, das dem rbb vorliegt, äußern sie die Sorge, "aufgrund der gegenwärtigen Missstände in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen" diesen nicht mehr gerecht werden zu können. Die Versorgungsengpässe seien dramatisch. Grund dafür sei vor allem Personalmangel.

"Akute Gefährdung für Kinder und Jugendliche in Berlin"

Die Mediziner fordern in dem Schreiben mehr qualifiziertes Personal. Dazu gehöre ein fester Personalschlüssel für die Rettungsstellen und versorgenden Stationen, eine vorausschauende und ausreichende Planung der Schichten, die Wiedereinführung der Ausbildung zur Kinderkrankenpflege und die konsequente Weiterbildung von Ärzten und Pflegern.

Weitere Forderungen lauten, die Fallpauschalen in der Pädiatrie abzuschaffen und die Infrastruktur zu modernisieren, unter anderem mit einer zentralen Bettenkoordination für Berlin und Brandenburg.

Dringende Bitte um sofortige Maßnahmen

"Es besteht eine akute Gefährdung für Kinder und Jugendliche im Bundesland Berlin", heißt es weiter. "Wir fordern sofortige Maßnahmen, um die Notlage zu beenden, die Versorgungssicherheit wiederherzustellen und das Personal zu entlasten."

Unterzeichnet ist der Brief von Medizinern der Charité, der Vivantes-Kliniken Neukölln und Friedrichshain, der Helios-Kliniken in Steglitz-Zehlendorf und Berlin-Buch, des St. Joseph Krankenhauses in Tempelhof-Schöneberg, der DRK-Kliniken Westend, des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau und des Immanuel-Klinikums in Bernau im Barnim.

Personalnot in Kinder-Rettungsstelle länger ein Problem

Bereits im vergangenen November hatte ein Brandbrief von Assistenzärzten an die Geschäftsleitung des Virchowklinikums für Aufsehen gesorgt. Sie beklagte ebenfalls massive Personalnot, vor allem in den Rettungsstellen. Kinder, die nicht lebensbedrohlich krank seien, würde man bis zu sieben Stunden in der Rettungsstelle wawrten lassen. Drei bis fünf Überstunden seien normal. Viele Kinderärzte würden dem Druck nicht standhalten, kündigen oder sich mehr auf die Forschung konzenzrieren.

Die Geschäftsleitung der Charité, zu der auch das Virchowklinikum gehört, versprach die Forderungen nach mehr "frischem" Personal, ernst zu nehmen.

Sendung: radioeins, 27.01.2022, 8:12 Uhr

18 Kommentare

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  1. 18.

    Sie haben schon mitbekommen dass das Gesundheitssystem ein Geschäft ist, man möchte damit Geld verdienen.
    Dazu muss man auch die Kosten senken, beim Personal wird angefangen. Weniger müssen immer mehr machen. Und dann gibt es noch die Fallpauschalen.
    Klatschen ist wesentlich günstiger.

  2. 17.

    Aha und warum ist ein Gesundheitssystem, dass nicht kommerziell ist und allen Menschen die gleichen Möglichkeiten der Behandlung bietet falsch? Es kann ein Gesundheitssystem geschaffen werden, dass hauptsächlich kostendeckend arbeitet und kein Profit erwächst. Warum werden jetzt mühselig Kitaplätze, hauptsächlich im Westen geschaffen, wenn das Prinzip der Kinderbetreuung doch in der DDR Mist war? Warum sollen Wohnungsbesitzer enteignet werden und wird nach staatlichem Eingriff in die Mietenpolitik gerufen. Mir kommt jetzt über 30 Jahre nach der Wende so einiges bekannt vor. Und wo unser Geld investiert wird, entscheidet die Politik. Deutschland ist reich und leistet sich so viel Unnützes, was kein Mensch braucht. Es geht mir nicht um die Ideologie der DDR, die war natürlich Mist!

  3. 16.

    Ihnen ist schon klar, dass die DDR ohne Wiedervereinigung wirtschaftlich zusammengebrochen wäre. Und ja es war Mist, weil es nicht funktioniert. Wieviel Steuergeld wird übrigens nochmal hinzogen, weil davon könnte man locker alles finanzieren.

  4. 15.

    Mich würde mal interessieren, wie die Kliniken das Personal aufstellen. Ohne Details dort, würde ich nicht gleich Geld reinpumpen. Man sieht ja die Probleme bei den Corona Geldern in Bezug auf Kliniken.

  5. 14.

    Glaube nicht, dass die Mediziner ein unrentables Gesundheitssystem hier wollen. Alle wundern sich, dass das Personal fehlt, mehr bezahlen wollen die Bürger aber auch nicht.

  6. 13.

    Ich verstehe nicht, warum Krankenhäuser über die Belastungsgrenze Patienten aufnimmt; wenn voll ist, ist voll

    Da muß dann halt die Politik zusehen dass neue Kapazitäten geschaffen werden

  7. 12.

    Genauso ist es!
    Nur wissen nicht Viele, dass es sich dabei in Persona um unseren Bundesgesundeheitsminister handelt ...

  8. 11.

    Große Worte und fantastische Unterstellungen. Doch für den Anfang sollten Sie eventuell nochmals schauen, wie es um Ihr Demokratieverständnis bestellt ist. Dieses weicht vom tatsächlichen Begriff der Demokratie nämlich besorgniserregend weit ab.

  9. 10.

    Tja, mit Klatschen wird sich da nichts ändern. Bei der letzten Bundestagswahl wurden dann auch brav wieder die gleichen Parteien gewählt, die genau dieses heruntergewirtschaftete Krankenhaus System verbockt haben. Die einzige Partei, die sich gegen diese Profitgier gestellt hat, wurde mit 5% abgestraft. Die Grünen kann man, was Sozialpolitik angeht inzwischen auch in die Tonne kloppen. Grün angehauchte neoliberale Konservative.

  10. 9.

    Richtig, hatten wir alles schon mal vor über 30 Jahren in der DDR, aber das musste abeschafft werden, war ja Mist. Auch die Polikliniken, die übrigens heute - als natürlich neue Erfindung - als Ärztehäuser oder Medizinische Versorgenszentren genannt werden. Hört sich ja auch besser an! Ich staune immer wieder, wie manche aus dem Mustopf kommen und so tun, als wären das alle neue Erkenntnisse, siehe Kitas und Schulbildung.

  11. 8.

    Aha alles super,die Coronapandemie zeigt wie heruntergewirtschaftet des gesammte System ist! In allen Bereichen des öffentlichen Lebens,wird gespart das die Schwarte kracht!
    Was haben die grünen Fuzis vor,richtig die Coronagelder die übrig sind, wwerden mit Windrädern zerschrotet und auf Solardächern verbrand!
    Staat in Infrastruktur und Krankenhäuser zu investieren,grünt es bis man vor lauter Vogelschrettern nicht mehr übers Feld gehen kann! Bein nächsten großen Ausbruch wird ALLES verggepustet! Danke noch mal an die rund 15% die dafür gesorgt haben das sich ein Bruchteil über den Großteil hinwegsetzt! Demokratie ist etwas Anderes!

  12. 7.

    Es hat schon satirische Züge, den Mitverursacher der Kommerzialisierung zur Abhilfe und Umsteuerung aufzufordern.

  13. 6.

    Ja stimmt. Leider wird dann über hohe Krankenkassenbeiträge gemeckert werden.

  14. 5.

    Ehrlich gesagt glaube ich, die Bevölkerung muss selbst aktiv werden, zum Beispiel mit Demonstrationen, und eine gute Gesundheitsversorgung einfordern

  15. 4.

    Ja, das gleiche Problem wie in den Kitas, Jugendämtern, Gesundheitsämtern, Schulen. "Die Versorgungsengpässe seien dramatisch. Grund dafür sei vor allem Personalmangel."
    Was ist da los?
    Die Prävention wird hochgelobt, aber die gesetzlich vorgesehene Daseinsvorsorge geht den Bach runter. Gleichzeitig Rekordausgaben im Militärhaushalt und Rekordvermögen bei den Reichsten.
    Mir macht das Angst.

  16. 3.

    Sehr richtiger Kommentar!
    Wir brauchen endlich wieder ein unrentables, weil nicht Renditeorientiertes Gesundheitssystem, was sich am Gemeinwohl orientiert. Nach 2 Jahren Corona ist dieses Umdenken bitter nötig und sollte hoffentlich in allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Schichten angekommen sein.
    Liebe Mediziner, bitte wehrt euch endlich laut und deutlich! Wir unterstützen euch gern mit mehr als Applaus!

  17. 2.

    Bravo und danke! Bitte nutzt die aktuelle Aufmerksamkeit auf den medizinischen Sektor weiter, um diesen sozialer und gerechter zu machen und vor allem endlich wieder human! So kann Herr Lauterbach beweisen, wie sehr es ihm um Gesundheit geht und nicht um Karriereziele, Vorstandsposten und Interessen der Pharmaindustrie und Krankenhausgesellschaften. Öffentliche und karitativen Träger haben es immer schwerer und das Bild am Markt hat sich gewandelt. Private Einrichtungen werden einfach geschlossen, wenn sie unrentabel sind und dennoch sind immer mehr Krankenhäuser in privater Hand. Geld fließt in Form von Rendite ab, statt in den Betrieb und damit die Gesundheit und Arbeitsbedingungen investiert zu werden.

    Wir brauchen dringend eine Reform des Gesundheitswesens, aber nicht nach Vorbild der US-Ökonomie, aka Karl Lauterbach. Ich hoffe er erkennt das und lenkt ein,statt auf Kurs zu bleiben.

  18. 1.

    Es ist peinlich, und ein Beweis des Versagens der Politik der letzten 10 Jahren. Es kann nicht sein, dass in einem Land wie Deutschland die Kranken, und vor allen Kinder nicht versorgt werden können. Unser Gesundheitssystem ist krank und das nicht seit gestern und nicht nur im Pflegebereich. Und jetzt sollen die Diäten erhöht werden.
    Schämt euch Senat.

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