In eigener Sache | rbb übernimmt ARD-Vorsitz - "Brandenburg und Berlin werden an Bedeutung gewinnen"

Sa 01.01.22 | 07:24 Uhr
Patricia Schlesinger, Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg | rbb/Thorsten Klapsch
Bild: rbb/Thorsten Klapsch

Am 1. Januar wechselt der ARD-Vorsitz von Köln nach Berlin: Zum ersten Mal in der Geschichte der ARD übernimmt der Rundfunk Berlin-Brandenburg diese Aufgabe für den öffentlich-rechtlichen Medienverbund. Was das für den rbb bedeutet, erklärt Intendantin Patricia Schlesinger im Interview.

rbb: Frau Schlesinger, es ist für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) eine Premiere, den ARD-Vorsitz zu übernehmen. Was heißt das für den rbb?

Patricia Schlesinger: Für den rbb ist das zunächst einmal ein großer Vertrauensbeweis. Es ist gleichzeitig eine hohe Verantwortung in diesen Zeiten. Wir haben große Themen vor uns, in der Aufgabe liegt dann auch die Würde. Denn wir haben lange Zeit von der ARD profitiert, und es ist Zeit, etwas zurückzugeben.

Die ARD steht unter einem großen Reformdruck. Welche Weichenstellungen liegen in der Amtszeit dieses ARD-Vorsitzes?

Die naheliegende Aufgabe ist zunächst die Auftragsdefinition. Die Länder haben sich verabredet und werden den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, das ist ein Teil der Reform, neu definieren. Ich begreife den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als einen Teil des Rückgrats dieser Demokratie. Die richtige Auftragsdefinition ist daher eine große und wichtige Aufgabe. Daran knüpft sich die Struktur- und die Finanzierungsfrage.

Über den ARD-Vorsitz

- Die ARD-Hauptversammlung wählt den ARD-Vorsitz für jeweils ein Jahr, eine Verlängerung um ein weiteres Jahr ist üblich.
- Zur Hauptversammlung gehören die Intendant:innen der ARD sowie die Gremienvorsitzenden der ARD-Sender.
- Der ARD-Vorsitz führt die Geschäfte der Arbeitsgemeinschaft und zeichnet in dieser Zeit rechtsverbindlich für die Gemeinschaft.

Welche Schwerpunkte legen Sie in diesem Vorsitz?

Ich bin geneigt zu sagen: Reform, Reform, Reform. Dazu gehören für mich drei "D's", und das beginnt mit Digitalisierung. Wir müssen stärker im Digitalen unterwegs sein, und das mit kuratierten, klaren Angeboten. Das heißt, wir müssen priorisieren. Wir können nicht beides in gleicher Form leisten, das Digitale und das Lineare. Wir müssen also sehen, wie wir unsere Zukunft gestalten.

Das zweite "D" ist der Dialog. Wir wollen Präsenz zeigen, sowohl im Digitalen als auch physisch vor Ort in die Regionen gehen. Das zu verstärken, uns dort sichtbar zu machen, ist extrem wichtig.

Und das dritte "D" ist etwas, was dem rbb gutsteht und mir auch am Herzen liegt: Diversität. Das heißt, Menschen und Meinungen in ihrer Form und ihrer Unterschiedlichkeit zu Wort und zur Geltung kommen zu lassen.

Vor dem Haus wehen ARD-Fahnen und der ARD-Vorsitz ist ein großer Schwerpunkt. Könnte es sein, dass die Region Berlin-Brandenburg die nächsten Jahre eher vernachlässigt werden muss?

Ganz im Gegenteil. Hier in Brandenburg und in Berlin laufen alle Fäden zusammen, und es ist unsere Aufgabe, das zu koordinieren, zu moderieren. Brandenburg und Berlin gewinnen also eher an Bedeutung. Und wir hier im rbb haben ja noch diverse Reformvorhaben. Einiges beginnt ja gerade jetzt im Januar, und wir haben 30 Jahre Brandenburg aktuell. Das werden wir im Sommer angemessen feiern, wenn es die Pandemielage zulässt. Gleichzeitig haben wir noch viele Umzüge von Berlin nach Brandenburg zu bewältigen. Zum Beispiel zieht die gesamte Film- und Dokumentationsredaktion nach Potsdam-Babelsberg. Hier ist viel los, und ich glaube, gerade was Potsdam und Brandenburg angeht, wird da eher mehr passieren als weniger.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit rbb-Intendantin Patricia Schlesinger führte Thomas Bittner.

Sendung: Inforadio, 01.01.2022, 09:00 Uhr

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